SUV: Lass deine Mitmenschen in Ruhe

Es gibt aus rationaler Sicht nur wenige Gründe, direkt in der Stadt ein überdimensioniertes Kraftfahrzeug wie ein SUV spazieren zu fahren. Philipp Simon von der Hamburger Morgenpost bekennt sich zum dicken SUV und möchte sich für seinen Lieblingswagen rechtfertigen, verfährt sich aber ganz gehörig in der eigenen Argumentationskette. Im Endeffekt läuft alles ganz unverhohlen auf die bereits bekannte Erkenntnis hinaus: Wer im SUV sitzt, denkt vor allem an sich selbst.

Andere Verkehrsteilnehmer, deren Gesundheit oder gar der Umweltschutz gehen einem ganz locker am von zwei Tonnen Stahl geschützten Arsch vorbei.

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All Critical Mass is Nazi

Manchmal geht die verdiente Mittagspause ganz unverhofft den Bach runter. Der 20. Dezember 2017 war so ein Tag, als Torsten Dirk bei den Ruhrbaronen einen Artikel mit einem leicht clickbaitig angehauchten Titel veröffentlichte:

Fuck you, Critical Mass Berlin

Sollen wir den Rechten Ihre Symbole rauben, um sie unschädlich zu machen? Ich möchte diese Frage einmal kurz beantworten: nein. Die Opfer und deren Nachkommen sollen auf Deutschem Boden nicht ständig an diese düstere, böse und faschistische Vergangenheit erinnert werden. Von unserem Gastautor Torsten Dirk.

Der Artikel war, nun ja, der Artikel war „interessant“.

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AutoBILD: Ein Blick hinter den Hass

Man kann zum Mobilitätswandel eine Menge Texte schreiben. Ein paar davon, leider viel zu lang und viel zu aufgeblubbert, stehen in diesem Blog, andere, in deutlich lesbarer und begreifbarer Länge, in anderen Weblogs, viele mittlerweile auch in „ganz normalen“ Tageszeitungen, Zeitschriften und Online-Magazinen.

Man mag das als Fortschritt erkennen: Der Mobilitätswandel ist in der Gesellschaft angekommen, er ist alltäglich, gegenwärtig, akzeptiert. Dass es dennoch immer wieder gegenteilige Veröffentlichungen gibt, dass sich Straßenverkehrsbehörden und Einwohner gegen Veränderungen des Straßenraumes aussprechen, das ist ein bisschen schade, aber gehört wohl dazu.

Und dann kam AutoBILD. Das, was die aktuelle Ausgabe der Autobild in den Straßenraum schmiss (oh, ich habe lange mit dem „M“ in „schmiss“ gerungen), war in dieser Form noch nie akzeptabel — und wirkt auf seine ganz besondere Weise in Hinblick der momentanen Diskussionen so unglaublich rückständig, aber doch so verheißungsvoll interessant, weil sich auf ganz deutliche Weise erkennen lässt, wie man den Hass auf eine bestimmte Art von Verkehrsteilnehmern schürt.

Eigentlich wurde alles relevante zur AutoBILD schon geschrieben. Einfach nicht kaufen, einfach nicht aufregen, einfach nicht beachten. Das wäre aber zu einfach: Erst mit dem wissen, wie dieser Hass funktioniert, kann vernünftig dagegen argumentiert werden.

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Tatütata, die AfD ist da

Ich habe bekanntlich ein Abo auf Ärger und Kalamitäten, sei es im Straßenverkehr, sei es im Internet. Andererseits: Was war denn meine Erwartung? Wenn man seinen Namen ins Impressum der Webseite der Critical Mass Hamburg pflanzt, gleichzeitig ein mittlerweile doch recht berüchtigtes „Hetzblog“ namens Radverkehrspolitik betreibt, mit dem Rad zwar nicht auf der falschen Straßenseite über rote Ampeln donnert, aber dennoch mit dem Rad zur Arbeit fährt, dabei Fotos von Gefahrnstellen sammelt und manchmal gar auf dem Radweg parkende Kraftfahrzeuge beim Ordnungsamt verpetzt, ja, was habe ich erwartet? Dass man mich freundlich begrüßt, mir an der Kreuzung zuwinkt, „Hej Malte!“, und man mir zum Geburtstag eine nette Karte schickt, „Viele Grüße vom Stuttgart“?

Nö.

Was Hass im Internet und draußen auf der Straße angeht, bin ich mittlerweile Kummer gewohnt. Aber manchmal nimmt der Hass dann doch ganz ungeahnte Dimensionen an.

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Der Mobilitätswandel ist da — jedenfalls ein bisschen

Als ich vor mittlerweile über sechs Jahren im „alten“ Radverkehrspolitik-Blog hin und wieder einen Artikel veröffentlichte, da war die Welt noch in Ordnung. Bundesweit erschienen pro Woche zwei oder drei oder vier Zeitungsartikel zum Thema Radfahren, die sich ganz entspannt und ausführlich neben dem Informatik-Studium diskutieren ließen, hin und wieder war mal eine Nachtschicht wegen eines Fahrradhelm-Urteiles notwendig, aber das hatte ich zeitlich alles im Griff. Radfahrer waren damals eher die bösen, die sich nie an die Verkehrsregeln hielten und „trotz Radweg mitten auf der Straße“ kurbelten, das regelmäßige Radfahren zur Arbeit galt als eine kritisch beäugte Beschäftigung für Freaks und Vollidioten und Begriffe wie „Mobilitätswandel“ standen damals noch nicht einmal im Duden.

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Fahrradführerschein: Das kapiert doch eh kein Mensch

Seit Anbeginn meiner Zeit in dieser ganzen verflixten Fahrradwelt kommt alle paar Tage die Forderung nach einem Führerschein für Radfahrer auf. In den einschlägigen Foren und facebook-Gruppen herrscht der Glaube, man müsse nur endlich Fahrradsteuern, Fahrradkennzeichen und einen Fahrradführerschein einführen, dann wäre endlich Schluss mit dem Chaos auf der Straße.

Die Wochenzeitung ZEIT fragte vor ein paar Tagen, was ihre Leser von einem Fahrradführerschein hielten und die Zusendungen in den Kommentaren waren schon wieder so abenteuerlich, dass einem glatt Angst und Bange wird.

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Radfahren kann jedes Kind, dann verkompliziert die Sache doch bitteschön nicht so sehr — und führt stattdessen einen Fahrradführerschein für Straßenverkehrsbehörden ein.

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Bundesrat stimmt für Tempo-30- und Beleuchtungsregelung

Die gute Nachricht zum Wochenende: Der Bundesrat hat heute sowohl den erleichterten Verwaltungsvorschriften zur Einrichtung von Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten und ähnlich schützenswerten Einrichtungen als auch den neu gefassten Regeln für Beleuchtungseinrichtungen am Fahrrad zugelassen:

Abnehmbare Fahrradbeleuchtung zulässig, aber bei Nacht verpflichtend

Darüber hinaus enthält die Verordnung neue Regeln für die Beleuchtung von Fahrrädern. So schreibt sie vor, dass abnehmbare Schlussleuchten und Scheinwerfer zulässig sind, bei Dämmerung oder Dunkelheit aber angebracht sein und auch betrieben werden müssen. Die Dynamopflicht existiert bereits seit 2013 nicht mehr.

Und, das ist die viel größere Überraschung:

Tempo 30 vor Kindergärten als Regelfall

In Deutschland soll künftig grundsätzlich Tempo 30 vor sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Seniorenheimen gelten, soweit diese über einen direkten Zugang zur Straße verfügen oder in ihrem Nahbereich die klassischen Begleiterscheinungen wie Bring- und Abholverkehr, verstärkte Parkplatzsuche, häufige Fahrbahnüberquerungen durch Fußgänger etc. entstehen. Die Straßenverkehrsbehörden können im Einzelfall auf die Absenkung der Geschwindigkeitsbegrenzung verzichten, wenn zum Beispiel negative Auswirkungen auf den ÖPNV zu befürchten sind oder eine Verkehrsverlagerung auf Wohnnebenstraßen droht.
Diese und weitere Vorgaben für die Anordnung von Geschwindigkeitsbegrenzungen sieht eine Verwaltungsvorschrift der Bundesregierung vor, der der Bundesrat am 10. März 2017 mit einigen Änderungen zugestimmt hat. Die Vorschläge der Länder dienen vor allem dem Bürokratieabbau.

Gerade beim Thema Tempo 30 galt eine Ablehnung als sehr wahrscheinlich, während die Sache mit der Fahrradbeleuchtung eher ein Selbstgänger war.

Das letzte Wort hat nun noch die Bundesregierung. Nach Zustimmung der Bundesregierung treten die Änderungen dann am jeweils nächsten Monatsanfang in Kraft.

StVZO: Endlich helles Licht am Fahrrad

Endlich fällt dem Bundesverkehrsministerium mal was ordentliches ein! Seit Jahrzehnten vergammeln die Vorschriften zur Fahrradbeleuchtung in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und kümmern sich um die zulässige elektrische Spannung der Glübirne, während selbst günstigste Baumarkt-Fahrräder schon serienmäßig mit LED-Scheinwerfern daherkommen. Nach einer zaghaften Änderung vor einigen Jahren, die auf den Gebrauch von abnehmbarer Beleuchtung abzielte, gibt’s nun quasi den ganz großen Wurf und eine komplette Neufassung der für den Radverkehr einschlägigen Beleuchtungsvorschriften.

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Tempo 30: Sicherheit nur dort, wo sie keinen stört

Es war das große Ding zur Novelle der Straßenverkehrs-Ordnung im letzten Herbst: Die Einrichtung von Tempo 30 vor Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und ähnlichen schützenswerten Einrichtungen sollte erleichtert werden. Zuvor war zur Einrichtung einer solchen Geschwindigkeitsbegrenzung ein recht schwer zu führender Beweis einer Gefährdungslage notwendig, denn auf dem Papier war eine solche Gefährdung natürlich nur abstrakt zu fassen.

Der federführende Verkehrsausschuss des Bundesrates hat sich nun ganz schön viele Gedanken gemacht und festgestellt: Das geht so nicht.

Eigentlich läuft im Endeffekt alles auf eine einzige Kapitulation hinaus: Man hätte gerne mehr Verkehrssicherheit — aber bitteschön nur solange der Kraftverkehr nicht gestört wird.

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Ich habe die Schnauze voll vom Vehicular Cycling

Vor knapp einem Dreivierteljahr überwältigte mich an einem Sommermorgen der ungebremste Aktivismus. Ich radelte morgens ins Bureau, die Sonne kitzelte meine Abenteuerlust wach und die folgenden acht Stunden im Bureau überlebte ich eher hibbelig denn konzentriert. Direkt zum Feierabend trat ich auf den Balkon unseres Bureahochhauses nahe der Hauptkirche St. Michaelis hinaus, stemmte mein Fahrrad in die Höhe und rief feierlich die Fahrradstadt Hamburg aus.

Nach dem Vorbild des Berliner Radentscheides befand ich, es wäre nach nunmehr fünf Jahren an der Zeit, der Umwelthauptstadt 2011 ihre Vorschusslorbeeren zu legitimieren: Noch immer waren die Schadstoffwerte in der Luft jenseits von Gut und Böse, noch immer staute sich der Straßenverkehr zwei Mal am Tag quer durch die Hansestadt, noch immer tobte dort draußen der legendäre Krieg auf der Straße.

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