Aufhebung der Benutzungspflicht: Tucker, tucker, tucker

Die Fahrbahn in der Oldesloer Straße in Hamburg ist recht eng, die Gehwege allerdings auch — bislang wurde der Radverkehr auf dem engen Gehweg geführt, jetzt soll er auf die Fahrbahn verlagert werden: „Radfahrer auf Straße“

Wohl keine Hamburger Radwegeführung dürfte ein größeres Dilemma bieten als dieser Ort: In der Oldesloer Straße ist zur Zeit noch die Benutzung eines Radwegs vorgeschrieben. Ein eigener Radweg existiert aber gar nicht: Der einen bis eineinhalb Meter breite Gehweg muss mitbenutzt werden.

Genaugenommen ist entgegen der Einleitung nicht die Benutzung des Radweges vorgeschrieben, sondern die des gemeinsamen Fuß- und Radweges. Das läuft zwar im Ende auf das gleiche Problem hinaus, stellt aber einen sachlicher Unterschied dar. Die Straßenverkehrsbehörde, in Hamburg von der Polizei bestritten, wehrte sich bis zum Schluss gegen die Aufhebung der Benutzungspflicht und zeigt sich hinreichend verständnislos, dass die Regeln aus den Verwaltungsvorschriften tatsächlich anzuwenden sind, obwohl es sich doch nur um Radfahrer handelt.

Roberto Ziemer, im Polizeikommissariat 24 der Leiter für Verkehr und Prävention, bedauerte: „Wir können es einfach nicht mehr halten.“ Ingo Naujokat, im gleichen Revier beheimatet, meint: „Ich kann eigentlich nicht verstehen, dass man es aufheben will. (…) Unsere Möglichkeiten sind aber ausgeschöpft: Man hat jetzt ganz klipp und klar gesagt, dass wir es aufzuheben haben.“

Mit dem üblichen Gelächter über die Ansicht der Polizei kommt man hier allerdings nicht recht weit. Es steht natürlich außer Frage, dass der Radverkehr auf dem engen Gehweg nichts verloren hat und die Zeichen 240 umgehend zu entfernen sind. Die Sorge der Polizei ist allerdings berechtigt: Auf der Fahrbahn sieht es für Fahrradfahrer nicht besser aus. Nun ist definitiv weder die Nähe zum Krankenhaus, die einen Rettungswagen beheimatet, Grund genug für eine Radwegbenutzungspflicht noch berücksichtigen die Vorschriften die Gegenwart einer Buslinie (SPD: „Tucker, tucker, tucker“). Vor allem lässt sich keine Radwegbenutzungspflicht einrichten, wenn die entsprechende Infrastruktur fehlt: Für diesen bummeligen Gehweg hätte niemals ein Zeichen 240 aufgestellt werden dürfen. Dann wäre Zeichen 254 das Mittel der Wahl gewesen, um den Radverkehr aus der Straße herauszuhalten.

Denn die Polizei hat durchaus Recht, dass aufgrund der engen Fahrbahn mit Problemen zu rechnen sind, auch wenn der Rettungswagen natürlich nur ein vorgeschobener Grund ist. Hamburgs Kraftfahrer reagieren bei Fahrbahnradlern auf engen Fahrbahnen mit einer bemerkenswerten Aggressivität, die mit dem bekannten hanseatischen Gemüt nichts mehr gemein hat. Ähnlich enge Straßen, die in den letzten Jahren ihre blauen Schilder verloren, beispielsweise die Wedeler Landstraße in Hamburgs Westen oder die Hammerbrookstraße in der City Süd, sind nicht einmal mehr für mutige Radfahrer zu befahren. Fahrbahnradler werden in Ermangelung von Überholmöglichkeiten angehupt und mit dichtem Überholen, Ausbremsen und unter Verwendung der Scheibenwaschanlage für ihr vermeintliches Fehlverhalten sanktioniert. In solchen Straßen wird natürlich weiter ordnungswidrig auf den Gehwegen gekampfradelt — aber immerhin steht dort nicht die Polizei und hält die Hand auf.

So ähnlich wird es wohl auch auf der Oldesloer Straße laufen. Eine mögliche Lösung wäre die Verbreitung der Fahrbahn, für die allerdings einige Bäume gefällt werden müssten — aus dem gleichen Grunde ist ja bislang auch nicht die Einrichtung eines Radweges oder wenigstens eines breiteren Gehweges möglich.

3 Gedanken zu „Aufhebung der Benutzungspflicht: Tucker, tucker, tucker“

  1. Mich interessiert hier, wer der Straßenverkehrsbehörde (sprich: dem PK 24) gesagt hat, dass ausgerechnet in der Oldesloer die Radwegbenutzungspflicht aufgehoben werden soll. War es eine höhere Macht? Gibt es eine „Ober-Straßenbehörde“, die in ganz Hamburg unterwegs ist und einzelne Straßenzüge an die zuständigen PK’s zwecks Aufhebung der RWBP meldet? Ich dachte immer, das liegt in der Zuständigkeit der einzelnen Reviere.

    Ach ja: der Link zur „Lokalen Wochenzeitung“ funktioniert nicht…

  2. Die Oldesloer Straße ist verkehrstechnisch die Pest. Die AUTOPEST! Diese Straße ist ein typischen Beispiel dafür, dass der Autoverkehr ein Ausmaß erreicht hat, das keine Stadt der Welt verkraften kann, ohne den anderen Verkehrsteilnehmern die Wege und, im wahrsten Sinne des Wortes, die Luft zum Atmen zu nehmen. Die bisherige Standardreaktion der Behörden auf den wachsenden Autoverkehr war es, immer mehr und immer breitere Straßen zu bauen. Und dieser Schwachsinn geht weiter, aktuelles Beispiel: Nedderfeld. Die Fahrbahn dort soll vierspurig ausgebaut werden, obwohl das Auto immer mehr an Bedeutung verliert. Wieder wird eine Straße für alle Nicht-Autofahrer noch unattraktiver, als sie ohnehin schon ist. Was soll so ein Irrsinn?

    Dumm gelaufen, mehr Straßen zogen stets noch mehr Autos nach sich. Das Problem sind nicht die Radler auf der Fahrbahn, sondern es ist die schiere Masse von Blechdosen, die sich selbst im Weg herumstehen. Einzig negativ an der Aufhebung der Benutzungspflicht in der Oldesloer Straße ist die Tatsache, dass man als Radler auf der Fahrbahn dem Gestank der Autos ausgeliefert ist und nicht vorankommt, weil diese sich dort regelmäßig stauen.

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