ADFC: Münchner Radwege sind doch nicht so sicher

Vor knapp zwei Wochen irritierte die Münchener Polizei mit einer seltsame Meldung, nach der Radfahrer unbedingt Radwege befahren sollten, auch wenn sie nicht benutzungspflichtig beschildert oder gar mangelhaft ausgestattet sind:

Die Münchner Verkehrspolizei empfiehlt jedoch allen Radfahrern selbst bei der Aufhebung der Benutzungspflicht bestimmter Radwege, die „unbeschilderten“ Radwege dennoch zu benutzen. Radfahrer zählen neben den Fußgängern zu den am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmern auf Deutschlands Straßen. Gerade der einleitend beschriebene Unfall zeigt, dass Radwege, egal ob die Benutzungspflicht vorgeschrieben ist oder nicht, grundsätzlich mehr Schutz bieten als der Straßenraum des motorisierten Verkehrs.

Nun antwortete der Münchener ADFC in einer Presseinformation:

Radwege nicht automatisch sicherer als Fahrbahn ADFC kontert Polizeiempfehlung zur generellen Radwegbenutzung

Stets den Radweg zu benutzen, das empfiehlt die Münchner Polizei Radfahrern — und zwar unabhängig davon, ob ein Radweg benutzungspflichtig ist. Dies sei für Radfahrer sicherer, so das Polizeipräsidium München in einer Pressemitteilung vom 1. November. Diese Empfehlung steht nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) München in krassem Widerspruch zu den Erkenntnissen der Verkehrssicherheitsforschung. Unfälle zwischen Radfahrenden und Kraftfahrzeugen ereignen sich meist im Bereich von Kreuzungen oder Einmündungen. Baulich von der Fahrbahn getrennte Radwege sind meist entlang der Bürgersteige geführt und oft hinter parkenden Autos oder Gebüsch schwer einsehbar. Auf der Fahrbahn befinden sich Radfahrende dagegen im Sichtbereich der Kraftfahrzeugführer. Wo eigene Bereiche für den Radverkehr angebracht erscheinen, sind unter anderem aus diesem Grund inzwischen Radfahrstreifen oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn Stand der Technik. (…)
Die Polizeiempfehlung, trotz Aufhebung der Benutzungspflicht auf diesen Radwegen zu radeln, kommentiert Peter Kappel, der Vorsitzende des ADFC München, so: „Es ist absurd, dass die Polizei Radfahrer nun zurück auf Radwege schicken will, deren Benutzungspflicht das KVR ja nicht ohne Grund aufgehoben hat!“ Alarmierend sei insbesondere eine Formulierung in der Polizeipressemitteilung, so Kappel weiter: „Da wird die Fahrbahn als Straßenraum des motorisierten Verkehr bezeichnet. Dabei ist auch das Fahrrad ein Fahrzeug und keine Gehhilfe und gehört damit zuallererst einmal auf die Fahrbahn. Das steht so in der StVO. Es könnte fast der Eindruck entstehen, als hätte die Münchner Polizei am liebsten gar keine Radfahrer im Straßenverkehr, obwohl in München 14 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt werden. (…)
Nochmals Kappel: „Wenn für die Münchner Polizei abgetrennte Radwege tatsächlich für die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern so wichtig sind, dann erwarten wir als ADFC zumindest, dass sie auf Radwegen stärker gegen Falschparker vorgeht. Wie in anderen Bundesländern auch, könnte die Polizei in diesen Fällen auch einmal das Abschleppen der Kraftfahrzeuge in Betracht ziehen.“ Nur eine stärkere Überwachung des ruhenden Verkehrs garantiere, dass Radwege auch tatsächlich befahren werden könnten, so der ADFC-Vorsitzende.

Schade, dass die Polizei darauf vermutlich nicht antworten wird.

10 Gedanken zu „ADFC: Münchner Radwege sind doch nicht so sicher“

  1. Problematisch ist der Hinweis der Polizei, weil sowohl in München als auch beispielweise in Hamburg die älteren Radwege oftmals sehr aschmal sind und oftmals auch noch unmittelbar neben diesen Radwege Autos legal parken dürfen. Das sichere Befahren dieser nicht mehr benutzungspflichtigen Radwege ist gar nicht möglich, denn unter Einhaltung des notwendigen Seitenabstandes von etwa einem Meter wären Radfahrer auf dem Gehweg – und das ist laut Polizei ja schließlich verboten. Wenn aus Sicherheitsgründen schon Radfahrer eher auf Radwegen als auf der Fahrbahn fahren sollen, dann soll die Polizei / Straßenverkehrsbehörde für die sichere Benutzbarkeit der Radwege sorgen und die Parkplätze abräumen. Unfälle gibt es auf diesen Radwegen (abgsehen von Kreuzungen und Grundstücksquerungen) eher weniger, weil die meisten Radfahrer illegal neben den Radwegen auf den Gehwegen fahren – und die Polizei duldet das. Duldet aber das Gehwegradeln in Straßen ohne Radwegen nicht, und das ist vollkommen absurd!!

    1. In meiner Jugend, die ich etwa hundert Kilometer nördlich von Hamburg verbracht habe, wurde ich insgesamt bestimmt fünf oder sechs Mal von einem Streifenwagen auf den Gehweg geschickt. Bei uns hat auch die Polizei im Verkehrsunterricht empfohlen, bei Straßen ohne Radweg den Gehweg zu befahren, weil die Fahrbahn doch so unsicher sei — und wir waren dort schon 13 bis 15 Jahre alt.

  2. So dämliche Aussagen zur Sicherheit durch Radwegebenutzung sollte mehr als ein Jahrzehnt nach der Fahrradnovelle der StVO nicht einmal der degradierteste Streifenpolizist von sich geben. Im Norden – in Hamburg, Berlin oder auch Pinneberg (nur um einmal ein paar Beispiele zu nennen) ist die Polizei da schon weiter. Allerdings werden auch dort Radwegebnutzungspflichten nur sehr ungerne aufgegeben – weil sonst die Räumzeiten der Lichtsignalanlagen bei Kreuzungen neu berechnet werden müßten. Dabei käme man dann zu dem Ergebnis, dass rechnerisch ein Auto wenige pro Minute durch die Kreuzung fahren könnte. Kaum zu glauben – aber so ein Unsinn macht dann auch dort den Unterschied – obwohl die Entscheider wissen, daß das Befahren der Radwege für Radfahrer keinen Sicherheitsgewinn bedeutet, bleiben oft verheerend schlecht abgesicherte Radwege als benutzungspflichtig beschildert (in Hamburg z.B. die Langenhorner Chaussee, wie ich kürzlich feststellte).

  3. ich kann es echt nicht mehr fassen wie ihr euch hier aufspielt als öko retter des planeten. radwege sind unsicher und alle sollen auf der fahrbahn fahren? sagt mal gehts noch???????????? reicht es auch nicht schon den verkehr zu blockieren, müssen sich jetzt auch noch alle überfahren lassen??

    echt, ihr seid solche spinner, das ist kaum noch zu fassen. und bestimmt glaube ich lieber an den fahrradhelm als an den ADFC. der ADFC hat immer recht oder wie war das?

    also wundert euch nicht, wenn ich beim überholen von euch RADFAHRERN plötzlich das gefühl bekomme, ich müsste mal meine scheiben kurz säubern!!

    1. Bist Du eigentlich schon in psychologischer Behandlung? Würde ich Dir dringend anraten. Vielleicht auch erstmal nur eine der zahlreichen Notruftelefonnummern anrufen für ein Erstgespräch.

      1. Kann man das Blog nicht so konfigurieren, dass man Kommentare erst nach Verifizierung per E-Mail opt-in veröffentlichen kann? Könnte mir vorstellen, dass solche seltsamen Zeitgenossen da eher keine real existierende Mailadresse angeben…

  4. Verdammt! Diese gesammte kollektive Strafe „Straßenverkehr“ haben bisherige, aktuelle und zukünftige Generationen nur einen zu verdanken: Adolf Hitler. Hitler war schon damals großer Automobilfan. Er sah darin einen riesigen Wachstums- und Arbeitsmarkt. Er realisierte die Autobahnen, die ihr Erfinder Alfred Todt mangels Finanzierbarkeit nicht bauen konnte. Im Jahr 1936 zur Olympiade in Berlin, kam dann die genauso, wie die Judenvernichtung schlimme Idee, die Fahrbahn (In Berlin Fahrdamm) vom „störendem“ Fahrradverkehr zu befreien, indem man den Bürgersteig in einen „Gehweg“ und „Radweg“. Wie sich das mit den Fußgängern verträgt und wie die Radfahrer über größere Kreuzungen kamen, war damals (wie teilweise heute noch; siehe Übergangsvorschriften zu Fußgängerampeln) den Nazis völlig egal. Seitdem haben wir das Problem Radweg.

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