Anwohner wollen Geld zurück, weil niemand den Radweg benutzen muss

Manchmal fällt die Formulierung von Überschriften, die nicht allzu sehr nach dem Postillon klingen, schon ziemlich schwer: Im der Oldenburger Straße Rauhehorst wollen die Anwohner die Sanierung eines Radweges nicht bezahlen.

Das Problem ist kompliziert.

Es geht nicht um das übliche Argument, dass die Anwohner nicht für den Radweg aufkommen wollen, weil Radfahrer keine Steuern zahlen und sich eh nie an die Verkehrsregeln halten. Es geht auch nur mittelbar darum, dass die Benutzungspflicht des bestens ausgebauten und breiten Radweges aufgehoben wurde: Schließlich dürfte die Rechtslage weder den Anwohnern noch den Radfahrern noch den Kraftfahrern bekannt sein, erfahrungsgemäß fahren weit über 95 Prozent der Radfahrer auch ohne blaue Beschilderung weiterhin auf einem Radweg; das wird also tatsächlich niemanden stören.

Es geht, wenn man den Kommentatoren unter dem Zeitungsartikel, auf facebook und den Zuschriften per Mail glauben darf, viel mehr darum, dass ein paar dieser blöden Radfahrer tatsächlich anstelle des nicht benutzungspflichtigen, aber bestens ausgebauten und breiten Radweges auf der Fahrbahn fahren, dort einige Kraftfahrer zur Weißglut treiben, weil es ja schließlich einen bestens ausgebauten und breiten Radweg gibt, die dann ihren Unmut mit der Hupe ausdrücken und wiederum die Anwohner um ihre Ruhe bringen. Ein Radfahrer will dort sogar eine mit Spielzeug-Polizeikellen, Trillerpfeifen und Gartenstühlen beinahe paramilitärisch aufgestellte Bürgerwehr ausgemacht haben, täglich von 12 bis 14 Uhr zur Sicherung der Mittagsruhe die Radfahrer zurück auf den Radweg holt, damit den steuerzahlenden Kraftfahrern nicht beim Anblick eines Fahrbahnradlers der Kamm bis auf die Hupe schwellen muss.

Ob all die schönen Geschichten wirklich stimmen sei mal dahingestellt — vielleicht geht es tatsächlich nur darum, dass niemand einen bestens ausgebauten und breiten Radweg bezahlen möchte, den niemand benutzen muss, obwohl ihn fast jeder benutzt: Anlieger wollen Geld für Radweg zurück

Aufhebung der Benutzungspflicht am Rauhehorst sorgt für Ärger

7 Gedanken zu „Anwohner wollen Geld zurück, weil niemand den Radweg benutzen muss“

  1. Da sieht man mal deutlich wie sehr Radfahrer noch als 2. Klasse Verkehrsteilnehmer gelten in den Köpfen mancher Leute. Radwege sind also nur sinnvoll, wenn sie auch benutzt werden müssen, also dienen sie wohl doch nur dazu freie Bahn für PKW zu schaffen und nicht als Rückzugsgebiet für unsichere Radfahrer.

    Natürlich sind auch die Radfahrer schuld, die sich Regelkonform auf der Fahrbahn bewegen wenn andere im PKW gegen die Regeln verstoßen und grundlos hupen.

  2. Mal ne blöde Frage: Sind Bürgersteige, die nicht den Fussi-Lolli Zeichen 239 tragen, für Fußgänger benutzungspflichtig? Sonst dürfte demnächst ein Klagewelle drohen…

    1. Gehwege sind grundsätzlich „benutzungspflichtig“: § 25 StVO: „Wer zu Fuß geht, muss die Gehwege benutzen. Auf der Fahrbahn darf nur gegangen werden, wenn die Straße weder einen Gehweg noch einen Seitenstreifen hat.“

  3. Der Artikel hier ist aber schon recht überzogen oder? Im verlinkten Artikel steht jedenfalls nix von Bürgerwehr und privater Erziehung. Und Kommentare erst recht auf facebook, naja…..

  4. Als täglicher Fahrbahnnutzer dieser Straße kann ich sagen: eine „Bürgerwehr“ gibts dort so nicht, bzw. nur in Form von Hupen, belehrendem Knapp-und Sinnlos-Überholen, sowie wildem Aus-dem-Fenster-Gepöbel, was aber auch daran liegen mag, dass dort Tempo 50 herrscht und dass bislang nur sehr überzeugte und konflikterprobte Radlinge dort auf der Fahrbahn fahren – geschätzte 98 Prozent fahren weiterhin auf dem für Radfahrende freigegebenen Gehweg herum. Das führt zur regelmäßigen Fehleinschätzung der Rechtslage durch alle Verkehrsteilnehmer. Als Aktivist hat man aber viel „Spaß“ auf der Strecke…. 😉

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