Mit Tempo 30 Leben retten

Das europaweite Volksbegehren für Tempo 30 als innerörtliche Höchstgeschwindigkeit hat kaum noch eine Chance, kurz vor Ablauf der einjährigen Mitzeichnungsfrist wurde noch nicht einmal ein Bruchteil der notwendigen Unterschriften gesammelt. Im Publik-Forum kommt Heike Aghte als Sprecherin der Initiative zu Wort: »Tempo 30 rettet Leben«

Nach der Bundestagswahl wird auch über die Verkehrspolitk neu geredet. Eine Europäische Bürgerinitiative möchte erreichen, dass auf den meisten Straßen Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit eingeführt wird. Sie hat dafür ein Volksbegehren gestartet und will bis Mitte November über die Webseite www.30kmh.eu eine Million Unterschriften sammeln. Fragen an die Sprecherin der Initiative, Heike Aghte

„Fahrradhelme können Leben retten“ und „schützen erheblich“

Es gibt für Radfahrer gleich zwei Gretchenfragen: Wie hältst du’s mit den Hochbordradwegen — und fährst du mit Helm? Beide Themen wurden mehr oder weniger wissenschaftlich untersucht und ausgesprochen kontrovers diskutiert.

Gerade der Debatte um Fahrradhelme und eine eventuelle Helmpflicht wird zudem äußerst unsachlich geführt. Weil für jeden „normalen Menschen“ erkennbar wäre, dass Fahrradhelme Leben retten und zwar in jeder Situation, werden keine Gegenargumente zugelassen und die Gegner einer Helmpflicht bereits nach wenigen Wortmeldungen ignoriert, teilweise beleidigt und beschimpft — wobei letzteres auch gerne in gleicher Form zurückgegeben wird. Helme schützen Schulkinder und retten Leben, darum darf deren Wirksamkeit gar nicht erst angezweifelt werden.

Dabei steht es eigentlich außer Frage, dass ein Fahrradhelm schützen kann — es geht lediglich darum, in welchen Szenarien er dazu in der Lage ist. In den Unfallberichten der Polizei, die es regelmäßig in die Onlinemedien schaffen, würde beispielsweise von einem Radfahrer berichtet, der von einem abbiegenden Lastkraftwagen überrollt wurde; wichtiger als die genauen Unfallursachen und deren Bekämpfung scheint aber die Tatsache, dass der Radfahrer keinen Helm getragen hat — als ob der unter den Zwillingsreifen noch etwas hätte ausrichten können oder gar die lebenswichtigen Organe unterhalb des Halses geschützt hätte.

Bei genauerer Beobachtung der Berichterstattung fällt auf, dass es kaum einen „vernünftigen“ Beitrag zu Fahrradhelmen gibt. Es wird ja gar nicht verlangt, dass jede Kaufberatung im Frühstücksfernsehen gleich von einer ausgewogenen Betrachtung der Vor- und Nachteile einer eventuellen Helmpflicht flankiert wird, aber die glorifiziert dargestellten Fähigkeiten des Helmes tragen nicht gerade zu einer Versachlichung der Debatte dar. stern TV versuchte unlängst die Wirksamkeit des Helmes mit einem Crash-Test-Dummy darzustellen: Ohne Fahrradhelm flog der Dummy hoch in die Luft und prallte senkrecht mit dem ungeschützten Kopf auf den Asphalt, mit Helm schlitterte der Dummy seitlich über die Motorhaube und rutschte schon beinahe locker-flockig nach unten, ohne dass der Helm überhaupt mit dem Boden Bekanntschaft schloss. stern TV resümierte: Ohne Helm wäre der Radfahrer gestorben, mit Helm hätte er lediglich leichte Verletzungen erlitten — dass die beiden Versuche längst nicht identisch abgelaufen waren, hatte man offenbar nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Insofern wäre es schön, wenn es endlich mal einen sachlichen, gerne auch helmbefürwortenden Beitrag zur Debatte gäbe. Um es gleich vorweg zu nehmen — der folgende ist es nicht: „Fahrradhelme können Leben retten“

Der Trend geht zur zwar Kopfbedeckung: Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen steigt die Zahl der Helm tragenden Radfahrer seit Jahren kontinuierlich. Insgesamt bleibt der Anteil allerdings noch sehr gering: 2011 lag die Helmfahrerquote insgesamt bei gerade elf Prozent, 56 Prozent der Kinder unter zehn Jahren traten nur mit Schutzausrüstung in die Pedale.

Die meisten der Argumente wurden in diesem Blog schon hinreichend behandelt. Neu ist aber:

Auch wenn die Studienlage zur Sicherheit von Fahrradhelmen komplex ist: Experten gehen davon aus, dass 95 Prozent der tödlich verunglückten Radler mit einem Helm hätten gerettet werden können.

Ohne jetzt hier in der S-Bahn die notwendigen Zahlen zur Hand zu haben: Das stimmt so ganz sicher nicht. Laut dem Artikel wären 95 Prozent der Todesfälle mit einem Helm zu verhindern gewesen, also war in 95 Prozent der Todesfälle ausschließlich eine Kopfverletzung ursächlich für den Tod des Radfahrers. Man muss sich allerdings nur einmal die Unfallberichte der letzten paar Wochen durchlesen, als in den letzten Sommertagen ein Radfahrer nach dem anderen von abbiegenden Kraftfahrzeugen erfasst wurde. Spätestens beim Kräftemessen mit einem Lastkraftwagen dürften die Verletzungen am unbehelmten Kopf nur noch eine untergeordnete Rolle spielen: Die Berichte verweisen zwar pflichtbewusst auf den fehlenden Helm, verschweigen aber nicht, dass der Tod aufgrund von inneren oder „nicht mit dem Leben zu vereinbarenden“ Verletzungen eintrat.

Selbst unter der Prämisse, dass eine Kopfverletzung tödliche Folgen hatte, ist die Rechnung noch längst nicht so einfach, dass „ohne Helm = tot, mit Helm = lebendig“ eine valide Gleichung wäre. Ab einer gewissen Geschwindigkeit kann ein handelsüblicher Fahrradhelm kaum in das Unfallgeschehen eingreifen. Die Kollision gegen ein abbiegendes Kraftfahrzeug entspricht in etwa dem Aufprall auf ein stehendes Hindernis: Wenn dort Kopf und Karosserie zusammentreffen, spielen die paar Zentimeter Styropor nur noch eine untergeordnete Rolle. Noch schlimmer sieht es natürlich aus, wenn ein Radfahrer von einem fahrenden Kraftfahrzeug erfasst wird, das entsprechend mehr Energie in das Unfallgeschehen pumpt.

Wie auch immer: 95 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrer wären auch mit einem Helm sicherlich nicht mehr am Leben.

Backhaus‘ Radtour: Es steht Aussage gegen Aussage

Die berühmte Radtour von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat zunächst einmal keine weiteren juristischen Folgen: „Landstraßen-Streit“ für Backhaus folgenlos

Der Streit mit einem Autofahrer hat für Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus keine juristischen Folgen. Die Staatsanwaltschaft Rostock wird das Verfahren gegen den SPD-Politiker einstellen. Die Ermittler wollen die Akten schließen, das heißt sowohl gegen Backhaus als auch gegen den Autofahrer wird nicht weiter ermittelt. Weil Aussage gegen Aussage steht, wird das Verfahren – wie in vergleichbaren Fällen – eingestellt.

Backhaus war Anfang August mit einem Kraftfahrzeugführer auf einer engeren Landstraße aneinandergeraten, nachdem er mit seiner Familie offenbar ohne nennenswerten Sicherheitsabstand überholt wurde. Die Einstellung des Verfahrens ist hingegen überraschend, weil es ja den Medienberichten zufolge wenigstens zu einer Feindberührung zwischen Backhaus’ Knie und dem Kraftfahrzeug gekommen sein muss — irgendetwas muss ja offensichtlich vorgefallen sein.

„Aussage gegen Aussage“ ist hingegen kein Grund für eine Einstellung eines Ermittlungsverfahrens: Zeugenaussagen lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Was im Tatort funktioniert und am Stammtisch detailliert beschrieben wird, klappt spätestens vor dem Richter nicht mehr: Dort zählt, was der Richter als den wahrscheinlichsten Tathergang erachtet. Mathematische Überlegungen, inwiefern die Aussage des Kontrahenten mit einer passenden „Gegenaussage“ annuliert werden kann, funktionieren weder dort noch bei der Staatsanwaltschaft — und das bekräftigt schließlich auch Staatsanwalt Holger Schütt, der angesichts der Aussagen lediglich nicht feststellen konnte, wie sich die Tat wohl wirklich zugetragen haben könnte.

Insofern ist es ja schon beinahe beruhigend, dass es für Till Backhaus keine Sonderbehandlung gab: Bei Unfällen Radfahrern ist der Ermittlungsdruck bei Polizei und Staatsanwaltschaft leider nicht immer so hoch wie es sich der Geschädigte wünschen mag.

Radfahren im Park: Auf der Suche nach Verkehrsregeln

Die Frankfurter Rundschau war eine ganze Weile damit beschäftigt, in Erfahrung zu bringen, ob Radfahrer in einem Park radeln dürfen oder nicht: Wie auf der Fahrrad-Autobahn

In Frankfurter Parks kommen sich Radfahrer und Fußgänger ins Gehege. Die Stadt duldet das Radfahren in den Grünanlagen. Rasende Radler müssen mit einer Strafe rechnen. Das Ordnungsamt macht Kontrollen.

Man hätte das alles relativ einfach haben können, indem man einfach einen Blick auf die Beschilderung wirft. Falls man sich damit überfordert sieht, liegt die Telefonnummer des Ordnungsamtes sicherlich irgendwo in der Redaktion herum.

Die Frankfurter Rundschau aber fragt ausgerechnet bei jenen nach, die vermutlich am wenigsten Ahnung haben: Bei den Parkbesuchern. Neun von zwölf Absätzen lang dümpelt der Artikel im Park umher und fragt Fußgänger nach den Verkehrsregeln, die sich aber gar nicht so ganz sicher sind und sich mit Vermutungen und Meinungen aufhalten. Die eigentlichen Problemverursacher bekommt die Rundschau aber nicht zu fassen, weil der Redakteur mit Radfahrern und Joggern, die mit ihrem Tempo Unruhe in den Park bringen, nicht mithalten kann. Das ist schon ein bisschen witzig.

Erst am Ende der Volksbefragung wird aufgelöst: Das Radfahren ist prinzipiell nicht gestattet, an den Eingängen zum Park ist Zeichen 239 aufgestellt, dass die Wege für Fußgänger reserviert. Damit ist die Sache beinahe klar, aber:

„Radfahren in Parks ist nicht grundsätzlich verboten, sagt auch Ralph Rohr, Sprecher des Ordungsamts. Radfahrer müssten Rücksicht nehmen und nicht schneller fahren, als es der Situation angemessen ist. Wenn Radler rasen und Fußgänger gefährden, müssten sie mit einer Strafe rechnen. Das Ordnungsamt kontrolliere auch in Parks, vor allem, wenn es Beschwerden gebe.

Dass Radfahren im Park geduldet wird geht aus der Beschilderung nun aber nicht hervor, weil das entsprechende Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ offenbar nicht angeschraubt wurde. Dann braucht man sich über Gehweg- und Parkradler aber nicht zu wundern: Wenn das Radfahren in diesem eigentlich den Fußgängern vorbehaltenen Park gestattet ist, kann es ja schließlich auf den genauso beschilderten Gehwegen nicht verboten sein. Und wenn die Schilder so gammelig daherkommen, wie das abgebildete Exemplar, verwundert ohnehin nichts mehr.

Schade, dass die Stadt Frankfurt hier trotz der eindeutigen Beschilderung auf eindeutige Regelungen verzichtet. Mit dieser weichen Auslegung, bei denen auch nur der Extremfall der überhöhten Geschwindigkeit geahndet wird, tut sie weder Fußgängern noch Radfahrern einen Gefallen.

Kurz korrigiert: Cloppenburg will Seitenstreifen-Parker beknollen

Die Stadt Cloppenburg hat nach der Einrichtung eines Radfahrstreifens ein Problem mit Kampfparkern: Stadt droht mit Knöllchen

20 Euro werden fällig, wenn ein Autofahrer dabei erwischt wird, wie er sein Fahrzeug auf dem Radfahrstreifen an der Eschstraße abstellt. Viele Autofahrer lässt diese Drohung kalt.

Angeblich soll es sich bei dieser Verkehrsfläche allerdings nicht um einen Radfahrstreifen, sondern lediglich um einen Seitenstreifen mit lustigen weißen Fahrrädern handeln: Es gibt offenbar kein Zeichen 237, dass diesen Seitenstreifen in einen Radfahrstreifen verwandelt hätte. So dürfen Radfahrer auf dieser Fläche fahren, allerdings auch Kraftfahrzeuge abgestellt werden.

Die Breite des Radfahrstreifen wird mit immerhin 1,5 Metern angegeben. Das mag man angesichts des des Bildes kaum glauben, schließlich braucht das aufgemalte Fahrrad eine Lücke in der Seitenmarkierung, um überhaupt in den optisch relativ schmalen Streifen zu passen.

Auch mit Helm kann man sterben

Gerade eben ärgert man sich noch über einen blöden Unfallbericht, da stolpert man über dieses Kunstwerk: Porschefahrer fährt in Radfahrer – Rentner wird in Frontscheibe geschleudert und ist trotz Schutzhelm sofort tot

Polizei vermutet: „Die Lichtschattenspiele könnten eventuell Unfallursache sein!“ – Straße führt durch einen Wald

Wer um alles in der Welt denkt sich eigentlich solche Überschriften aus? Ist der Glaube an die lebensrettenden Fähigkeiten des Fahrradhelmes, die teilweise nicht einmal mehr von der in diesem Universum gültigen Gesetzen der Physik erklärt werden können, schon so tief verankert, dass es vollkommen unwahrscheinlich scheint, dass man auch mit einem behelmten Kopf sterben kann? Schließlich muss der Helm ja gar nichts mit dem Unfall zu tun haben, auch ein Zwillingsreifen eines abbiegenden Lastkraftwagen wirkt sich auf dem Bauch nicht gerade lebensverlängernd aus. Das Unverständnis, dass man es auch mit behelmten Kopf ins Jenseits schafft, wird noch einmal mit derartiger Verwunderung inmitten des Artikels bekräftigt, dass man gar nicht mehr weiß, was man davon halten soll.

Die Polizei identifiziert derweil Licht-Schatten-Spiele auf der Fahrbahn als Unfallursache. Dieser Ansatz folgt allerdings einer ähnlich verqueren Logik wie der lebensrettende Fahrradhelm, denn unfallverursachend dürfte eher die an die Lichtverhältnisse nicht angepasste Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugführers gewesen sein, der den Radfahrer von hinten anstieß.

Ganz ähnlich liest sich ein anderer Vorfall in der Mainpost, bei dem es der Helm wenigstens nicht bis in die Schlagzeile geschafft hat: Radfahrer stirbt nach Zusammenstoß mit Lastwagen

Den Zusammenhang zwischen dem prominent erwähnten, weil fehlenden Helm und dem, was er bei einem seitlichen Aufprall „mit voller Wucht“ noch hätte ausrichten können, sucht man vergebens.

Vielleicht sollte man sich solche Berichte einfach nicht mehr durchlesen.

Kraftfahrer brauchen keine Ausrede

Es ist müßig, sich die Presseberichte zu Unfällen im Straßenverkehr durchzulesen. Meistens regt man sich auf, weil die Berichte etwas, naja, einseitig zugunsten der Kraftfahrer geschrieben werden — selbst wenn der Unfallverursacher hinter dem Steuer saß. Womöglich fehlt es tatsächlich am Bewusstsein, auch neutrale Berichte schreiben zu können, die ohne die üblichen Phrasen auskommen — ein Kraftfahrer kann einen Radfahrer schließlich nicht nur übersehen, sondern auch unaufmerksam gewesen sein oder gar die Vorfahrt grob fahrlässig missachtet haben: Der Radfahrer wird ja schon bremsen. Wenn der Unfallverursacher auf dem Rad saß, wird ausführlich und detailliert dessen Fehlverhalten beschrieben, auf den womöglich nicht getragenen Fahrradhelm eingegangen und in einem abschließenden Fazit bemängelt, dass sich Radfahrer eh nie an die Verkehrsregeln hielten. Wenn der Kraftfahrer den Unfall verursacht hat, wird ausführlich und detailliert das Fehlverhalten des Radfahrers beschrieben, auf den womöglich nicht von einem Helm geschützten Kopf des Radfahrers eingegangen und in einem abschließenden Fazit bemängelt, dass Radfahrer ja zu selten auf ihre Vorfahrt verzichteten.

Bei diesem Verkehrsunfall in der Hamburger Fruchtallee war der unfallverursachende Kraftfahrer nicht unaufmerksam, nicht zu schnell oder sonstwas, sondern wurde eventuell von der tiefstehenden Sonne geblendet, so dass er seine rote Ampel nicht wahrnehmen könnte.

Das ist für Kraftfahrzeugführer eine äußerst komfortable Situation: Um Ausreden muss er sich keine Sorgen machen, das übernehmen die Medien und womöglich bereits der Unfallbericht der Polizei.

Davon abgesehen, auch wenn das in den anklagenden Beitragen dieses Weblogs nicht immer hervortritt, dürfte der Kraftfahrer den Unfall längst nicht so locker weggesteckt zu haben, wie es die Begründung mit der tiefstehenden Sonne vermuten lässt — eigentlich noch ein Grund mehr, auf derart einfache Begründungen zu verzichten.

Hamburg: Nur ein Spiegel für sicheres Radfahren

Erinnert sich noch jemand an diesen Artikel von Mitte April? Damals wollte die Stadt Köln die Sicherheit des Radverkehrs wenigstens einigermaßen erhöhen, indem sie das Konzept von Spiegeln ausprobiert, die an Kreuzungen unter den Signalgeber der Lichtzeichenanlage geschraubt werden und den Kraftfahrzeugführern den Blick in den so genannten toten Winkel rechts ihres Fahrzeuges ermöglichen.

In Hamburg will man das nun auch probieren, schreibt die Hamburger Morgenpost: CDU: Mini-Spiegel sollen Radfahrer schützen

Mehr als 3000 Unfälle mit Radfahrern zählte die Polizei 2012, zwischen Januar und Juli 2013 waren es schon 1544. Mit Mini-Spiegeln will die CDU nun für mehr Sicherheit sorgen.

Der Artikel misst lediglich drei Absätze und schweigt sich leider in Details über die geplante Maßnahme aus. Es dürfte allerdings unwahrscheinlich sein, dass die Hanseaten das Konzept ambitionierter vorantreiben als die Kölner Kollegen. Es gibt bezüglich dieser Spiegel-Idee durchaus Diskussionsbedarf, sogar recht großen, der sich im Beitrag vom April nachlesen lässt. In den Kommentaren unter dem Morgenpost-Artikel schweift man derweil wieder in Kampfradeleien ab.

Macht aber nichts, denn der Senat hat sich offenbar noch nicht mit dem Thema befasst, insofern ist da sicherlich nicht besonders viel zu erwarten.

Radwege: Ab durch die Mitte

Es ist geradezu eine rasante Entwicklung: Jahrelang, nein, jahrzehntelang wurden Radwege entlang der Fahrbahnen gebaut. Dann wurde vor knapp 15 Jahren die Radwegbenutzungspflicht aus der Straßenverkehrs-Ordnung gestrichen, so dass der damals ein kleines bisschen gestiegene Radverkehrsanteil nicht automatisch auf teilweise miserablen Radwegen rollen musste. Den üblichen Nebensatz mit der Aufzählung der Gefahren möge sich der Leser an dieser Stelle selbst denken. Dann merkte man vor einiger Zeit, hmm, enge Radwege direkt neben parkenden Kraftfahrzeugen sind gar nicht mal so ungefährlich — und verlegte die Radwege auf die andere Seite der parkenden Autos. Dort kommen diese Radwege als so genannte Schutz- oder Fahrradstreifen daher, die sich dadurch unterscheiden, dass die einen immer unzulänglich sind und die anderen nur meistens. Dadurch, dass genau wie in den vorigen Jahrzehnten beim Bau von Radwegen auch beim Aufmalen von Schutz- oder Radfahrstreifen die Mindestmaße oder die Abstände zu parkenden Fahrzeugen nicht eingehalten werden, sind die Radverkehrsanlagen auf der Fahrbahnseite nicht wesentlich besser als die Radwege auf der anderen Seite der parkenden Autos. Zusätzlich droht bei den Streifen Ungemach von links, wenn Kraftfahrzeuge ohne jeglichen Sicherheitsabstand überholen und sich Radfahrer geradezu eingeklemmt zwischen Blech wiederfinden, denn aus der Windschutzscheibe scheint alles in bester Ordnung, schließlich bleiben beide Verkehrsteilnehmer auf ihrer „Fahrspur“, selbst wenn nur ein paar Zentimeter den Lenker vom Außenspiegel trennen.

In Berlin geht man nun einen Schritt weiter, denn der Senat will Radwege auf Straßenmitte verlegen:

Rand-Radwege seien viel zu gefährlich. Mittige Fahrstreifen sollen Unfallzahlen reduzieren. Experten loben Plan.

Das klingt nun erstmal drastisch und sieht auch so aus, denn das Bild, mit dem der Artikel eingeläutet wird, wird unterschrieben mit „Radler und Bus behindern sich“. Bei der gezeigten Situation handelt es sich allerdings um einen Kreuzungsbereich, bei dem es so neumodisch nun auch nicht mehr ist, den Radverkehr zwischen den Fahrspuren zu führen, meistens zwischen der Geradeaus- und Rechtsabbiegespur. Das wird sogar schon in der in Belangen des Fahrrades alles andere als fortschrittlichen Hansestadt Hamburg praktiziert. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass in Berlin Radfahrstreifen nun über mehrere Kilometer mitten zwischen zwei Fahrspuren auf der Fahrbahn geführt werden, weil das im Artikel zwar suggeriert wird, bezüglich der Verkehrssicherheit aber auch längst nicht nur mit Vorteilen einhergeht. Vermutlich ist eher gemeint, dass künftige Radfahrstreifen weiter in Richtung Fahrbahnmitte verschoben werden, hoffentlich mit einem großzügigen Abstand nach rechts zu parkenden Kraftfahrzeugen. Diese Lösung passt wenigstens zu den genannten Symptomen der zugeparkten Radverkehrsanlagen. Und schließlich verstehen die meisten Verkehrsteilnehmer unter einer Fahrradfahrweise mit hinreichendem Sicherheitsabstand nach rechts das gleiche wie „mitten auf der Straße“. Mal sehen, ob sich mit den Maßnahmen die Sicherheit des großzügige Berliner Radverkehrsanteils noch weiter steigern lässt.

Die Polizei findet die ganze Idee jetzt nicht so toll:

Die Berliner Polizei hält Fahrradwege auf der Straße generell für problematisch. „Radfahrer und Autos gemeinsam auf der Straße ist oft ein Unfallrisiko“, erklärt Polizeisprecher Stefan Petersen. „Wir kontrollieren Schutzstreifen und verteilen Bußgelder, wenn Pkw diese nutzen.“

Im Straßenverkehr geht mit Radfahrer und Autos immer ein Unfallrisiko einher, auf getrennten Anlagen, die in übersichtlichen Kreuzungsbereichen aufeinandertreffen genau wie gemeinsam im Mischverkehr oder auf eigenen Fahrspuren. Die Frage ist doch eher, mit welcher Infrastruktur das geringere Risiko einhergeht — und da sieht es für die herkömmlichen Radwege, die bei der Straßenplanung noch irgendwie so zwischen Fahrbahn und Gehweg gequetscht werden, nicht besonders gut aus. Es steht auch außer Frage, dass die Polizei Schutzstreifen kontrolliert und gegebenenfalls Kraftfahrzeuge beknollt, aber offenbar längst nicht in einem Umfang, der für einigermaßen freie Fahrt auf Schutz- und Radfahrstreifen sorgen könnte.

Studie: Sport macht Medikamente überflüssig

Das Handelsblatt schreibt: Sport macht Medikamente überflüssig

Dass Sport der Gesundheit gut tut, ist nicht neu. Eine Studie mit Hunderttausenden Probanden zeigt nun: Bewegung wirkt manchmal besser als Medikamente. Als Konsequenz fordern die Wissenschaftler „Bewegungs-Rezepte“.

Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn wieder einmal diskutiert wird, den Radverkehrsanteil mit Steuern, Fahrradkennzeichen oder Helmpflichten zu reduzieren.