OLG Hamm: Für dieses Urteil gibt es keine passende Überschrift

Kreisverkehre und Radwege sind immer so eine Sache, die in der Regel gehörig schiefgeht. Das liegt einerseits an den komplizieren Vorfahrt- und Vorrangsbeziehungen, die zwischen Kraftfahrzeugen auf der Fahrbahn, Fahrrädern auf dem Radweg und Fußgängern auf dem Gehweg gelten und sich mit bloßem Fahrschulwissen auf gar keinen Fall auflösen lassen. Und wenn sich die Rechtsprechung einschaltet, dann wird es ganz furchtbar schlimm.

Zur Erinnerung: Grundsätzlich nimmt ein Radfahrer auf einem Radweg um den Kreisverkehr herum auch an der Vorfahrtregelung des Kreisverkehres teil, ist also gegenüber einfahrenden und ausfahrenden Fahrzeugen bevorrechtigt. Weil die Straßenverkehrsbehörden diese noch relativ übersichtliche Regelung für zu gefährlich halten, wird den Radfahrern vor den Querungen mit der Fahrbahn noch ein verkleinertes Zeichen 205 präsentiert. Das führt zu der lustigen Situation, dass aus dem Kreisverkehr ausfahrende Fahrzeuge zwar gemäß § 9 Abs. 3 StVO querende Radfahrer und Fußgänger durchlassen müssen, Radfahrer aber plötzlich keine Vorfahrt mehr haben, wovon ausfahrende Fahrzeuge womöglich gar nichts wissen, Fußgänger aber weiterhin bevorrechtigt sind — Zeichen 205 gilt schließlich nur für den Fahrverkehr.

Sofern nicht noch mit Zeichen 205 in die Vorfahrt des Radfahrers eingegriffen wird, besteht dessen Vorfahrt im Regelfall auch gegenüber in den Kreisverkehr einfahrenden Fahrzeugen — dort genießen Fußgänger allerdings keinen Vorrang, weil der nur gegenüber abbiegenden Fahrzeugen besteht. Wer aber in einen Kreisverkehr einfährt, biegt im Gegensatz zu ausfahrenden Fahrzeugen nicht ab. Alles klar?

Falls ja: Die Situation lässt sich natürlich mit Fußgängerüberwegen und von der Kreisfahrbahn abgesetzten Querungsfurten beliebig verkomplizieren, was aus vermeintlichen Sicherheitsgründen auch regelmäßig praktiziert wird. Im Endeffekt sind die Situationen an Kreisverkehren so undurchsichtig, dass es wohl nur der gegenseitigen Rücksicht von Kraftfahrern, Radfahrern und Fußgängern zu verdanken, dass dort nicht täglich jemand draufgeht und sich Kreisverkehre überraschend undurchsichtig in der Unfallstatistik verhalten.

Das Oberlandesgericht musste sich im letzten Sommer mit einem unglücklichen Vorfall an einem Kreisverkehr befassen, das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig: „Vorfahrt gewähren“ für Radfahrer und Auto am Kreisverkehr – Oberlandesgericht Hamm klärt, wer Vorfahrt hat

Kleiner Hinweis darauf, wohin die Reise in diesem Urteil geht: Schon aus der Überschrift lässt sich herausphilosophieren, dass offenbar keine eindeutige Vorfahrtsregelung vorlag, wenn erst ein Oberlandesgericht zur Klärung derer angerufen werden muss. Und diese Tatsache kollidiert wiederum mit sich selbst: Klarheit kann ein Oberlandesgericht kaum schaffen, wenn die Situation vor Ort so undurchsichtig ist, dass sogar das Oberlandesgericht einschreiten muss. Tja, da drehen sich die Augen gegenläufig, aber das wird auch der Tenor dieses Urteils sein.

Der seltsamen Pressemitteilung sorgte im Netz in den letzten Tagen für relativ kreative Spekulationen, pendelten die Ausführungen der Pressestelle doch zwischen „Man sieht doch, was gemeint ist“ und „Nichts genaues weiß man nicht“, folgt nunmehr die komplette Fassung des Urteils: Oberlandesgericht Hamm, 9 U 200/11

Kurz zur Sachlage: Eine Radfahrerin fuhr auf einem Radweg um einen Kreisverkehr herum, wobei der Radweg an jedem Arm des Kreisverkehrs mit kleinen Zeichen 205 ausgestattet war. Eine Kraftfahrerin wollte in den Kreisverkehr einfahren und musste ebenfalls ein Zeichen 205 beachten, das noch deutlich vor der Querungsstelle des Radweges aufgestellt war; eine eingezeichnete Querungsfurt war nicht vorhanden.

Es liegt also eine dieser klassischen Situationen vor, bei denen beide sich gegenseitig Vorfahrt gewähren müssten, die aber aufgrund des hohen Konfliktpotenzials hochgefährlich sind — es kam zu einem Zusammenstoß und zivilrechtlich forderte die Radfahrerin unter anderem Schmerzensgeld. Die Ruhrnachrichten schreiben: Klägerin geht leer aus

„Vorfahrt gewähren“ sei ein eindeutiges Verkehrszeichen – auch an Kreisverkehren. So hat das Oberlandesgericht Hamm (OLG) im Juli 2012 die Klage einer Velenerin gegen eine Frau aus Südlohn abgewiesen. Der Bundesgerichtshof hat nun ein Revisionverfahren abgelehnt – das Urteil ist somit rechtskräftig.

Die Richter am Oberlandesgericht Hamm sagen: Trotz der lustigen Beschilderung, nein, gerade wegen der lustigen Beschilderung wäre der Fall klar, die Radfahrerin habe die Vorfahrt der Kraftfahrerin verletzt und dieses Fehlverhalten sei sogar derart schwerwiegend, dass es eine Alleinschuld der Radfahrerin an dem Unfall begründe.

Das ist, es lässt sich kaum anders formulieren, ein deutlicher Schlag in die Magengrube des aufstrebenden Radverkehrs in Deutschland. Die Richter machen zwischen den Zeilen deutlich, dass der Radverkehr bei der Verkehrsplanung keine wesentliche Rolle spielt und kraft Beschilderung gefährliche Stellen im Straßenverkehr kein Problem wären, solange nur der Radfahrer der Dumme ist. Die Radfahrerin trägt die alleinige Schuld am Unfall, mögliche Planungsfehler beim Aufbau des Kreisverkehrs und die korrekten Paragraphen aus der Straßenverkehrs-Ordnung finden keine Erwähnung.

Der Radfahrerin wurde ein Zeichen 205 in kleiner Ausführung präsentiert, so dass sie den ein- oder ausfahrenden Fahrzeugen Vorfahrt gewähren musste. Gleichzeitig hatte allerdings die Kraftfahrerin ebenfalls ein Zeichen 205 zu beachten, dass aufgrund dessen Aufstellungsort sowohl für die auf der Kreisfahrbahn fahrenden Fahrzeuge als auch für den Radverkehr um den Kreisverkehr herum gelten solle. Sowas ist Murks, eigentlich eine Sache für den Fallback-Paragraphen § 1, aber auf jeden Fall etwas, dass die Straßenverkehrsbehörde umgehend berichtigen sollte.

Im eigentlichen Urteil geht es dabei ab Randnummer 36 zur Sache:

Die Beklagte zu 1) hat nicht gegen § 9a StVO in der zum Unfallzeitpunkt noch gültigen Fassung verstoßen. Danach hat der Verkehr auf der Kreisfahrbahn Vorfahrt, wenn an der Einmündung in einen Kreisverkehr Zeichen 215 (Kreisverkehr) unter Zeichen 205 (Vorfahrt gewähren) angeordnet ist. Zwar können aus der Sicht eines die Straße „C“ in Richtung des Kreisverkehrs fahrenden Verkehrsteilnehmers zunächst Zweifel aufkommen, ob das Vorfahrtrecht nur den Verkehrsteilnehmern zusteht, die sich auf der eigentlichen Kreisfahrbahn befinden, oder sich auch auf Radfahrer erstreckt, die den neben der Kreisfahrbahn geführten Radweg befahren. Für Letzteres spricht der Umstand, dass das Zeichen „Vorfahrt gewähren“ in Verbindung mit dem Zeichen „Kreisverkehr“ vor der sog. Querungsstelle für Radfahrer aufgestellt ist.

Setzen wir uns mal ins Auto und fahren drauflos. Am nächstbesten Kreisverkehr treffen wir auf die im Urteil erwähnte Kombination von Zeichen 215 und Zeichen 205 und fangen an zu überlegen, ob wir wohl nur gegenüber dem Verkehr auf der Kreisfahrbahn oder auch gegenüber dem Verkehr auf dem Radweg Vorfahrt gewähren müssen. Eigentlich ist an dieser Stelle schon fraglich, inwiefern für uns als Kraftfahrer an einer solchen Stelle Zweifel aufkommen dürfen: Wir müssen Vorfahrt gewähren. Uns hat gar nicht zu interessieren, welche Beschilderungen die übrigen Verkehrsteilnehmer zu sehen bekommen, zumal wir durch die Windschutzscheibe ohnehin nur die Rückseite jener Schilder einsehen könnten.

Dem steht jedoch entgegen, dass sich an den Querungsstellen für Radfahrer das Zeichen 205/klein „Vorfahrt gewähren“ befindet. Diese Regelung besagt eindeutig, dass ein die Querungsstelle befahrender Radfahrer das Vorfahrtrecht der Verkehrsteilnehmer zu beachten hat, die die in den Kreisverkehr mündende Straße „C“ befahren.

Die Richter sagen allerdings: Der Radverkehr hat aber auch ein Zeichen 205, also musste die Klägerin Vorfahrt gewähren — und zwar sowohl dem ausfahrenden als auch dem einfahrenden Verkehr. Die Straßenverkehrs-Ordnung sieht eine solche Situation aber gar nicht vor und untersagt in den korrespondierenden Verwaltungsvorschriften ausdrücklich solche doppelt-negativen Beschilderungen. Laut dem Oberlandesgericht Hamm hat der Verkehr auf der Kreisfahrbahn Vorfahrt, die in den Kreisverkehr einfahrenden Fahrzeuge haben keine Vorfahrt — soweit, so richtig. Das Gericht meint aber, der Radfahrer habe jetzt aber noch weniger als keine Vorfahrt, weil er zusätzlich ein Zeichen 205 bekommen hat, und müsste deshalb die Kraftfahrzeuge passieren lassen, die aber ebenfalls keine Vorfahrt haben, aber dann doch irgendwie Vorfahrt haben, weil ein anderer ja auch keine Vorfahrt hat — und das klappt ganz sicher nicht.

Natürlich steht es außer Frage, dass die Klägerin ihr Zeichen 205 und die Vorfahrt der Kraftfahrerin missachtet hat. Genauso hat aber die Beklagte ihr Zeichen 205 und damit die Vorfahrt der Klägerin missachtet. Man hätte sagen können, okay, da haben sich die beiden Richtigen getroffen, da machen wir mal Halbe-Halbe oder rechnen noch die Betriebsgefahr des Kraftfahrzeuges oben drauf oder bummeln da noch § 1 StVO mit rein. Oder man hätte sogar feststellen können, dass die Kraftfahrerin davon ausgehen musste, der Radfahrerin Vorfahrt zu gewähren, weil es sie eigentlich dank des eigenen Zeichens 205 gar nichts anging, ob sie mehr oder weniger Vorfahrt gegenüber der Radfahrerin hatte. Im Gegenteil, es ist eigentlich der Normalfall, den Radverkehr am Kreisverkehr durchzulassen. Man hätte auch die Straßenverkehrsbehörde mit ins Boot holen können, die diese Situation verbrochen hat.

Ah, das hat man ja. Man hat nämlich die Straßenverkehrsbehörde gefragt, welche Vorfahrtsregelung dort denn gilt:

Dies ergibt sich auch aus der vom Landgericht eingeholten amtlichen Auskunft des Kreises C vom 22.04.2010 (Bl. 81 d. A.). Danach haben die in den Kreisverkehr einfahrenden Fahrzeugführer nur dem auf der eigentlichen Kreisfahrbahn befindlichen Verkehr Vorfahrt zu gewähren.

Das Gericht verkennt allerdings, dass nicht die Straßenverkehrsbehörde, sondern allein die Straßenverkehrs-Ordnung und die aufgestellten Schilder die Vorfahrt regeln. Und wenn sich die Straßenverkehrsbehörde außerstande sieht, eine vernünftige Vorfahrtsbeschilderung zu installieren, tja, dann geht das zumindest im Zuständigkeitsbereich des Oberlandesgerichtes Hamm zu Lasten des Radverkehrs. Oder, wie es im Urteil so schön heißt:

Nur dann macht die vorhandene Beschilderung Sinn.

Die Beschilderung ergibt keinen Sinn, nur mal so nebenbei erwähnt. Sicherlich ist die Interpretation, die das Oberlandesgericht vertritt, diejenige, die auch die Behörde angestrebt hat, und sicherlich hätte die Radfahrerin mit etwas „Man sieht doch, was gemeint ist“ darauf kommen können, wie das denn wohl gemeint ist, aber sinnvoll, geschweige denn rechtssicher ist da nichts.

Es ist absolut gefährlich zu formulieren, die Radfahrerin habe noch weniger Vorfahrt als die Kraftfahrerin, weil beide ein Zeichen 205 präsentiert bekommen; dazu später noch mehr. Sich dabei auf die Position der Masten der einzelnen Schilder zu konzentrieren kann kaum zielführend sein, weil die Behörden die Schilder nunmal dort aufstellen, wo es gerade passt. Es lassen sich an jeder Straße beispielsweise die bereits erwähnten Zeichen 205 finden, die mal vor und mal hinter dem Radweg stehen, mal am Mast einer Lichtzeichenanlage hängen und vielleicht sogar an einen Laternenpfahl acht Meter von der Kreuzung entfernt gebunden wurden, weil der praktischerweise gerade dort stand und man sich die dreckige Buddelei für einen eigenen Pfosten gespart hat.

Nur in wenigen Spezialfällen hat die um ein paar Meter variierende Position des Schildes Auswirkungen, ob nur dem Fahrbahnverkehr oder auch dem Radverkehr auf dem Radweg Vorfahrt zu gewähren ist. Ansonsten müsste sich das Gericht, wenn es denn so viel Wert auf die einzelnen Aufstellpositionen der Schilder legt, auch mit der Idee auseinandersetzen, dass das kleine Fahrrad-Zeichen-205 nur gegenüber dem ausfahrenden Verkehr gelten könnte aber nicht jenseits der Mittelinsel gegenüber dem einfahrenden Verkehr, denn schließlich wurde das Zeichen 205 auf der Mittelinsel nicht wiederholt. Das hat es allerdings vermieden:

Entgegen der Ansicht der Klägerin bezieht sich das Zeichen „Vorfahrt gewähren“ an den Querungsstellen für Radfahrer nicht nur auf die aus dem Kreisverkehr ausfahrenden Verkehrsteilnehmer, auch wenn dieses Zeichen nicht erneut auf der sog. Verkehrsinsel vor dem Fahrstreifen des einfahrenden Verkehrs aufgestellt ist.

Fraglich bleibt, woher denn diese Interpretation stammt. Hat man da auch die Straßenverkehrsbehörde befragt?

Nun bleibt noch die oben aufgeworfene Frage zu beantworten, warum denn die Radfahrerin nach Meinung des Gerichtes noch sehr viel weniger Vorfahrt hatte als die Kraftfahrerin. Dazu hat man sich etwas tolles ausgedacht:

An den Querungsstellen – auch vor dem in den Kreisverkehr einmündenden Fahrstreifen der Straße „C“ – befindet sich ein abgesenkter Bordstein. Dies ergibt sich deutlich aus den vorgelegten Lichtbildern (Bl. 77 d. A.), die im Senatstermin in Augenschein genommen worden sind. Nach § 10 S. 1, 1. Hs. StVO hat u. a. derjenige, der über einen abgesenkten Bordstein hinweg auf die Fahrbahn einfahren will, sich dabei so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Daraus folgt, dass ihm keine Vorfahrt zusteht (König in: Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 41. Aufl., § 10 StVO Rn. 6a). Die Regelung des § 10 S. 1 StVO gilt auch für einen Radfahrer, der von einem Radweg über einen abgesenkten Bordstein auf eine Straße fährt (vgl. OLG Köln, NZV 1999, 373).

Im Ernst: Sind wir denn hier im Zirkus? Wenn das so in der Urteilsbegründung steht, Wahnsinn, dann… urks, okay, die Augen drehen sich wieder gegenläufig, noch mal von vorne. Aber nicht vergessen: Hier hat ein Oberlandesgericht gesprochen! Fangen wir mal ganz von vorne an:

Es gibt in Deutschland ja sowas wie Radwege, die parallel zur Fahrbahn verlaufen. Diese Radwege nehmen, weil sie fahrbahnbegleitend, also unmittelbar neben einer Fahrbahn verlaufen, an deren Vorfahrtregelung teil. Deshalb haben Radfahrer auf dem Radweg auch überall Vorfahrt gegenüber Querstraßen, wo der Fahrbahnverkehr Vorfahrt genießt. Diesen Absatz einmal bitte im Hinterkopf behalten, hier steigen wir gleich wieder ein.

Wenn man nicht will, dass Radfahrer Vorfahrt gegenüber einer prinzipiell nachrangigen Querstraße haben, dann kann man dem Radweg natürlich ein Zeichen 205 spendieren. Sobald der Bauhof aber dieses Zeichen aufstellt, ist der Radweg nicht mehr fahrbahnbegleitend, denn ansonsten gäbe es in dieser Straße zwei verschiedene Vorfahrtsregelungen, die miteinander konkurrieren. Da der Radweg dann nach dem Willen der Behörde nicht mehr fahrbahnbegleitend ist, hat das den angenehmen Nachteil, dass er auch nicht mehr benutzungspflichtig sein kann.

Eine Benutzungspflicht für einen Radweg gilt natürlich für für einen fahrbahnbegleitenden Radweg. Salopp ausgedrückt: Wenn in einer Straße ein Radweg kraft Zeichen 237, 240 oder 241 zu benutzen ist, darf der Radfahrer trotzdem in anderen Straßen weiterhin auf der Fahrbahn fahren, sofern denn nichts gegenteiliges angeordnet wurde, weil die Benutzungspflicht natürlich in ihrem Wirkungskreis begrenzt ist und ausschließlich gegenüber der begleitenden Fahrbahn gilt. Ist also ein Radweg mit Zeichen 237, 240 oder 241 verziert, gehört aber nicht unmittelbar zu einer Fahrbahn, weil er etwa nicht deren Vorfahrtsregelung teilt, kann man ja prima weiter auf der Fahrbahn radeln, denn ein Verbot für diese Fahrbahn kann nur eine Benutzungspflicht ausdrücken, die auch zu einem fahrbahnbegleitenden Radweg gehört.

Zurück zum vorletzten Absatz: Das Oberlandesgericht bezieht sich in seinem Zitat auf § 10 StVO. Dort heißt es:

Wer aus einem Grundstück, aus einer Fußgängerzone (Zeichen 242.1 und 242.2), aus einem verkehrsberuhigten Bereich (Zeichen 325.1 und 325.2) auf die Straße oder von anderen Straßenteilen oder über einen abgesenkten Bordstein hinweg auf die Fahrbahn einfahren oder vom Fahrbahnrand anfahren will, hat sich dabei so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls muss man sich einweisen lassen. Die Absicht einzufahren oder anzufahren ist rechtzeitig und deutlich anzukündigen; dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen. Dort, wo eine Klarstellung notwendig ist, kann Zeichen 205 stehen.

Unbestritten handelt es sich bei einem Radweg um einen anderen Straßenteil. Über diesen Absatz sind wohl auch die Richter gestolpert und haben gesagt, naja, da die Klägerin ja über einen abgesenkten Bordstein geradelt kam, war sie ja auch nach § 10 StVO wartepflichtig und total selbst schuld. Leider haben die Richter ihre Argumentation nicht mit der Realität abgeglichen: Wenn an jeder Stelle, an der ein Radweg eine eigentlich nachrangige Nebenstraße quert, plötzlich § 10 StVO gilt, hätte ein Radfahrer nie, niemals, an gar keine Stelle Vorfahrt, sofern er auf dem Radweg fährt. Er müsste an jeder Kreuzung, an jeder Einmündung, bei jeder Überquerung einer Fahrbahn anhalten, sowohl die eigentlich nachrangigen Fahrzeuge im Querverkehr passieren als auch die eigentlich nach § 9 Abs. 3 StVO nachrangigen Fahrzeuge aus dem Längsverkehr abbiegen lassen.

Das hätte kolossale Folgen: Bei jedem Unfall zwischen einem Radfahrer und einem unachtsam abbiegenden Kraftfahrzeug wäre eigentlich der Radfahrer schuld, weil der ja nach § 10 StVO nachrangig war und jegliche Gefährdung ausschließen musste. Weil der Verstoß eines Radfahrers gegen § 10 StVO so schwerwiegend ist, dass er eine Alleinschuld begründet, was beispielsweise bei unachtsam aus einer Grundstücksausfahrt auf die Fahrbahn einfahrenden Fahrzeugen regelmäßig der Fall ist, wären Radfahrer im Straßenverkehr in dieser Situation geradezu Freiwild: Man darf zwar nicht zuletzt wegen § 1 StVO nicht einfach draufhalten, aber falls es doch passieren sollte, wäre auf jeden Fall stets der Radfahrer schuld.

Andererseits hat das Oberlandesgericht mit diesem Urteil die Radwegbenutzungspflicht faktisch abgeschafft: Da ein Radweg ja nie und an gar keiner Stelle an der Vorfahrtsregelung einer Fahrbahn teilnehmen darf, kann es ja gar keine fahrbahnbegleitenden Radwege mehr geben. Ein Radweg mag zwar physikalisch neben einer Fahrbahn verlaufen, na und, das blaue Schild verbietet trotzdem nicht mehr die Fahrbahnradelei.

So einfach — oder: so kompliziert — ist es natürlich nicht. Auch an einem Oberlandesgericht kann man ja mal mit den Fachtermini ins Stolpern geraten, denn mitnichten ist das Überqueren einer Fahrradfurt ein „Einfahren in die Fahrbahn“, wie es die Richter bei dem vorliegenden Unfall am Kreisverkehr annehmen. Der Deubner-Verlag zitiert dazu eine recht griffige Definition:

Auch unter Einfahren wird eine Fahrzeugbewegung verstanden, die der Eingliederung in den fließenden Verkehr dient. Das Fahrzeug muss dabei aus einem Grundstück, Fußgängerbereich, verkehrsberuhigten Bereich oder von anderen Straßenteilen kommen oder über einen abgesenkten Bordstein einfahren.

Unbestritten will man sich mit einem Fahrrad aber nicht in den fließenden Verkehr eingliedern, wenn man mit dem Fahrrad eine Radfurt überquert, um anschließend auf einem Radweg weiterzuradeln. Entweder nimmt man bereits am fließenden Verkehr teil, frei nach dem Critical-Mass-Motto „Wir sind der Verkehr“, oder man nimmt vorher wie nachher nicht am fließenden Verkehr teil, auf jeden Fall findet keine Eingliederung statt.

Auch am Oberlandesgericht Hamm hätte man merken können, dass auch bei einer so vermurksten Situation wie an diesem Kreisverkehr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit § 10 StVO keine Rolle spielt. Spätestens bei der Fahrt zum Arbeitsplatz hätten die Richter sehen können, dass an den Radwegen links und rechts der Fahrbahnen ihres Gerichtsbezirkes offenbar nicht ständig § 10 StVO angewendet wird und auch die Kollegen an anderen Gerichten noch nie auf die Idee gekommen sind, diesen Paragraphen ins Spiel zu bringen.

Das vom Oberlandesgericht zitierte Urteil ist vermutlich OLG Köln, Az. 13 U 76/98 und lautet zusammengefasst:

Ein Radweg, der an einem sog. Wendehammer endet und dort über einen abgesenkten Bordstein auf die Straße führt, stellt keine Einmündung i.S.d. § 8 Abs. 1 S. 1 StVO, sondern eine Einfahrt von einem anderen Straßenteil i.S.d. § 10 S. 1 StVO dar. 2. Die zweckentsprechende Benutzung einer Wendeanlage am Kopf einer Stichstraße oder Sackgasse zum Umkehren stellt kein Wenden i.S.d. § 9 Abs. 5 StVO dar.

Damals kollidierten ein Kraftfahrzeug und ein Radfahrer, wobei der Radfahrer damals tatsächlich relativ eindeutig am Ende eines Radweges auf die Fahrbahn wechselte, was durchaus unter § 10 StVO fällt, und nicht lediglich die Fahrbahn auf einer Radfurt überqueren wollte. Insofern passt dieses mittlerweile fünfzehn Jahre alte Urteil überhaupt nur in einigen Stichworten zum jetzigen Vorfall. Umso erstaunlicher, dass sich das Oberlandesgericht trotzdem von der Argumentation des OLG Köln führen lässt.

Interessanterweise ist das Fazit des Oberlandesgericht Hamm wiederum so verkehrt nicht:

Bei dieser Sachlage bestehen letztlich keine berechtigten Zweifel daran, dass ein den Radweg befahrender Radfahrer an der Querungsstelle den Vorrang der Verkehrsteilnehmer beachten muss, die die Straße „C“ befahren.

Das steht auch weiterhin außer Frage. Die Radfahrerin hatte ihr Zeichen 205 und hätte die Kraftfahrerin durchlassen müssen. Nur die wiederum hatte ebenfalls ein Zeichen 205 und hätte davon ausgehen sollen, die womöglich bevorrechtigte Radfahrerin durchlassen zu müssen. Vermutlich macht es sich das OLG Hamm doch noch etwas zu einfach, hier eine glasklare Situation ohne jegliche berechtigten Zweifel festzustellen.

Schade, dass der Bundesgerichtshof die Revision verweigert hat. Denn nachdem dieses Urteil rechtskräftig geworden ist, kann dem Radverkehr in Deutschland nur noch die Fahrbahn empfohlen werden, wo im Gegensatz zum Radweg eindeutige Vorfahrtsregeln herrschen. Womöglich ist es tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit, bis das erste Gericht mit Bezug auf dieses Urteil einen unaufmerksamen Kraftfahrer von seiner Schuld bei einem Rechtsabbieger-Unfall freispricht, weil der Radfahrer beim Überqueren der Kreuzung gegen § 10 StVO verstoßen hat.

OLG Hamm: Noch weniger Vorfahrt als keine Vorfahrt für Radfahrer

Kreisverkehre und Radwege sind immer so eine Sache, die in der Regel gehörig schiefgeht. Das liegt einerseits an den komplizieren Vorfahrt- und Vorrangsbeziehungen, die zwischen Kraftfahrzeugen auf der Fahrbahn, Fahrrädern auf dem Radweg und Fußgängern auf dem Gehweg gelten und sich mit bloßem Fahrschulwissen auf gar keinen Fall auflösen lassen. Und wenn sich die Rechtsprechung einschaltet, dann wird es ganz furchtbar schlimm.

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Kraftfahrer verursacht Unfall, Radfahrer trägt keinen Helm

Noch eine kurze Frage zur Nacht: Was ist wohl das wesentliche an einem Unfall? Dass der kraftfahrende Unfallverursacher sich grob ordnungswidrig verhalten hat oder dass das ranfahrende Unfallopfer keinen Helm trug?

In Paderborn ist ein Kraftfahrer vermutlich aus Ungeduld kurzerhand im Stau abgebogen und hat den zu dem Zeitpunkt neben sich befindlichen Radfahrer unfreiwillig mitgenommen: Autofahrer beim Abbiegen mit Radfahrer kollidiert

Hamburg soll grüner werden

Aufgemerkt: Hamburg, gescheiterte Umwelthauptstadt und Vorzeigeprojekt einer nicht ganz so großartigen Radverkehrspolitik will grüner werden. Und die Sache klingt durchaus ambitioniert: Metropolen: Hamburg will Hauptstadt der Radler und Fußgänger werden

Es wird noch eine Weile dauern, aber wenn es Realität wird, wäre es eines der spektakulärsten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland: Mit dem sogenannten „grünen Netz“ will Hamburg das eigene Stadtbild bis 2030 radikal verändern. Rund 40 Prozent der Stadt sollen schon bald aus Grünflächen, Spielplätzen, Gärten und Erholungsgebieten bestehen.

Solche Pläne klingen ja leider immer ein bisschen gruselig: Man darf gespannt sein, was daraus wird.

Berlin: Radfahrer sollen gefährliche Kreuzungen melden

Berliner Radfahrer können ab sofort gefährliche Kreuzungen auf einer vor kurzem eingerichteten Internetseite melden. In den nächsten vier Wochen will die Verkehrsverwaltung das Gefahrenpotenzial von Kreuzungen ermitteln, das normalerweise abseits der Unfallmeldungen in der Dunkelziffer untergeht. Verbesserungen werden allerdings auf sich warten lassen: Zunächst werden nur die zwanzig am häufigsten bemängelten Brennpunkte genauer untersucht werden, bis dort dann beispielsweise bauliche Modifikationen vorgenommen werden, wird es sicherlich noch eine ganze Weile dauern:

Einen Monat lang darf jeder auf einer speziellen Internetseite Kreuzungen in Berlin markieren und beschreiben, wieso gerade diese so gefährlich ist. Die 20 meistgenannten Kreuzungen sollen von Experten der Verkehrsverwaltung genauer untersucht werden.

Siehe auch:

Nun wird’s amtlich: Fahrradhelme schützen vor Unfällen

Die Unfallberichte im Polizei-Ticker sind ein stetige und zuverlässige Quelle vor die morgendliche Kopfschütteln-Attacke. In Löhne gerieten im Spätsommer ein Rad- und ein Kraftfahrer aneinander: Verkehrsunfall mit verletzter Person – Gohfeld – Radfahrer angefahren

Die Polizei schreibt:

Dieser Verkehrsunfall ist ein Beispiel für viele gleichgelagerte Verkehrsunfälle mit Radfahrern im Kreis Herford. Das Fehlverhalten von Radfahrern ist in Kombination mit einem weiteren Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle mit verletzten Radfahrern. Die Verletzung gehen dabei nicht immer so glimpflich ab, wie in diesem Fall. Verhindern Sie solche Unfälle, indem Sie einen Fahrradhelm tragen und die vielerorts vorhandenen Radwege in der richtigen Richtung benutzen.

Unfälle lassen sich nicht mit Helmen verhindern, mit Helmen lassen sich allenfalls die Unfallfolgen vermindern. Und ob Radwege nun Unfälle vermeiden, naja, da darf man angesichts der vielen Schulterblick-Verweigerer hinter der Windschutzscheibe doch noch geteilter Meinung sein.

Man hätte anstelle der Empfehlung zum Fahrrad-Helm auch erklären können, dass Fahrzeugführer laut § 26 Abs. 1 StVO an Fußgängerüberwegen lediglich Fußgängern das Überqueren ermöglichen müssen. Das ist zwar kein Freibrief, um Radfahrer auf die Motorhaube aufzuladen, aber einfach so drüberradeln ist eben in der Gegenwart von bevorrechtigten Fahrzeugen nicht empfehlenswert.

Vor Kreuzungen immer bremsbereit fahren

Die Sache mit den Ampeln für Radfahrer ist immer eine komplizierte: Einige Radlinge haben ohnehin Probleme mit der Farbe der Ampeln, andere tun sich mit der Wahl des richtigen Signalgebers schwer. Ein Problem findet eigentlich viel zu selten Erwähnung: Wenn für den Radverkehr nicht ausgerechnet eine kleine Baby-Ampel aufgestellt wurde, kommen die Signalgeber meistens ohne gelbes Licht aus. In der Praxis schaltet der Signalgeber irgendwann auf Rot, als Radfahrer kommt man dann entweder rechtzeitig zum Stehen oder begeht einen Rotlichtverstoß, der unterhalb einer Sekunde glücklicherweise relativ günstig bleibt und in der Regel vom Augenmaß der Staatsmacht überhaupt nicht weiter geahndet wird.

Manchmal ist es mit dem Augenmaß allerdings nicht so weit her, dann geht’s bis vors Gericht: Radler bei Rot über die Straße: Freigesprochen!

Eigentlich hätte der Mann 45 Euro zahlen und einen Punkt in Flensburg bekommen sollen. Hier lesen Sie, warum er straffrei ausgeht – und wieso der Fall den Fahrradclub ADFC beschäftigt.

Das Gericht sah wohl binnen Minuten ein, dass der Radfahrer in der Situation nicht mehr rechtzeitig vor der Kreuzung zum Stehen gekommen wäre. Beinahe interessanter ist das, was noch so alles zusätzlich im Artikel steht:

Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich auf Anfrage des ADFC dahingehend, dass Radlfahrer jederzeit bremsbereit in eine Kreuzung einzufahren hätten, gerade weil Kombi-Ampeln keine Gelbphase haben.

Das Bundesverkehrsministerium tut sich mit solchen Aussagen leider mitunter ganz schön schwer, man denke da an das so genannte Schildergate oder die lustigen Antworten zu Radwegbenutzungspflichten, die zu recht wie wie eine Trophäe im Netz herumgeschickt werden. Prinzipiell ist es ohnehin keine schlechte Idee, während der Anfahrt auf eine Kreuzung die Hände an den Bremshebeln zu lassen, wer weiß, wer denn gleich ohne Schulterblick rechts abbiegen möchte.

Es ist allerdings ebenso typisch für das Bundesverkehrsministerium, sich der grundsätzlichen Problematik hinter dem fehlenden Gelblicht an den meisten Ampeln gar nicht zu stellen und stattdessen die Verantwortung auf den Radverkehr zu übertragen: Der soll halt bremsbereit sein, der muss ja schließlich auch das Bußgeld bezahlen. Man hätte ja auch anregen können, eine auch in der Praxis brauchbare Regelung zu schaffen oder wenigstens anweisen können, bei der Sanierung von Kreuzungen zusätzliche Fahrrad-Ampeln an den Radwegen aufzustellen.

Bleibt die Frage, inwieweit denn ein Rotlichtverstoß auch im bremsbereiten Zustand noch zu tolerieren ist. Auch mit angezogenen Bremsen, ja, sogar artig zu Fuß schiebend lässt sich nicht vermeiden, plötzlich bei unvermittelt aufleuchtendem roten Licht auf die Fahrbahn zu treten. Prinzipiell wäre hier an das Augenmaß der Ordnungsmacht zu appellieren, aber dass es darum nicht besonders gut bestellt ist, zeigt ja schon das für den Zeitungsbericht ursächliche Verfahren.

Diese Ampel-Regeln gelten laut Polizei:

Aufgemerkt! Man hätte auch einfach in die Straßenverkehrs-Ordnung gucken können. Na gut, „einfach“ ist ein bisschen übertrieben, die daraus resultierende und mittlerweile schon recht legendäre Tabelle ist schließlich gar nicht mal so übersichtlich. Aber gucken wir mal, was die Polizei zu sagen hat und wie detailliert das in dem Artikel wiedergegeben wird:

  • Keine Radl-Ampel: Für Radfahrer gilt, was die Ampel für Autos anzeigt.

Prima, denkt man sich da doch als Radfahrer, mindestens die Hälfte aller Signalgeber für Fußgänger und Radfahrer an den Kreuzungen kommt ohne Fahrrad-Piktogramm aus, weil noch niemand die nötige Lust für einen Austausch aufbringen konnte — und selbstverständlich gilt in dem Falle nicht automatisch der Signalgeber für den Fahrbahnverkehr. Eine solch lustige Falschinformation ist ja insbesondere im Gesamtzusammenhang mit dem eigentlichen Urteil gar nicht mal so witzig.

  • Kombi-Ampel (Fußgänger und Radfahrer): Dieses Signal gilt verbindlich, egal was die Ampel für Autos anzeigt.

Na gut, das ist zwar etwas oberflächlich umrissen, aber wenigstens nicht komplett verkehrt.

  • Fahrrad-Ampel: Gibt’s eine, müssen Radlfahrer sich ans separate Signal halten. Da diese Ampel auch Gelbphasen hat, gilt hier die selbe Regel wie für Autos: Wer bei Gelb gefahrenlos stehen bleiben könnte und trotzdem noch rüberfährt, begeht einen „Gelblichtverstoß“ – und zahlt, wird er erwischt, 10 Euro.

Das ist so witzig wie der erste Punkt, denn tatsächlich fehlt einen nennenswerten Anteil von Signalgebern für den Radverkehr das versprochene gelbe Licht, stattdessen kommen die beispielsweise mit einer grünen und zwei roten Optiken daher. Tatsächlich gibt es da den Tatbestand 137006: „Sie missachteten das Gelblicht der Lichtzeichenanlage, obwohl Sie gefahrlos hätten anhalten können.“ Kostet zehn Euro, wenn der Täter erwischt wird und die Polizei meint, dass dieses ordnungswidrige Verhalten unbedingt zu ahnden wäre — schließlich gehört das Gasgeben bei gelber Ampel bei Kraftfahrern zum guten Ton, ohne dass es jemanden störte.

  • Fußgänger-Übergang: Gibt’s nur eine Fußgänger-Ampel (wie etwa vom Stachus wegführend in Richtung Hauptbahnhof), gilt diese auch für Radl.

Hier stimmt vor allem das Vokabular nicht: Der „Fußgänger-Übergang“ könnte schließlich leicht mit dem Fußgängerüberweg, umgangssprachlich Zebrastreifen, verwechselt werden. In diesem Fall sollten schon die eindeutigen Fachbegriffe gewählt werden, um Verwechselungen, wie sie in diesen Tagen vom ACE angeregt werden, zu vermeiden; Fußgängerüberwege dürfen nämlich per Definition nicht Bestandteil von lichtzeichengeregelten Kreuzungen sein. Überhaupt muss man hier erst wissen, was eigentlich gemeint ist, um zu wissen, wie das zu verstehen ist: Offenbar ist mit „Fußgänger-Übergang“ eine einsame Ampel irgendwo an einer Straße gemeint, die den Fußgängern das Überqueren der Fahrbahn erleichtern soll.

„Ich bin dort auch schon geradelt, es ging gut“

Noch mal zurück zur lustigen Fahrbahnmalerei in Augsburg. Nach dem A2011-Blogeintrag nahm sich jetzt die Augsburger Allgemeine den roten Streifen an: Roter Radstreifen in der Adenauer-Allee löst Diskussionen aus

Die Markierung in der Adenauer-Allee löst Diskussionen aus. Ein Blogger kritisiert den roten Streifen, der viel zu schmal sei. Bei der Stadt sieht man das anders.

Die Stadt findet ihre eigene Maßnahme natürlich total in Ordnung, wäre ja auch seltsam, wenn nicht, und eine Mitarbeiterin des Tiefbauamtes meint: „Ich bin dort auch schon geradelt, es ging gut.“ Das ist witzigerweise exakt die Antwort, die man als querulierender Radfahrer jedes Mal von den Behörden bekommt: Deren Mitarbeiter sind nämlich da auch schon mal langgefahren und das ging natürlich bequem und toll und sicher. Selbst bei solchen Schutzstreifen von einem halben Meter Breite, die sich noch nicht einmal mit einem Fahrradkorb hinten auf dem Bike beradeln lassen, weil der sonst ständig am Lack parkender Kraftfahrzeuge schrammt, wäre doch alles ganz in Ordnung, man müsse eben ein bisschen aufpassen, sich als Radfahrer eben an die Regeln halten und auch mal auf seine Rechte verzichten.

Offenbar gibt es innerhalb der Behörden ein grundsätzlich falsches Verständnis von der eigenen Aufgabe: Es ist nicht Aufgabe der Stadt, irgendeine Radverkehrsinfrastruktur auf den Boden zu pinseln, die mit viel Vorsicht und Verzicht auf die eigenen Rechte womöglich unfallfrei zu befahren sein könnte, nein, es ist Aufgabe der Stadt, eine vernünftige und sichere Infrastruktur anzubieten.

Nun ist nicht ganz klar, ob das Augsburger Tiefbauamt beim Hantieren mit Fachbegriffen und Verkehrsregeln durcheinander kam oder ob sich das erst während der Verschriftlichung in der Augsburger Allgemeinen zugetragen hat. Man scheint sich ja leider nicht ganz im Klaren zu sein, ob das nun ein Radfahrstreifen sein soll oder doch ein Schutzstreifen, was allerdings bezüglich der baulichen Vorschriften und der damit einhergehenden Verkehrsregeln wesentliche Unterschiede bedeutet. Im Endeffekt ist das übrigens weder ein Schutz- noch ein Radfahrstreifen: Beide verlangen unter anderem nach einer weißen Markierung, entweder durchgehend oder unterbrochen, die hier überhaupt nicht vorhanden ist.

Selbst wenn es sich um einen Schutzstreifen handelte, muss — und sollte! — der natürlich nicht benutzt werden. § 2 Abs. 2 StVO verlangt zwar von Fahrzeugführern das so genannte Rechtsfahrgebot einzuhalten, aber wenn das Einhalten des Rechtsfahrgebotes nunmal nicht mit der Breite eines Schutzstreifens korrespondiert, tja, dann fährt man eben links davon. Wichtiger als aufgemalte Streifen jeglicher Farbe ist die Einhaltung des eigenen Sicherheitsabstandes nach rechts. Und anders als der Artikel suggeriert, darf auch permanent links neben dem Streifen gefahren werden, nicht nur beim Überholen anderer Radfahrer.

Ein solches Verhalten wird natürlich zwangsläufig wieder Reaktionen der Kraftfahrer provozieren, die sich wieder im Glauben bestärkt fühlen, Radfahrer hielten sich ja eh nie an die Verkehrsregeln, in einer Tempo-30-Zone dann aber doch noch um jeden Preis und mit überhöhter Geschwindigkeit überholen müssen und im Zusammenspiel mit den lustigen Streifen der Straßenverkehrsbehörde wieder für ein signifikant erhöhtes Gefährdungspotenzial in dieser Straße sorgen.

Insofern: Ja, man kann bestimmt „gut“ auf diesen Streifen fahren, wenn man die eigene Sicherheit in Form eines Sicherheitsabstandes außer Acht lässt. Einen größeren Gefallen hätte man sich wahrscheinlich getan, die Streifen einfach beiseite zu lassen.

ADFC: Bundesregierung verschläft den Fahrradboom

Der stern berichtet über die Ergebnisse der Bundeshauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs: Fahrrad-Club: Politik verschläft Megatrend Fahrrad

Die Bundespolitik tut nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nicht genug für die Radfahrer.

Augsburg: Door-Zone wird rot markiert

A2011 beklagt sich vollkommen zu Recht über seltsame Fahrbahnmarkierungen in Augsburg: Augsburg kann es nicht

Augsburg kann es nicht. Augsburg ist nicht in der Lage, eine moderne Fahrradinfrastruktur einzurichten. Das neueste Beispiel ist die Konrad-Adenauer-Allee. Der Duchgangsverkehr fließt inzwischen über die Schießgrabenstraße. Die Konrad-Adenauer-Allee soll eine bequeme Fahrradroute in Süd-Nord-Richtung bilden.

Das komische rote Ding am Fahrbahnrand, viel zu schmal und direkt an der gefährlichsten Stelle endend, soll also ein Schutzstreifen sein. Ein Glück, dass Schutzstreifen laut der Straßenverkehrs-Ordnung mit Zeichen 340 abgetrennt werden und das Zeug dort dementsprechend nicht mehr als eine lustige rote Fläche auf der Fahrbahn ist.

Vielleicht soll ja der Gefahrenbereich der Door-Zone angezeigt werden? Dazu passt ja schließlich die rote Signalfarbe.