Bye Bye: Bis Mitte Februar

Ein Bachelor-Studium hat unter anderem den unangenehmen Nachteil, dass zwei Mal pro Jahr die Klausurzeit drängelt. Insofern herrscht hier wieder einen Monat lang Ruhe, am 15. Februar schreibe ich die wohl schwierigste Klausur meines Lebens, bis dahin geht’s nicht mehr ganz so oft auf den Sattel. Im Frühjahr gibt’s gleich noch eine weitere, hoffentlich ziemlich coole Webseite übers Radfahren, im Herbst sieht der Plan noch ein interessantes Projekt vor, abgesehen von ein paar längeren und interessanten Artikeln, an denen ich schon eine ganze Weile sitze — mal gucken, wie’s wird.

Radfahren macht auch im Winter glücklich

Jutta Deffner schreibt in der WiWo Green: Warum Radfahren auch im Winter Trend ist

Radfahren macht glücklich. Jetzt auch im Winter. Das ist keine Behauptung, sondern eine Beobachtung. Dass Radfahren glücklich macht, weiß etwa Christian Ude , auch wenn der Münchener Oberbürgermeister weder als Graswurzelaktivist noch als Verkehrsingenieur auf die Sache blickt.

Hartaberfair und die widerliche Doppelmoral

50 Minuten dauerte es, bis endlich das Thema Fahrradfahren diskutiert wurde und ja, wie es sich für eine lockere Talkrunde im Abendprogramm gehört, wurde zur Einstimmung der Kampfradler serviert. Ein kleines Einspielfilmchen präsentiert den Radfahrer als Anarchisten, der gegen Einbahnstraßen, auf dem Gehweg und über rote Ampeln fährt. Prinzipiell galt spätestens hier, was schon die vorigen 50 Minuten lang galt: Anschauen braucht man sich den Stuss nicht.

Drei weitere Minuten dauerte es bis zum Begriff des Kampfradlers.

Manuel Andrack, mittlerweile aus Harald Schmidts Schatten erwachsen und sogar mit einer Fahrerlaubnis ausgestattet, fährt „natürlich“ bei ganz gefährlichen Straßen ohne Radweg auf dem Gehweg, Einbahnstraßen, tja, das mit den freigegebenen Einbahnstraßen, das kapiert ja eh kein Mensch und dass auch gegenüber einem Radfahrer die bewährte Rechts-vor-links-Regelung gilt, schade, dass lernte der Führerscheinneuling auch erst in der Fahrschule. Andrack fiel in dieser Runde der Ahnungslosen gar nicht weiter auf, aber karikierte immerhin ganz prima das Bild des durchschnittlichen Verkehrsteilnehmers, der von den Regeln nur bedingt Ahnung hat, aber wenigstens noch darüber lachen kann.

Es war schon ziemlich traurig, was die ARD am Montagabend im Programm bot: Blitzer, Steuern, City-Maut – freie Fahrt nur für reiche Bürger?

Ein Tempolimit will die Politik Deutschlands Autofahrern nicht zumuten und hält sie so bei Laune. Gleichzeitig wird abkassiert wie nie zuvor: Mit Kfz- und Spritsteuern, teureren Knöllchen und bald auch mit Mautgebühren? Wie lange macht Autofahren so noch Spaß? Und sind die vielen Auflagen für Autos nur blinde Regelungswut – oder am Ende nötig, weil wir sonst im Verkehr ersticken?
hartaberfair diskutiert die Lust und den Frust am Auto – direkt nach dem Markencheck ADAC!

Immerhin: Es ging nicht primär um Radfahrer. Ganz im Gegenteil, die lustige Talkrunde dümpelte eine ganze Weile lang herum, schrammte am Tempolimit vorbei und tat sich auch ansonsten nicht mit besonderen intellektuellen Glanzleistungen hervor. Die Berliner Autohausbesitzerin Heidi Hetzer als Vertreterin der „Freie Fahrt für freie Bürger“-Fraktion durfte ihre Ängste über Radfahrer darlegen und erhält viel Applaus für ihre Ansage gegenüber unbeleuchteten und dunkel gekleideten Radfahrern — dass fehlendes Licht, so ärgerlich es durch die Windschutzscheibe auch sein mag, sicherlich ärgerlich ist, aber weder zu den Hauptunfallursachen zählt noch den Kraftfahrer vom Sichtfahrgebot entbindet, das war wohl zu viel Detailwissen in einer solchen Sendung.

Hetzers nächste Argumentation geht im Beifall unter, richtet sich aber an die Radfahrer, die von rechts kommend Hetzer beim Ausfahren aus ihrem Grundstück stören. Mutmaßlich haben die Radfahrer in dieser Fahrtrichtung dort nichts verloren, aber trotzdem Vorfahrt, und auch wenn sich die Dame mit der etwas peinlichen autoförmigen Handtasche bitterlich beklagt, trägt sie nunmal die Hauptschuld an so einem Unfall, die sie auch bekäme, nähme sie einem just in diesem Moment auf der Fahrbahn überholenden, also auf der linken Fahrspur fahrenden Fahrzeug die Vorfahrt. Bei einer solchen relativ eindeutigen Situation hilft auch der erboste Hinweis auf die fehlenden Kennzeichen nichts; ja, man weiß sofort, wohin die argumentative Reise geht. Gezeichnet wird wieder das Bild des rücksichtslosen Radfahrers, gegen den etwas getan werden muss, ohne dass jemand auf die Idee käme, bei Falschparkern, Rotlichtverstößen oder Geschwindigkeitsübertretungen gleich mit dem Kennzeichen zur Polizei zu laufen, aber wenn Radfahrer gegen die Regeln verstoßen, was hier keinesfalls gutgeheißen werden soll, dann klingeln sämtliche Alarmglocken.

Hetzers Probleme mit der Straßenverkehrs-Ordnung werden immer größer, mit dramatischer Stimme erklärt sie die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht am Berliner Kaiserdamm und echauffiert sich über die Radfahrer, die sich alles erlauben könnten und sich an keine Regeln halten und darum auf der Fahrbahn radeln. Man weiß gar nicht, wie wenig man von der Radwegbenutzungspflicht verstehen kann, denn wenn die Schilder an dieser Berliner Prachtstraße abgeschraubt worden sind, gab es offenkundig ja berechtigte Bedenken gegen die Nutzung des Radweges, mitnichten verstoßen Radfahrer gegen irgendeine Regel, wenn sie in Ermangelung blauer Schilder auf die Fahrbahn wechseln, sie sind noch nicht einmal moralisch angreifbar, denn Hetzer muss nun wenigstens nicht mehr fürchten, beim Ausfahren aus einem Grundstück oder beim Abbiegen einen Radfahrer umzubügeln. Freuen Sie sich doch mal, Frau Hetzer! Recht entrüstet musste Hetzer feststellen, dass ihr niemand mehr zuhörte, vermutlich waren die meisten bei der seltsamen Argumentation über Radwegbenutzungspflichten ausgestiegen.

Ein Problem dieser Sendung war sicherlich, dass jeder seine Meinung sagen musste, auch wenn er eigentlich keine Ahnung hatte. Das schlimmste an dieser Stelle: Von den angesetzten 75 Minuten waren noch immer knapp 20 übrig.

Es spricht nun Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über die Sicherheit im Radverkehr und es steht die Befürchtung im Raume, dass das Niveau nicht gerade steigen wird. Radfahrer müssten sich endlich regelkonform verhalten, fordert er, man möchte schon fragen: „So regelkonform wie Kraftfahrer?“ Hetzers Ausführungen bezeichnet er als traurige Entwicklung, als Bundesverkehrsminister hat er also weder einen Schimmer von den Verkehrsregeln noch wenigstens die Sache mit den Benutzungspflichten verstanden, man müsse die moralische Überlegenheit der Radfahrer endlich in den Griff bekommen und weil er diesen Begriff mit der Unfallstatistik vermengt, impliziert er, das einzige Sicherheitsproblem der Radfahrer wäre deren Verhalten. Kein Wort zu mangelhaften und gefährlichen Radverkehrsanlagen, den üblichen Kram mit den toten Winkeln an Kreuzungen, keine Erwähnung des unzureichenden Verkehrsunterrichtes an Schulen — immerhin kommen weder Warnwesten noch Fahrradhelme zu Wort.

Und jetzt wird es schön, zu schön beinahe, aber auch nur ganz kurz, denn während Ramsauer beinahe mit den Fäusten auf den Tisch hauen möchte, weil Verkehrsregeln nunmal auch für Radfahrer gelten, fragt Plasberg ihn nach der Bedeutung von Zusatzzeichen 1000-32, also dem Fahrrad mit den beiden Pfeilen nach links und rechts, das fälschlicherweise gerne unter Stop- und Vorfahrt-achten-Schildern abgebracht wird, eigentlich aber nach oben gehört und ein Hinweis auf die Vorfahrt kreuzender Radfahrer ist, die hier ganz legitim, Vorsicht, Frau Hetzer, auch von rechts radeln dürfen. Ramsauer greift verlegen zum Wasserglas, hat keine Ahnung, immerhin weiß Andrack Bescheid, zwei andere machen blöde Bemerkungen und zeigen deutlich, dass die mangelnde Regelkenntnis, die ein paar Sekunden zuvor noch einstimmig bei Radfahrer beklagt wurde, bei Kraftfahrern ein gesellschaftlich akzeptiertes Problem ist. RTL-Formel-1-Mann Kai Ebel rätselt an einem Überholverbot für Lastkraftwagen, Kraftomnibusse und Personenkraftwagen mit Anhängern herum und meint, das Überholverbot gelte ausgerechnet für die gezeigten drei Fahrzeuggruppen nicht, merkt aber noch nicht einmal, dass seine Interpretation vollkommener Schwachsinn ist, merkt es dann doch und verschlimmbessert sich, man dürfe keine Personenkraftwagen überholen, sondern nur Lastkraftwagen, Kraftomnibusse und Personenkraftwagen mit Anhängern. Es wird nicht gerade besser, Hetzer weiß auch nichts, „sehr kompliziert“, nicht einmal Ramsauer kann eine relativ einfache Überholverbotsbeschilderung interpretieren.

Alle lachen, alle applaudieren begeistert, entgeistert staunen bloß die regelkundigen Radfahrer über die verlogenen fünf Minuten, die da gerade über die Mattscheibe flimmerten. Man mault und hetzt und propagiert unablässig gegen Radfahrer, die nicht auf dem Radweg und gegen Einbahnstraßen fahren, die sich nicht an die Regeln hielten, obschon nicht ein einziger von Plasbergs Gesprächspartnern die Regeln aufsagen kann und noch nicht einmal ein simples Überholverbot erklären kann? Das ist doch vollkommen bescheuert, brüllt man dem Fernseher entgegen, die Fäuste schon fast geballt wie Ramsauer einige Momente zuvor, als seine Argumentation noch gut ankam im Publikum und beim potenziellen Wähler, das ist doch alles vollkommen bescheuert und verrückt und überhaupt!

Wenn sich Hetzer über Radfahrer in Einbahnstraßen und neben Radwegen beklagt, erntet sie lauten Applaus, alle nickend anerkennend, ja, diese Radfahrer, die sind eben ein Problem, wer kennt es nicht? Alles Rowdys, Gesetzlose, Outlaws, die halten sich eh nicht an die Verkehrsregeln! Alle sind empört, betroffen und sich einig, Radfahrer wären ein großes Problem im deutschen Straßenverkehr. Aber wenn es um die eigene Regelkenntnis geht, um beim Beispiel zu bleiben, wenn es darum geht, wann denn ein Radfahrer gegen eine Einbahnstraße fahren darf, nicht auf einem Radweg fahren, wann er auf der linken Straßenseite radeln muss und Vorfahrt hat, dann weiß niemand genau Bescheid, alle drucksen etwas verlegen herum, bemühen sich um ablenkende Witzchen, das Publikum johlt vor Lachen, denn alle sind sich einig: Das ist doch nicht so schlimm!

Das ist eine widerliche Logik: Die mangelhafte Umsetzung der Straßenverkehrs-Ordnung seitens der Radfahrer wird dramatisiert, aber bei den Kraftfahrern klopft man sich lachend auf die Schulter, war ja alles nicht so schlimm! Die mangelhafte Umsetzung der Straßenverkehrs-Ordnung seitens der Kraftfahrer ist eben gesellschaftlich anerkannt, dort kommen die berühmten zweierlei Maß zum Einsatz, da wird drüber gelacht, wohlwissend, dass man selbst am Steuerrad auch nicht die ganz große Leuchte ist und es vermutlich auch nicht besser gewusst hätte.

Andrack interpretiert eine Parkverbotszone mit drei Zusatzschildern richtig, Hetzer staunt, Ramsauer sagt lieber nichts und die übrigen Gäste sowieso nicht, aber Andrack tritt noch mal nach und will das Thema Nachschulung im Alter auf die Tagesordnung setzen, weil’s auf der linken Seite bei Hetzer und Ramsauer ja nicht so ganz gut klappt mit den Verkehrsregeln. Schon wieder großes Gelächter und Applaus, während Andrack aber eigentlich gar keinen Witz machen wollte und tatsächlich etwas erstaunt war über die mangelhafte Regelkenntnis des Bundesverkehrsministers. Hetzer will lieber etwas gegen den Schilderwald unternehmen, diese „Vorfahrt für Radfahrer“ und Überholverbote und Parkverbotszonen, letztere freilich nicht immer gemäß der Straßenverkehrs-Ordnung ausgezeichnet, die gehen eben gar nicht. Ob jemand der alten Dame gesteckt hat, mit welchen abstrusen Regelungen sich Radfahrer täglich herumschlagen müssen? Man darf vermuten, dass Hetzer, stiege sie aus ihrem Opel auf ein Fahrrad, geradewegs jenes Verhalten auf der Straße zeigte, dass sie in den letzten zehn Minuten bitterlich beklagt hatte.

Insofern: Ein Glück, dass Plasberg zum nächsten Thema weiterleitet — und dass Radfahren wenigstens nicht das Hauptthema der Sendung war.

Was wir daraus lernen? Vor allem nichts. Oder allenfalls: Das Fahrrad ist noch lange kein anerkanntes Verkehrsmittel in Deutschland, solange hier diese widerliche Doppelmoral gilt. Begeht ein Radfahrer eine Ordnungswidrigkeit, wird sofort nach Fahrradkennzeichen gerufen, Kraftfahrer dürfen sich aber unbehelligt jeglicher Verkehrsregeln im Verkehr bewegen und sich vor lachen auf die Oberschenkel schlagen.

Man will glatt auswandern nach Amsterdam oder Kopenhagen.

Mehr dazu:

Peak-Car nähert sich

Dass junge Menschen immer öfter kein eigenes Kraftfahrzeug besitzen und sich gerade in Großstädten das Mobilitätsverhalten immer weiter vom eigenen Auto weg verschiebt, ist nun nichts neues mehr. Benjamin Reuter schreibt in der Wirtschaftswoche Green: Peak Car: Die Dominanz des Autos geht zu Ende

Manchmal haben Zahlen etwas Faszinierendes. In diesem Fall geht es um Autos, um ihre Verkäufe und die Strecken, die Menschen in ihnen zurücklegen: Denn erstmals seit Jahrzehnten stagnieren beide Werte in den Industriestaaten.

Kommt das Ende der Dynamopflicht?

Was die Beleuchtung von Fahrrädern angeht, gibt sich die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung betont konservativ. Selbst in der neusten Fassung, deren Inkrafttreten eindeutig in das Zeitalter von LED-Beleuchtung und wirkungsvollen Nabendynamos gefallen ist, spricht § 67 StVZO noch immer von Glühlampen und legt Nennspannung und Nennleistung der Lichtmaschine fest. Die Verordnung gilt unter Radfahrern zurecht als antiquitiert und es scheint schon wie ein Wunder, dass die bereits etablierten ringförmigen weißen Reflektoren an den Reifen oder die gar noch moderneren reflektierenden Stäbe an den Speichen überhaupt erlaubt sind.

Nun gilt die Beleuchtung von Fahrrädern eindeutig zu den beliebtesten Streitthemen im Straßenverkehr, mancher Radfahrer ist geradezu unsichtbar unterwegs, Hauptsache er sieht den Weg, andere legen kleiden sich zusätzlich zur vorgeschriebenen Beleuchtung in neonleuchtenden Farben. Fehlende oder kaputte Beleuchtung dürfte auch gleich das erste Stichwort sein, dass dem Kraftfahrer zum Radverkehr einfällt.

Und nun: Dynamopflicht für Fahrräder steht auf der Kippe

Wie die „Saarbrücker Zeitung“ berichtet, prüft das Bundesverkehrsministerium die Abschaffung der seit den 70er Jahren bestehenden Pflicht. Eine endgültige Entscheidung darüber soll noch in diesem Frühjahr fallen.

Demnach sollen künftig tatsächlich auch batteriebetriebene Leuchten erlaubt werden — deren Benutzung wird bislang mitunter mit 15 Euro Bußgeld bestraft.

Warum nun gerade Kinderräder weiterhin mit Dynamos ausgestattet werden müssen, wird indes noch immer nicht klar. Gerade Kinderräder sind eher kurze Zeiträume in Benutzung, werden meistens bei Tageslicht gefahren und entstammen aus dem unteren Preissegment — gerade dort empfiehlt sich eine günstige batteriebetriebene Beleuchtung anstatt einer dahingemurksten Seitenläuferdynamo-Lösung.

Die anschließende Diskussion im Frühjahr dürfte relativ interessant werden — die Standpunkte der Befürworter und Gegner von batteriebetriebenen Leuchten sind klar abgegrenzt und die Argumentationsabläufe sind schon von unzähligen Diskussionen über Fahrradhelme und Radwegbenutzungspflichten bekannt.

Womöglich ist beim Fahrrad tatsächlich eine andere Herangehensweise sinnvoll: Hauptsache es ist ausreichend beleuchtet. Woher der Strom kommt bleibt dem Radfahrer überlassen — wer gerne batteriebetriebene Leuchten verwenden will, muss dann nur noch auf den Ladestand des Energieträgers achten. Es wäre natürlich schön, achtete Letzterer darauf, mit wiederverwendbaren Akkus die Umwelt nicht allzu sehr zu schädigen.

Mehr dazu:

  • Abschaffung der Dynamopflicht? Industrie und ADFC wehren sich

    Mit einem Gesetzentwurf will das Bundesverkehrsministerium die Dynamopflicht bei Fahrrädern abschaffen. Fahrrad-Verbände und Fahrrad-Wirtschaft fühlen sich von diesen Plänen überrollt und sehen darin eine Gefahr für die Sicherheit von Radlern im Verkehr.

  • Aus und vorbei?

    Die Dynamopflicht für Fahrräder steht auf der Kippe. Das Bundesverkehrsministerium prüft die Abschaffung der seit den 1970er Jahren gültigen Regelung. Eine Entscheidung soll noch im Frühjahr fallen, wie auf Anfrage bestätigt wurde.

  • Fällt die Dynamo-Pflicht?

    Wer Fahrrad fährt, braucht einen Dynamo. Er ist Pflicht – trotz der praktischen LED-Leuchten zum Anstecken. Doch laut Medienberichten prüft das Bundesverkehrsministerium offenbar, ob diese 40 Jahre alte Regelung nicht geändert werden soll.

  • Stecklicht ersetzt keinen Dynamo

    Viele Radfahrer sind sich dieser Tatsache wahrscheinlich nicht bewusst, aber der gute, alte Dynamo ist nach wie vor Pflicht an Fahrrädern. Auch die modernen Stecklampen ersetzen ihn nicht. Wer ohne Dynamo fährt riskiert ein Bußgeld.

Immer neue Ideen, den Radfahrer vom Rad zu schlagen

Es ist vollkommen abstrus, geradezu bescheuert. Während die Sicherheit des Radverkehrs ganz langsam gesteigert wird, indem zum Beispiel die Pflicht zur Benutzung gefährlicher Radwege aufgehoben wird, gar nur 15 Jahre nachdem sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass der Radfahrer mitunter auf der Fahrbahn besser aufgehoben wird, während geänderte Verkehrsführungen und Ampelschaltungen die Sicherheit von Radfahrern im Kreuzungsbereich erhöhen, während sogar das Bewusstsein für die Sicherheit der Radfahrer im Straßenverkehr steigt, währenddessen gibt sich die Automobilindustrie alle Mühe, den Radfahrer doch noch irgendwie tödliche Verletzungen zuzufügen — man kann es kaum noch anders formulieren.

Es werden Kraftfahrzeuge gebaut, die den Blick nach vorne einschränken und den Schulterblick beinahe gänzlich unterbinden, so dass jeder Abbiegevorgang für andere Verkehrsteilnehmer durchaus zum tödlichen Risiko wird. Während die Sicherheit des Kraftfahrzeugverkehrs mit einer ganzen Batterie an Airbags, technischen Assistenten und Hilfsmitteln verbessert wird, bleibt schon die Entwicklung von Motorhauben, die sich bei Kollisionen verletzungshemmend einstellen, auf der Strecke. Das Cockpit blinkt wie ein Tannenbaum, wenn der Kraftfahrer auf der Autobahn unaufmerksam seine eigene Fahrspur verlässt, aber wenn der rechte Fahrtrichtungsanzeiger aktiviert wird, warnt kein Assistent, wenn rechts noch ein Radfahrer pedaliert.

Das muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein. Mit jedem neuen Knopf, mit jedem neuen technischen Assistenten wird der Kraftfahrer weiter von seiner Verantwortung befreit und sinkt die Aufmersamkeit noch ein kleines bisschen mehr. Wozu auf der Autobahn auf die Fahrbahn achten, wenn Fahrspur- und Entfernungsassistenten schon Bescheid geben, wenn etwas nicht stimmt? Wozu beim Rechtsabbiegen aufpassen, wenn doch ein Computerchip achtgibt, ob jemand im Wege steht? Infotainment-Systeme versuchen nach Kräften die Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen abzuziehen, ganz davon abgesehen, dass die technischen Hilfsmittel gerne missverstanden werden, die sich im seltsamen Glauben äußern, mit dem ABS beispielsweise auch auf Glatteis problemlos bremsen zu können — und dementsprechend mit über hundert Sachen quer über die vereisten Straßen an den Baum zu segeln. Gewöhnen die kleinen Computerprogramme erst einmal den Schulterblick beim Rechtsabbiegen ab, wird’s auf dem Radweg noch gefährlicher.

Zurück auf die Fahrbahn: Obschon nicht mehr jeder Radweg benutzt werden muss, gibt es noch immer hinreichend viele Radverkehrsanlagen, die den Zweiradfahrer im direkten Bereich der öffnenden Autotür spazierenfahren. Solche Radwege werden noch immer benutzt, teilweise tragen sie noch immer ein blaues Schild, teilweise fühlen sich die Radfahrer dort fälschlicherweise sicher. Aber wenn sich die Tür öffnet, steckt der Radfahrer im wahrsten Sinne des Wortes in großen Schwierigkeiten: Auf der Fahrerseite wird womöglich noch geschaut, ob die Fahrbahn zum Aussteigen frei ist, schließlich will man sich weder die Tür abfahren lassen noch plötzlich auf der nächsten Motorhaube liegen. Auf der dem Radweg zugewandten Beifahrerseite finden solche Kontrollblicke so gut wie nie statt, schließlich fehlt dem Beifahrer, der mit der Führung des Fahrzeuges in den vergangenen Minuten nichts zu tun hatte, jegliches Bewusstsein für den Straßenverkehr. Und wer auf der Rückbank sitzt, hat sicherlich noch ganz anderes im Sinn als sich auf Radfahrer zu konzentrieren — zumal der Rückspiegel fehlt.

Jener Rückspiegel fehlt jetzt auch immer öfter auf der Fahrerseite, denn dort klappt der Spiegel mitunter beim Abziehen des Zündschlüssels ein — der erste tödliche Unfall ist schon länger aktenkundig: „Verkettung unglücklichster Umstände“

Ein 66-Jähriger bringt mit der Autotür eine Radfahrerin zum Sturz. Die Frau stirbt. Nun wurde der Fall vor dem Amtsgericht Dachau verhandelt.

Es kann eigentlich keine technische Schwierigkeit sein, den Spiegel erst beim Abschließen des Fahrzeuges einzuklappen, um den Fahrer noch eine gewisse Sicht auf das Verkehrsgeschehen zu ermöglichen. Denn was die gefährlichen Radwege auf der Beifahrerseite sind, sind die Schutzstreifen auf der Fahrbahn: Die breiten sich plötzlich massenhaft auf der Straße aus und drängen den Radfahrer beinahe ständig viel zu dicht an die parkenden Kraftfahrzeuge. Wer links vom Schutzstreifen fährt, muss sich dagegen auf vorsätzliche Attacken der Kraftfahrzeugführer gefasst machen, die ein solch sicherheitsorientiertes Verhalten natürlich nicht tolerieren und sowieso dem auf dem Schutzstreifen fahrenden Radfahrer viel zu dicht überholen, weil die gestrichelte Linie das Empfinden für Sicherheitsabstände außer Kraft setzt.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Automobilindustrie erinnert, auch an die übrigen Verkehrsteilnehmer zu denken — und davon absieht, die Fahrgastzelle von möglichen Umwelteinflüssen abzuschotten, damit sich die Insassen ungestört dem Infotainment-System hingeben können.

Nichtsdestotrotz bleibt natürlich auch bei eingeklappten Seitenspiegeln der Fahrzeuginsasse in der Pflicht, vor dem Öffnen der Tür nach möglichen Unfallgegnern Ausschau zu halten — ein toter Winkel befreit genauso wenig von der Sorgfaltspflicht wie ein eingeklappter Seitenspiegel.

Die Verkehrspolizei hat nicht immer recht

Irgendjemand muss es bestätigen: Als Redakteur lernt man gleich als erstes, den eigenen Artikel von so genannten Quellen verifizieren zu lassen. Eigentlich ruft er dazu jemanden an, der sich mit einem Thema auskennt und lässt dessen Wissen als Zitat einfließen. Meistens läuft es eher andersrum, man weiß schon etwas und lässt das eigene Wissen von jemandem am Telefon verifizieren.

Sowas klappt prima bei komplexen Zusammenhängen oder Meinungsäußerungen, bei Politik oder Boulevard, aber es ist vollkommen überflüssig, die Polizei nach den allereinfachsten Verkehrsregeln zu fragen — zumal die Polizei auch nicht immer die allergrößte Ahnung hat. Die für den deutschen Straßenverkehr verbindlichen Verkehrsregeln stehen in der Straßenverkehrs-Ordnung niedergeschrieben. Sie sind nicht unbedingt eine Glanzleistung von Verständlichkeit, aber bis auf ein paar Ausnahmen in den hinteren Paragraphen sollte jeder Verkehrsteilnehmer zum Selbststudium der Verkehrsregeln befähigt sein.

Der Weser-Kurier mochte aber nicht selber in den Verkehrsregeln blättern, sondern rannte stattdessen vor anderthalb Jahren mit jedem Paragraphen zur Verkehrspolizei. Das resultierte in lustigen Formulierungen, die teilweise suggerieren, dass die Verkehrspolizei auch nicht so richtig wüsste, wie die Verkehrsregeln lauten: Was ist erlaubt im Straßenverkehr?

Müssen Radfahrer beim Abbiegen den Arm ausstrecken? Ist der Fahrradhelm Pflicht? Und warum sind Kopfhörer im Ohr so gefährlich? WESER-KURIER Online hat mir der Verkehrspolizei gesprochen und beantwortet die wichtigsten Fahrrad-Regeln im Straßenverkehr in einer Fotostrecke.

Von den lustigen Formulierungen einmal abgesehen krankt die Fotostrecke schon am ersten Bild, nämlich dem Zeichen 237. Das Foto trägt sogar die Unterschrift „© Bundesanstalt für Straßenwesen“, als ob es in Deutschland ein Copyright gäbe — und als ob die Abbildungen von Verkehrszeichen ausgerechnet der Bundesanstalt für Straßenwesen gehörten.

Zu Zeichen 237 heißt es nun:

Fahrradfahrer müssen immer auf Radwegen fahren. Gekennzeichnet sind sie durch ein blaues Schild mit weißem Fahrrad. Erst wenn dieses Schild fehlt, dürfen Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen, sagt die Verkehrspolizei.

Der Widerspruch in dem Absatz scheint niemandem aufgefallen zu sein. Erst heißt es, Radfahrer müssten alle Radwege benutzen, aber wenn das blaue Schild fehlt, darf auch auf die Fahrbahn gewechselt werden — sagt zumindest die Verkehrspolizei und ist in dieser Kombination Käse. Das hätte man auch einfach in § 2 Abs. 4 StVO nachlesen können: Es müssen nur jene Radwege befahren werden, die mit Zeichen 237, 240 und 241 ausgeschildert sind, generell soll der Radverkehr auf der Fahrbahn fahren.

Seite 2 ist ähnlich unsinnig, dort steht:

Auf der linken Seite darf nur gefahren werden, wenn ein entsprechendes Schild mit Fahrrad und zwei Pfeilen dies anzeigt. Wer trotzdem links fährt, muss 15 Euro Strafe zahlen.

Ob das wohl wieder die Verkehrspolizei gesagt hat? Das abgebildete Zusatzzeichen 1000-33 hat auf der linken Straßenseite eigentlich nichts verloren. Dort darf mit Erlaubnis des Zusatzzeichens 1022-10 geradelt werden, das umgangssprachlich „Fahrräder frei“ heißt. Das Zusatzzeichen 1000-31 mit den beiden vertikalen Pfeilen, aber ohne Fahrrad, kann zwar auch links stehen, soll aber nur unter ebenjenen Zeichen 237, 240 und 241 angebracht werden, um von Radverkehr aus der Gegenrichtung zu warnen. Daraus resultiert dann auch die Erkenntnis, dass auch die drei blauen Schilder das Radfahren auf der linken Straßenseite erlauben — auch wenn der Weser-Kurier das nicht weiß.

Immerhin ist nun vor Fehlern etwas Ruhe, Bild 5 sieht zwar etwas lustig aus, da fährt der Radfahrer offensichtlich auch noch auf der falschen Straßenseite, sofern man denn davon ausgehen will, dass der handtuchbreite Radweg im Hintergrund nicht für beide Richtungen freigegeben ist.

Bild 7 zeigt das Zeichen 224 einer Bushaltestelle, dazu heißt es:

Auf Radwegen sind Fahrradfahrer meistens ungestört. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Bus- und Straßenbahnhaltestellen unmittelbar an die Radwege angrenzen oder Radwege gar nicht vorhanden sind. Radfahrer sollten auf ein- und aussteigende Leute achten, langsam fahren und wenn nötig anhalten.

Als Alltagsradler wird man zunächst über den ersten Satz lachen, denn mitnichten sind Radfahrer auf Radwegen ungestört — gerade deshalb versucht man die Benutzung von Radwegen auch zu vermeiden. Und das vorsichtige Vorbeifahren an Linienbussen und Straßenbahnen ist kein netter Tipp, sondern eine Vorschrift aus der Straßenverkehrs-Ordnung. § 20 Abs. 1 StVO sagt:

An Omnibussen des Linienverkehrs, an Straßenbahnen und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten, darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbeigefahren werden.

Bei Bild 8 ist der Weser-Kurier auf die Fahrradhelm-Propaganda der Polizei hereingefallen:

Fahrradhelme sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings Allerdings wird ein Helm von der Polizei dringend empfohlen. 90 Prozent aller Verletzungen nach einem Fahrrad-Unfall passieren am Kopf, sagt ein Polizeisprecher. Durch einen Fahrradhelm lasse sich dies vermeiden.

Ein Fahrradhelm mag sicherlich keine schlechte Entscheidung sein, aber dadurch werden auf gar keinen Fall jene 90 Prozent der Kopfverletzungen vermieden. Das hätte man auch besser recherchieren können.

Es gibt eigentlich auch gar keinen Zweifel, dass das Telefonieren im Straßenverkehr nur mit Freisprecheinrichtungen erlaubt ist, das meint § 23 Abs. 1a StVO:

Dem Fahrzeugführer ist die Benutzung eines Mobil- oder Autotelefons untersagt, wenn er hierfür das Mobiltelefon oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.

Der Weser-Kurier ist sich aber auch nach Befragung der Verkehrspolizei noch nicht so ganz sicher und formuliert zu Bild 9 vorsichtig distanziert:

Mit dem Handy am Ohr mal kurz beim Fahrradfahren telefonieren? Laut Verkehrspolizei ist das verboten. Wer sich erwischen lässt, bezahlt 25 Euro Strafe.

Bild 10 verunglückt auch unmittelbar, obschon hier nicht ganz so eindeutig ist, ob die Falschinformation von der Verkehrspolizei stammte oder der Autor des Artikels anschließend einen falschen kausalen Zusammenhang strickte:

Und Kopfhörer im Ohr? Wichtig ist laut Polizei, dass Radfahrer beim Fahren ihre Umgebung noch wahrnehmen können: Martinshörner, Autohupen, Motorenbrummen. Bei lauter Musik oder Telefongesprächen ist das aber nicht möglich. Strafe deshalb: zehn Euro.

Tja: Sind die zehn Euro nun lediglich bei lauter Musik oder nur schon bei genereller Benutzung von Kopfhörern fällig? In § 23 Abs. 1 StVO steht unter anderem:

Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, daß seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. (…)

Insofern sind Kopfhörer durchaus erlaubt, allerdings nur bei angemessener Lautstärke.

Bild 11 mit dem Fußgängerüberweg ist schon fast korrekt, bei Bild 12 fehlt nur noch der Hinweis, dass eine Behinderung des Verkehrs nicht vorliegt, wenn ein Kraftfahrer überholen muss oder sogar vorher ein paar Sekunden warten muss.

Bei Bild 18 wurde dann wohl doch aus der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung abgeschrieben, aber natürlich nicht fehlerfrei:

Vorderrad- und Hinterradbremse, rotes Rücklicht mit Rückstrahler, weißer Frontreflektor, Scheinwerfer mit Dynamo, gelbe Pedalrückstrahler, Klingel, roter Großflächenrückstrahler und gelbe Speichenreflektoren (oder rückstrahlende Reifen) – das muss ein Fahrrad haben. Wer sich nicht daran hält, muss für technische Mängel jeweils zehn Euro Strafe zahlen.

Vorder- und Hinterradbremse sind nicht vorgeschrieben, der Gesetzgeber verlangt lediglich zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen. Nur mit Rücktritt- und Hinterradbremse zu radeln ist also erlaubt, aber nicht unbedingt klug. Der Begriff des roten Großflächenrückstrahlers stammt auch aus der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, leider hat es aber nicht der Hinweis in den Artikel geschafft, dass Schlussleuchte und ein Rückstrahler kombiniert angebracht werden dürfen. Und statt gelber Speichenreflektoren oder rückstrahlenden Reifen, die mittlerweile eher den Stand der Technik repräsentieren und nicht in Klammern gesetzt werden sollten, dürfen auch weiße Rückstrahler an den einzelnen Speichen angebracht werden.

Herrje, hoffentlich liest und glaubt den Kram niemand.

Die Märkische Allgemeine erleichtert die Wahl

Eine aktuelle Umfrage lautet:

Wer soll der nächste Bundeskanzler werden?

Angela Merkel oder Peer Steinbrück? Während Angela Merkel mit ihrer sicheren und unaufgeregten Handhabung der Euro-Krise glänzt, lässt Herausforderer Peer Steinbrück kein Fettnäpfchen aus und disqualifiziert sich beinahe täglich für das Amt des Bundeskanzlers.

Okay, das war natürlich dreist gelogen, so tendenziös hätte sich keine Zeitung eine Einleitung getraut.

Bei der Helmpflicht hat die Märkische Allgemeine allerdings kein Problem damit: Sollte es eine Helmpflicht für Radfahrer geben?

Schön, dass in dem Artikel die kaum relevanten Fahrradländer Schweden, Finnland und Spanien genannt werden, ohne zu erwähnen, dass Amsterdam und Kopenhagen vermutlich nicht einmal müde lächeln über unserer Helmpflichterei. Schön, dass die jahrzentelangen Bemühungen zur Einführung einer Helmpflicht erwähnt werden, aber kein Platz mehr war für die physikalischen Zusammenhänge, unter denen eine Helmpflicht wenigstens nicht halb so eindeutig gesehen werden kann.

Ob man in der Redaktion sehr enttäuscht war, dass sich die Leser von den kleinen Formulierungstricks nicht beeinflussen ließen?

VBB und Fahrräder: Verloren in der Bahn

Drüben in der Rad-Spannerei gibt es einen lustigen Artikel über Neue Beförderungsbedingungen beim VBB. Ganz schön misslich, eine Fahrkarte fürs Rad lösen zu müssen, ohne zu wissen, ob denn im Zug noch Platz ist — umgekehrt lässt sich die Fahrkarte nämlich nicht gleich nach Fahrtantritt lösen, weil der Zugführer mit dem Rad in der Hand eher schwer gesucht werden kann.

Verkehrsregeln kurz korrigiert

Das Erklären der Verkehrsregeln geht mitunter ziemlich schief, zuletzt wegen des neuen Berliner Sicherheitskonzeptes. Die Süddeutsche Zeitung hat sich noch im letzten Jahr an einer Vorschau auf die Änderungen im neuen Jahr versucht: Das ändert sich 2013

Führerschein, Umweltzonen, Parken oder Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge: Mit dem Jahreswechsel müssen sich Autofahrer auf einige gesetzliche Neuerungen einstellen. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Mal gucken, wie gut das Thema Fahrradfahren abgedeckt wird:

Radfahrer dürfen in Zukunft auch Radwege auf der linken Fahrtrichtung benutzen, wenn diese durch entsprechende Beschilderung frei gegeben sind.

Nein, das ist schon seit September 2009 mit der 46. Änderungsverordnung der Straßenverkehrs-Ordnung erlaubt worden. Die ist nämlich, anders als der Autor womöglich glauben mag, durchaus in Kraft getreten, auch wenn Peter Ramsauer etwas anderes behauptet. Genaugenommen mussten linksseitige Radwege auch schon vorher benutzt werden, wenn dort beispielsweise eine Benutzungspflicht angeordnet worden ist.

An Kreuzungen müssen sie die Ampeln des Fahrverkehrs beachten, wenn es keine eigene Rad-Ampel gibt.

Nein, das ist vereinfacht dargestellt, das hat aber auch schon die Berliner Morgenpost nicht kapiert.

Ausnahme: Grenzt der Radweg an eine Fußgängerfurt, gelten die Fußgängerampeln auch für Radfahrer.

Na, immerhin das stimmt.

Drei Behauptungen, darin zwei Fehler, das hätte schlimmer laufen können. Vielleicht hätte man noch darauf hinweisen können, dass diese Änderungen erst zum ersten April in die Straßenverkehrs-Ordnung fließen und keinesfalls schon ab dem 1. Januar, wie es im Artikel angedeutet wird.