Kreuz und quer durch die Stadt mit dem BikeCityGuide

Seit einiger Zeit geistert der BikeCityGuide durch das Internet. Eine Navigations-App speziell fürs Fahrrad ist sicherlich eine prima Idee, der Webseite nach macht das Team hinter der App einen sehr sympathischen Eindruck, aber so richtig Freude kommt bei der Navigation leider nicht auf.

Nach der Installation entpuppt sich die App als überraschend hübsch anzusehen, glich sie doch auf den vorab veröffentlichten Screenshots doch eher nach einem einigermaßen optisch anspruchslosem Programm. Die Bedienung entspricht dem üblichen Navigationsprogramm: Start- und Zielpunkt eingeben, die Routenberechnung abwarten und losfahren. Alternativ lassen sich auch vordefinierte Routen quer durch die Stadt auswählen oder eigene Routen aus einer langen Liste sehenswerter Orte zusammenklicken. Keine Frage: die App macht wirklich Spaß.

Leider gilt das nicht für die berechneten Strecken.

Ein Navigationsprogramm für Fahrradfahrer muss beinahe zwangsläufig den jeweiligen Fahrradfahrer-Typ differenzieren. Ein eher selten radelnder Ausflugsradler wird große Umwege in Kauf nehmen, um Straßen ohne Radwege zu vermeiden, ein Alltagsradler wird eine möglichst gradlinige Verbindung bevorzugen und auf dem Rückweg womöglich eine schönere, aber auch längere Strecke fahren wollen, und Fahrradkuriere, tja, Fahrradkuriere brauchen wahrscheinlich gar keine App und sind schneller am Ziel, als die Route berechnet ist.

Spaß beiseite, rein in den Sattel. Auf meinem Weg zur Arbeit vom Hamburger Westen in die Innenstadt führt mich der BikeCityGuide zunächst an der Elbe entlang, meinem ohnehin präferierten Weg zur Arbeit. In Blankenese ist allerdings Schluss mit dem Elbblick, denn der BikeCityGuide will nun ernsthaft den Waseberg hochstrampeln. Klar, er hat leicht reden, er muss ja auch nicht strampeln. Warum wir nicht einfach weiter bis Övelgönne radeln und von da aus in die Innenstadt hüpfen wird mir nicht nur angesichts der fünfzehnprozentigen Steigung unverständlich. Oben angekommen hört das iPhone überhaupt nicht mehr auf zu plappern. Rechts, links, gleich links, ganz rechts, da vorne geradeaus: die Route ist mehr als abenteuerlich. Ganz offensichtlich versucht das Programm möglichst viele Radwege auf der Tour in die Innenstadt mitzunehmen. Ich hätte erwartet, eine geradlinige Verbindung empfohlen zu bekommen, etwa weiter unten am Strand oder einfach die Elbchaussee entlang. Stattdessen geht es geradezu im Zick-Zack-Kurs quer durch die Wohngebiete — der BikeCityGuide wird schon wissen, was er da tut. Trotzdem wird jeder Blick auf die app-interne Karte vom Unverständnis begleitet: wenn wir schon nicht den Elbweg oder die Elbchaussee befahren, warum nehmen wir dann nicht wenigstens innerhalb der Wohngebiete eine möglichst direkte Verbindung, sondern kurven stattdessen wie betrunken hin und her?

Und das ist wirklich ärgerlich. Die App ignoriert leider sowohl die durchaus schon älteren Erkenntnisse, dass ein Radweg nunmal keineswegs einen unbedingten Komfort- oder gar Sicherheitsgewinn bedeutet, was in Schwerstarbeit für die Federgabel und mehreren Gefahrbremsungen angesichts unachtsamer Autofahrer resultiert, noch kann ich der App begreiflich machen, dass ich überhaupt keinen Wert auf Radwege lege. Ich fahre gerne auf der Fahrbahn, aber momentan fahre ich einen großen Umweg, weil dem BikeCityGuide in etwa fünf Kilometer Entfernung ein Radweg bekannt ist, der seinen Namen wahrscheinlich ebenso wenig verdient wie die Buckelpiste, die momentan meine Knochen und Nerven malträtiert. Die Sache mit den Radwegen ist allerdings beabsichtigt:

„Es gilt: Große Straßen meiden, Radwege, ruhige Neben- und Spielstraßen priorisieren, und die Häufigkeit der Abbiegungen miteinbeziehen“, erklärt Kofler.

Angesichts dieser Prämisse ist natürlich klar, wie dieser Kurs zustande gekommen ist: Als große Straße hat die Elbchaussee keine Chance und das reichhaltige Angebot von Radwegen, die leider ihren Namen nicht verdienen, hat die App von der Elbe den Waseberg quer durch die westlichen Wohngebiete Hamburgs gelockt. Kein Wunder, dass das schiefgeht — Ich wäre diesen Kurs freiwillig im Leben nicht gefahren.

Auch andere Strecken zeigen sich testweise als außerordentlich abenteuerlich: Da biegt der BikeCityGuide plötzlich von der B431 ab, stratzt vermutlich wieder auf der Jagd nach Radwegen kreuz und quer durch das angrenzende Wohngebiet, um dann ein paar hundert Meter später mit einem Umweg von knapp einem Kilometer wieder auf der B431 einzubiegen. Natürlich wird es in den Wohngebieten ruhiger zugehen als an einer vierspurigen Hauptstraße, aber auf letzterer brauche ich nicht ein Dutzend Mal die Straßen überqueren, sondern radle geradeaus. Und so viel ist mir meine Ruhe auch nicht wert, als dass ich ständig Umwege durch ruhigere Wohngebiete nehmen möchte.

Darum noch einmal die Forderung: Es muss unbedingt differenziert werden, welche Art von Radfahrer da auf dem Sattel sitzt. Womöglich freut sich der Ausflugsradler, der drei Mal im Jahr das Rad aus dem Keller hievt, tatsächlich über jeden Radweg und nimmt ohne Quengelei große Umwege in Kauf, um bloß nicht auf der Fahrbahn fahren zu müssen. Ich will aber gar nicht hin und her fahren, weil es irgendwo einen Radweg gibt, den ich dann vermutlich sowieso nicht benutzen werde, weil er angesichts der Prämisse, keine großen Straßen zu befahren, wahrscheinlich auch noch in einer Tempo-30-Zone gelegen ist, in der ich auf der Fahrbahn nun aber wirklich besser aufgehoben bin. Schön, dass dem BikeCityGuide viele freigegebene Einbahnstraßen bekannt sind, mit denen sich ein paar hundert Meter sparen lassen, aber ich fahre dann doch wiederum lieber einen Umweg, als durch eine enge Einbahnstraße mit viel Gegenverkehr und Kopfsteinpflaster zu rattern.

Ich persönlich will auf dem Weg zur Arbeit einigermaßen zügig vorankommen, ob ich nun 18 oder 20 Kilometer radle spielt keine Rolle, gegen einen kleinen Umweg mit kurzer Pause beim Bäcker habe ich sicher nichts einzuwenden. Abends darf es gerne noch die große Runde um die Außenalster sein, da habe ich es nicht eilig, da fahre ich gerne auch an einigen reizvollen Strecken vorbei. Aber ich habe sicherlich nicht die Ambition, nur auf dem Radweg fahren zu wollen.

Und solange die App nicht verschiedene Radfahrertypen bedienen kann, bleibt sie wenigstens für den gerne schnell fahrenden Radfahrer unbrauchbar. Ein bisschen rätsle ich auch darüber, inwiefern nun das Wissen der Fahrradkuriere in die Auswahl der Karten eingeflossen sein wird. Die werden sicherlich einen Teufel tun, auf ihren Touren große Umwege zu fahren, um sich dann die Knochen auf einem buckeligen Radweg zu ruinieren.

Interessant ist allerdings die Touren-Funktion, die Routen entlang vorgegebener Sehenswürdigkeiten berechnet. Die führen zwar auch einigermaßen unsinnig den Radwegen hinterher, doch fallen die Umwege da nicht so sehr ins Gewicht, wenn man in der Freizeit unterwegs ist und gerne viel von der Stadt sehen möchte.

Ende der Radwegbenutzungspflicht: Es könnte alles so einfach sein

Es könnte alles so einfach sein: Kraftfahrer informierten sich regelmäßig über die Verkehrsregeln, also alle paar Jahre vor Inkrafttreten einer Änderungsverordnung der Straßenverkehrs-Ordnung, verstehen die Verkehrsregeln und wenden die Verkehrsregeln tatsächlich an — gleiches gilt natürlich auch ohne Einschränkungen für Radfahrer und Fußgänger. Und im Straßenverkehr wird auch von unsinnigen Belehrungen abgesehen, es werden keine Rachemanöver gefahren und wird niemand vorsätzlich gefährdet. Ein Traum, nicht wahr?

Die Realität sieht etwas anders aus, denn die meisten Kraftfahrer tun sich schon mit § 2 Abs. 4 StVO schwer, der nämlich schon seit etwa fünfzehn Jahren lautet:

Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren; nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Eine Benutzungspflicht der Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung besteht nur, wenn Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ allein angezeigt ist. Radfahrer dürfen ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und Fußgänger nicht behindert werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Mofas Radwege benutzen.

Das Problem ist bloß, dass die meisten Verkehrsteilnehmer einen Scheiß auf die Verkehrsregeln geben.

Es wurde in diesem Blog schon häufig beschrieben, dass die genauen Verkehrsregeln kaum jemand kennt. Die meisten Kraftfahrer fahren so, wie sie es in der Fahrschule gelernt haben, bei unbekannten Situationen setzt der Herdentrieb ein und es wird der Vordermann imitiert. Die Fahrschule lehrt allerdings nicht, was in der Straßenverkehrs-Ordnung steht, das wollen die Fahrschüler auch gar nicht wissen, sondern erklärt nur das Basiswissen, mit dem sich die praktische Fahrprüfung bestreiten lässt. Niemand erklärt, welche Vorrangsbeziehungen in Kreisverkehren und abknickenden Vorfahrtstraßen bestehen, niemand erläutert das Rechtsfahrgebot auf Kraftfahrstraßen innerhalb geschlossener Ortschaften, mit viel Glück lernt man noch, beim Auffahren auf die Autobahn keine Vorfahrt zu haben. Und ja, wo ein Radfahrer fahren darf und wo nicht, das wird allenfalls noch zufällig erwähnt: Schließlich geht’s hier doch um den Führerschein, nicht ums Fahrrad.

Der Verkehrsunterricht in der Grundschule oder in der Unterstufe der weiterführenden Schulen ist gar noch schlimmer, dort lernen die Kinder nicht vom Rad zu fallen, aber keineswegs die Verkehrsregeln für Radfahrer. Kein Wunder, die sind für die kleinen Köpfe noch viel zu komplex, denn schon die Polizei tut sich ja schwer mit § 2 Abs. 4 StVO und weiß überhaupt nicht, wo denn bei welcher Schilderkonstellation und welchen verfügbaren Straßenteilen das Rad hingehört. Da das Fahrrad in der Fahrschule komplett ausgespart wird, sofern es denn nicht mit Falschinformationen Erwähnung findet, wundert es doch kaum, dass die meisten Radfahrer sich irgendwie so durch den Verkehr mogeln und viel zu häufig auf der linken Straßenseite oder dem Gehweg landen.

Es wäre ein wahrhaft spannendes Experiment, ein paar Verkehrsteilnehmer vor die Straßenverkehrs-Ordnung zu setzen und die Regeln erklären zu lassen, die sie dort lesen. Man braucht nicht viel Fantasie um sich vorstellen zu können, dass das ganz schön schiefgehen wird.

Ein regelkundiger Fahrbahnradler braucht sich gar nicht die Mühe machen, einem wutschnaubenden Kraftfahrer durch die Beifahrerscheibe etwas von § 2 Abs. 4 StVO oder Zeichen 237 zu erklären: Das kapiert er nämlich nicht. Außerhalb des Elfenbeinturmes, von dem wir hier und in anderen Blogs immer wieder auf die Straßen der deutschen Städte herunterschauen, gilt nämlich das einfache Prinzip „Fahrrad = Radweg, Auto = Fahrbahn“. Wir übersehen viel zu oft, dass die meisten Verkehrsteilnehmer mit einem Studium der Straßenverkehrs-Ordnung vollkommen überfordert sind. Während wir fröhlich vor ebenjenem Kraftfahrer mit Zeichen 237, 240 und 241 jonglieren, weiß der vermutlich noch nicht einmal, dass Verkehrszeichen nummeriert sind und steckt mutmaßlich noch immer fest in dem verbreiteten Glauben, dass Radfahrer doch bitteschön schon zu ihrer eigenen Sicherheit nicht auf der Fahrbahn fahren sollen. Allenfalls kann er § 1 Abs. 1 StVO rezitieren, weil der nämlich tatsächlich in jedem Fahrschulbuch steht.

Geradezu süß mutet es an, während der Fahrt noch einem hupenden Kraftfahrzeug etwas von „Nicht benutzungspflichtig!“ hinterherzurufen, was der Fahrzeugführer einerseits nicht hören wird und andererseits gar nicht verstehen will: Glaubt denn jemand ernsthaft, ein Kraftfahrer schaue bei jeder Kreuzung, bei jeder Einmündung nach, ob denn der Radweg mit blauen Schildern dekoriert sein könnte, um daraufhin zu entscheiden, ob er einen Fahrbahnradler malträtiert oder ihn in Ruhe lässt? Fragt man ein paar Verkehrsteilnehmer höflich nach den blauen Schildern, wird man ganz erstaunt feststellen, dass vielleicht jeder Zehnte etwas kluges dazu sagen kann — und das auch nur, weil Radwegbenutzungspflichten im vergangenen Jahr häufig genug in den Medien zu Gast waren. Für die meisten gilt: „Fahrrad = Radweg, Auto = Fahrbahn“.

Diese Problematik stellt sich plötzlich auch bei freigegebenen Einbahnstraßen, die in den letzten Jahren immer mehr aus den Straßen schießen. Fast jeder Kraftfahrer kann lange Geschichten über Radfahrer erzählen, die falsch herum durch die Einbahnstraße gefahren wären und sich dabei gar fürchterlich betragen hätten — selbst mit viel Überzeugungskraft lässt sich kaum vermitteln, dass der Radfahrer je nach Einbahnstraße eventuell im Recht war. Auch mit dem Zeigefinger auf das Zusatzzeichen 1000-32, das unter dem Schild der Einbahnstraße auf die entgegenkommenden Radlern hinweisen soll, kapieren viele Verkehrsteilnehmer nicht, was das eigentlich bedeuten soll. Überraschend viele vermuten unter der Beschilderung einen Radweg, glauben also, Radfahrer dürften diese Straße in Gegenrichtung passieren, müssten aber den Radweg benutzen, der in Wirklichkeit ein Gehweg ist. Und selbst wenn man einen Kraftfahrer glaubhaft von freigegebenen Einbahnstraßen überzeugen kann, scheint es im gar ungeheuerlich, dass er einem entgegenkommenden Radfahrer an Engstellen möglicherweise Vorrang gewähren müsste, dass Radfahrer auch beim Verlassen der Einbahnstraße Vorfahrt haben könnten. Freigegebene Einbahnstraßen mögen eine tolle Idee sein, wenn sie die Wege für Radfahrer deutlich verkürzen, trotzdem ist es gerade am falschen Ende einer solchen Einbahnstraße immer wieder abenteuerlich, wie die Kraftfahrer dort blind hineinbrettern, weil aus einer Einbahnstraße ja nichts herauskommen dürfte.

Wir halten uns zwar für die besten Autofahrer der Welt und bauen angeblich die besten Autos der Welt, aber so richtig Ahnung von dem, was wir da mit Pedalen und Lenkrad anstellen, so richtig Ahnung davon haben wir nicht.

Schön, dass nach der Krefelder Straße in Köln nun auch in München die Radfahrer auf die Fahrbahn dürfen, aber weder in Köln noch in München werden Kraftfahrer das Erklärbär-Schild verstehen, dass speziell für die regelunkundigen Verkehrsteilnehmer aufgestellt wurde: Unlogisches Logo

Zu klein, zu viel Text: Erst vor drei Wochen hat die Stadt Info-Schilder für Radler und Autofahrer in München aufgestellt. Doch die verwirren offenbar mehr als dass sie aufklären. Nun sollen neue her.

Das sicherlich gut gemeinte Schild hat gleich mehrere Probleme. Vermutlich wird es genügend Kraftfahrer geben, die es einfach übersehen — das liegt gar nicht mal an dessen unzureichender Größe, sondern dass der Mensch als Gewohnheitstier nunmal nicht sofort erkennt, dass sich da etwas geändert hat. Der Text erzählt zwar schön etwas von der Radwegbenutzungspflicht, aber wer kennt den Begriff denn schon? Der Hit ist natürlich das durchgestrichene Zeichen 237, das zwar formal gesehen korrekt ist, denn eine Radwegbenutzungspflicht gibt es nunmal nicht mehr, sie ist hier zu Ende, vermutlich aber eher als Verbot des Fahrradfahrens analog zu Zeichen 254 verstanden werden dürfte, denn, wieder einmal, wer kennt schon die genaue Bedeutung von Zeichen 237?

Bei hamburgize.com gibt’s noch ein paar interessante Fotos: Braucht es ein Zeichen für Radwege ohne Benutzungszwang?

Auch da bleibt allerdings die Elfenbeinturmproblematik bestehen: Wird nun ein eckiges Zeichen für Radwege ohne Benutzungspflicht eingeführt, kapiert das auch wiederum kein normaler Verkehrsteilnehmer. Rund hieße benutzungspflichtig, eckig hieße nicht benutzungspflichtig, okay, für uns kein Problem, aber schaut der normale Kraftfahrer nach, ob das Schild rund oder eckig war, bevor er hinter dem nächsten Fahrbahnradler auf die Hupe prügelt? Überdies krankt der Radweg immer noch an der Überlegung, warum denn ein Radweg nicht benutzt werden sollte, wenn doch einer vorhanden ist — leider sehen sich auch viele Kraftfahrer genötigt, diese Diskussion mit der Hupe zu führen. Meistens kommen dabei noch die fehlenden Kennzeichen und die Kraftfahrzeugsteuern zur Sprache.

Insofern: Ob rund oder eckig, es wäre viel wichtiger, als Verkehrsteilnehmer endlich einmal wenigstens die wichtigsten Straßenverkehrsregeln zu kennen. Es ist sicherlich unnötig, als Normalsterblicher die 53 Paragraphen und fünf Anlagen auswendig rezitieren zu können, es ist aber absolut besorgniserregend, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nur den § 1 Abs. 1 StVO benennen können — und von vielen weiteren Regeln leider nicht nur keine Ahnung haben, wo sie denn stehen, sondern von deren Existenz noch nie etwas gehört haben. Denn in Deutschland ist es leider Tradition, fehlendes Wissen mit erhöhter Aggression zu kompensieren. Die wild hupenden Kraftfahrer sind beinahe ausnahmslos jene, die von § 2 Abs. 4 StVO noch nie etwas gehört haben.

Tempo 30 funktioniert nicht einfach so

Die bloße Umwandlung einer Straße oder eines ganzen Stadtteils in einen auf Tempo 30 limitierten Bereich löst noch keine Probleme, ganz im Gegenteil: Was früher eine Vorfahrtstraße war, sieht auch in einer Tempo-30-Zone nach Vorfahrtstraße aus und wird dementsprechend so befahren. Wenn es Radwege gibt, wird sich der gemeine Radfahrer auch künftig dort aufhalten, obschon die Benutzungspflichten längst abgeschraubt wurden. Abhelfen können dann nur bauliche Veränderungen, stellt Hans-Heinrich Pardey für die FAZ fest: Das Lehrstück

Was passiert, wenn Tempo 30 dort eingeführt wird, wo es nicht zwingend ist? Wenn der Verkehrsraum nicht neu geordnet wird, um dies für alle Beteiligten deutlich erkennbar zu machen, passiert erst einmal nichts. Die Maßnahme ist dann Unfug.

Pardey irrt allerdings, was die Radwege angeht: Die dürfen in einer Tempo-30-Zone durchaus existieren, sollen aber nicht benutzungspflichtig sein, denn eine Tempo-30-Zone gilt nunmal als ungefährlich, dass die Radfahrer nicht von der Fahrbahn ferngehalten werden brauchen. Trotzdem kann es natürlich abseits von Fahrbahn und Gehweg noch weitere Straßenteile geben, etwa Seitenstreifen oder die bereits erwähnten Radwege. Und sogar vom Rechts-vor-links-Prinzip lässt sich abweichen, indem mit Zeichen 301 und Zeichen 205 die Vorfahrt an einer Kreuzung geregelt wird — nur durchgängige Vorfahrtstraßen mit Zeichen 306 darf es in einer Tempo-30-Zone tatsächlich nicht geben.

Neues Berliner Sicherheitskonzept: Alles bleibt anders

An diesen Meldungen stoßen gleich zwei Punkte lästig auf: Einerseits den Kram, den die Polizei da erzählt, andererseits das, was die Medien daraus machen. Davon unbenommen sind natürlich die Kommentare zu den Artikeln, aber die schmerzen mittlerweile überhaupt nicht mehr, obschon sie vor kraftfahrzeugzentrierter Menschenverachtung nur so triefen.

Man weiß gar nicht, an welchem Thema man sich zuerst abarbeiten soll. Fangen wir mal mit dem Tagesspiegel an, denn dort scheinen die Autoren wenigstens zu wissen, wie viele Räder so ein Fahrrad eigentlich hat. Jörn Hasselmann schreibt dort: Neues Sicherheitskonzept soll Fußgänger und Radler schützen

Die offiziellen Zahlen sind noch nicht bekannt, aber schon jetzt ist klar: Im vergangenen Jahr gab es einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Schwerverletzten auf Berlins Straßen, besonders Radfahrer leben hier gefährlich. Die Polizei legt ein neues Sicherheitsprogramm auf.

Gleich das erste Foto ist natürlich wieder der Knaller, denn dort wurde offenbar ein Radfahrer im falschen Glauben angefahren, auf dem Fußgängerüberweg auch hoch zu Ross Vorrang zu genießen. Das lenkt den Artikel leider gleich wieder in die obligatorische Radfahrer-sind-eh-doof-Richtung.

Der Berliner Senat hat offensichtlich festgestellt, dass der Radverkehrsanteil stärker gestiegen ist als angenommen und es um die Sicherheit der Radfahrer in der Bundeshauptstadt nicht unbedingt gut bestellt ist. Ähnlich schlecht bestellt scheint es allerdings um den Plan zur Steigerung der Verkehrssicherheit zu sein, denn mehr als bloßer Aktionismus lässt sich dort kaum erkennen.

Zuerst möchte man sich eine Fahrradstaffel leisten. Die soll offensichtlich unter anderem damit betraut werden, die Verkehrsmoral anzuheben und als Beispiel wird ausgerechnet die Hamburger Fahrradstaffel genannt, die bekanntlich wichtige Kontrollen an strategisch eher unwichtigen Kreuzungen veranstaltet und mit zehn Fahrrädern bei mehreren zehntausend Radfahrern nicht gerade präsent ist. Bleibt ja auch die Frage, was die Fahrradstaffel eigentlich unternehmen soll. Die Einhaltung roter Ampeln überwachen? Die Radfahrer anquatschen, statt der angeblich gefährlichen Fahrbahn doch lieber den rumpeligen Radweg ohne Benutzungspflicht zu benutzen? Für den Fahrradhelm werben?

Die Zeit wird zeigen, was daraus wird, denn mit der Fahrradstaffel wird ja vermutlich nicht vor dem Sommer 2014 zu rechnen sein. Als nächstes wird das beliebte Victim Blaming betrieben:

Am Neujahrstag erlitt eine 77-Jährige schwerste Kopfverletzungen, meldete die Polizei am Mittwoch. Sie wollte bei grüner Fußgängerampel die Kantstraße überqueren und wurde von einem Auto erfasst. Um die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen, blinkt an sechs Berliner Kreuzungen seit kurzem das grüne oder rote Ampellicht zur Warnung.

Nochmal langsam: Die Frau überquerte bei grüner Fußgängerampel die Straße, wurde trotzdem von einem Kraftfahrzeug erfasst und ist nun tot. Damit das nicht noch mal passiert, blinken jetzt die Signalgeber der Fußgängerampeln… weil… denn… damit die Fußgänger jetzt wissen, aha, ich habe grünes Licht, aber ich muss aufpassen, dass mich nicht ein Autofahrer überfährt? Interessant, dass überhaupt gar niemand auf die Idee kommt, womöglich die Ampelschaltung an den sechs Berliner Kreuzungen so zu verändern, dass überhaupt gar kein Kraftfahrzeug die Fußgänger über den Haufen fahren kann, anstatt letztere mit Blinklicht über die Kreuzung zu jagen und womöglich noch missverständliche Situationen zu provozieren? Der Kraftverkehr bleibt unberührt, aber die ollen Fußgänger sollen mal sehen, wo sie bleiben. Man ist sogar dreist genug, dass als Sicherheitskonzept für Fußgänger zu verkaufen. Wenn das gesamte Vorhaben für die nächsten sieben Jahre ähnlich gestrickt ist, weiß man ja nun, wohin die Reise geht.

Der nächste Punkt auf der Agenda ist der Verkehrsunterricht:

Die Verkehrserziehung in den Schulen soll deutlich erhöht werden. Wie es hieß, hatte sich die Schulverwaltung lange dagegen gewehrt, weil dazu mehr Lehrerstellen benötigt werden.

Ja, Verkehrserziehung ist keine schlechte Idee, sofern sie denn richtig funktioniert. Meistens ist der Ansprechpartner im Verkehrsunterricht in der Grundschule oder in der Unterstufe der weiterführenden Schulen der einzige, den der normale Verkehrsteilnehmer jemals zum Thema Radfahren hören wird. In der Fahrschule bleibt das Fahrrad komplett ausgespart, da geht’s natürlich nur um die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge, denn die wird schließlich auch bezahlt, in den Medien hört man mehr Stuss als sinnvolles zum Fahrrad, da tut vernünftiger Verkehrsunterricht sicherlich Not.

Bislang beschränkte sich der Verkehrsunterricht in der Regel darauf, den Kindern beizubringen, nicht vom Fahrrad zu fallen. An komplizierte Themen wie Radwegbenutzungspflichten traut man sich in dem Alter — womöglich zu Recht — noch nicht heran, also beschränkte man sich darauf, den Kindern das Meiden der Fahrbahn einzuimpfen. Ich persönlich habe damals noch gelernt, außerhalb von Wohngebieten bei Straßen ohne Radweg unbedingt den Gehweg zu beradeln. Meistens wurde nicht einmal aufgeklärt, dass ein Fußgängerüberweg nunmal nur den Fußgängern dient und nicht dem Radfahrer, meistens beschränkte man sich tatsächlich auf die Unterbreitung üblicher Weisheiten, etwa lieber auf die Vorfahrt zu verzichten und erst einmal alle Autofahrer durchzulassen — plus des eigentlich unzulässigen Befahrens des Gehweges. Kein Wunder, wenn jene Schüler dann zehn Jahre später am Steuerrad wütend auf die Hupe trommeln, wenn ein Radfahrer abseits des Radweges unterwegs ist. Und die Polizei schreibt noch immer ganz überrascht nach einem Unfall auf deinem Fußgängerüberweg, wie denn der Radfahrer auf die Idee kommen konnte, dort einen Vorrang wahrzunehmen, wenn ihm doch jahrzehntelang eingetrichtert wurde, kein Verkehrsteilnehmer, sondern bloß ein beräderter Fußgänger zu sein?

Insofern ist Verkehrsunterricht womöglich nicht nur bei Schülern notwendig, sondern auch und gerade bei älteren Kraftfahrzeugführern. Nach der praktischen Fahrprüfung dürfte ein Großteil des Fahrschulwissens den Bach hinuntergehen, die meisten fahren so, wie sie es gelernt haben, ohne ihr Fahrverhalten an den entsprechenden Stellen der Straßenverkehrs-Ordnung festmachen zu können. 15 Jahre lang steht beispielsweise schon im zweiten Absatz der Straßenverkehrs-Ordnung, welche Radwege ein Radfahrer benutzen soll, oder andersherum formuliert: Dass ein Radfahrer keineswegs alles befahren muss, was irgendwie nach Radweg aussieht. An den meisten Verkehrsteilnehmern ist diese Änderung von 1997 allerdings spurlos vorbeigegangen und so geistert die generelle Radwegbenutzungspflicht als gefährliches Halbwissen im Cockpit herum, wenn Fahrbahnradler bedrängt und gefährdet werden, sobald durch die Windschutzscheibe irgendwo ein angeblich bestens ausgebauter und breiter Radweg zu sehen ist.

Weiter:

Dies wird erleichtert durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung, die im April in Kraft treten wird. Künftig soll die Polizei auf zugeparkten Radspuren einschreiten, weil dies künftig automatisch als Gefährdung gewertet wird. Bislang ist dies Sache der Ordnungsämter, die jedoch wegen Personalmangels nicht tätig wurden.

Es gibt keine Änderung in der Straßenverkehrs-Ordnung, die plötzlich etwas als Gefährdung einschätzt und vorher nicht. Das ist auch gar nicht die Aufgabe der Straßenverkehrs-Ordnung, das stünde allenfalls im Bußgeldkatalog, aber dort steht bloß drin, dass Parken auf Schutzstreifen fünf Euro günstiger wird. Die Polizei hatte bislang bloß keine Lust, sich mit Kampfparkern auseinanderzusetzen — und es scheint äußerst fragwürdig, ob sie sich künftig dazu herablassen wird.

Und nun die Morgenpost. Da schreiben Max Boenke und Vera Weise leider eine Menge Unfug: Berlin will Radfahrer und Fußgänger besser schützen

Im vergangenen Jahr starben 42 Menschen bei Unfällen, darunter 17 Fußgänger und 15 Radfahrer. Nun plant der Senat ein neues Verkehrsprogramm.

Eigentlich darf man den Artikel überhaupt nicht lesen, ein Glück, dass er normalerweise hinter der Paywall verödet, denn der strotzt ja nur so vor Unfug. Erst kommt wieder der Kram mit der angeblich geänderten Zuständigkeit, dann krebst die Idee der Fahrradstaffel im Artikel herum und zitiert noch drei Radfahrer, von denen gleich der erste meint, zugeparkte Radwege seien ja nicht so schlimm, weil man doch ausweichen könne — dann braucht man ja eigentlich auch gar keine Radwege mehr anlegen. Leider leistet sich die Berliner Morgenpost genau wie der Tagesspiegel eine kurze Zusammenfassung zum Ende des Artikels:

Neue Regeln für Radfahrer
Anhänger Vom ersten April dieses Jahres an tritt eine neue Fassung der Straßenverkehrsordnung in Kraft. So dürfen zum Beispiel nur noch maximal zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr in einem Anhänger hinter dem Fahrrad mitgenommen werden. Unverändert bleibt, dass Kinder nur im Anhänger mitgenommen werden dürfen, sofern der Radfahrer mindestens 16 Jahre alt ist.

Nur der erste Satz ergibt einigermaßen Sinn, der Rest ist Blödsinn, das wird beim Blick in die Entwicklungsgeschichte von § 21 Abs. 3 StVO klar, der in der Neufassung lautet:

Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes.

In der 46. Änderungsverordnung heißt es:

Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, daß die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes.

Überraschung: Es hat sich eigentlich gar nichts geändert. Nun gehen die Autoren vermutlich davon aus, dass die 46. Änderungsverordnung vor zweieinhalb Jahren überhaupt nicht in Kraft getreten ist, weil Peter Ramsauer damals wohl so etwas in diese Richtung angedeutet haben soll. Nach der dann angeblich gültigen 45. Änderungsverordnung heißt es:

Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder unter 7 Jahren von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können.

Da stand noch gar nichts mit Anhängern drin. Der Rückschluss, den die Morgenpost zieht, ist aber trotzdem Unfug, denn auch künftig dürfen Kinder auf einem Fahrrad in einem Kindersitz transportiert werden. Am Mindestalter von 16 Jahren wurde allerdings nicht gedreht, auch wenn der Artikel etwas anderes suggeriert.

Ampel Gibt es an einer Kreuzung kein gesondertes Lichtzeichen für Fahrradfahrer, so müssen sich diese an die Ampel des Fahrverkehrs halten. Bisher hieß es in der StVO: „Radfahrer haben die Lichtzeichen für Fußgänger zu beachten (…) wenn keine gesonderten Lichtzeichen für Radfahrer vorhanden sind.“ Das gilt jedoch nicht für Straßen, die über eine besondere Radverkehrsführung verfügen.

Tja, so einfach ist es leider nicht. Wenn sich die Autoren nicht in der Lage sehen, diese unglaublich komplizierten Regelungen verständlich abzubilden, sollten sie lieber darauf verzichten, anstatt diesen gefährlichen Unsinn zu drucken. Der normale Fahrradfahrer versteht unter einem „gesonderten Lichtzeichen für Fahrradfahrer“ sicherlich einen eigenen Signalgeber und nicht das kleine Fahrradpiktogramm in der Streuscheibe der Fußgängerampel.

Es wird leider nicht besser:

Achtsamkeit Erstmals ist in der StVO ausdrücklich vermerkt, dass Fahrradfahrer, die sich den Gehweg mit Fußgängern teilen, diese „weder gefährden noch behindern“ dürfen. Bisher hieß es lediglich, die Fahrradfahrer dürften nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Ebenfalls neu ist die ausdrückliche Regelung, dass Fahrradfahrer im Fahrverkehr nicht schneller als 30 km/h fahren dürfen.

Schon die Sache mit dem Gehweg hätte einer besseren Formulierung bedürft: Die angepasste Geschwindigkeit, die also auch über der Schrittgeschwindigkeit liegen kann, gilt natürlich nur auf freigegebenen Gehwegen und keineswegs auf gemeinsamen Fuß- und Radwegen, die kraft Zeichen 240 angeordnet sind. Ganz großer Blödsinn ist allerdings das Tempolimit für Radfahrer, das selbstverständlich auch nicht in der Neufassung steht. Der einzige Zusammenhang, der sich zwischen Radfahrern und Tempo 30 konstruieren lässt, ist die Fahrradstraße, aber die wird hier wohl kaum gemeint gewesen sein.

Insofern steht man nicht nur entgeistert auf den Bildschirm blicken da und wundert sich, wie denn drei übersichtliche Absätze über die Änderungen in der Straßenverkehrs-Ordnung so gründlich schiefgehen können, nein, man wundert sich eigentlich noch mehr, dass die eigenständige Recherche nicht mehr zum Handwerkszeug eines Journalisten gehört. Stattdessen wird locker-flockig am Rechner irgendein Halbwissen in die Zeitung getippt, ohne dass die Aussagen der Quellen hinterfragt werden oder gar ein eigener Blick in die Straßenverkehrs-Ordnung gewagt wird.

Wie zur Hölle soll eigentlich der normale Verkehrsteilnehmer die Verkehrsregeln verstehen, wenn nicht einmal Journalisten, geschweigedenn die Polizei dazu in der Lage ist, schlimmer noch: Wenn Journalisten unablässig Falschinformationen ins Netz pusten? Herrgottnochmal, hier geht’s nicht darum, ob Peer Steinbrück in der Schule mal ein Referat ohne finanzielle Entschädigung gehalten hat, hier geht’s um die Regeln zur Teilnahme im Straßenverkehr und dort haben weder Halbwissen noch Falschinformationen etwas verloren. Man darf gar nicht daran denken, wie viel Unfug wohl in den übrigen Artikeln steht, bei denen man sich thematisch nicht so gut auskennt.

Whatever: Ändern wird sich sowieso nichts. Bei der Sicherheit der Radfahrer genauso wenig wie bei der Sorgfalt der Journalisten.

Sicher fahre ich nur bei Rot

Roland Brühe schreibt über ein Plakat: Rote Ampeln und Präventionsplakat: Ein motivhermeneutischer Versuch

Die Stadt Köln klärt auf. Mittels einer präventiven Plakataktion weist sie darauf hin, dass Ampeln schützen, wenn wir sie denn beachten. Dazu sehen wir ein Auge, in dessen Pupille das Rotlicht einer kombinierten Fußgänger- und Fahrradfahrerampel erscheint. Das Plakat trägt den Titel “Einen Augenblick Respekt”. In der Fußzeile wird darum gebeten: “Helfen Sie mit, die Zahl der Unfälle zu verringern.” Das Plakat hat meine Aufmerksamkeit erregt, weshalb ich mich einmal motivhermeneutisch damit beschäftigen möchte.

Für ein einfaches Plakat sicherlich eine sehr interessante Betrachtung — unbedingt lesenswert. Allerdings fallen, wie schon in den Kommentaren erwähnt, einige Probleme beim Plakat auf.

Die Aussage „Ampeln schützen, wenn wir sie beachten“ trifft leider den falschen Adressaten. Aufgrund des abgebildeten kombinierten Radfahrer- und Fußgänger-Signalgebers wird sich dieses Plakat nunmal an Radfahrer und Fußgänger wenden, denn schließlich sind es die Radfahrer, die angeblich immerzu vorsätzlich über rote Ampeln stürzten. Mit einem Blick in die einschlägigen Statistiken wird allerdings schnell klar, dass sich die meisten Radfahrer und Fußgänger bei einer grünen Ampel anfahren lassen. Das liegt natürlich einerseits daran, dass entgegen der gemeinen Kraftfahrer-Meinung in Wirklichkeit nur sehr viel wenige Radfahrer über Rot direkt in den Querverkehr sausen, andererseits „schützt“ eine Lichtzeichenanlage in der Praxis nicht.

Während der Fahrzeugverkehr auf der Fahrbahn bei grünem Licht relativ unaufmerksam die Kreuzung überqueren kann, weil feindlicher Querverkehr dann doch eher selten ist oder sich sogar akustisch und mit Blaulicht ankündigt, ist eine grüne Ampel für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer deutlich gefährlicher. Die grüne Fußgänger- oder Fahrradampel schützt zwar vor dem Querverkehr, aber der ist gar nicht das Problem, denn die Gefahr naht von hinten links: Die dortigen Fahrzeuge bekommen in der Regel gleichzeitig grünes Licht und biegen bekanntlich eher ungerne mit Schulterblick ab. So mancher Radfahrer, der noch im Verkehrsunterricht das Märchen vom sicheren Überqueren der Straße bei grüner Ampel geglaubt hat, taucht nun plötzlich im Polizeibericht auf mit der unschönen Begründung, er habe sich im toten Winkel des Autofahrers aufgehalten.

Deutlich ungefährlicher, auch wenn in der Praxis wohl kaum empfehlenswert, scheint da das Überqueren einer Straße bei roter Ampel zu sein. Von vorne und hinten droht keine Gefahr, tote Winkel spielen sowieso keine Rolle mehr, der Radfahrer braucht sich bloß mit recht viel Verstand an die Sichtlinie herantasten, ob denn von links oder rechts jemand im Anmarsch ist. Das ist schließlich in etwa auch die Wirkungsweise der so genannten Fahrradampeln: der Radverkehr wird auf die Kreuzung in den Sichtbereich der Kraftfahrer geschickt, so lange jene noch keinen Radfahrer auf die Hörner nehmen können.

Vielleicht hätte das Plakat lieber eine Vollscheibe, also einen Signalgeber für den Fahrbahnverkehr zeigen sollen. Hätte der etwas mehr Respekt vor roten und grünen Ampeln, wäre das Überqueren einer Kreuzung vermutlich noch deutlich sicherer.

Mal wieder: Norderstedt will Fahrradstadt werden

Früher, als Kraftfahrer noch ins Auto steigen konnten, ohne mit dem von oben herab verordneten schlechten Gewissen am Rad zu drehen, da drehte sich der Wahlkampf auch um Autos, um mehr Parkplätze, um bessere Straßen.

Inzwischen scheinen sich die Zeiten geändert zu haben, statt mit dem Auto geht’s jetzt mit dem Rad auf Wählerfang. Der drohenden Wahl ist es wohl zu verdanken, dass in Norderstedt plötzlich wieder das Rad in den Fokus des Verwaltungschefs geraten ist: Eine der fahrradfreundlichsten Städte im Norden

Oberbürgermeister Grote schwärmt von Fahrradstraßen und autofreien Wegen — zum ersten Mal träumt er davon allerdings nicht, doch landete Norderstedt beim letzten Fahrradklimatest auf einem sehr schlechten Platz, abgesehen von der Fahrradstation am Bahnhof, die schon seit Jahren geplant wird. Man darf gespannt sein, was von der neuerlichen Vision des Oberbürgermeisters noch übrig bleibt: Vision: Fahrradstadt Norderstedt

Ein Besuch in der motorisierten Welt

Ein kritischer Bericht soll immer mit ein paar netten Worten beginnen, so lernt man es schließlich schon in der Grundschule. Beim MOTOR-TALK-Forum fallen solche Worte gar nicht schwer: Bei autorelevanten Themen gibt es wohl keine bessere Informationsquelle als die in Dutzende Unterbrettern gegliederten Autoforen. Die dortige Fähigkeit, gar aus blinden Kristallkugeln noch eine Ferndiagnose zu lesen, darf wohl getrost legendär genannt werden.

Leider krankt MOTOR-TALK am Willen, sich ein so genanntes „Verkehr & Sicherheit Forum“ leisten zu wollen. Und was in diesem Forum abgeht, hat zwar viel mit Verkehr, aber umso weniger mit Sicherheit zu tun. Womöglich lässt sich die Problematik schon aus dem Klientel des Forums ableiten, denn in der Regel werden Autos nebenan in den übrigen Themen-Foren nicht getunt, um dann unterhalb des Tempolimits über die Autobahn zu zuckeln. Die dortigen Forenmitglieder mögen zwar jede Menge Ahnung von Tuning und Technik zu haben, aber eher weniger von der Straßenverkehrs-Ordnung.

Das ist relativ amüsant, wenn ein Forenmitglied nach einer Geschwindigkeitsübertretung angehalten wurde und anschließend seitenlang im Forum das Abzocklied angestimmt wird. Es sei unzulässig, das Tempolimit an jenen Stellen zu überwachen, an denen sich sowieso niemand an das Tempolimit halte. Parallel dazu wird auf beinahe 130 Seiten mit über 2.000 Antworten diskutiert, ob nicht der so genannte Strichfahrer die Wurzel allen Übels ist. Wer bremst, verliert und wer nicht gerade die obligatorischen „+20“ auf dem Tacho hat, gilt im MOTOR-TALK-Forum als Schleicher. Empirischen Studien der Mitglieder zufolge sind derartige „stur nach Limit“-Fahrer das größte Problem auf deutschen Straßen: Sie seien Schuld an Unfällen, weil kein normaler Verkehrsteilnehmer damit rechne, dass sich jemand ans Tempolimit hält, sie verursachten Staus, weil die „+20“-Fraktion ständig abbremsen müsse, sie gelten als Oberlehrer und deutsche Michel, denen das eigenständige Denken in der Fahrschule ausgetrieben wurde. Freiheit und Selbstständigkeit gibt’s nur mit Bleifuß: Freie Fahrt und Freiheit für freie Bürger.

Drastisch wird es, wenn ein Mitglied einen Fahrradfahrer sieht, denn dann entwickelt jeder Thread ein ausgesprochen dynamisches Eigenleben, dass ihn in unbekannte Höhen katapultiert. Mit Fahrradfahrern können die meisten MOTOR-TALK-Mitglieder offensichtlich weniger gut umgehen. Ein paar Beispiele gefällig?

Es ist vollkommen müßig, einzelne Aussagen aus den beinahe 10.000 Beiträgen dieser Threads zu destillieren, weil sich ohnehin insebsondere Falschbehauptungen ständig wiederholen und spätestens nach einer Viertelstunde der Lektüre das Gehirn aus der Nase tropft. Etwas übertrieben formuliert gehören Radfahrer für den gemeinen MOTOR-TALKER nicht der menschlichen Spezies an und haben sich schon aus moralischen Gründen auf den Radweg zu flüchten. Die meisten Mitglieder scheinen noch eine halbwegs moderate Einstellung gegenüber Radfahrern zu vertreten, bei einigen wenigen wird der Hass auf alles unmotorisierte offen zur Schau getragen. Die Situation wird auf jeder neuen Seite eines Threads verworrener, weil die ständigen Falschinformationen immer wieder mutieren und Seite für Seite erneut zum Vorschein kommen.

Der Klassiker ist erwartungsgemäß, dass Radfahrer jeden Radweg benützen müssten, denn von § 2 Abs. 4 StVO hat hier noch kaum jemand etwas gehört. Falls § 2 Abs. 4 StVO wider Erwarten doch noch ins Gespräch gebracht wird, ignorieren die Forenmitglieder den ungewohnten Erkenntnisgewinn oder holen die moralische Keule heraus: Radfahrer müssten aus moralischen Gründen jeden Radweg und notfalls auch jeden Gehweg befahren, um den Kraftfahrern nicht im Weg zu sein, denn schließlich bezahlten Kraftfahrer Steuern und Radfahrer nicht und Radfahrer seien sowieso nur zum Spaß unterwegs und um Kraftfahrer zu blockieren. Einerseits wird es gemeinhin begrüßt, wenn Radfahrer freiwillig auf dem Gehweg radeln und nicht dem Kraftverkehr auf der Fahrbahn hinderlich sind, andererseits werden Gehwegradler gehasst, sofern sie Fußgänger gefährden oder beim Rechtsabbiegen und beim Ausfahren aus einer unübersichtlichen Grundstückszufahrt plötzlich auf der Motorhaube landen. Ja, Radfahrer dürften natürlich gerne Rad fahren, aber bitte nicht dort, wo gerade ein Kraftfahrer entlang möchte.

Da die Diskussionen im Verkehr-und-Sicherheit-Forum ganz offensichtlich nicht dem Erkenntnisgewinn dienen können, bleibt nur die kollektive Wutbürgerei gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern. Kaum einer der Diskussionsteilnehmer hat jemals einen Radfahrer gesehen, der sich an die Straßenverkehrs-Ordnung hält, was bei bestimmten Fragestellungen stets ganz besondere Ergebnisse treibt. Selbst ein eindeutig von einem Kraftfahrer verursachter Unfall mit einem Radfahrer wird noch schöngeredet, indem penibel nachgeforscht wird, ob der Radfahrer ohne Licht fuhr, keine Warnweste oder keinen Fahrradhelm trug, ob er auf der falschen Straßenseite fuhr oder auf dem Gehweg oder auf der Fahrbahn oder ob die Ampel nicht doch rot war oder der Himmel blau und das Auto grün. Und selbst wenn sich die Schuld des Kraftfahrers nicht in Abrede stellen lässt, kommt wieder die moralische Keule aus dem Untergrund: Der Radfahrer sei doch mindestens teilschuldig, denn er hätte ja nicht im toten Winkel fahren müssen, wenn der Kraftfahrer beim Abbiegen nicht den Hals zum Schulterblick wendet, er hätte ja auf dem Radweg fahren können, wenn jemanden das Kunststück gelang, einen Radfahrer auf der Fahrbahn anzurempeln, er hätte ja auch den Gehweg benutzen können, sollte es keinen Radweg geben, oder aber doch lieber die Fahrbahn, falls sich der Vorfall auf dem Gehweg zugetragen hat. Was die Suche nach möglichen Rechtfertigungen angeht, sind die Forenmitglieder durchaus flexibel.

Derartige Diskussionen finden stets ohne Beteiligung der Straßenverkehrs-Ordnung statt und es ist absolut abenteuerlich, wie Falschinformationen quer durch das Forum getragen und immer wieder rezitiert werden. „Ich habe mal gehört“, „Meines Wissens“ und „Eigentlich“ sind als Prefix für Behauptungen betreffend der Verkehrsregeln sichere Indikatoren, dass gleich Unfug folgt. Fragt man nach der Quelle für eine Behauptung, wird kurzerhand ein anderer Beitrag zitiert, der teilweise in anderen Threads lagert, mitunter aber nur ein paar Seiten vorher geschrieben wurde und ähnlichen Blödsinn enthält. Dieser zirkelschließender Selbstreferenzierung fiel nicht nur vor langer Zeit § 2 Abs. 4 StVO zum Opfer, sondern auch sämtliche anderen Erkenntnisse, die in den letzten Jahrzehnten zum sicheren Radfahren gewonnen wurden. Führt jemand eine Statistik an, die dem Radweg eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit attestiert, kommt er entweder schlecht zu Wort oder wird lediglich ignoriert, weil doch schon der gesunde Menschenverstand sage, dass es auf dem Radweg sicherer sei und solche Statistiken glattweg bloß von velozentrischen Gutmenschen geschrieben würden. Man darf sich überhaupt nicht die Mühe machen, vernünftige Beiträge zu schreiben oder sich an Erklärungen zu versuchen, warum die jahrzehntelange Überlegung bezüglich der Sicherheit von Radwegen eben nur in den seltensten Fällen zutrifft, denn gegen den angeblich gesunden Menschenverstand der Forenteilnehmer kommt niemand an. Einigermaßen witzig erscheint es da noch, dass sich die Diskussionsteilnehmer ständig gegenseitig ihre eigene Unfähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeuges bescheinigen, wenn es ständig heißt, Radfahren auf der Fahrbahn sei unter anderem gefährlich, weil Kraftfahrer nicht mit Radfahrern rechneten und sie geradewegs überführen — das spricht ja nun nicht gerade für die angeblich übermenschlichen Fähigkeiten der kultivierten Schnellfahrer am Steuerrad.

Leider sehen sich die Moderatoren im Verkehr-und-Sicherheit-Forum nicht in der Lage, gegen die dort versammelte Unwissenheit vorzugehen. Ja, keine Frage, sollen die Leute doch ruhig ihrem eigenen Unwissen huldigen, aber es scheint äußerst fragwürdig, wie weit die Forenleitung den Hass, der dort gegenüber Radfahrern gepredigt wird, tolerieren sollte. Ja, wenn es einem Moderator zu bunt wird und offensichtlich zu Straftaten aufgerufen wird, also beispielsweise den nächsten Fahrbahnradler, der nicht den bestens ausgebauten und breiten Radweg benutzt, geradewegs und mutwillig zu überfahren, dann wird das Thema geschlossen. Trotzdem wird relativ tatenlos zugesehen, wie sich Falschinformationen über Aberhunderte Beiträge im Kreise drehen und sich immer weiter aufschaukeln, bis dann tatsächlich sämtliche Diskussionsteilnehmer der Meinung sind, Radfahrer dürften nie und unter gar keinen Umständen auf der Fahrbahn fahren und seien Freiwild, sofern sie nicht den Radweg benutzen. Es wäre sicherlich nicht nur ein wertvoller Beitrag zur Regelkenntnis innerhalb des Forums, wenn in solchen Diskussionen ein administrativer Finger auf die entsprechenden Paragraphen der Straßenverkehrs-Ordnung zeigen könnte, wenn die Argumente der wenigen regelkundigen Mitglieder ungehört im Wutgebrüll verpuffen. Stattdessen scheint man dem Treiben relativ hilflos gegenüber zu stehen, ja, es werden noch nicht einmal Diskussionsteilnehmer entfernt, die sich ganz eindeutig nur der Trollerei wegen angemeldet haben und den Hass auf Radfahrer mit immer den gleichen dämlichen Argumenten befeuern.

Man mag sich kaum vorstellen, welch explosiver Cocktail dort nach Diskussionen mit tausenden Beiträgen gärt, in der eigentlich seit der allerersten Seite nicht die Erkenntnis, sondern bloß der Hass gewachsen ist. Es ist erschreckend, mit welch einer Mindestausstattung der Verkehrsregeln in der heutigen Zeit die Fahrerlaubnis erteilt wird, es ist furchtbar, dass sich niemand verpflichtet fühlt, wenigstens die gröbsten Irrtümer bezüglich der Verkehrsregeln aufzuklären. Der Straßenverkehr ist kein Spiel, bei dem es relativ egal ist, ob ein Spieler mit einer Sechs aussetzen muss oder nicht, im Straßenverkehr geht es unter Umständen um Leben und Tod — und da ist weder Platz für gefährliches Halbwissen bezüglich der Verkehrsregeln noch für die Aggressionen, die aus jenem Halbwissen erwachsen.

Vielleicht täte MOTOR-TALK tatsächlich ganz gut daran, dass „Verkehr & Sicherheit Forum“ zu schließen — es ist nicht zu befürchten, dass es bezüglich der Informationsvielfalt bei MOTOR-TALK Verluste zu beklagen gäbe.

Schon wieder Kopenhagen

Es ist schon witzig, wie oft Kopenhagen als Beispiel für eine ordentliche Fahrradstadt herhalten muss. Obwohl eigentlich schon alles über Kopenhagen geschrieben wurde, schreibt man einfach noch mehr: Kopenhagen rollt voran

Die Stadt will fahrradfreundlichste Metropole der Welt werden – mit unkonventionellen Ideen.

Fahrradstadt Portland: Sogar die Kraftfahrer machen mit

Stefan Jacobs schreibt im Tagesspiegel über das Radfahren in Portland: Ein amerikanischer Traum

Manche Metropolen sind deutlich fahrradfreundlicher als Berlin. In Portland im US-Bundesstaat Oregon haben längst nicht mehr nur Autofahrer eine starke Lobby.

Besonders interessant, weil in Deutschland undenkbar ist die Finanzierung der dortigen Radverkehrsförderung:

Das Budget von jährlich mehr als sechs Millionen Dollar stammt anteilig aus der Kfz-Steuer. Viele Autobesitzer stocken es freiwillig auf: Für fünf Dollar extra pro Jahr gibt es ein Nummernschild mit aufgedrucktem Radler und dem Slogan „Share the road“ („Teile die Straße“)

Überhaupt scheinen deutsche Städte keinem Vergleich mit Portland standzuhalten. Man stelle sich vor, in Hamburg begönne die Polizei mit dem Abschleppen von geparkten Kraftfahrzeugen vom Radweg — die „Jetzt-reicht’s“-Autofahrer-Kampagne der BILD liefe vermutlich gleich am nächsten Tag an.

Schade, denn mit etwas gutem Willen ließen sich schon ein paar Fortschritte erzielen. Zumindest hat man nicht den Eindruck, wie ja der deutsche Kraftfahrer es stets befürchtet, der zunehmende Radverkehr mache die Stadt zu einem weniger lebenswerten Ort.