Rechtsabbiegeunfälle: „Der Fehler liegt immer beim Fahrer“

Das wohl größte Paradoxon des deutschen Radweges ist vermutlich seine Position: Er verläuft genau dort, wo es auf der Straße am gefährlichsten ist, nämlich im Bereich plötzlich geöffneter Beifahrertüren parkender Kraftfahrzeuge, direkt neben dem Gehweg und an Kreuzungen dort, wo Kraftfahrzeugführer wenn überhaupt als letztes hinsehen.

Wenn es dann kracht, ist der Radfahrer meistens wenigstens moralisch mitschuldig, in den dazugehörigen Polizeiberichten ist dann vom Kraftfahrer die Rede, der den Radfahrer auf dem Radweg übersehen hat — dass zum Übersehen allerdings erst einmal der Schulterblick betrieben werden muss, fällt meistens unter den Tisch: Schon eine kurze empirische Untersuchung an der nächstbesten Kreuzung verdeutlicht, dass viele Kraftfahrzeugführer überhaupt nicht überprüfen, ob hinten rechts etwas im Anmarsch ist. Stattdessen wird dann noch der womöglich fehlende Helm bemängelt, der bei einer Kollision mit dem abbiegenden Kraftfahrzeug, also im physikalischen Sinne mit einem stehenden Hindernis, eigentlich kaum noch etwas ausrichten kann und beim Überfahren mit den schweren Zwillingsreifen sicherlich nicht mehr schützt.

In den Behörden sieht man sich allerdings außerstande, wenigstens die gefährlichsten Kreuzungen zu entschärfen, sei es durch geänderte Ampelphasen, versetzt aufgetragene Haltelinien oder eine gänzlich verbesserte Führung des Radverkehrs im Kreuzungsbereich. Insofern liest es sich doch wenigstens ganz erfrischend, was Lastkraftwagen-Fahrlehrer Markus Geilert zu der Problematik sagt: Volle Konzentration beim Fahrtraining

In Köln gab es im April vier schwere Unfälle beim Rechtsabbiegen von Lastwagen. Zwei Menschen starben. Auf einer Ausbildungstour durch den Kölner Süden zeigt Fahrlehrer Markus Geilert, wie sich das Risiko verringern lässt.

Unbedingt lesenswert — es wäre schön, wenn sich diese Vorsichtsmaßnahmen noch etwas in die Köpfe der Lastkraftwagen-Fahrer verbreiten könnte. Trotzdem gilt natürlich: Aus dem toten Winkel eines Kraftfahrzeuges hält man sich mit seinem Fahrrad lieber raus.

Umweltbundesamts: Auch das Fahrrad hilft der Konjunktur

Nun wird’s kompliziert: Normalerweise ist ein Argument gegen den steigenden Radverkehr, dass ohne die Produktion hochwertiger Kraftfahrzeuge Deutschlands Wohlstand einbräche — ob das nun ein sinnvolles Argument ist oder nicht sei mal dahingestellt, aber dass die Automobilindustrie ein durchaus beachtlicher Wirtschaftsfaktor ist, lässt sich nunmal nicht wegdiskutieren.

Das Umweltbundesamt überrascht mit einer Mindermeinung: Nachhaltige Mobilität hilft auch der Konjunktur

Investitionen in Radwege, Busse und Züge rechnen sich nicht – so lautet das Vorurteil. Eine Studie des Umweltbundesamts zeigt jetzt das Gegenteil.

Der neue Copenhagenize Index ist fertig

Copenhagenize Design hat den zweiten Copenhagenize Index veröffentlicht: Amsterdam und Kopenhagen sollen die fahrradfreundlichsten Städte sein

Wenn es darum geht, welche Städte weltweit am fahrradfreundlichsten sind, liegt Europa an der Spitze. Das mag auch deswegen kein Wunder sein, weil die Urbanisierung in Europa am weitesten fortgeschritten ist, aber auch daran, dass das Ranking von einer europäischen Beratungsfirma erstellt wird, der Copenhagenize Design, die aus einem Blog hervorgegangen ist und sich für die Ausweitung des Fahrradfahrens stark macht.

Die Ergebnisse sind zunächst wenig verwunderlich: Auf den ersten drei Plätzen hocken Amsterdam (83 Punkte), Kopenhagen (81 Punkte) und Utrecht (77 Punkte). Berlin hat es mit 62 Punkten auf den achten Platz geschafft, den elften Platz sicherte sich München mit 58 Punkten. Hamburg ist dort, wo es mit seiner Radverkehrsinfrastruktur hingehört, mit 54 Punkten auf dem letzten Platz, den es sich allerdings mit Paris teilt. Interessant wäre sicherlich die Positionierung der Kölner Infrastruktur gewesen, die allerdings offenbar nicht Teil der Untersuchung war oder es nicht in die Top-20-Städte geschafft hat.

Dass es Hamburg überhaupt auf den letzten Platz geschafft hat, überraschte wohl auch Copenhagenize Design:

The Index always offers up surprises. More often than not it is when cities show up on the list. To be honest, we were surprised that Hamburg made the cut and clung onto the last spot in the Top 20.

Die Bewertung erfolgte an 13 verschiedenen Kriterien, wobei natürlich fraglich ist, inwiefern deutsche Städte bezüglich der Radverkehrsinfrastruktur und der sozialen Akzeptanz des Fahrrades überhaupt einen Blumentopf gewinnen sollen. Es wird hier nunmal keine sicheren Radwege geben, die Copenhagenize so sehr feiert, zumindest nicht mehr in diesem Jahrzehnt — allein schon, weil dazu die Akzeptanz des Fahrrades erstmal steigen müsste.

Bei Zukunft Mobilität steht noch mehr: Die fahrradfreundlichsten Städte 2013