Holt die Kinder rein: Die Kampfkraftfahrer sind los

Am allerschlimmsten, da sind Kraftfahrer und Fußgänger, pardon, Kraftfahrende und zu Fuß Gehende ausnahmsweise einer Meinung, am allerschlimmsten im Verkehr sind diese Radfahrer. Die halten sich eh an keine Regeln, fahren ohne Licht und tragen noch nicht einmal einen Sturzhelm!

Es gibt eine Theorie, nach der Radfahrer sich so verhalten wie sie sich nunmal verhalten, weil sie keine angemessene Radverkehrsinfrastruktur vorfinden, sich im Straßenverkehr sozusagen unablässig im Ausnahmezustand befinden. Es ist dem normalsterblichen Radfahrer nunmal schwer zu erklären, warum er an dieser Stelle auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg radeln soll, zweihundert Meter später aber auf die Fahrbahn wechseln muss, obschon die dortige Situation wenigstens optisch genauso aussieht, warum er hier den linken Radweg befahren soll aber dort den linken Radweg nicht einmal ansehen darf, warum er hier im kapitalen Berufsverkehr auf der Fahrbahn rollen soll, obwohl sogar die Tempo-30-Zone vor seiner Haustür mit Radwegen ausgestattet ist. Das begreift doch alles kein Mensch.

Und Autofahren? Das scheint auch bloß leicht zu sein, solange nichts unerwartetes passiert. Jeder Polizeibeamte, der schon einmal in die Verlegenheit kam, während des Ausfalls einer Lichtzeichenanlage den Verkehr zu regeln, wird von den verrücktesten Situationen berichten können, in denen Kraftfahrzeugführer gerade noch mal eben so ohne größere Blechschäden und er selbst noch mit dem Leben, aber mit recht schlechter Laune davongekommen sind. Noch actiongeladener werden die Szenen, wenn beispielsweise der Weg nach Hause wegen eines Feuerwehreinsatzes gesperrt wird. Da gelten für manchen Kraftfahrzeugführer überhaupt gar keine Regeln mehr und schon gar nicht die Weisungen eines Polizeibeamten, letzterem wird unbeholfen über die Füße an der Absperrung vorbeimanövriert. Und das sind keineswegs jene Kraftfahrer, die ein Radfahrer mehr oder weniger scherzhaft als Kampfkraftfahrer bezeichnete, ganz im Gegenteil, da sitzen ganz normale, im Alltag harmlose Menschen hinter dem Steuer, die sich plötzlich nicht anders zu helfen wissen als die Staatsmacht mit dem Familienvan zu überfahren, um nur nach Hause zu kommen. Sofern man den Erzählungen der Polizei glauben mag, passiert sowas häufiger als zunächst angenommen.

Oder, noch umständlicher: Arbeitsstellen im Straßenverkehr. Es lohnt durchaus das frühe Aufstehen, um die Reaktionen der Kraftfahrer gegenüber einer nachts eingerichteten Baumaßnahme zu beobachten. Das meistens quasi automatisch angeordnete Tempolimit gilt sowieso nicht, Einbahnstraßenregelungen werden überhaupt nicht wahrgenommen, manch einer stellt auch die gerade eben aufgebauten Absperrgitter beiseite, weil er sich gar nicht anders zu helfen weiß und die Möglichkeit eines Umweges über eine Parallelstraße gar nicht im Bereich der Wahrnehmung liegt. Normalität stellt sich erst nach ein paar Stunden ein, wenn der Berufsverkehr sich das erste Mal durch die Arbeitsstelle geschoben hat und sich die Kraftfahrer an die neuen Verkehrsführungen gewöhnt haben.

Normalität gilt allerdings nicht gegenüber Zeichen 250: Überraschend viele Anwohner fantasieren sich automatisch das Zusatzzeichen 1020–1030 „Anlieger frei“ unter das Verkehrsverbot für alle Fahrzeuge, schieben die Absperrungen beiseite und parken ihre Kraftfahrzeuge direkt in der Baugrube — schließlich wurde dort gestern auch noch geparkt. Es gibt sogar Überlieferungen, nach denen am Montagmorgen erst einmal der Abschleppdienst anrücken musste, um die geparkten Kraftfahrzeuge aus dem Bereich der Baumaßnahme zu entfernen.

Gerade bei ausgefallenen Lichtzeichenanlagen, Feuerwehreinsätzen und Arbeitsstellen lässt sich eine gewisse Parallele zum Alltag des Radfahrers im Straßenverkehr erkennen: Eine gewisse Überforderung kombiniert mit einer nicht angemessenen Verkehrsinfrastruktur führt zu gänzlich unüberlegten Manövern. Sogar die Straßenverkehrsbehörden spielen weiter ihre Rolle, indem Verkehrsverbote mal für Anlieger gelten, dann aber wieder nicht und weder Arbeitsstellen noch die dazugehörige Absicherung und Verkehrsführung kontrolliert wird.

Wenn sich die Arbeiter außerstande sehen, die für den Lastkraftwagen-Verkehr geöffneten Absperrungen nach Feierabend wieder zu schließen, sitzen die Anwohner durchaus zu Recht ratlos in ihren Kraftfahrzeugen davor: Soll das Verkehrsverbot nun gelten? Falls ja: Warum ist dann die Absperrung geöffnet? Und soll überhaupt die Einbahnstraßenregelung gelten, wenn das Schild beim Sturm vor zwei Wochen umgekippt ist und nicht wieder aufgestellt wurde? Und die Haltverbote, was ist eigentlich mit den Haltverboten?

Ohne ständig mit dem mahnenden Finger vor der Windschutzscheibe herumwedeln und zeigen zu wollen, wie doof die anderen Verkehrsteilnehmer doch wären: Der Vergleich zum Radfahrer, der sich ob der unzureichenden und mutmaßlich auch rechtswidrig angeordneten Beschilderung überhaupt gar nicht mehr sicher ist, ob er nun auf dem Gehweg radeln soll wie noch zwei Straßen zuvor oder auf die Fahrbahn wechseln soll, dieser Vergleich scheint doch mehr als angemessen. Kein Verkehrsteilnehmer kann sich an die Regeln halten, wenn die Infrastruktur vollkommen konträr zu ebenjenen Regeln angelegt wurde.

Insofern war überhaupt gar nicht mehr überraschend, was gestern Vormittag in der Hamburger Innenstadt zu beobachten war. Die Sperrung einer wichtigen Verkehrsachse zwischen dem Bahnhof Dammtor und dem Hamburger Hauptbahnhof sorgte hinter dem Steuer für beinahe grenzenloses Chaos. Mutmaßlich hätte sich der Stau etwas schneller gelöst, hätten die Kraftfahrer ihre Fahrzeuge nicht unbeachtet der Farbe der Lichtzeichen Meter für Meter in die Kreuzung geschoben, um dort dem Querverkehr im Wege zu stehen. In Mitleidenschaft gezogen wurden dabei selbstverständlich auch sämtliche Radverkehrsinfrastrukturen, die entweder, sofern ebenerdig zur Fahrbahn angelegt, als zusätzliche Fahrspur für den Kraftverkehr Verwendung fanden, oder aber, im Falle von Hochbordradwegen, als Parkfläche herhalten mussten, um den Verkehr nicht zu behindern, wie man so schön sagt. Und aufgrund ihres Wagens jeglicher Kommunikation beraubt blieb den meisten noch nicht einmal etwas anderes übrig, als wütend auf die Hupe zu prügeln.

Das wiederum torpedierte den Radverkehr, der nun entweder ordnungswidrig auf dem Gehweg weiterfuhr oder sich seinen Weg zwischen den hupenden Kraftfahrern auf der Fahrbahn suchen musste.

Aufgefallen sind den Passanten am Gänsemarkt allerdings nur die einigermaßen verzweifelten Radfahrer, die mit dem üblichen Vokabular unseres Verkehrsministers bedacht wurden. Dass die komplette Innenstadt von Kraftfahrzeugen belegt wurde, die sich mitunter tatsächlich mit ihren Nachbarn um jeden weiteren Meter stritten, das fiel überhaupt nicht auf — vermutlich ist man derartiges vom Kraftverkehr gewohnt: Schließlich fällt auch nur der einsame Fahrbahnradler auf, der neben dem mit mehreren Kraftfahrzeugen zugestellten Radweg fährt.

Warum kann man nicht einfach einen weißen Strich malen?

Einfach mit dem Pinsel einen weißen Strich zeichnen funktioniert nicht so einfach — Johannes Gernert sprach mit Claus Köhnlein, dem Stuttgarter Radverkehrsbeauftragen, über die Planung von Fahrradinfrastrukturen: „Da geht es hoch her“

Warum haben Radfahrer so wenig Platz in der Stadt? Weil das alles nicht so einfach ist, sagt der Fahrradbeauftragte von Stuttgart.

Radweg mit Gastrecht für Radfahrer

Manchmal, manchmal geht alles schief. Da ändert sich die Straßenverkehrs-Ordnung und keiner weiß Bescheid und vorher war’s auch nicht so viel besser.

Eines nach dem anderen: Radclub will aus der „Rü“ in Essen eine Einbahnstraße machen

Alte Debatte, neuer Vorstoß: Der Vorsitzende des Essener Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, Jörg Brinkmann, fordert im Zuge der geänderterten Straßenverkehrsordnung erneut, die Rüttenscheider Straße in eine Einbahnstraße umzuwandeln. Kritik kommt von der IGR.

Die Diskussion um verkehrsberuhigende Maßnahmen in Einkaufsstraßen ist nun keine Essener Exklusivität, wo immerhin schon seit 25 Jahren darüber diskutiert wird. Kompliziert wird es allerdings, sobald ein Radweg ins Spiel kommt:

Seit 1. April gilt die neue Straßenverkehrsordnung, laut der auch Radfahrer künftig bei Verstößen tiefer in die Tasche greifen müssen. So ist es seit Inkrafttreten etwa verboten, die Straße zu nutzen, wenn auf gleicher Strecke auch ein Radweg gekennzeichnet ist.

Der letzte Satz ließe sich eigentlich noch retten, hätte jemand angemerkt, dass eine Kennzeichnung eines benutzungspflichtigen Radweges nur mit Zeichen 237, 240 oder 241 erfolgen kann. Wer das liest und glaubt, wird künftig allerdings auch linke Radwege als benutzungspflichtig ansehen — die verlaufen schließlich auch auf gleicher Strecke. Das ist lästig, weil dort Geisterradler anzutreffen sind und gefährlich, weil mancher Kraftfahrer sich angesichts dieser Informationslage nicht beherrschen können wird.

Nun wird’s aber doll:

Problem auf der Rüttenscheider Straße sei aber, dass der mit rotem Pflaster und Rad-Piktogrammen markierte Weg rechtlich kein Radweg im eigentlichen Sinne ist.

Die Beschreibung und das Foto lassen eigentlich nur eine Schlussfolgerung zu: An die dortige Fahrbahn schmiegt sich ein einwandfreier „anderer Radweg“, der bei Gefallen benutzt werden darf. Was sollte das denn auch sonst sein? Ein Gehweg mit Fahrradpiktogrammen?

„Radfahrer haben auf diesem Weg Gastrecht, Fußgänger absoluten Vorrang“, weiß Rolf Krane, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR), der selbst häufig mit dem Rad unterwegs ist.

Häufig mit dem Rad unterwegs zu sein ist nunmal leider kein Indiz dafür, sich auch in den Verkehrsregeln auszukennen. Das Ding ist ein so genannter anderer Radweg, wie ihn die Straßenverkehrs-Ordnung in § 2 Abs. 4 StVO nennt und darf natürlich beradelt werden, während Fußgänger ihn nur queren dürfen, also nicht einmal eine Art Gastrecht genießen.

Vielleicht war die Argumentation von vornherein anders gemeint. Vielleicht verstehen sowohl der Autor des Artikels als auch Rolf Krane unter einem „Radweg im rechtlichen Sinne“ ein benutzungspflichtiges Konstrukt, womit wenigstens die Begründung des ersten Zitates wieder stimmig wäre. Dann passt’s aber auch hinten wieder nicht, denn Radwege ohne Kennzeichnung, die offenbar dann keine Radwege im rechtlichen Sinne zu sein scheinen, dürfen trotzdem weiterhin beradelt werden, sind aber immer noch kein Boulevard für Fußgänger.

Komisch, dass sowas niemandem auffällt. Bis zum § 2 Abs. 4 StVO muss man gar nicht lange blättern.

29 Prozent wussten mehr als die Anwältin

Ein Glück, dass dieser Beitrag des ProSieben-Boulevard-Magazins taff schon über ein Jahr alt ist — das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dessen mitunter gänzlich falscher Inhalt inzwischen in Vergessenheit geraten ist: Service extrem: Radfahren

Gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Radfahrer? Darf man auf dem Fahrrad Musik hören? Und ist es erlaubt, über einen Zebrastreifen zu fahren? taff klärt auf.

Der folgende Service ist in der Tat extrem, nämlich stellenweise extrem falsch. Von der versprochenen Aufklärung kann da wohl kaum die Rede sein, denn anstatt harter Fakten kommen wieder die gefürchteten Passanten zu Wort, die mit einem Mikrofon im Einkaufszentrum überfallen nach ihrer Meinung gefragt werden. Es ist sowieso seltsam, was hinter diesem Konzept der Sendebeiträge steckt oder umgekehrt: Warum denn Menschen, die offenbar ja keine Ahnung von den jeweiligen Verkehrsregeln haben, überhaupt ihr Gesicht für ihre blamablen Aussagen hergeben. Womöglich ein Zeichen dafür, dass die Unkenntnis von Verkehrsregeln in unserer Gesellschaft kein Makel, sondern schick ist?

Es geht los mit dem vollbeladenen Rad nach dem Wocheneinkauf, der beidseitig am Lenker platziert wurde und dessen Funktionalität einschränkt. Die erste Dame glaubt, man dürfe zwei Gepäcktaschen pro Seite anhängen, die zweite Befragte hat irgendwann mal was von zehn Kilogramm Zuladung gehört, der dritte Passant tippt „Soviel ich will“. 59 Prozent der Berliner glauben, verkündet der Sprecher aus dem Off, die Menge des mitzuführenden Gepäcks sei begrenzt. Ein Glück, dass raff Rechtsanwältin Alicia von Rosenberg befragen konnte, die weiß nämlich Bescheid: man darf sogar das Gepäckstück mit einer Hand festhalten und mit der anderen lenken.

Der zweite Teil des Beitrages haut leider nicht so ganz hin, da geht’s um Radwege und mit Radwegen haben es die deutschen Medien nicht erst seit der dpa-Falschmeldung vom Anfang April nicht so richtig. Das fahren auf der Fahrbahn sei für Fahrradfahrer verboten, will eine Kollegin ihren Protagonisten belehren und die Wortwahl des Sprechers lässt gar keinen Zweifel: Hier folgt gleich handfeste Aufklärung, dass keineswegs jeder Radweg beradelt werden muss. Noch schöner lässt sich so eine Vorlage doch kaum aufbauen.

Sogar die armen Passanten aus dem Einkaufszentrum sind sich beinahe einig, dass es keine generelle Radwegbenutzungspflicht gibt, nur die junge Dame, die im letzten Jahr ihre Fahrerlaubnis bekommen hat, die hat das so verstanden, dass jeder Radweg benutzt werden müsse — das lässt ja gleich tief in die Qualität ihrer Fahrschulausbildung blicken. Hui, im Gegensatz zu den drei Shopping-Menschen wissen allerdings nur 29 Prozent der Berliner, dass die generelle Radwegbenutzungspflicht aus der Straßenverkehrs-Ordnung gekippt wurde.

„Alicia von Rosenberg weiß es aber besser“, tönt es aus dem Off. Hä? Die 29 Prozent haben doch recht? Stattdessen erklärt die Frau Anwältin: „Wenn es einen Radweg gibt, dann muss ich diesen auch benutzen. Das heißt: Verstoße ich gegen die Benutzungspflicht, begehe ich eine Ordnungswidrigkeit und ein Bußgeld kann gegen mich verhängt werden.“

Und das stimmt nicht. Nur die Radwege mit den blauen Verkehrszeichen 237, 240 und 241 müssen benutzt werden — und davon dürfte es schon vor einem Jahr erfrischend wenige in Berlin gegeben haben. Noch doofer ist nur noch der Hinweis, den ProSieben dazu einblendet: „Hinweis! Ein Fahrradfahrer der einen Radweg nicht benutzt und stattdessen auf der Straße fährt, trägt bei einem Unfall möglicherweise eine Mitschuld. Zudem kann ein Bußgeld verhängt werden.“

Den Hinweis rettet das Wörtchen „möglicherweise“, denn bei einem Unfall wird es bezüglich der Mitschuld auf den genauen Unfallhergang ankommen. Nur wegen der Benutzung der Fahrbahn kassiert der verunfallte Radfahrer noch längst keine Mitschuld — die lässt sich seit 1997 schließlich gar nicht mehr aus der Straßenverkehrs-Ordnung herleiten und dementsprechend sind derartige Urteile nach 1997 nicht mehr zu finden. Von 28. Oktober 1993 stammt beispielsweise das Urteil 6 U 91/93 des Oberlandesgerichts Hamm:

Wird ein Radfahrer, der statt des vorhandenen Radwegs grundlos die Fahrbahn benutzt, von einem überholenden Pkw angefahren und verletzt, muss er wegen mitwirkenden Verschuldens eine Mithaftungsquote von 25 % hinnehmen.

Dann hat bei taff wohl doch jemand gemerkt, dass das nicht so ganz stimmt, was Alicia von Rosenberg da behauptet und korrigiert sie klammheimlich — als die Kamera wieder auf die Straße schwenkt, ist plötzlich nur noch von benutzungspflichtigen Radwegen die Rede. Wie man die erkennt erklärt taff lieber nicht — und es ist auch äußerst zweifelhaft, dass vor dem Interview im Einkaufszentrum den drei Passanten bewusst war, dass die Straßenverkehrs-Ordnung überhaupt verschiedene Arten von Radwegen kennt.

Das nächste Unglück folgt auf dem Fußgängerüberweg, dort verunfallt schon die Fragestellung, die armen Shopping-Wütigen können gar nicht richtig antworten. Radfahrer dürfen über einen Fußgängerüberweg radeln, genießen dort allerdings keinen Vorrang. Im Beitrag wird das allerdings nicht weiter differenziert, so dass sich die angesprochenen 18 Prozent der Befragten durchaus im Recht fühlen dürfen, wenn sie über einen Fußgängerüberweg radeln — vorausgesetzt es naht kein Kraftfahrzeug.

Alicia von Rosenberg erklärt: „Fahrradfahrer, die mit ihrem Fahrrad über einen Zebrastreifen oder Fußgängerüberweg fahren, handeln verbotswidrig.“ Das stimmt in dieser verkürzten Darstellung eben nicht — oder vielleicht versehentlich doch, denn „verbotswidrig“ ist ja schließlich wieder „erlaubt“, auch wenn von Rosenberg das sicherlich nicht formulieren wollte. „Und das richtig gefährliche ist: Wenn ein Unfall passiert, kann es sein, dass ich allein für den Unfall hafte“ — man möchte doch meinen, dass ein Radfahrer bei der beschriebenen Unfallkonstellation andere Sorgen als seine Haftung hat.

Sogar das lustige Thema mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt Alicia von Rosenberg nur unvollständig und damit leider falsch wider. Ja, Fahrradfahrer unterliegen grundsätzlich keinen Geschwindigkeitsbegrenzungen: Laut § 3 Abs. 3 StVO gilt sowohl das innerörtliche Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde als auch die 100 Kilometer pro Stunde außerorts nur für Kraftfahrzeuge, wobei ein Großteil der Radfahrer konditionelle Probleme haben dürfte, derartige Geschwindigkeiten auf Dauer zu halten. Alle anderen Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten allerdings auch für Fahrräder: Sowohl die üblichen Tempolimits kraft Zeichen 274 als auch implizite angemessene Geschwindigkeiten auf freigegebenen Gehwegen oder in freigegebenen Fußgängerzonen. Und dann gilt auch noch § 3 Abs. 1 StVO, nach dem Fahrzeuge nur so schnell bewegt werden dürfen, wie sie der Fahrzeugführer beherrschen kann — letzteres weiß dann auch von Rosenberg wieder.

Bleibt noch die Frage, warum sich so viele Menschen freiwillig hergeben, um ihr Unwissen über die Verkehrsregeln einem Millionenpublikum zu offenbaren. Und warum sich der Sprecher in seinem Off nicht ein einziges Mal darüber wundert: ganz so, als wäre es das normalste der Welt, sich ohne Ahnung im Verkehr zu bewegen.

Über Rambo-Radler und Radweg-Placebos

Lesenswert, wenn auch diskussionswürdig ist das Leser-Blog von „7Saturn“ in der Augsburger Allgemeinen Zeitung: Aus dem Leben eines Alltags-Radfahrers

Dort gibt’s bislang zwar nur zwei Artikel, allerdings von beeindruckender Länge und durchaus interessanten Argumenten.

„Schon gecheckt“ erreicht keine Kraftfahrer

Die Pressemitteilung der Polizei ist voll des Lobes auf die vergangene Hamburger Fahrrad-Sicherheitskampagne „schon gecheckt“. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wird der Erfolg bereits in der Überschrift angepriesen: Fahrrad-Sicherheitsaktion „Schon gecheckt“ – ein voller Erfolg

Allerdings lässt schon die Einleitung Zweifel an der Aktion aufkommen:

Die diesjährige Fahrrad-Sicherheitsaktion „Schon gecheckt“ war ein voller Erfolg. Es wurden insgesamt 6.426 Fahrräder überprüft.

Da kommt schnell die Vermutung auf, es würden lediglich Fahrradfahrer kontrolliert, wie es die Polizei gerne macht, um die Verkehrssicherheit der Radfahrer zu erhöhen. Frei nach dem Motto: Die funktionierende Klingel wird schon irgendwie vor dem Rechtsabbiegerunfall schützen. Und tatsächlich:

Die Aktion verfolgt das Ziel, die Verkehrsunfallzahlen mit Radfahrerbeteiligung zu senken. Die Initiatoren der Aktion möchten erreichen, dass Fahrräder in einem verkehrssicheren Zustand sind und werben außerdem für noch mehr Verständnis und gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr. Weiterhin suchen Polizeibeamte gezielt das Gespräch mit Fahrradfahrern.

Die Verkehrsunfallzahlen mit Radfahrerbeteiligung werden mit solchen repressiven Aktionen sicherlich gesenkt, weil dadurch die Radfahrer aus dem Verkehr vergrämt werden. Das soll nicht heißen, die Fahrt mit einem nicht verkehrssicheren Rad wäre in irgendeiner Art gutzuheißen, nein, auf keinen Fall, aber das nicht verkehrssichere Rad ist wenigstens laut der Unfallstatistik eher selten Unfallursache. Tatsächlich sind nur wenige Unfälle das Resultat nicht zupackender Bremsen und sogar die nicht leuchtende Beleuchtung, die untrennbar mit dem Begriff des Kampfradlers verschmolzen scheint, ist selten unfallursächlich. Das Problem ist eher das Verhalten des Menschen, der das Fahrrad lenkt — nicht zu vergessen das Verhalten des Menschen, der womöglich nebenan ein Kraftfahrzeug führt.

Insofern schrammt die Hamburger Polizei jedenfalls nicht komplett am Ziel vorbei, wenn sie das Gespräch mit Radfahrern sucht. Bleibt nur die Frage, welche Art von Rücksicht von Radfahrern denn eingefordert werden soll. Als klassische rücksichtslose Aktionen des Radfahrers gilt unter anderem das Fahrbahnradeln links eines Radweges oder das Gehwegradeln. Da hilft’s dem Radfahrer allerdings kaum mit Rücksicht, denn ersteres ist erlaubt und letzteres verboten. Wenn schon Gehwegradeln, dann wenigstens mit Rücksicht, das wird kaum die Botschaft sein, die die Hamburger Polizei an den Mann bringen wollte. Vorstellbar wäre eher, man möge doch bitte aus Rücksicht auf die Kraftfahrer den Radweg befahren, aber das scheint in Hamburg, das mittlerweile die Unzulänglichkeiten seiner Radwege erkannt hat, auch eher unwahrscheinlich.

Und sonst so? Rücksicht auf den Geisterradler, der ohne Beleuchtung auf der falschen Straßenseite radelt? Rücksicht auf die parkenden Kraftfahrzeuge auf Radverkehrsanlagen, die ja unbestritten auch irgendwo parken müssen? Rücksicht auf die abbiegenden Kraftfahrzeugführer, die sich nicht zum Schulterblick hinreißen können? Es wäre tatsächlich interessant zu wissen, welche konkreten Beispiele der Rücksichtnahme sich die Polizei hier vorstellt.

Immerhin wurde auch an die Kraftfahrer gedacht — allerdings offenbar nur in der Pressemitteilung:

Die Polizei Hamburg appelliert erneut an Autofahrer und Radfahrer, gegenseitig aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich über die geltenden Vorschriften bei der Benutzung des Radweges bzw. der Fahrbahn zu informieren. Dazu gehört unter anderem, dass es Radfahrern auf der Fahrbahn erlaubt ist, rechts an stehenden Fahrzeugen vorbeizufahren.

Viel interessanter als das Vorbeifahren rechts stehender Fahrzeuge ist doch eher § 2 Abs. 4 StVO, der in der Fahrgastzelle meistens unbekannt ist und zumindest am Stammtisch für die größte Empörung sorgt. Allerdings ist das sowieso schon fast egal: Die Kraftfahrer, die an knapp der Hälfte der Fahrradunfälle nicht unschuldig sind, blieben bei dieser Sicherheitsaktion zumindest von der Polizei unbehelligt und mussten ihre Informationen aus Pressemitteilungen und vereinzelten Zeitungsberichten zusammensuchen. Nicht einmal der ADAC Hansa als Mitinitiator dieser Kampagne konnte in der ADAC motorwelt etwas Platz für die Verkehrsregeln freischaufeln — schade eigentlich. Die schon-gecheckt-Plakate am Straßenrand dürften durch die Windschutzscheibe kaum aufgefallen sein.

Unbenommen von dieser Bewertung sollen die übrigen Aktionen sein, die während der letzten zwei Wochen veranstaltet wurden — allerdings bleibt auch da zweifelhaft, dass dem Kraftfahrer verständlich wurde, die Radfahrer auf seiner Fahrbahn neben dem nunmehr nicht mehr benutzungspflichtigen Radweg zu tolerieren. Es scheint beinahe so, als müsste die nächste Verkehrssicherheitsaktion für Radfahrer erst einmal die Kraftfahrer ansprechen.

Köln: Nur ein Spiegel für sicheres Radfahren

Das klingt ja schon fast ganz manierlich: Radtour zu Kölner Gefahrenstellen

Bei einer Fahrradtour durch die Innenstadt haben sich Vertreter der Stadtverwaltung, der Polizei, der Politik und des Verkehrsclubs einen Überblick über die Gefahrenstellen verschafft. Schnell wurde deutlich, wo diese liegen.

Man muss sich diese Radtour mal vorstellen: Da fahren Leute, die sonst nicht mit dem Rad fahren, mit anderen Leuten, die ebenfalls nicht häufig mit dem Rad fahren, zu den Unfallschwerpunkten der Stadt — also prinzipiell zu ebenjenen Orten, an denen die Arbeit der Behörden ganz besonders versagt hat. Und alles, was Elfi Scho-Antwerpes einfällt, ist ein Trixie-Spiegel. Wohlgemerkt: Ein Trixie-Spiegel. Und der eine auch aufgrund seiner umstrittenen Wirksamkeit auch nur versuchsweise. Zu sinnvolleren Maßnahmen will sich die Stadt lieber nicht hinreißen lassen, denn die eigentliche Ursache ist in der Verwaltung schon längst identifiziert:

Doch jenseits der juristischen Bewertung zeigt sich, dass das Mantra von Stadt, Polizei und Verkehrsverbänden einmal mehr im Nichts verhallt ist: Gegenseitige Rücksichtnahme.

Offensichtlich leidet der Kölner Radverkehr genau wie in anderen Städten vor allem an einer desolaten Radverkehrsinfrastruktur, die von keiner Rücksicht dieser Welt kompensiert werden kann. Wie soll das denn auch laufen? Was Rücksicht in der Sprache von Polizei und Verwaltung bedeutet, wird klarer, liest man sich die unter anderem auf facebook veröffentlichten Berichte anderer Teilnehmer dieser Informationstour durch: Radwege benutzen, weil sie sicherer als die Fahrbahn sind, im Zweifelsfall auch mal absteigen und schieben und sowieso auf den Vorrang verzichten.

Das mag ja hin und wieder auch eine praktikale Lösung sein, um nicht plötzlich auf der Motorhaube zu liegen, wird aber generell die Verkehrssicherheit in Kölns Straßen kaum verbessern. Denn auch wenn die Polizei es nicht glauben mag: Verkehrssicherheit für Radfahrer wird sicherlich nicht mit Repressionen gegen den Radverkehr und derartigen Aufrufen hergestellt.

„Gegeneinander statt Miteinander“

Zu den Fahrradunfällen in den letzten Wochen im Kölner Stadtgebiet schreibt Christian Hümmeler: Die Stadt Köln muss aktiv werden

Die Unfälle häufen sich: Drei Radfahrer sind in den vergangenen Tagen angefahren worden, weil sie im toten Winkel übersehen worden waren. Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Die Stadt muss handeln. Anstoß, der Kommentar.

Der Versuch, den typischen Abbiege-Unfall zwischen Lastkraftwagen und Radfahrer zu kommentieren, der geht aber definitiv schief, wenn er mit den Worten beginnt:

Nein, es sind nicht immer die Autofahrer schuld. Ja, auch Radfahrer ignorieren Regeln, gerade in Köln. Doch kommt es zur Kollision zwischen Auto und Fahrrad, geht es eben meistens für den Radfahrer, für die Radfahrerin schlecht aus.

Eigentlich geht es in den ersten Absätzen vor allem um die Auswirkungen solcher Unfälle — und das Radfahrer doch eigentlich selbst aufpassen sollten, weil sie ja schließlich im Ernstfall unter dem Zwillingsreifen sterben. Das ist ja auch durchaus richtig, wer seine Vorfahrt vor einem abbiegenden Kraftfahrzeug retten will oder sich gar mit einem Lastkraftwagen anlegt, der muss schon lebensmüde sein. Nur: Die meisten Opfer solcher Unfälle wollten bestimmt nicht ihre Vorfahrt zurückerobern, sondern haben schlichtweg nicht gemerkt, sich im toten Winkel zu bewegen. Insofern ist es nicht zutreffend, wenn Hümmeler schreibt:

Die Gefahr potenziert sich noch, wenn ein überforderter und abgelenkter Lastwagenfahrer dann noch auf einen Radfahrer trifft, der stur auf seinem Recht beharrt. Und schon deswegen auf Blicke, Zeichen oder sonstige Kontaktaufnahmen verzichtet. Gegeneinander statt miteinander, das geht selten gut. Rote Ampeln – für diese Erkenntnis muss man nur wenige Minuten an einer Hauptverkehrsader stehen – werden immer häufiger nur noch als unverbindlicher Hinweis gewertet.

Schon mehrfach wurde nun schon darauf hingewiesen, dass die meisten Opfer solcher Unfälle keineswegs die egoistischen, rücksichtslosen, sturen und lebensmüden Kampfradler sind, sondern vor allem Kinder und Senioren plötzlich an Lastkraftwagen geraten. Die so genannten Kampfradler wissen nämlich meistens ganz genau, wie sie sich im Straßenverkehr hinreichend gefahrlos bewegen können. Überhaupt ist die komplette Kausalkette verrutscht: Der Lastkraftwagenfahrer ist zwar überfordert und abgelenkt, aber der Radfahrer wäre ja angeblich auch stur und verzichtete im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte auf jegliche Zeichen, also müsste er doch mindestens moralisch Schuld an dem Unfall sein, denn der Lastkraftwagenfahrer, der war ja abgelenkt und überfordert. Nochmal: Die Menge an Radfahrern, die es wahrhaftig mit einem Lastkraftwagen aufnehmen wollen, die dürfte ziemlich gering sein. Die Opfer sind die, die eben nicht die Ampel als unverbindlichen Hinweis werten, sondern darauf vertrauen, die Straße bei grünem Licht sicher überqueren zu können. Die eben nicht daran denken, dass — womöglich in ihrer Wartezeit erst an die Haltlinie gerollt — der Lastkraftwagen nebenan keine Sicht auf die wartenden Radfahrer hat. Und dann ist auch der Blickkontakt mit dem Lastkraftwagenfahrer gar nicht mehr so einfach, der sitzt schließlich mindestens doppelt so hoch wie der übliche Kraftfahrer.

Aber ja, Hümmeler hat Recht, die Stadt muss handeln und derartige Unfallschwerpunkte umgestalten.

Endlich nicht mehr auf Radfahrer achten

Volvo hat sich etwas ausgedacht, das eigentlich so schlecht gar nicht klingt: Vierrad erkennt Zweirad

Der Autohersteller Volvo hat ein neues Sicherheitssystem entwickelt, das Unfälle mit Fahrradfahrern reduzieren soll.

Nur so richtig wohl mag man sich auf der Straße nicht mehr fühlen, wenn eigentlich nicht mehr der Mensch lenkt, sondern nur noch eine Marionette diverser elektrischer Helferlein ist. Der Spurhalteassistent bewahrt vor dem seitlichen Abdriften, der Abstandsassistent vor dem Vordermann und ABS und ESP werden ohnehin seit längerer Zeit mit physikalischen Unmöglichkeiten verklärt, als ob man damit problemlos auf vereister Fahrbahn bremsen könnte oder die Schrecksekunde aufgehoben würde.

Gut, im Endeffekt bekommen volvofahrende Kraftfahrer nun eine Meldung, wenn es mit dem Radfahrer potenziell enger wird. Hoffentlich ist die Kamera auch so gut wie der Benutzer glaubt, denn wenn einige Kraftfahrer nun schon auf den Schulterblick beim Spurwechsel verzichten, weil das Auto ja Bescheid gäbe, wenn dort etwas im Wege sein sollte und beim Rückwärtsfahren nicht nach hinten sehen, weil’s ja so lustig piept, bevor es knapp wird, dann geht so mancher sicherlich auch davon aus, beim Abbiegen nicht mehr auf Radfahrer achten zu müssen: Das macht ja jetzt der elektronische Assistent.

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass diese Kamera aus dem Rückspiegel auch um die Ecke schauen oder das gesamte System auf eine wie auch immer geartete Weise Radfahrer hinter parkenden Kraftfahrzeugen erkennen kann. Allenfalls wird es dafür sorgen, dass die Polizeiberichte zu Unfällen zwischen Rad- und Kraftfahrern künftig nicht mehr „Der Autofahrer hatte den Radfahrer übersehen“ lauten, sondern „Der Abbiegeassistent hatte den Radfahrer nicht gemeldet“. Das dazugehörige Video macht schon deutlich, dass offenbar nur Radfahrer vor dem Fahrzeug, also im Längsverkehr erkannt werden, die Seiten und somit der gesamte Abbiegevorgang aber unbeobachtet bleiben. Das wiederum bedeutet aber, dass dieses System auch nur in dem zum Glück recht seltenen Fall eingreift, wenn der Kraftfahrer zeitungslesend unterwegs ist und überhaupt gar nichts mehr bemerkt. Im Längsverkehr ist allerdings nicht die Erkennung der Radfahrer ein grundsätzliches Problem im deutschen Straßenverkehr, sondern die anschließende Reaktion der Kraftfahrer: Wer zu doof ist, einen Radfahrer mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu überholen, dem hilft auch kein Assistent mehr, außer Volvos Erfindung bricht solche gefährlichen Überholversuche automatisch ab. Selbst wenn nun also die Warnleuchte aufblinkt, weil fünf Meter weiter vorne jemand auf der Fahrbahn pedaliert, kann der Kraftfahrzeugführer immer noch gefährdend überholen, davon wird ihn das Sicherheitssystem kaum abhalten können.

Wollte man einen Sicherheitsgewinn erreichen, müsste die Kamera bei Abbiegevorgängen nach links und rechts schauen können, um dort Radfahrer zu identifizieren. Oder noch besser: Man lässt die vielen elektronischen Helfer bleiben und schärft stattdessen das Bewusstsein für Kraftfahrer, dass immer noch sie die Verantwortung für ihre Fahrt tragen und ihre Aufmerksamkeit nicht an elektronische Assistenten delegieren dürfen.

Auch aus Unwissenheit lässt sich noch ein Quiz basteln

Es ist schon müßig, einige Themen in einen Artikel zu gießen, weil man mitunter überhaupt gar nicht mehr weiß, wo hier noch anzusetzen ist. Na gut, das Teil bei der Süddeutschen Zeitung heißt auch schon „Bußgeld-Video-Quiz“ und trägt den Titel: Wann es teuer wird für Radl-Rowdys

Rauf auf das Fahrrad, der Frühling ist da! Doch Vorsicht ist geboten, denn im neuen Bußgeld-Katalog gibt es auch für Radfahrer einige Änderungen. Musik hören beim radeln, freihändig fahren, die Straße statt des Radwegs benutzen – Was ist erlaubt und was kann bestraft werden? Machen Sie den Test.

Vorsicht ist vor allem geboten, wenn die Verkehrsregeln überhaupt nicht bekannt sind. Bevor nach den Bußgeldern gefragt wird, könnte ja ein kleiner Kurs quer durch die Straßenverkehrs-Ordnung nicht so verkehrt sein. Aber auch das spiegelt eben die bereits festgestellte Denkweise im Straßenverkehr wider: Die Regel sind uninteressant, es ist nur wichtig, wie viel es kostet. Und mitnichten geht es in den anschließenden fünf Fragen darum, was erlaubt ist. Aber okay, dann macht die Süddeutsche eben ein Quiz über Bußgelder.

Frage 4 lautet plötzlich:

Ist ein Radweg vorhanden, bedeutet das für Fahrradfahrer, dass sie diesen auch benutzen müssen. Tun sie es nicht, kann ein Bußgeld drohen. In welcher Höhe?

Zur Auswahl stehen fünf Euro, für die sich 20,4 Prozent der Teilnehmer entschieden hatten, 15 Euro, was 45,8 Prozent glaubten und 20 Euro, auf die immerhin jeder Dritte (33,8 Prozent) klickte.

Bleibt die bange Frage, wie viele Teilnehmer wussten, dass längst nicht jeder Radweg benutzt werden muss, nur weil „er vorhanden ist“. Und eigentlich ist § 2 Abs. 4 StVO nun wirklich nicht so schwer zu verstehen.