Krieg auf der Straße: „Wir haben ihn nicht angefangen“

Heute in der ZEIT: „Jeder Radfahrer muss ab und zu kampfradeln“

Jens Siemering und Mehmed Dechert gestehen: Wir sind Kampfradler. Die einseitig auf Autos ausgerichtete Verkehrspolitik zwinge sie dazu, sagen sie im Interview.

Bei dem Interview mit den beiden Kampfradlern wird leider das Thema mit den benutzungspflichtigen Radwegen falsch wiedergegeben — man weiß leider nicht, ob die feine Differenzierung bezüglich benutzungspflichtiger Radwege erst bei der Verschriftlichung des Interviews entfallen ist oder ob den beiden Kampfradlern die Straßenverkehrs-Ordnung dahingehend unbekannt ist, auf jeden Fall sorgen leider solche Kleinigkeiten bei der nächsten Konfrontation auf der Straße womöglich wieder für Missverständnisse.

In den momentan 302 Kommentaren sind die Missverständnisse auf jeden Fall schon einmal angekommen: dort finden sich die üblichen, nicht lesenswerten Weisheiten aus der Fahrgastzelle.

3.700 Verkehrstote im Jahr 2012

Das Statistische Bundesamt prognostiziert die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland im aktuellen Jahr auf 3.700: Voraus­sicht­lich 7 % weni­ger Ver­kehrs­tote im Jahr 2012

Die Zahl der Verkehrstoten wird im Jahr 2012 voraussichtlich um mehr als 7 % auf etwa 3 700 sinken. Das zeigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis), die auf vorliegenden Daten von Januar bis Oktober 2012 basieren. Die bisher niedrigste Zahl an Todesopfern des Jahres 2010 mit 3 648 Getöteten dürfte nach derzeitigem Stand allerdings nicht unterschritten werden. Bei den Verletzten ist im Jahr 2012 eine Abnahme um etwa 1 % auf rund 389 000 zu erwarten.

Schade, dass Zweiradfahrer nur aufgrund ihrer geringeren Unfallbeteiligung bei schlechtem Wetter erwähnt werden. Für genauere Zahlen wird man sich wohl noch etwas gedulden müssen.

Mit dem Rad zur Arbeit lohnt sich auch finanziell

Bisher wurde Arbeitnehmern das Fahrrad für den täglichen Weg zur Arbeit eher mit verschiedenen lustigen Aktionen schmackhaft gemacht, beispielsweise mit der gemeinsamen Aktion von AOK und ADFC, die passenderweise auch so heißt.

Das so genannte Dienstwagenprivileg gilt nun nicht mehr bloß für Kraftfahrzeuge, sondern auch für Fahrräder — mit dem Ergebnis, dass sich das Radfahren zur Arbeit dank einiger Steuertricks nicht mehr bloß gesundheitlich lohnen muss. Schließlich sind die meisten Wege zur Arbeit kürzer als zehn Kilometer, viele sogar kürzer als die magischen fünf oder gar drei Kilometer, wo das Radfahren auch für weniger hartgesottene Verkehrsteilnehmer in Frage kommt.

Mehr dazu:

  • Rückenwind für Dienstfahrräder

    Die Länder-Finanzminister haben entschieden: Fahrräder für Pendler werden rückwirkend ab 2012 genauso wenig besteuert wie Dienstwagen.

  • Mein Fahrrad, sponsored by Fiskus

    Je größer ein Dienstwagen, umso mehr Steuern lassen sich damit sparen. Dieses Privileg gilt ab sofort auch für Fahrräder – und lohnt sich besonders für edle Exemplare. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, kann man sich nun extragünstig ein E-Bike oder Rennrad zulegen.

Bei der Schneeräumung werden Prioritäten gesetzt

Gernot Knödler schreibt in der taz über den Hamburger Winterdienst: Radwege kommen zuletzt dran

150 Kilometer besonders wichtige Radwege lässt der Senat freibürsten und streuen. Anderswo empfiehlt der ADFC, auf die geräumte Fahrbahn auszuweichen.

Schön, dass es offensichtlich einen Plan gibt, 150 Kilometer „besonders wichtiger Radwege“ im Winter zu räumen. Sofort stellt sich allerdings die Frage, wer diese Klassifizierung vorgenommen hat — schließlich scheinen die 150 Kilometer recht gut versteckt, werden in Hamburg doch noch nicht einmal die Radwege längs der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen einigermaßen geräumt, von den speziell der Radverkehrsförderung vermachten Velorouten mal ganz zu schweigen.

Die Begründung lautete wenigstens vor einiger Zeit noch, im Winter fahre eh niemand mit dem Rad, womit der Winterdienst auf Radwegen entbehrlich wäre und die Kosten ohnehin in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden. Umgekehrt ließe sich deutlich ehrlicher argumentieren, dass ein funktionierender Winterdienst auf Radwegen auch im Winter den Radverkehrsanteil deutlich über Null hielte. Wie so oft ist Kopenhagen das beste Beispiel: dort werden zuerst die Radwege von der weißen Pracht befreit, denn auch im Winter ist ein wesentlicher Teil auf zwei Rädern unterwegs, während die südlichen Nachbarn der Dänen ab dem ersten Zentimeter Schnee fluchend im Auto sitzen.

Die Hamburger Räumungsprobleme sind zum größten Teil allerdings auch hausgemacht. Der Hamburger Standardradweg misst nicht einmal einen Meter, führt an parkenden Autos vorbei, wird von Pollern eingeengt, von Ampelmasten und Verkehrsschildern zerteilt: wo noch nicht einmal ein Fahrrad vernünftig fahren kann, ist für ein Räumfahrzeug ohnehin kein Platz. Das führt dazu, dass just in der Hamburger Innenstadt, die sich aufgrund der kürzeren Wege noch am ehesten zum Radeln anbietet, aufgrund der mittelmäßigen Radwege überhaupt nicht geräumt wird und stattdessen sämtlicher Schnee von der Fahrbahn auf dem Radweg abgelegt wird.

Und selbst wenn denn jenseits der Fahrbahn geräumt wird, darf dort noch lange nicht geradelt werden. Die knappen anderthalb Meter, die ein Räumfahrzeug freischaufelt, tanzen wellenförmig zwischen Geh- und Radweg hin und her, was einerseits dazu führt, dass Radfahrer beinahe zur Gehwegradelei gezwungen werden, andererseits aber auch auf dem Radweg mit Fußgängern in Konflikt geraten, die den schmalen Streifen ebenso berechtigt nutzen wollen.

Insofern stellt sich tatsächlich die Frage, ob der Hamburger Winterdienst für Radwege wirklich mehr zu bieten hat als schöne Worte, denn im momentanen Zustand könnte man sich den Aufwand auch einfach sparen: wenn bloß alle paar hundert Meter und nur in jeder dritten Straße der Radweg wenigstens ansatzweise geräumt ist, hilft das dem Radfahrer natürlich nicht weiter, sofern er denn nicht ständig absteigen und schieben möchte. So entspricht das Radwege-Räumungs-Netz größtenteils dem Radwege-Netz: lieblos, gefährlich und voller Lücken.

Eine Alternative ist auch im Winter die in der Regel vorbildlich geräumte Fahrbahn. Das hingegen tolerieren Kraftfahrer im Winter leider überhaupt nicht, denn für die meisten Kraftfahrer scheint es unvorstellbar zu sein, dass mit etwas Vorbereitung das winterliche Radfahren gar nicht mal besonders gefährlich sein muss, schon gar nicht gefährlicher als die morgendliche Rutschpartie auf vier Rädern durch das mittelmäßig geräumte Wohngebiet. Was im Sommer der angeblich bestens ausgebaute und breite Radweg ist, ähnelt im Winter durch die Windschutzscheibe offensichtlich dem leidlich geräumten Rad- oder Gehweg jenseits der Fahrbahn.

Drüben bei hamburgize gibt es eine ganze Masse von Fotos winterlicher Hamburger Radwege: Unerfreulich: Hamburgs Winterdienst Und in Berlin sieht es offenbar ganz ähnlich aus: Kritik an Räumfahrzeugen auf Bürgersteigen – Dutzende Verletzte im Unfallkrankenhaus

Autofahren kostet die Gesellschaft immer mehr

Gerade angesichts der steigenden Treibstoff- und Nebenkosten geraten die tatsächlichen Kosten des Autofahrens immer mehr in den Hintergrund: Studie TU Dresden: Autofahren ist für die Gesellschaft deutlich teurer als vermutet

Autofahren ist einer neuen Studie der TU Dresden zufolge weitaus teurer als angenommen – für die Gesellschaft, nicht für den einzelnen Autofahrer. Jedes in der EU angemeldete Auto verursache jährlich zusätzliche Kosten von durchschnittlich 1600 Euro aus den Folgen von Lärm, Umweltverschmutzung oder Unfällen, sagte der Autor der Studie, der Verkehrswissenschaftler Udo Becker, am Donnerstag in Brüssel.

Auch diese Kosten sollten Berücksichtigung finden, wenn wieder einmal über die angeblich ungerechte Kostenverteilung zwischen Rad- und Kraftfahrern diskutiert werden muss.

Siehe auch:

„Das sind keine hartgesotteten Radler, sondern Idioten“

Sabine Dobel schreibt in der WELT über das Radfahren im Winter: So kommen Sie mit dem Rad gut durch den Schnee

Viele Menschen in deutschen Großstädten nutzen auch im Winter das Rad für kurze Strecken. Damit die Fahrt nicht im Krankenhaus endet, geben Experten Tipps, wie die Zweiräder winterfit werden.

Eigentlich bloß ein kleiner, netter Artikel über Spikes und ungeräumte Radwege, eigentlich nichts, was die westliche Zivilisation an den Rande des Weltunterganges treiben könnte. Die Kommentatoren sehen das allerdings anders: Fahrradfahren im Winter sei unverantwortlich, alle Radfahrer seien Idioten, Radfahren müsse verboten werden, nehme denn niemand Rücksicht auf die Kraftfahrer?!?

Entweder ist die WELT, also die Zeitung, nicht die Erde, von Trollen bevölkert oder der übliche Radfahrer-Kampf-Reflex griff schon bei der Überschrift, ohne dass jemand den Artikel eigentlich gelesen hätte. Falls solche Verkehrsteilnehmer auch mit dieser Ansicht am Steuer sitzen, wird das Radfahren im Winter tatsächlich gefährlich.

Deutschland: Recht auf Geschwindigkeit gilt auch im Dunkeln

Pünktlich zur Winterzeit veröffentlicht die Polizeipresse wieder wertvolle Überlebensstrategien im Straßenverkehr: Sicherheit durch Sichtbarkeit

Das Wichtigste in kurzer Zusammenfassung: Fußgänger müssen reflektierende und gut sichtbare Kleidung tragen, Radfahrer mit Licht fahren und Autofahrer sowieso; dazwischen einige Beispiele als Füllmaterial. Eigentlich nichts besonderes, das hört man mittlerweile häufig genug in den Medien. Interessanter wird es, liest man sich den Text noch ein zweites Mal mit vorsichtig verschobener Perspektive durch, denn schon der zweite Satz sticht ins Auge:

Zeit für alle Verkehrsteilnehmer, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie im Straßenverkehr von anderen Verkehrsteilnehmern besser gesehen werden können.

Das ist sicherlich erst einmal keine schlechte Idee. Leider biegt die Pressemitteilung schon an dieser Stelle in das insbesondere gegenüber Radfahrern beliebte Victim Blaming ein: angesprochen werden im gesamten Text lediglich die potenziellen Opfer, die aufgrund mangelnder Sichtbarkeit einen Unfall erleiden könnten, es wird nicht ein einziges Mal der potenzielle Täter angesprochen. Dabei soll nun gar nicht mit den Fingern auf den durchschnittlichen Kraftfahrer gezeigt werden, der das aus § 3 Abs. 1 StVO resultierende Sichtfahrgebot weder kennt noch respektiert, auch Radfahrer, gerade jene ohne Licht, neigen mitunter zur Unaufmerksamkeit, was dunkle Hindernisse auf der Straße angeht.

Gleich darauf folgt:

Und wer bei Schummerlicht oder totaler Finsternis unterwegs ist, ohne für andere sichtbar zu sein, der riskiert seine Gesundheit – wenn nicht sogar sein Leben.

In der kompletten Pressemitteilung war zwar Platz für Anekdoten aus der Polizeiarbeit, aber nicht für einen einzigen Satz, dass Fahrzeugführer gerade nachts auf potenzielle Hindernisse achten müssen? Mit ein bisschen Rechnerei ergibt sich beispielsweise eine Höchstgeschwindigkeit auf unbeleuchteten Landstraßen von 70 Kilometern pro Stunde, je nach Leuchtkraft der Scheinwerfer eher weniger, ansonsten kracht die Motorhaube in das potenzielle Hindernis, bevor das Hirn den Fuß aufs Bremspedal drücken konnte. Tatsächlich neigen Kraftfahrer außerorts eher zu höheren Geschwindigkeiten: schließlich sei nachts doch alles frei.

Innerorts kann § 3 Abs. 1 StVO wiederum bedeuten, auch mal langsamer als mit den erlaubten 50 oder 30 Kilometern pro Stunde zu rollen, gerade wenn in dunkleren Straßen abgebogen werden soll oder nicht erkennbar ist, was sich hinter parkenden Autos oder ähnlichen Hindernissen tut. Es wäre vernünftig, als Fahrzeugführer über solche Situationen nachzudenken — der Polizei fällt da leider bloß ein anderes Beispiel ein:

(…) ist das aber immer noch besser als verletzt im Straßengraben zu liegen und im Nachhinein zu überlegen, warum mich der Unfallgegner viel zu spät erkannt hat.

Auch an dieser Stelle fehlt jeglicher Hinweis auf das Sichtfahrgebot, jeglicher Hinweis auf die Verantwortung, die nunmal mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges einhergeht. Auch wenn die Polizei im allerletzten Satz ihren Wunsch bekundet, alle Verkehrsteilnehmer mögen sicher ans Ziel kommen, hinterlassen Pressemitteilungen dieser Art immer einen bitteren Nachgeschmack.

Im Sinne des Victim Blamings wird die moralische Schuld an einem Unfall bereits auf den trotteligen Fußgänger oder Radfahrer verlagert, der offenkundig blöd genug war, ohne Warnweste vor die Haustür zu treten. Die meisten derartigen Unfälle entstehen allerdings nicht, weil ein dunkel gekleideter Fußgänger plötzlich vor ein Fahrzeug hüpft, auch wenn so etwas ohne Zweifel ebenfalls passiert, sondern weil Kraftfahrer davon ausgehen, „dass da schon nichts sein wird“ und unaufmerksam am Steuerrad drehen.

Es ist erstaunlich, wie gut Polizei und ADAC zusammenspielen, wenn es um das Thema Warnwesten geht. Die Polizei empfiehlt innerorts dringend das Tragen einer solchen Weste, der ADAC verteilt öffentlichkeitswirksam neon-gelbe Warnwesten an Schulkinder — aber nie folgt bei derartigen Aktionen in Hinweis darauf, als Kraftfahrer in der Nacht nicht jegliche Verantwortung auf die Warnweste zu verlagern.

Das ist noch umso bitterer, weil es genügend Unfälle gibt, bei denen Fußgänger eine Warnweste trugen und Radfahrer mit Licht unterwegs waren, der Kraftfahrer beim Abbiegen am Radio drehte oder mit dem Infotainment-System hantierte oder auf eine andere Art abgelenkt war. So etwas gilt heutzutage allerdings als gesellschaftsfähig und wird kaum hinterfragt, geschweigedenn vorgeworfen.

Diese Denkweise zeigt allerdings schon erste Folgen: während der vielen Unfälle aufgrund von Geisterfahrern und Nebel drehten sich die Diskussionen im Netz lediglich um die bereits verunfallten Kraftfahrer, die nicht schnell genug die Unfallstelle abgesichert hatten. Nie kam einer der Diskutierenden auf die Idee zu hinterfragen, ob ein Kraftfahrer seine Geschwindigkeit im Nebel nicht so weit reduzieren sollte, um auch ungesicherte Unfallstellen, die es ja offenkundig gibt im Straßenverkehr, rechtzeitig zu erkennen. Stattdessen wurden in leider mittlerweile gelöschten Diskussionen ernsthafte Forderungen gestellt, das Unterlassen der sofortigen Absicherung einer Unfallstelle mit horrenden Bußgeldern zu bewehren — als ob die Fahrzeuginsassen, deren Gliedmaßen womöglich in ungesunden Verwinkelungen abstehen, in jenem Moment nicht vielleicht doch andere Sorgen haben dürften, als sich das Warndreieck zu schnappen und fünfzig Meter weiter weg in den Nebel zu stellen, wo es in Ermangelung der Einhaltung des Sichtfahrgebotes ohnehin keine große Wirkung zeigen wird.

Stattdessen dürfen Kraftfahrer in Deutschland Gewiss sein: hier gibt es noch ein Recht auf Geschwindigkeit — und alles, was diesem Recht im Wege steht, wird sich schon rechtzeitig mit Warnwesten oder Warnblinklichtanlagen ankündigen. Aber den Fuß vom Gaspedal zu nehmen scheint immer mehr zu einer unzumutbaren Herausforderung zu werden.

Siehe auch:

„Das Auto war das Versprechen der Freiheit“

Auch wenn die ZDF-Mediathek momentan an seltsamen Problemen leidet, sollte man sich diesen Ausschnitt nicht entgehen lassen: Bambule: Stadt ohne Autos

Das Thema vom 6. Dezember lautete „Heute mach ich nix“, wohinter sich das Thema Entschleunigung versteckte. Und da darf das Fahrrad, in der Innenstadt trotz Entschleunigung gerne das schnellste Verkehrsmittel, nicht fehlen.

Schranken für die FDP

Total großartig — Klaus-Peter von Lüdeke von der FDP fordert die Beschrankung von Radwegen, um Rotlichtverstöße zu verhindern:

Kann eine Schranke Rot-Radler stoppen?

179 Unfälle gab es 2011, weil Radfahrer Ampeln missachteten. FDP-Politiker von Lüdeke will daher durchgreifen.

Aber ob gerade Schranken das Mittel der Wahl darstellen? Wer kühn genug ist, über eine rote Ampel in den Querverkehr zu hüpfen, wird sich von einer rot-weißen Sperre wohl kaum aufhalten lassen.

Leider ist sowohl der Artikel als auch die Fotomontage falsch: die Schranke müsste, so sie denn die Unfallzahlen der Radfahrer senken soll, parallel zur Fahrtrichtung angebracht sein, um rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge zurückzuhalten. Auch wenn die B.Z. prominent die „7376 Unfälle mit Radfahrern“ anführt, sind offenbar nur 179 aufgrund der Missachtung roter Lichtzeichen verursacht worden: das sind nicht einmal 2,5 Prozent. Von den verbleibenden 97,5 Prozent hingegen dürfte ein wesentlicher Teil von unaufmerksamen Kraftfahrern beim Rechtsabbiegevorgang ohne Vorsicht und Schulterblick umgemäht worden sein.

Aber dagegen möchte in der Politik natürlich niemand angehen — wie sähe es denn aus, stünde die Vermutung im Raum, deutsche Kraftfahrer könnten aus Unachtsamkeit andere Verkehrsteilnehmer gefährden? Nein, die Not ist offenbar gar so groß, dass die FDP sogar vor blödsinnigen Vorschlägen wie der Schranke nicht zurückschreckt. Primär dürfte es hier wohl kaum um Sicherheit gehen, eher liegt hier offensichtlich der verzweifelte Versuch her, den Kampfradler in den Medien zu positionieren.