AutoBILD: Ein Blick hinter den Hass

Wir sind keine Engel, Teil 1

Zwischendurch besinnt sich Schrieber einen Moment und stellt fest, „wir Autofahrer sind auch nicht alle Engel“. Aha, möchte man glatt meinen, ein bisschen Einsicht in das eigene Verhalten, immerhin, aber dann schließt Schrieber mit seiner nächsten Ausrede an: „Aber viele von uns beschleicht mittlerweile das Gefühl, Fahrradfahrer klauten uns die Straße.“

Hä? Was ist denn das für eine urkomische Aussage? Hätte er geschrieben, ja, wir sind keine Engel, aber Radfahrer noch weniger, das hätte ich ja noch verstanden, das kennt man ja. Aber: „Fahrradfahrer klauen uns die Straße“? Rücken die da mit der Spitzhacke an, diese Radfahrer, und montieren die Fahrbahn ab bis hinunter zum Unterbau?

Eigentlich schneidet Schrieber hier ein ganz interessantes Thema an, was in seiner Vielfältigkeit schon wieder für stundenlange Debatten sorgen könnte: Immer mehr und immer größere Kraftfahrzeuge wollen den beengten Straßenraum in deutschen Städten nutzen und treffen dort auf immer mehr Menschen, die mit dem Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Das ist ein Konflikt um Fläche, um Zeitersparnis, ein Konflikt um die Deutung, welche Mobilität in Zukunft angesagt und angebracht sein wird.

Das, was sich momentan darstellt, worin sich Menschen wie Schrieber momentan wiederfinden, ist quasi die Abwicklung der autogerechten Stadt. Der Verkehrsraum, der bislang traditionell für das Auto vorgehalten wurde, wird nun umverteilt, so dass der öffentliche Personennahverkehr, Radfahrer und Fußgänger mehr Platz bekommen, ja, so dass Lebensräume wachsen können. Durch die Windschutzscheibe hindurch mag das wie Diebstahl wirken, gerade weil plötzlich Menschen mit Fahrrädern dort unterwegs sind, wo man jahrzehntelang seine Ruhe vor ihnen hatte.

Das schürt zwangsläufig Konflikte, in denen Radfahrer leider jedes Mal das Feindbild besetzen. Den Mechanismus habe ich weiter oben schon erklärt, aber niemals trat er so deutlich hervor wie in der Aussage, dass Radfahrer dem Kraftverkehr die Straße klauten. Man mag wirklich nur den Kopf schütteln, wie diese Diebstahl-Metapher womöglich bei einer Redaktionssitzung entstanden sein mag.

Wir sind keine Engel, Teil 2

Schrieber lässt nun den Verkehrssoziologen Alfred Fuhr zu Wort kommen. Interessanterweise gibt es zum Thema Verkehrssoziologie einen Wikipedia-Artikel, Google besetzt diesen Begriff allerdings beinahe nur mit Alfred Fuhr.

Fuhr wird mit seinen Erkenntnissen über das Verhalten der Radfahrer zitiert und auch hier ist nicht primär das Problem, was er sagt, sondern das, was er nicht sagt. Fuhr beleuchtet ausschließlich das Fehlverhalten von Menschen, die auf dem Rad sitzen. Das passt in den Gesamtkontext des Artikels, schließlich steht der Kampfradler im Mittelpunkt der aktuellen AutoBILD-Ausgabe, dennoch wäre es zwecks einer genauen Einordnung hilfreich, auch die Verstöße anderer Verkehrsarten zu erwähnen.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Wenn Fuhr erwähnt, dass während einer dreistündigen Polizeikontrolle in Berlin 23 Radfahrer eine rote Ampel missachtet haben, dann wird das natürlich nicht damit aufgewogen, dass bei einer Rotlichtkontrolle auf der Hamburger Uhlenhorst motorisierte „Rotlicht-Raser“ im Minutentakt erwischt wurden. Doch es verdeutlicht, dass Rotlichtverstöße zwar zum Markenkern des Radverkehrs gehören, Fußgänger und Kraftfahrer aber teilweise auch ihre liebe Not mit den Ampelfarben haben. Oder um es allgemeingültiger zu formulieren: Verkehrsteilnehmer missachten Verkehrsregeln, prinzipiell unabhängig vom Verkehrsmittel.

Fuhr ist, das zeigt eine kurze Recherche, durchaus kritisch gegenüber dem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, etwa dass am Lenkrad zu wenig geblinkt und zu viel telefoniert wird und ist auch in der Lage, diese Probleme vernünftig einzuordnen.

Mit den Rotlichtverstößen klappt das in der AutoBILD leider nicht, obwohl es meines Erachtens eine relativ einfache und plausible Erklärung gibt, nämlich die gleiche wie bei den Rotlichtverstößen von Kraftfahrern: Wenn die Ampelphasen nicht aufeinander abgestimmt sind, man also an jeder Kreuzung noch einmal eine Minute die rote Ampel betrachten darf, steigt die Bereitschaft, irgendwann „noch mal schnell“ über die Haltlinie zu sausen.

Auf dem Fahrrad kämpft man zusätzlich noch mit erschwerten Bedingungen, denn einerseits muss man häufig die sehr restriktiv für den Fußverkehr ausgelegten Grünphasen beachten, zweitens steht man sich allzu oft auch entlang vorfahrtsberechtigter Hauptverkehrsstraßen an so genannten Bettelampeln den Reifen platt. Und mal ehrlich: Wenn man wie ich auf meinem täglichen Arbeitsweg für eine Strecke von nicht einmal zweihundert Metern insgesamt über drei Minuten an irgendwelchen Bettelampeln warten muss, dann kann ich durchaus nachvollziehen, dass manch einer diese tägliche Geduld nicht mehr aufzubringen vermag und sich irgendwie so durch den Verkehr mogelt.

Und abgesehen davon: 23 Verstöße in drei Stunden sind ungefähr ein Verstoß pro zehn Minuten. Da kenne ich aber Kreuzungen, an denen sich die Aufregung eher gelohnt hätte.

Und so geht die einseitige Berichterstattung munter weiter. Fuhr berichtet von einer Beobachtung aus Frankfurt, bei der nur einer von zehn Radfahrern das Verkehrsschild „Radfahrer absteigen“ beachtet hätte. Auch das wirkt im Gesamtkontext so unglaublich mehrdeutig.

Blöd: Das Schild „Radfahrer absteigen“ allein hat keine rechtliche Wirkung. Wirklich nicht: Weder taucht es in der Straßenverkehrs-Ordnung noch im Bußgeldkatalog auf. Insofern wirkt es umso komischer, dass Fuhr aufgrund seiner Beobachtung Radfahrer als „Teilzeitbefolger des Gesetzes“ bezeichnet. Das sollte Fuhr eigentlich wissen.

Eines ist „Radfahrer absteigen“ allerdings tatsächlich, nämlich ein eindeutiger Indikator dafür, dass der zuständigen Behörde, die solche Schilder erfahrungsgemäß bevorzugt in der Gegenwart von Arbeitsstellen im Straßenverkehr aufstellt, der Radverkehr scheißegal war. Statt „Radfahrer absteigen“ hätte man auch schreiben können: „Seht selbst, wie ihr weiterkommt“. Und das tun Radfahrer dann auch: Einige klingeln auf einem engen Fußgänger-Notweg andere Verkehrsteilnehmer beiseite, andere weichen auf die Fahrbahn aus und geraten dort mit dem Kraftverkehr aneinander.

Das sind Probleme, die man sich als Fußgänger und Kraftfahrer gar nicht vorstellen kann, weil man als Fußgänger und Kraftfahrer solche Probleme überhaupt nicht hat. Niemand würde ernsthaft einfach eine vielbefahrene Hauptverkehrsstraße für den Kraftverkehr ohne Umleitung schließen — und selbst dort, wo das zwangsläufig und aus heiterem Himmel passiert, etwa vor zwei Wochen bei einem Wasserrohrbruch in Hamburg-Bahrenfeld, wundert sich anschließend niemand ernsthaft darüber, dass für den Kraftverkehr die Verkehrsregeln zeitweise außer Kraft gesetzt wurden, um den Feierabendverkehr überhaupt noch irgendwie abwickeln zu können.

Aber ja, es ist natürlich zu einfach: Um Stimmung gegen den Radverkehr zu schüren, stellt man sich an eine mutmaßlich miserabel ausgestaltete Arbeitsstelle mit „Radfahrer absteigen“ und bemängelt anschließend, dass Radfahrer darauf mit miserablen Manieren reagieren.

Wir sind keine Engel, Teil 3

Zur Stimmungsmache ist Schrieber leider wirklich nichts zu blöd, da weiß man manchmal gar nicht, ob er überhaupt merkt, was er schreibt, beziehungsweise wie er fährt: „Warum also hämmern Radfahrer bei voller Fahrt aufs Autodach, während man sie überholt?“

Herr Schrieber, wenn Ihnen so etwas häufiger passiert, lassen Sie bitte das Auto stehen.

Kein normaler Radfahrer, der irgendwie noch an seinem Leben hängt, hämmert einfach so auf das Dach eines überholenden Autos. Das Risiko, dass der Radfahrer dabei das Gleichgewicht verliert oder der Lenker von der Karosserie mitgerissen wird, beträgt ungefähr hundert Prozent. Und dann liegt er da, der Radfahrer, im besten Falle mit ordentlichen Blessuren, im schlechtesten Fall mit tödlichen Verletzungen.

Und umgekehrt betrachtet: Wenn Sie bei voller Fahrt, also innerorts etwa fünfzig Kilometern pro Stunde, einen Fausthieb aufs Dach bekommen, dann sollten Sie sich mal Gedanken über etwaige Überholabstände machen. Ich will gar nicht mit den aus der Rechtsprechung entwickelten anderthalb Metern Abstand nerven, aber wenn Ihnen ein Radfahrer mit normalmenschlicher Armlänge aufs Dach prügelt, dann war ihr Abstand nicht nur viel zu gering, sondern ungefähr gleich null. Und wenn Ihnen das noch bei „voller Fahrt“ passiert, dann ist das nicht mal mehr fahrlässig, sondern Vorsatz. Und sich damit noch in einer Autozeitschrift zu brüsten, das ist schon… Scheiße, da fällt mir dann auch nichts mehr ein.

Ja, Herr Schrieber, das ist der Krieg auf der Straße. Angesichts dieser Beschreibung glaube ich Ihnen unbenommen, dass Sie wissen, wovon Sie schreiben. Wundern Sie sich eigentlich wirklich, wenn Ihnen mal jemand eine spürbare Rückmeldung gibt, wenn Sie mit fünfzig Sachen und null Abstand an ihm vorbeijagen? Wundert es Sie wirklich, dass die Stimmung zwischen Kraft- und Radfahrern so schlecht ist?

Ja, Herr Schrieber, Sie suchen nicht nur nach dem Grund für die schlechte Stimmung auf der Straße, Verkehrsteilnehmer wie Sie sind der Grund.

Bloß gut, dass ja der Radfahrer der Böse ist, der sich ja erdreistet hat, das heilige Blech zu berühren. Mann, haben Sie ein Glück, dass Ihre Leser anerkennend nicken, wenn sie diesen Quatsch lesen und applaudieren, ja, diese Scheißradfahrer, die sind das wahre Übel auf unseren Straßen!

Entmenschlichung

Neben der Schrieber’schen Kriegsführung ist noch etwas wichtig beim Krieg gegen Radfahrer: Man darf sie nicht als Menschen darstellen. Dazu zitiert er Harald Martenstein, der Radfahrer vor zwei Jahren mit Wespen verglich:

Es ähnelt der Wespenplage. Ähnlich wie die Wespen haben auch Radfahrer kein Unrechtsbewusstsein und werden regelrecht wild, wenn man ihre Kreise stört.

Und auf Wespen darf man draufhauen, wenn sie zu doll nerven. Das fügt sich prima in das Gedankengut des Artikels.

Übrigens ging es auch Martenstein vor zwei Jahre nicht darum, irgendeine wie auch immer geartete Analyse zu führen, warum die Situation ist wie sie ist, sondern einfach nur Stimmung gegen Radfahrer zu machen und sich über deren wütenden Rückmeldungen zu amüsieren. Vermutlich werden Schrieber und Martenstein erstmal ein Bier trinken gehen wenn sie sehen, mit welcher Wut ich mich an ihren Artikeln abgearbeitet habe. Genügend Anschauungsmaterial in Form unterschiedlichster Reaktionen auf diese Artikel hält das Netz mittlerweile bereit.

Mobilitätswandel? Nein, danke!

Das tolle an dem AutoBILD-Artikel: Die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers wird nicht über Gebühr strapaziert, denn BILD-Artikel sind traditionell eher kurz gefasst. Das schon in diesem Fall auch ein wenig das Herz.

Schrieber schließt seine insgesamt Dreiviertelseite voller wunderlicher Weisheiten mit einer ganz neuen Argumentation gegen „Fahrradwege auf der Straße“: „Im Konflikt zwischen Rad und Auto ist das räumliche Trennen — wo es möglich ist — der bessere Weg zum Verkehrsfrieden.“

Mit räumlicher Trennung fordert Schrieber demnach eine Beibehaltung der eigentlich seit Jahrzehnten sicherheitstechnisch überholten Hochbordradwege. Das ist umso lustiger, weil sich Schrieber zuvor noch über die starke Präsenz von Radfahrern in der Unfallstatistik beklagte. Den Zusammenhang zwischen gefährlicher Infrastruktur und den dazugehörigen Unfallzahlen stellt er jedoch nicht her. Tatsächlich aber sind die von Schrieber offenbar präferierten Hochbordradwege nunmal hochgefährlich, denn der Radverkehr muss schließlich an jeder Kreuzung erneut damit rechnen, von unachtsamen Kraftfahrern beim Rechtsabbiegen über den Haufen gefahren zu werden.

Aber Mischverkehr oder wenigstens so genannte Radfahrstreifen gehen nicht, weil sie das Miteinander auf der Straße störten? Alter Falter, da fasst man sich unwillkürlich an den Kopf: Ging es nicht im gesamten Artikel darum, wie schlimm sich Radfahrer im Verkehr verhielten, aber gleichzeitig sind Kraftfahrer über Gebühr genervt, wenn ihnen jemand mit einem Radfahrstreifen „ihre“ Straße klaut?

Dieses ständige Fingerpointing auf den Radverkehr nimmt so langsam bizarre Maße an. Ja, schuld muss wohl der Radfahrer sein — immer und überall. Zum Schluss kommt noch mal Verkehrsoziologe Fuhr zu Wort, der „den Interessenvertretungen der Fahrradfahrer eine Mitschuld an der Entwicklung“ zuschreibt, denn „Aufrufe wie ‚Erober dir die Straße zurück‘“ und „Fahrradland jetzt“ „zeugen von fehlendem Verantwortungsbewusstsein.“

Ähm, ja. Ich sehe mich gerade außerstande zu bemessen, wie viel Verantwortungsbewusstsein denn die AutoBILD mit ihrem Artikel vertreten möchte.

Klar, Schrieber betreibt keine Hetze gegen den Radverkehr, er ruft nicht dazu auf, Radfahrer über den Haufen zu fahren oder sie zu bekämpfen, wo auch immer man sie antrifft. Nein, aber Schrieber wirkt ganz kräftig mit an der von ihm so sehr bemängelten Verrohung der Sitten, indem er die Messlatte dessen, was eine mobilitätsorientierte Gesellschaft zu tolerieren bereit ist, ganz bewusst ganz deutlich nach ganz unten verschiebt.

Indem er es ernsthaft als normal und alltäglich darstellt, mit dem Auto andere Mitmenschen auf dem Fahrrad in ernsthafte Gefahr zu bringen, sei es bei Überholmanövern mit Gegenverkehr, sei es beim Dichten überholen und anschließendem Feedback aufs Autodach, der handelt fernab jeglichen Verantwortungsbewusstseins.

Aber mit einer Sache hat er wenigstens recht:

Der Verteilungskampf auf dem Asphalt, er geht weiter.

Blöd nur, dass der Verteilungskampf allenfalls für Radfahrer auf dem Asphalt endet. Der Kraftfahrer bekommt in diesem Krieg auf der Straße allenfalls seinen Airbag ins Gesicht und hat von dessen Knall womöglich noch das Fiepen im Ohr, während er den Haftpflichtschaden seiner Versicherung meldet.

Das ist nämlich gemeint, Herr Schrieber, das ist gemeint, wenn Radfahrer darauf verweisen, wie schwach sie sind. Aber wen interessiert das schon, wenn man denen was vom fehlenden Helm ans Ohr labern kann.

22 Gedanken zu „AutoBILD: Ein Blick hinter den Hass“

  1. Geil, wie ihr euch Ausflüchte sucht. In D müssen sich Radfahrer entschuldigen wenn ihnen ein Rüpelredakteur kräftig vor´s Schienbein tritt. Kein wunder, dass es mit dem Radverkehr in D nicht funktioniert.

    1. Und duuu bist ein Troll. Schön einen Tweet von Martin F. abgewandelt und seinen Namen darübergeschrieben. Und woran ich das ganz sicher erkenne: Der echte Martin F. würdigte meinen Kommentarbereich keines Besuches.

      LOL.

      1. Nein, er hat Recht. Ständig kann man deutlich sehen, wie sehr es Radfahrern an Selbstbewußtsein gegenüber dem Auto fehlt. Jemand mit Selbstbewußtsein und als Ziel solcher Rüpelredakteure würde sich allenfalls über sie belustigen, aber sich doch nicht rechtfertigen — allenfalls mit der Faust für die aneinander gereihten Frechheiten und Beleidigungen. Da er also die nunmals geltenden Spielregeln nicht befolgt, das nichtmal will, klappt es eben nicht mit dem Radverkehr.
        Mehr von solchen „Trollen“!

          1. Bei deinem Gezetere über einen zuspitzenden Nebensatz und angebliche Trolle ist dir vielleicht entgangen, das durchaus Inhalte enthalten sind, nämlich zur Selbstwahrnehmung des Radfahrers. Damit sieht es so schlecht aus, das Autofahrer gerne deren Gestaltung übernehmen, zum Beispiel in Form solcher Stories.

            1. Was für ein Dämlack! Rad Fahrenden pauschal eine zu geringe Selbstwahrnehmung zu unterstellen und MIV Fahrenden dies gleichwohl zu bescheiningen ist so dämlich an den Haaren herbeigezogen wie auch falsch.

    2. Ich muss zugeben, dass mich das ein bisschen traurig macht. Mehr Getrolle gibt’s nicht? Diese acht Seiten müssen doch eine dankbare Quelle für die allerdümmsten Sprüche sein, aber nichts passiert?

      1. Malte, er hat schon irgendwie recht, aber halt nur irgendwie. Als Radfahrer ist man immer in der Rechtfertigungssituation. Das haben Autofahrer nicht. Sie nehmen sich den Platz, bums fertig…..wenn ich dann so sehe, wie die Mehrheit der Radler unterwegs ist, frage ich mich ernsthaft für was wir kämpfen. Viele dieser Radler kratzen hörig am Bordstein entlang, kuscheln mit Seitenspiegeln in der Dooringzone oder lassen sich auf Fußgängerinfrastruktur vertreiben. Wenn man sie aufmerksam darauf macht, fahren sie trotzdem hörig weiter. Zu vielen Radfahrern fehlt Stolz und Selbstbewusstsein. Warum fährst Du in der Mitte der Straße? Weil ichs kann……punkt. Würden das alle so machen wie es Autofahrer tun, gäbs das Problem in der Form nicht.

  2. Hauke Schreiber gesteht also öffentlich in der AutoBILD die Verantwortung für ein Fahrmanöver, das man unter § 315c Abs. 1 Nr. 2 b) StGB einstufen könnte.

    Wer ist so nett und zeigt ihn an? Eigentlich sollte schon diese „Anekdote“ alleine ausreichen zu belegen, dass Herr Schreiber nicht die geistige Eignung besitzt, ein Kfz zu führen und sein Führerschein deshalb einzuziehen ist. Wenn Anekdote und Artikel nicht sogar für Strafverfahren ausreichen sollten.

  3. Nur mal am Rande:
    „Allein das Fahren ohne Licht ist eine Krankheit sondergleichen, für die ich nicht einmal einen Funken Verständnis aufbringen mag.“
    Vor vielen Jahren wurde in der (Aktiv) Radfahren mal einen Statistik veröffentlicht, nach der in DK mangels Lichtpflicht nur rund 1/4 der Fahrradfahrer nachts mit Licht unterwegs waren, diese aber rund 2/3 der nächtlichen Unfallopfer stellten. (Zahlen größenordnungsmäßig aus dem Gedächtniss) Als Ursache wurde vermutet das sich beleuchtete Radfahrer eher darauf verlassen gesehen zu werden.
    Um die Frage gleich zu beantworten: An meinen Fahrräder benutze ich im Dunkeln immer Licht, teils auch tagsüber und oft deutlich mehr, als der Gesetzgeber eigentlich zugesteht.

    1. Ich kenne zumindest die pol. Unfallstatistik aus Münster. Sie stützt die Zahlen aus der „Passiv Radfahren“:
      Von über 900 Unfällen mit Beteiligung von Radfahrern im Jahre 2016 war defekte Beleuchtung bei keinem Unfall mitursächlich. Weder auf Seiten des Unfallgegeners (meist PKW) noch auf Seiten des Radfahrers.

      Im Jahre 2015 gab es einen (!) Unfall, der auf defekte Beleuchtung zurückzuführen war.

  4. Wow, ich bin beeindruckt! Weniger über die bisherigen Kommentare als über den Umfang und Gehalt des Textes. Großartig.

    Ich bin selbst mit Auto, Velomobil, Fahrrad und zu Fuß unterwegs (ohne dabei jeweils eine gespaltene Persönlichkeit zu entwickeln). Meine Gesetzestreue im Verkehr steigt dabei allerdings mit der möglichen Gefährdung anderer immer weiter an. Während ich z.B. mit Auto und Velomobil an jeder roten Ampel halte, sehe ich die als Fußgänger eher als Hinweis an. Wenn alles frei ist, gehe ich, ich gefährde damit schließlich niemanden. Ich denke, die allermeisten machen das (teils unbewusst) ähnlich und das ist auch gut so. Wir brauchen mehr Miteinander und Mitdenken im Verkehr.

    Danke für diesen hervorragenden Text!

  5. Peinlich: Ich habe Hauke Schriebers Namen falsch geschrieben. Vielleicht kann ich’s irgendwie noch der Autokorrektur in die Schuhe schieben, aber der Redakteur heißt Schrieber und nicht Schreiber.

  6. Ich danke Dir für diesen Artikel. Die Situation auf den Straßen beunruhigt mich als in der Stadt wohnende Radfahrerin, die (selten) auch Auto fährt, zunehmend. Zumal ich auch meine Kinder dazu ermuntere, den Schulweg mit dem Rad zurückzulegen, aber eigentlich jeden Tag froh und glücklich bin, wenn sie unverletzt nach Hause kommen. Ich sehe hier einen deutlichen Handlungsbedarf vonseiten der Politik, insbesondere was die Überarbeitung der StVO und die Einführung eines Tempolimits betrifft. Innerhalb der Stadt ist es außerdem oft unzureichende und nicht durchdachte Infrastruktur, die ein Miteinander konfliktträchtig macht. Was das fehlende Selbstbewußtsein der Radler angeht … nun ja. Klar fahre ich auf schmalen Nebenstraßen mittig, aber sonst? Mein Leben ist mir dann doch recht lieb, und was die Gefährdung anbetrifft, habe ich als Radfahrerin einfach schlechtere Karten.

  7. Hi Malte,

    gut geschrieben, wenn auch etwas lang, aber das ist man ja bei dir gewohnt. Dieser Titel war IMHO als reißerische Provokation gedacht, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Auflage zu steigern. Das Editorial zeigt aber am besten, was er in Wirklichkeit ist: das Eingeständnis der Niederlage der Autobranche.

    Die deutsche Autoindustrie und ihre Lobby-Organe haben in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass die Zukunft ohne sie stattfinden wird. Mit Tricksereien im ADAC, mit Kartellabsprachen und großangelegtem Betrug über alle deutschen Autohersteller hinweg. Mit fehlgerichteter Entwicklung und der Unfähigkeit zur eigenen Modernisierung. Die Autobild scheint langsam zu verstehen, dass der Traum von der autogerechten Stadt Geschichte ist. Dass sie mit diesem Problem auch mit Sportfahrwerk, 120 PS mehr und 0,2 Sekunden weniger von Null auf Hundert nicht fertig wird. Die Städte gehören den Menschen, nicht den Maschinen.

    Von daher: alles gut! Die paar aggressiven Autofahrer, die jetzt noch meinen, „ihre“ Straße verteidigen zu müssen, halten wir auch noch aus.

    PS: Wie lang sind denn bitte die Arme dieser Radfahrer, dass sie korrekt überholenden Autofahrern auf das Autodach schlagen können? Wirklich verrückt was diesem Drechsler so alles passiert.

  8. @Rod „PS: Wie lang sind denn bitte die Arme dieser Radfahrer, dass sie korrekt überholenden Autofahrern auf das Autodach schlagen können? Wirklich verrückt was diesem Drechsler so alles passiert.“
    Nein, das passiert i.d.R. im umgekehrten Fall, wenn die Radfahrer an Ampeln Autofahrer überholen. Alles andere wäre ja selbstmörderisch.

    „Jede einzelne Förderung des Rad-, Fuß- oder öffentlichen Nahverkehrs, sei sie noch so popelig, beschneidet zwangsläufig den Verkehrsraum des motorisierten Individualverkehrs. “
    Genau hier sehe ich das Problem. Der Verkehrsraum ist begrenzt. Das ist ein Fakt. Nun wird der öffentliche Nahverkehr eben NICHT gefördert, was zwangsläufig eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Individualverkehren nach sich zieht, welche immer mehr zunehmen. Es ist halt billiger, ein paar Linien auf die Straße zu pinseln, als neue Bus- oder gar Tramverbindungen zu erschließen oder Taktzeiten zu verdichten.

  9. Mahlzeit,

    ich finde es immer wieder belustigend wenn davon gesprochen oder geschrieben wird, dass Fahrradfahrer den Autofahrern einen Teil der Straßen klauen … oder wie es auch immer umschrieben wird.

    Wenn ich mal überlege, dass 2017 das Jahr des 200sten Geburtstag des Fahrrad ist… und wann das Automobil erfunden wurde….*hmmmpf
    Im besten Fall würde ich sagen, es ist eine Rückeroberung… oder irre ich mich jetzt.

    Übrigens, Dein „Übrigens“ war auch mit einer meiner ersten Gedanken, selbst einer der ersten Gedanken meiner Frau, und diese fährt gar kein Fahrrad sondern nur Auto.

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