Außerdem verlieren sie ihre Vorfahrt

N24 versucht sich an einer neuen Interpretation der ACE-Untersuchung zu Fußgängerüberwegen und behauptet ebenfalls, Radfahrer müssten Am Zebrastreifen absteigen

Radfahrer sollten am Zebrastreifen absteigen, wenn sie eine Straße überqueren wollen. Fahren sie darüber, riskieren sie ein Bußgeld. Auch Fußgänger sollten an den markierten Übergängen aufpassen.

Dabei schafft es N24 sogar, die Falschinformationen auf eine neue Dimension zu transportieren: Nun ist nicht mehr bloß 1. das Überfahren verboten, weil 2. Radfahrer am Fußgängerweg absteigen müssen, nein, 3. sie verlieren sogar ihre Vorfahrt. Und das ist aus so vielen Gründen verkehrt, dass an diesem Sonntagmorgen ein Gegenbeispiel reichen soll:

Fussgaengerueberweg-Grosshansdorf-1

In Großhansdorf folgen die Radfahrer auf diesem Radweg einer Vorfahrtstraße, sind also gegenüber allen kreuzenden Verkehrsströmen auf der Fahrbahn vorfahrtsberechtigt. Sie dürfen auch über den Fußgängerüberweg fahren, der übrigens entgegen der Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen quer über eine Radverkehrsanlage gepinselt wurde. Hingegen gibt es in der Straßenverkehrs-Ordnung keinen einzigen Satz, der von Radfahrern in dieser Situation das Verlassen des Sattels verlangt — und selbstverständlich stimmt auch die Sache mit dem verlorenen Vorfahrtsrecht nicht: Wenn ein Radfahrer ohne den Fußgängerüberweg Vorfahrt hätte, dann ändert auch das Zeichen 293 nichts daran.

Wahrscheinlich wollte man darauf hinaus, dass es ja auch hinreichend viele Fußgängerüberwege gibt, die abseits von Kreuzungen oder sonstigen Verkehrseinrichtungen „einfach so“ über die Fahrbahn führen, so dass dort tatsächlich auf gar keinen Fall Vorfahrt für den Radverkehr bestehen kann. In einem solchen Fall verlieren Radfahrer dann das „Vorfahrtsrecht“, von dem sie als Fußgänger partizipiert hätten, okay, ja.

Genaugenommen haben Fußgänger allerdings weder Vorfahrt, weil sie ja schließlich gehen und nicht fahren, noch Vorrang, weil sie sich quer zum Fahrbahnverkehr bewegen. § 26 Abs. 1 StVO bezeichnet das Ganze als „Überqueren ermöglichen“, weswegen hoffentlich die auch hier im Blog verwendete Umschreibung der Bevorrechtigung noch einigermaßen korrekt ist.

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