„Hätte ein Fahrradhelm den Toten vom Elbdeich gerettet?“

Freitagnachmittag, etwa 14 Uhr: nach mehreren Anrufen mit unterdrückter Rufnummer nehme ich genervt das Telefon auf. Es entwickelt sich sinngemäß das folgende Gespräch:

Guten Tag, spreche ich mit Malte, ähm, Malte Hübner? Malte Hübner von, äh, Critical Mass Hamburg?

Wer will das denn wissen?

Haben Sie von dem Unfall am Elbdeich, ähm, Spadenland gehört? Der war ja schon in den Medien, haben Sie davon gehört?

Leider schon. Mit wem spreche ich da?

Haben Sie Lust, mir drei oder vier Sätze zu, ähm, zuzuwerfen? Wie das so ist mit dem, ähm, Krieg auf der Straße, kennen Sie den? Den Krieg auf der Straße? Hätte eine Helmpflicht, eine Pflicht, einen Sturzhelm zu tragen, hätte das, ähm, den Radfahrer gerettet, wäre er noch am Leben?

Sie sind nicht bei Trost, solche dämlichen Fragen zu stellen.

Müsste gegen Radfahrer, müsste man härter gegen Radfahrer vorgehen?

Gegen Leute wie Sie müsste man vorgehen. Was stimmt nicht mit Ihnen, kriegen Sie beim Wort Kampfradler schon einen Harten? Was sind Sie für ein widerlicher Typ, sind Sie Journalist?

Anschließend tutete nur noch das Besetzt-Zeichen. Sofern es sich nicht um einen gut gemachten Fake eines gelangweilten Kampfautofahrers handelt, hat mich wohl tatsächlich irgendein Journalist angerufen, um seinen widerlichen Artikel mit reißerischen Aussagen anzureichern.

Mal sehen, was andere Leute zu dem Vorfall so zu sagen haben? Die unmöglichsten Verkehrsteilnehmer haben sich offensichtlich bei der Bergedorfer Zeitung versammelt: Lastwagen fährt in Rennradgruppe: 33-Jähriger tot

Bei einem Verkehrunsfall auf dem Ruschorter Hauptdeich ist am Abend ein 33 Jahrte alter Radsportler getötet worden. Nach ersten Erkenntnissen wollte ein entgegenkommender Lkw einen einzelnen Radfahrer überholen. Dabei fuhr er frontal in die Gruppe von etwa 25 Radsportlern, die auf dem Deich trainierte.

Der erste dumme Kommentar ließ wie erwartet nicht lange auf sich warten:

Ehemaliger Lauenburger
Dann sollten die Radfahrer auch lernen nicht alle nebeneinander zufahren. Denen stört es kaum, und denken sie haben alle Sonderrechte.
Dennoch traurig was passiert ist

Das so genannte Sonderrecht nennt sich Straßenverkehrs-Ordnung, dort wird zu zweit nebeneinander zu fahren explizit für Fahrradverbände gemäß § 27 Abs. 1 StVO erlaubt. Das wissen aber nur die wenigsten, weil’s nicht in der Fahrschule auftaucht und anschließend die Straßenverkehrs-Ordnung ohnehin nicht mehr bemüht wird.

Zerg
Mir tut sehr leid was da passiert ist, aber die Rennradfahrer denken ja immer ihnen gehört die Straße ganz allein und sie dürfen sich dort alles immer erlauben!!! An den LKW Fahrer denkt hier leider niemand. Wie wird es wohl dem LKW Fahrer gehen? Wenn es nach mir gehen würde, müsste es ein Verbot für die Rennradfahrer geben!

Dazu erübrigt sich schon jeder Kommentar. „Zerg“ hat den Artikel offensichtlich nicht so ganz gelesen.

Ein Anwohner
Ich denke einige Radfahrer sind an solchen Situationen selbst schuld. Ich sage bewusst einige, denn es gibt Radfahrer die sich daran halten in zweier Reihen zu fahren, andere fahren in ganzen Trupps und nehmen teilweise die ganze Fahrbahn ein. Das sollte so nicht sein. Ich denke die Autofahrer sind zum Teil extrem angenervt, da die dann mit 30 Stundenkilometern auf dem Deich hinter einem Tross Fahrrädern hinterherfahren müssen. Grundsätzlich muss man ja sagen warum dürfen solche Rennradfahrer überhaupt auf der Strasse fahren, andere Fahrradfahrer müssen und fahren zu ihrer Sicherheit auch auf den Radwegen. Ich denke es sollte eine generelle Regelung geben wie sich ein Radfahrer zu verhalten hat. Dieses sollte durch die Polizei kontrolliert werden, denn die Auto- und Motorradfahrer werden ja auch ohne Ende kontrolliert. Auf jeden Fall ist es sehr traurig was passiert ist. So etwas darf es einfach nicht geben !

Die Rennradler haben sich offensichtlich strikt an die Straßenverkehrs-Ordnung halten. Bevor man sich einen Kommentar zu dem Vorfall erlaubt, sollte man seine Meinung wenigstens gegen die Straßenverkehrs-Ordnung prüfen. Und das empörte Was-dürfen-Radfahrer-eigentlich-auf-der-Fahrbahn fahren ist nicht nur unsinnig, sondern vor allem unangebracht.

Tour de mort
Sind die Rennräder eigentlich STVO-zulässig? Vielleicht hatten die auf der Straße garnichts zu suchen….

Stichwort wäre hier die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, nicht die Straßenverkehrs-Ordnung. Den Bildern nach zu urteilen entsprachen die Räder der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Und wenn nicht? Hätte das was an der Sache geändert? Sicherlich nicht.

Tour de mort
Das will ich so nicht sagen, aber zumindestens eine Teilschuld. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe die STVO nicht geschrieben.

Ja, mindestens eine Teilschuld, genau, was bilden die sich eigentlich auch ein, diese Radfahrer, da muss natürlich eine Teilschuld her! Gute Güte: schlimmer geht es kaum noch.

Peter Berg
Naja es war doch nur noch eine Frage der Zeit, dass dort auf dem Deich mal was passiert. Niemand nimmt auf andere Rücksicht. Und die „Radprofis“ sind halt auch der Meinung, wenn Sie auf der Straße fahren, gehört diese Straße Ihnen ganz alleine. Selbst wenn nur 8 Radler unterwegs sind, wird fleißig nebeneinander gefahren damit man quatschen kann. Und da ist ja nicht nur eine Radgruppe…

Da sind ja alle paar hundert meter welche. Und kaum Abstand lassen, damit man ja nicht überholt wird. Und dann kann man auch Autofahrer verstehen, wenn sie Genervt sind. (…)

Auch wenn § 27 Abs. 1 StVO erst ab dem sechzehnten Radfahrer greift: Offensichtlich denken auch Autofahrer, ihnen gehöre die Straße ganz alleine. Ist eine gewisse Genervtheit schon eine Rechtfertigung, gegen die Verkehrsregeln zu verstoßen?

Bergedorfer
Ich muss leider mal sagen, 1. das die Radrennfahren ja auf der Straße fahren und nicht auf dem ausgewiesenen Radweg. 2. sind diesen Rennräder nicht verkehrssicher, das heißt ohne Beleuchtung und somit nicht für die Straße nach STVO zugelassen. Dieses sollte man auch mal beachten. Da sollte unsere Polizei öfter und regelmäßig mal Kontrollen durchführen!!! Ich habe eine Tochter mit der ich oft Rad fahre, sie fragt mich jedesmal wenn sie sowas sieht, warum die Polizei diese Leute nicht von der Straße holt. (…)

Erstens gibt es dort keinen Radweg und zweitens entsprechen die Rennräder der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Und selbst falls doch: was ändert ein Fahrrad ohne Reflektoren und Beleuchtung an einem sommerlichen Spätnachmittag um 18 Uhr an der Sachlage?

Carsten L
Mein Mitgefühl hält sich für die Radler in grenzen, es ufert schlichtweg aus. Man kann nicht 2 Kilometer ohne irgendwelche möchtegernprofis fahren.
Hoffentlich führt dieser Unfall zum Umdenken.

Steckt im Umdenken die Forderung nach Helmpflicht, Kennzeichen und ähnlichen tollen Ideen? Sicherlich wäre der Radfahrer auch behelmt nicht mehr am Leben.

nebenbei
Ohne Juristerei zwei andere Aspekte:

Die taz berichtet ziemlich begeistert von flashmobmäßig organisierten „critical mass“ Aktionen der Radfahrer in Winterhude, die in so großen Zahlen auf der Straße auftreten, dass die Autofahrer dagegen gar keine Chance haben.
Das fördert m.E. nicht die Sympathie zwischen beiden Gruppen. (…)

Wie ist das mit der Chance für Autofahrer gemeint? Welche Chance haben die nicht mehr? Auszuweichen? Weiterzufahren? Glücklich zu werden?

Forster
Mein Mitleid für die Famile!
Aber die Fahrradfahrer sind nicht unschuldig. Soweit mir bekannt ist, sollte man auf der Straße mit Fehlern von anderen Rechnen. Und da gehören auch Rennradfahrer zu. Wären sie alle schön in der Reihe hintereinander gefahren und äußerst Rechts, so wie es in der STVO geschrieben steht oder sogar den womöglich vorhandenen Fahrradweg missachten (kann ich natürlich nicht beurteilen, hab aber schon genug Rennradfahrer gesehen, die mit ihren 30-40km/h auf der Landstraße mit Radweg an der Seite auf der STRASSE fahren und dann die Autos, die 100 fahren wollen aufhalten damit (und auch ab und zu Staus verursachen)) Wenn sie aber alle Rechts gefahren wären, dann hätte der LKW zwischen den Beiden Fahrrädern durchgepasst und es wäre überhaupt nichts passiert. In diesen Beispiel ist zwar hauptsächlich der LKW Fahrer schuld, aber, wie schon geschrieben, die Rennradfahrer haben auch ihre Teilschuld… Gruß

Nochmal: es gab dort keinen Radweg. Und die Ursache des Unfalles ist wohl eher im missglückten Überholvorgang des Lastkraftwagen-Fahrers zu suchen anstatt im Seitenabstand der Rennradler. Und mit dieser kruden Argumentation der Teilschuld, die nur dahergezaubert wird, um den Radfahrern eine Teilschuld anzurechnen, wäre ja auch jeder andere Verkehrsteilnehmer an seinen Unfällen mindestens teilschuldig — das gäbe ein ziemliches Wutgebrüll, wenn kleine Kinder auf dem Weg zur Schule überfahren werden, weil sie ja ganz offensichtlich nicht mit den Fehlern des Autofahrers gerechnet haben.

Forster
ich ware nicht vor Ort, was ich aber in den Klammern geschrieben hatte. Aber ich kann mir Bilder anschauen, die im Artikel zu finden sind. Dort sieht man, dass die Straße definitiv 2 Fahrbahnen hat und somit breit genug wäre um einen LKW und 2 Fahrradfahrer nebeneinander unterzubringen. Wie konnte nun dieser unfall entstehen? Nun meine vermutung (basierend auf Erfahrungen mit Rennradfahrern) die Fahren in Gruppen auf einer Fahrbahn nebeneinander und sperren diese nun einmal. Außerdem ist es mir unterklärlich, wie man als Fahrradfahrer, auch wenn man im Windschatten fährt, dennoch nicht an den Vorfahrer vorbeischauen kann und somit den LKW (so klein ist der nicht) nicht sehen konnte und somit nicht abspringen konnte. Ich würde es zumindest so machen, da mir klar ist, dass ich mit einem Fahrrad gegen einen LKW nicht besonders gut ankomme und mit dem Rad auszuweichen ist auch nicht so ungefährlich -> absprung wäre hier die Sicherste Variante… Aber der LKW-Fahrer hat scheinbar auch die Fahrer übersehen…Da kommen leider zwei Schläffrigkeiten aufeinander zu so einem S*** Unfall. Gruß

Vom Rad springen? Das ist ja ein gewagtes Manöver, aber vor dem Computer ist so manches sicher vorstellbar.

Geesthachter auto und fahrrad fahrer
So was ich hier lese ist echter Müll! Klar der LKW fahrer ist schuld! das ist keine Frage! Aber viele hier haben die STZVO anscheint nicht richtig gelesen. denn das mit der gruppe ab 15 personen ist vollkommen richtig. aber was nicht richtig ist, das rennrad fahre eigendlich alle aus dem verkehr gezogen werden sollten. denn die STZVO besagt, das Fahrzeug ( Auto, Motorrad, LKW, Bus, Roller und auch Fahrräder) vorne mit weißem licht und hinten mit Roten licht ausgestatten seinen müssen ebenso müssen sie zur seite hin Orange beleuchtung oder strahler haben. In der stadt wird man von der Polizei angehalten mit einem Mountenbike weil das Rad keine Beleuchtung und Reflecktoren hat. Dies kostet in der regel zwischen 10 bis 15€. warum werden rennradfahrer dann nicht zur kasse gebeten. Ich selber fahre auch fahrrad aber auch auto und ich muss echt sagen rennradfahrer sind eine verkehrsbehinderung. wenn man als autofahrer mit absicht denn verkehr aufhält durch zulanges fahren oder blockieren der fahrbahn bekommt man auch ein verwarngeld warum also nicht auch rennrad fahrer zur kasse beten. Ebenso sind 90% der rennradfahrer einfach nur dreist wenn sie in kleiner gruppe von 2-3 personen fahren und dann mit absicht nebeneinander und teilweise sogar bis zur fahrbahn mitte fahren nur damit sie quatschen können und die durch solche aktionen genervten autofahrer behindern.

Der Geesthachter hat immerhin zur Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung anstatt zur Straßenverkehrs-Ordnung gegriffen — gelesen hat er sie trotzdem lieber nicht.

Videogucker
Mich wundert etwas, wie gefasst der Mann seinen Kommentar nach dem Unfall spricht.
Ich möchte nicht wissen, was das für ein Straßenrambo ist, wenn er nicht unter Schock steht

Gemeint ist hier einer der Rennradfahrer aus einem verlinkten Video — und der Kommentar zeigt auf, wie konstruiert die Argumentation inzwischen verläuft, um dem Radfahrer irgendwie hintenrum noch die Schuld zuzuweisen.

Alexander
Ähm sry aber Autofahrer zahlen für diese Ausgebauten Straßen… das es sowas auch für Fahrradfahrer gibt wäre mir jetzt Neu – ergo sie „verdienen“ auch keine Radwege.

Autofahrer zahlen nicht für die ausgebauten Straßen, die werden unter anderem von Steuergeldern finanziert und die errichten sowohl Auto-, als auch Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen. Gut möglich, dass aus dem Steueraufkommen der letzten Tankfüllung kein Cent in den Asphalt geflossen ist, umgekehrt aber beim letzten Fahrradanschaffung.

M.Schenk
Das es zu einem tötlichen Unfall am Ruschorter Hauptdeich ist sehr tragisch und höchst bedauerlich. Das es in den Vier.- und Marschlanden nicht zu mehr Unfällen kommt ist fast ein Wunder. Ich bin ständig hier in diesem Gebiet mit meinem Kfz. unterwegs und kann nur von negativen Erfahrungen mit rücksichtslosen buntgekleideten Fahradrambos berichten. Die STVO wird größtenteils schlichtweg ignoriert. Dennoch ist Rücksichtnahme von beiden Seiten angesagt.

In ziemlich vielen Kommentaren ist die Rede davon, dass die Straßenverkehrs-Ordnung großzügig ignoriert würde, aber so richtige Beispiele vermag niemand zu nennen. Mutmaßlich steckt hinter dem allermeisten angeblichen Regelverstößen dann doch das Fahren im Verband, was leider die meisten Autofahrer in Ermangelung der Kenntnis von § 27 Abs. 1 StVO als schwerwiegenden Verstoß gegen die Verkehrsregeln empfinden.

vineyard
wie der name schon sagt, handelt es sich um radRENNfahrer.

-> RENNEN fährt man auf einer RENNstrecke.
–> ich kann auch nicht mit meinem ferrari RENNEN auf der straße üben, sondern muss dann an eine RENNstrecke z.B. den nürburgring.

und bitte, bevor jetzt gemecker kommt, hier steht nichts davon das autofahrer alles richtig machen!

Im Gegensatz zum Rennen im Ferarri ist das Trainieren mit dem Rennrad im Straßenraum allerdings erlaubt.

Erwin vom Deich
(…) Ich möchte nochmal die Abneigung der sonstigen Straßenbenutzer ggü. radRENNfahrern thematisieren.

Die Deichstraße wurde hauptsächlich als Wirtschaftsweg benutzt. Das heißt, man fährt von a nach b, um Geld zu verdienen oder zu Arbeit zu fahren. Nun ist die Freizeitkultur des des Egoismus in den letzten Jahren soweit gediehen, daß man diesen Weg auch als Spaßinstrument spielen kann. Leider fahren die Radrennfahrer nicht auf dem Radweg, dann würden sich die „normalen“ Radfahrer darüber ärgern. Also hat man als Autofahrer (von der Arbeit kommend) die Deichstrecke auf ca 25 KM Länge alle 2000 m einen Pulk (oder auch nur einen oder zwei) solcher Mitmenschen vor sich. Die Geschwindigkeit ist dabei immer so um die 30 Kmh, manchmal auch 35. Also, von 60 oder 70 Kmh auf 30 abbremsen, Gegenverkehr, überholen, wieder bremsen. Man muß nicht 60 fahren, man kann auch immer hinter den Radfahrern bleiben. Dann kommt man aber 20 Minuten später heim (oder ins Büro). Das heißt, daß der Depp vor mir mich um meine Lebenszeit bringt (eigtl. Freiheitsberaubung). Ich hatte immer schon nach 10 Km auf dem Deich die Schnauze gestrichen voll von den Freizeit-Altigs. Also liebe Rennfahrer, diese Abneigung der Autofahrer (durchweg alle von mir befragten Berufsfahrer, einschl. Busfahrer waren dieser Meinung) kommt nur daher, daß wir Autofahrer (ich ja nicht mehr) irgendwo hinfahren, und Ihr uns daran hindert. Außerdem verstehe ich nicht, wie man über die Schuldfrage hier spekulieren kann. Aus meiner Sicht ist es völlig irrelevant, wer Schuld hat an dem Unfall: Den Schaden hat auf jeden Fall der Radfahrer, der LKW-Fahrer wird auch seines Lebens nicht mehr Froh und hier wird wie es üblich ist in Deutschland über die Schuldfrage gestritten. Der Deich ist zu gefährlich für RadRENNfahrer. Es ist doch der nächste fatale Unfall schon abzusehen. Wie kann man das verhindern? Bestimmt nicht, in dem man ein neues Gesetz formuliert sondern in dem die Radrennfahrer Selbstverzicht üben, sich eine gesperrte Rennstrecke suchen. Die Bremer Sechstagestrecke (immer rum um den Pudding) wäre genau das richtige. Oder in den Keller! Ich appeliere an die Vernunft der schwächeren!

Darf denn in Deutschland nicht über die Schuldfrage gestritten werden, sollte es denn Lastkraftwagen-Fahrern, die beruflich unterwegs sind, generell gestattet werden, andere Radfahrer zu überfahren? Ist am Ende doch der Radfahrer schuld, weil er nicht schnell genug ausgewichen ist und sich überhaupt erst erdreistet hat, auf der Fahrbahn mit einem Rennrad zu fahren?

Forster
(…) Sport macht man einfach nicht auf der Straße sondern verschiebt das wo anders hin. Bei Fahrrädern, vorallem wenn es Radwege gibt, gehören dorthin, auch wenn diese wege nicht in einem Top zustand sind (Sind so manche Bolz/Fußballplätze auch nicht). Da es aber zur Freizeit gehört, fährt man an diesen stellen halt langsamer, stört aber nicht die autos. Die meisten, die in diesen Autos sitzen, fahren von A nach B und fahren nicht einfach mal so durch die Landschaft. Die wenigen, die es doch machen, fallen hier nicht ins Gewicht. Genauso wenig würden sich Autofahrer über Radfahrer aufregen, wenn es mal einer wäre. (…)

Diese Vermischung aus sportlichen Rennradfahrern und den übrigen Radfahrern spielt mal wieder auf die geläufige Meinung an, Radfahrer wären ja nur zum Spaß unterwegs, während alle Autofahrer, ganz egal ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Kino oder zum Schwimmbad, die Wirtschaft am Leben erhalten und demnach nicht ausgebremst werden dürfen.


Beim Norddeutschen Rundfunk sieht die Sache leider nicht besser aus: Tödlicher Lkw-Unfall schockiert Radfahrer

Der schreckliche Verkehrsunfall in den Hamburger Vier- und Marschlanden, bei dem am Donnerstag ein 33-Jähriger ums Leben kam, löst vor allem unter Fahrradfahrern Bestürzung aus – aber auch Verärgerung. Ein Lastwagen war beim Überholen eines Radfahrers in eine Gruppe von Radrennradfahrern auf der Gegenfahrbahn gerast, dabei kam ein Radsportler ums Leben, drei weitere wurden verletzt.

Das folgende bezeichnet der Norddeutsche Rundfunk übrigens ganz vornehm als „intensive Diskussion“:

Krankenpfleger
Radfahrer-Teams gehören nicht in den öffentlichen Straßenverkehr.
Das Rudelfahren und die nicht dem Straßenverkehr angepassten Räder ohne Licht usw. gefährden zu sehr wie das Beispiel hier zeigt.
Die „Radrennfahrer“ sollten sich geeignete Sportstätten suchen.

Radfahrer-Teams sind aber nunmal von der Straßenverkehrs-Ordnung gedeckt. Und das nicht fest installierte Licht ist ebenfalls rechtlich einwandfrei.

Gast
Schlimm, aber leider nicht wirklich überraschend. Gerade im Vorfeld der Cyclassics vergessen viele dieser Hobbyradrennfahrer, dass eine öffentliche Straße kein abgesperrtes Trainingsgelände ist und fahren dann z.B. im Pulk auf Landstraßen. Auch wenn das erlaubt ist, es bleibt riskant. Mir tut daher völlig losgelöst von der Schuldfrage auch der LKW-Fahrer leid, denn er hat nur seinen Job gemacht.

„Der hat nur seinen Job gemacht“ — besteht der im Überfahren von Radfahrern?

Nur ich
.§ 1 StVO
…Grundregeln.(1)
Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht…
Sollte dies nicht für ALLE gelten???

Inwiefern lässt sich das auf den Unfall anwenden? Hätten die Radfahrer Rücksicht auf den unachtsamen Lastkraftwagen-Fahrer nehmen sollen?

Krankenpfleger
Diese „Radrennfahrer“ sollten nicht noch unnötig durch Gesetze Vorteile bekommen.
LKW und PKW`s sind nicht zur Schikane auf den Straßen. LKW´s transportieren auch Fahrräder und Teile davon ständig hin und her. Wir brauchen eine Fahrradsteuer und den Ausbau von Fahrradwegen.

Wieder einmal die übliche Argumentation. Was das nun für Vorteile sein sollen, das erschließt sich allerdings nicht so ganz.

Krankenpfleger
Ich werde mich nicht dafür entschuldigen das ich ein Auto brauche um zur Arbeit zu kommen. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen das das UK-SH mit LKW´s beliefert wird. Kein Patient hat dafür Verständnis wenn Mitarbeiter oder benötigte Waren zu spät kommen, weil Freizeit Fahrradfahrer die Straße blockieren.

Die Patienten werden sich kein Verständnis dafür haben, wenn Radfahrer genötigt oder beiseite gedrängt werden. Vielleicht wurde so mancher Patient ja sogar selbst vom Rad gestoßen, der wird sich freuen, von Leuten vom Schlag des Unfallverursachers beliefert zu werden.

gaga007
Radfahrer sollten lernen, welch´ filigranes Wesen sie sind … oder einfach wegbleiben !

Aha.

Krankenpfleger
Nun mal langsam.
Diese Rudelfahrer sind in ihrer Freizeit unterwegs.
Das der Berufskraftfahrer oder Pendler der nun hinter diesen Freizeitlern hinterher fährt, seine Ware nicht abliefert/seine Arbeit nicht erreicht, macht keinen Sinn.
Daher sollen diese Menschen die diese wichtigen Infrastrukturen falsch verstehen, in Freizeitoasen ihren Hobby nachgehen, oder Steuergelder zahlen die das ermöglichen.

Was ist eigentlich mit Kraftfahrzeugführern, die nur zum Spaß eine Runde durch die Innenstadt fahren? Oder nur zum Fußballspiel oder ins Schwimmbad wollen? Und zahlen Radfahrer nicht eigentlich schon längst Steuern, womöglich auch für ihre Kraftfahrzeuge zu Hause? Obwohl das kaum ein Autofahrer weiß, sind Steuern in Deutschland nicht zweckgebunden — mit den Einnahmen der Kraftfahrzeugsteuer ließe sich vermutlich nicht mal ein Bruchteil der Autobahnen finanzieren.

Fußgänger
Der Fahrradfahrer fühlt sich immer im Recht. In der Fußgängerzone haben die Menschen zu springen wenn ein Fahrradfahrer kommt. Auf der Straße hat der Autofahrer Rücksicht zu nehmen. Ständiger wechseln der Fahrradfahrer von Straße zu Fußgängerweg ist als normal anzusehen.

An dem Vorwurf ist zweifellos etwas dran, doch stellt sich auch hier die Frage nach dem Zusammenhang zum Unfall.

Berufsfahrer
Fahrradfahrer sind nicht automatisch die Robin-Hood-Umweltretter, daher sollten sich auch diese an Verkehrsregeln und Rücksicht orientieren.

Bislang gibt es keine Indizien, dass sich die Rennradler nicht an die Straßenverkehrs-Ordnung gehalten hätten.

Arbeiter
Ich bitte alle Autofahrer/Fußgänger Bilder/Videoaufnahmen zu machen wenn Radfahrer nebeneinander fahren die Straße/Bürgersteig willkürlich wechseln. Radfahrer die Fußgänger behindern/bedrohen oder gar verletzen. Erfolgreich (keine Wartezeiten) ist man meist in der Nähe von Universitäten.

Bevor man mit der Filmerei beginnt, sollte man sich wenigstens informieren, unter welchen Vorraussetzungen nebeneinander geradelt werden darf und ob die Beschilderung nicht zum ständigen Wechsel zwischen Radweg und Fahrbahn zwingt.

Schwabe
(…)

Zeit dass
1. Jedes Fahrrad ein Kennzeichen hat
2. Radbesitzer Fahrradsteuer zahlen
3. Radfahrer Radwege nutzen, ob als Rennfahrer oder Ausflügler
4. Rad- u. Autofahrer Verkehrsregeln beachten

(…)

„Radwege-da hat man gleich einen Plattfuss“ bitte, lasst die Kirche im Dorf.
Der Autofahrer kann auch nicht auf Strassen mit Schlaglöchern dahinfahren und sich beschweren wenn Reifen oder Stoßdämpfer kaputt. Als Autofahrer würde ich gerne den besseren Radweg benutzen – nur ich darf es nicht – der gehört den Radfahrern und dort gehören sie sofern vorhanden hin.

Die übliche Argumentation — es war tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis die auftaucht. Fahrradkennzeichen und -Steuer werden einfach mal so in den Raum geworfen, als hätten sie auch nur irgendwas an dem Unfall geändert. Selbst die Wiedereinführung der generellen Radwegbenutzungspflicht, die der Gesetzgeber aus guten Gründen vor 15 Jahren aus der Straßenverkehrs-Ordnung geschnitten hat, wird daran nichts ändern, sofern nicht das Radfahren an Straßen ohne Radweg komplett verboten ist — denn an der Unfallstelle gab es nunmal weder Rad- noch Gehweg. Und ja, vielleicht, wirklich nur ganz vielleicht, sollte man sich mal mit den entsprechenden Statistiken auseinandersetzen, bevor so ein Unfug im Kommentarfeld landet.

Schwabe
Genau diese Leute haben von StVo keine Ahnung. Noch nichts von Gebot äußerst rechts fahren gehört.
Oder soll dies eine selbsterfundene erzieherische Massnahme gegen Autofahrer sein ,und dann noch Flaschenwerfer !!! Rowdie sag ich.

„Diese Leute“ haben nicht nur von der Straßenverkehrs-Ordnung Ahnung, sondern auch noch von den einschlägigen Gerichtsurteilen, die dem Radfahrer einen großzügigen Seitenabstand von anderthalb Metern zugestehen.

Jean Marie
Es ist nicht mehr zu fassen!

Grundsätzlich sollten diese Kindergarten-Radtouren dieser selbsternannten Armstrongs verboten werden, dann ist auch Schluß mit diesen schrecklichen Unfällen

Und wenn man Personenkraftwagen verbietet, dann gibt’s kaum noch Tote im Straßenverkehr. Bislang sieht es so aus, als hätte der Lastkraftwagen-Fahrer mit seinem unaufmerksamen Überholmanöver den Unfall provoziert — da ist es recht unpassend, die eigentlichen Opfer zu Tätern zu verklären.

Schwabe
Sehen Sie hatte ich doch recht – Ihnen scheint die StVo fremd zu sein!
Steht in § 2 der StVo. Nennt sich Rechtsfahrgebot und ist zumindest den meisten Autofahrern bekannt. (Gilt für alle Verkehrsteilnehmer-auch Radfahrer)
Auch die 2 Meter stimmen nicht!
Steht aber in § 5 4. z.B. ausreichender Abstand zu Radfahrern und der immer in Abhängigkeit der Geschwindigkeit und Verkehrslage. 1,5m Abstand sind durchaus ausreichend, weil es gibt auch Strassen die nicht so breit sind. Wenn der Radler dann 1,5 m Abstand vom rechten Rand hält, selbst 1 m Breite hat, dabei noch wackelt und somit 3,5 m vom rechten Fahrbahnrand benötigt – der Autofahrer eine Fahrzeugbreite von 1,8 m hat und 2 m Abstand halten soll –
Bitte auch an die Autofahrer denken. 50 cm Abstand vom rechten Fahrbahnrad als Radler wären besser.
Es heisst doch Strasse und ist für Verkehrsteilnehmer da – nicht nur für Radler

Ja, denkt denn niemand an die armen Autofahrer? Radfahrer sollen einen halben Meter Abstand vom rechten Fahrbahnrand halten und Autofahrer, die nicht so doll mitdenken, zu gefährlichen Überholmanövern förmlich einladen, denen sie dann im Zweifelsfall in Ermangelung von Sicherheitsabstand nicht einmal ausweichen können?

Neumeier
Es muss heißen: Tödlicher Unfall schockiert vorallem LKW-Fahrer, weil diese jederzeit damit rechnen müssen, dass diese riesigen Fahrradgruppen plötzlich und unerwartet auftauchen. Wann findet sich in der STVO endlich das notwendige Verbot dieser aberwitzigen Freizeitaktivität. Hier bringen sich Radfahrer bewußt in Lebensgefahr und verursachen bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern ein lebenslanges Trauma.

Was ist eigentlich mit Roller- oder Motorradfahrern? Müssen die auch verboten werden, wenn ein Lastkraftwagen-Fahrer unaufmerksam überholt? Müssen Personenkraftwagen auch verboten werden, damit übermüdete Lastkraftwagen-Fahrer nicht mehr ins Stauende rasseln können?

AWI
In Frankreich oder Spanien würden LKW-Fahrer vermutlich in einen Streik treten, um endlich eine Regelung zu erwirken, die dieses Fahrrad-Rowdytum des Pulkbildens auf der Strasse untersagte. In Deutschland bleibt alles beim Alten: Der LKW-Fahrer ist schuldig und die radfahrenden Freizeitaktivisten treiben ihr böses Spiel weiter auf deutschen Straßen.

Wie jetzt — sollen die Gesetze geändert werden, damit rückwirkend nicht der Lastkraftwagen-Fahrer, sondern die Radfahrer schuld an dem Unfall sind?

Schwabe
Manche Radfahrer sind wohl Kapitäne und Götter der Strasse wenn ich dies lese. Seltsame Verkehrsauffassung haben solche. Vielleicht fahren Sie sogar weil Sie sich gefährdet fühlen auf der Gegenfahrbahn. Wenn Sie sich gefährdet fühlen, warum fahren Sie auf der Strasse? – schieben Sie doch Ihr Rad, aber bitte auf dem Gehweg!!!

Nein, nein dies ist Verkehrsbehinderung (verzichte auf Verweis nach § ) Und dies gilt auch für Sie als Radler. Wird mit Bußgeld bestraft – nur Radler haben leider noch kein Kennzeichen, machen sich annonym aus dem Staub und werfen lieber wie Sie mit Flaschen. Gott sei Dank nicht alle Radfahrer.
Mir fehlen die Worte!

Die Logik ist vollkommen verquer. Noch immer geht es um die unterschiedlichen Meinungen zum Seitenabstand und noch immer ist „Schwabe“ der Meinung, der den gerichtlich empfohlenen Seitenabstand einhält, hätte so viel Angst im Straßenverkehr, dass er doch lieber auf dem Gehweg schieben sollte. Und weil die Argumentation so viel mehr nicht hergibt, wird gleich § 1 StVO herausgeholt, obwohl der auf diese Situation überhaupt nicht anwendbar ist und dementsprechend auch kein Bußgeld verursacht.

AWI
Es geht hier nicht um den, der überholt wurde, sondern um die Massen, die dem LKW-Fahrer entgegenkamen; wie von Ihnen gewünscht fuhr der LKW frontal in den Gegenverkehr und übersah dabei vermutlich die Masse der ohne Licht fahrenden Radfahrer.

Wer im Spätsommer schon um 18 Uhr eine Gruppe von 30 Radfahrern übersieht, der hat definitiv ein Problem mit den Augen, da helfen auch keine hellen Scheinwerfer mehr.

Beamter
Genau! Fahrräder haben im Straßenverkehr nichts zu suchen. Maximal Landwege, Gartenwege, Waldwege usw. sind für Radfahrer geeignet. Der Tot des Radfahrers tut mir natürlich trotzdem leid.

Na schön, der obligatorische Berufstroll ist wenigstens leicht zu erkennen.

AWI
Die Radfahrerlobby hält es wie die Raucherlobby: Der Störenfried des Rauchers ist der Nichtraucher. Für den Radfahrer sind es die Fußgänger und Autofahrer. Leider können sich in Deutschland die Radfahrer, so wie die Raucher, eben alles erlauben. Niemand reglementiert sie – vermutlich wird an ihnen zuviel verdient.

Na, das ist ja eine gewagte Behauptung. Normalerweise regiert im Autoland Deutschland doch eher die Automobil-Lobby, die Interessen der Radfahrer werden in der Regel übergangen.


Beim FOCUS ist immerhin nicht ganz so viel los: LKW rast in Radfahrer-Gruppe – ein Toter

Bei einem Verkehrsunfall in Hamburg sind am Donnerstagabend ein Fahrradfahrer getötet und drei weitere verletzt worden. Nach Behördenangaben war ein Lastwagen bei einem Überholmanöver in eine Gruppe Radfahrer gerast.

Da gibt’s zum Glück nur wenige Kommentare:

Siemsa
Das muss jetzt wahrscheinlich ein Richter entscheiden, ob man auf einer Straße, die nicht gerade sehr breit ist Radfahrer nebeneinander fahren dürfen. Auf seiner rechte Seite fuhr auch ein Radfahrer. Sicher wollte er ordnungsgemäß ausweichen, was nicht gelungen ist. Sollte er, müsste er anhalten ? Warum fuhren die alle Radfahrer nicht hintereinander ?

Radfahrer dürfen gemäß § 27 Abs. 1 StVO nebeneinander fahren, dafür ist die gesamte Fahrbahnbreite mutmaßlich nicht maßgeblich. Überhaupt möchte man mal sehen, wie die Autofahrer vor Wut schäumen, wenn die Radfahrer hintereinander fahren und Überholvorgänge noch weiter erschweren; ganz abgesehen von der damit einhergehenden Gefährdung, wenn sich ständig Autofahrer nach misslungenen Überholvorgängen zwischen die Radfahrer quetschen wollen.

Torfkopp
Mal völlig abgesehen wer hier schuld war wenn ich mit dem Rad unterwegs bin meide ich die Straße wie die Pest. Klar habe ich da Rechte, aber die kann man mir nach einem Unfall dann auf den Grabstein meisseln. Denn ein paar Tonnen Blech sind immer der Stärkere. Und was ich so auf meinen Touren sehe an Kampfradlern, ohne Licht, kreuz und quer durch den Verkehr, Ampeln sind ein Witz. Klar dass das Unfallpotential ohne Ende birgt.

Natürlich ist das nun ein tragischer Unfall auf der Fahrbahn — aber wie viele tote Radfahrer wurden in den letzten Monaten zu Grabe getragen, weil sie an das Märchen vom sicheren Radweg und ihre grüne Ampel glaubten, bevor ein rechtsabbiegendes Kraftfahrzeug den Glauben beendete?

Zyrtos
Mir tut der Radfahrer aufrichtig leid. Aber, warum muss man Radrennsport mit Sportgeräten (die nicht der StVO entsprechen) auf einer öffentlichen Strasse (die keine Sportstääte ist) trainieren? Es gibt doch Radwege, auf denen man fahren kann. Aber ich erlebe immer, dass die Radrenn-Amateure lieber auf kurvenreichen Landstrassen trainieren, als den sicheren Radweg zu nutzen. Radfahrer dürfen auch nicht – wie beschrieben – nebeneinander auf der Fahrbahn fahren sondern nur hintereinander. Ich weiss…Radfahren und Sport sind gesund. Ein Mon-Cheri Thema mit dem Attribut ‚alternativlos‘ und jeglicher Awendungskritik entzogen. Aber hier wird doch ein Gefahrenpotential erzeugt. Und der Autofahrer ist dann der Dumme, wenn es schief geht.

Doch, § 27 Abs. 1 StVO erlaubt nunmal das Fahren zu zweit nebeneinander. Das scheint aber selbst niemand zur Kenntnis zur nehmen, wenn es sogar explizit im Artikel genannt wird. Und natürlich ist der Autofahrer der Dumme, wenn er einen Unfall aus Unaufmerksamkeit verursacht.

Ostpreusse
Hoffe es gibt hinreichend Anzeigen der Radfahrer wegen ordungswidriger Räder und spielerischen fahrens. Realistischer ist allerdings, dass der LKW Fahrer gelyncht wird. 30-40 Leute. Selbst die Kindergärtner melden ihren Laternenlauf an. Nur die Genies deutscher Universitäten kommen da nicht drauf. War das eine illegale Demonstration?. Verstoß gegen Paragraph 14 Versammlungsgestz. Schuld dürfte wohl beim Organisator der Aktion zu suchen sein.

Nein, es wird vermutlich keine Anzeigen geben, weil die Räder offensichtlich der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung entsprachen. Und mit § 14 VersammlG hat das nun überhaupt nichts zu tun, hier ist § 27 Abs. 1 StVO einschlägig, auch und erst recht mit 30 bis 40 Teilnehmern. Und das nun der Organisator der vermeintlichen Demonstration schuld an dem Unfall sein soll, das macht nun wirklich sprachlos.

Sprachlosigkeit ist auch alles, was nach dem Unfall bei Radfahrern bleibt — bei anderen Verkehrsteilnehmern nicht. Letzte führen sich ständig bemüßigt, unpassende Kommentare unter die einschlägigen Artikel zu drücken, die mitunter vor Menschenverachtung nur so strotzen.

Da ist ein Radfahrer bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen, weil ein Lastkraftwagen-Fahrer beim Überholen unachtsam war, aber alles, was den deutschen Autofahrern dazu einfällt, sind Fahrradkennzeichen und Reflektoren an den Rädern? Hätte der Lastkraftwagen-Fahrer eine junge Familie am Stauende in den Kofferraum des Vordermannes gedrückt, dann gäbe es wohl auch ziemlich viele dumme Kommentare, aber wenigstens weniger Menschenverachtung.

Zweifellos gibt es zwischen Radfahrern und Autofahrern eine Menge Reibereien, zweifellos sind manche Rennradfahrer nicht ganz unschuldig an dem pauschalen schlechten Ruf. Ich wohne direkt an der Rennstrecke der Vattenfall Cyclassics, die dort trainierenden Rennradfahrer nehmen es hin und wieder auch etwas lockerer mit den roten Ampeln. Dem gegenüber stehen jedoch ein Großteil der übrigen Rennradfahrer, die sich strikt an die Straßenverkehrs-Ordnung halten. Die meisten Aufregungen dürfte es demnach in Ermangelung von Regelkenntnis geben, denn nach § 27 Abs. 1 StVO dürfen hinreichend viele Radfahrer nunmal als Verband auf der Fahrbahn fahren. Das muss man nicht toll finden, das muss man nicht so hinnehmen, man kann der Politik Änderungswünsche unterbreiten — aber solange § 27 Abs. 1 in der Straßenverkehrs-Ordnung steht, ist das zu respektieren.

Und da helfen auch keine dummen Aussagen, das seien doch alles Kampfradler und per se schon selbst schuld am Unfall, der Lastkraftwagen-Fahrer hätte doch nur seinen Job gemacht.

Verkehrswacht Brandenburg: Gegen Unfälle helfen nur Helme

Es ist ja schon schwer zu fassen, die deutschen Verkehrswachten stellen sich mit jeder einzelnen Pressemitteilung weiter ins Abseits und ob ihres Argumentationstalentes wird Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bestimmt schon ganz neidisch. Was gibt’s nun wieder?

Mehr Radunfälle – Verkehrswacht fordert Helmpflicht

Angesichts des dramatischen Anstiegs von Verkehrsunfällen mit Radfahrern in Brandenburg hat die Landesverkehrswacht für eine Helmpflicht plädiert.

Man mag sich den Rest schon gar nicht mehr durchlesen. Ein Fahrradhelm mag bei Unfällen schlimmeres verhindern, ja, obwohl seine Wirkung beschränkt ist und ab bestimmten Geschwindigkeiten vermutlich gegen Null konvergiert. Besser ist es, auf den Gedanken sollte auch die Verkehrswacht mal kommen, das Unfallrisiko zu senken. Dazu gehört definitiv die Abschaffung von Benutzungspflichten auf gefährlichen Radwegen, was die Verkehrswacht überhaupt nicht leiden kann und womöglich eine verbesserte Ausbildung der Verkehrsteilnehmer.

Es gibt beinahe unendlich viele Möglichkeiten, den Sicherheitsstandard im Straßenverkehr zu erhöhen — aber die Einführung einer Helmpflicht gehört definitiv nicht dazu.

Der tote Radfahrer fuhr nicht auf dem Radweg

Es gibt Situationen, die sind tatsächlich besonders schwer zu ertragen. Vor wenigen Stunden wurde im Hamburger Umland am Ruschorter Hauptdeich ein Radfahrer getötet, zwei weitere wurden verletzt. Ein Lastkraftwagenfahrer wollte im Gegenverkehr einen anderen Verkehrsteilnehmer überholen und übersah offensichtlich den Fahrradverband aus der Gegenrichtung: Lastwagen fährt in Rennradgruppe – 33-jähriger Radler tot, zwei Verletzte

Bei einem Verkehrunsfall auf dem Ruschorter Hauptdeich ist am Abend ein 33 Jahrte alter Radsportler getötet worden. Nach ersten Erkenntnissen wollte ein entgegenkommender Lkw einen einzelnen Radfahrer überholen. Dabei fuhr er frontal in die Gruppe von etwa 25 Radsportlern, die auf dem Deich trainierte.

Die Meldung ist noch nicht einmal anderthalb Stunden alt, da lässt sich in den Kommentaren ablesen, wohin die Reise geht. Anstatt zu hinterfragen, wie denn ein Lastkraftwagenfahrer einen zwanzig Räder starken Fahrradverband übersehen kann, dreht sich die Diskussion schon wieder um die bösen Kampfradler, die mitten auf der Straße (sic!) fahren, obwohl es doch parallel einen bestens ausgebauten und breiten Radweg gebe. Die Behauptung, die Radfahrer seien deswegen doch selbst schuld an dem Unfall, ist von beispielloser Ignoranz gezeichnet.

Wetten, dass nicht ein einziger Kommentator etwas von der sicheren Fahrbahn und den gefährlichen Radwegen berichtet hätte, wäre der Verband auf dem Radweg radelnd von einem abbiegenden Lastkraftwagen mitgenommen worden?

Aufhebung der Radwegbenutzungspflichten: die Verkehrswacht hat Angst

Jürgen Maresch hat Angst. Der Präsident der Landesverkehrswacht Brandenburg sorgt sich nämlich um die Sicherheit der Radfahrer im Straßenverkehr und wenn sich die Verkehrswacht sorgt und Angst hat, dann fordert man weiterhin benutzungspflichtige Radwege: Benutzung von Radwegen soll Pflicht bleiben

Denn:

Die Verkehrswacht Brandenburg warnt davor, die Pflicht zur Benutzung von Radwegen zu lockern. Hintergrund ist eine Aufforderung des Infrastrukturministeriums an die Kommunen. Diese sollen prüfen, ob innerorts das Fahren auf separaten Radwegen zwingend ausgewiesen werden muss. „Das lehnen wir ab“, sagte Jürgen Maresch, Präsident der Landesverkehrswacht, am Donnerstag.

„Das lehnen wir ab“, aha, hat Jürgen Maresch dabei noch mit dem Fuß aufgestampft oder wenigstens die Arme trotzig verschränkt? Seine Aussage, die hoffentlich nicht ob der journalistischen Sorgfaltspflicht gekürzt wurde, ist an Unsinnigkeit nur schwer zu übertreffen. Schlimm genug, dass die Kommunen überhaupt angehalten werden mussten, die Radwegbenutzungspflichten zu überprüfen, denn dabei handelt es sich eigentlich um eine simple Rechtslage, die sogar in § 45 StVO zu finden ist: eine Radwegbenutzungspflicht darf nur angeordnet werden, wenn tatsächlich eine erhebliche Gefährdung von Radfahrern zu erwarten ist.

„Das haben wir immer so gemacht“, „Radfahrer gehören auf den Radweg“ oder „Jürgen Maresch“ sind also keine hinreichenden Begründungen für eine Radwegbenutzungspflicht. Wenn sich die Verkehrswacht nun sogar dagegen sperrt, die Radwegbenutzungspflichten zu untersuchen, dann ist das wirklich bemerkenswert:

Es sei nicht zu erkennen, dass es für Radfahrer sicherer sei, auf der Straße zu fahren. Er habe Angst, „dass lediglich aus Sparzwängen Radwege aufgegeben werden“.

Es ist definitiv zu erkennen, dass es für Radfahrer in der Regel auf der Fahrbahn sicherer ist. Das wurde nun schon häufig genug dargelegt und mit entsprechenden Statistiken untermauert, das braucht nun wirklich nicht mehr ausgeführt zu werden. Die Verkehrswacht sollte das inzwischen mitbekommen haben.

Doch stattdessen hält sie weiter an ihrer verqueren Argumentation fest. Benutzungspflichtige Radwege sollen also nicht auf ihre Sicherheit untersucht werden, weil dabei herauskommen könnte, dass es auf der Fahrbahn sicherer ist, was wiederum zu einer Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht führt, was aber nicht sein könne, weil es nicht sein dürfe, denn schließlich hat in den letzten fünfzehn Jahren noch niemand der Verkehrswacht die aktuelle Rechtslage erklärt oder entsprechende Statistiken vorgelegt? Dass sogar der Gesetzgeber 1997 gemerkt hat, dass Radwege sicherheitstechnisch ein glatter Fehlschlag war und die generelle Radwegbenutzungspflicht aufhob, das hat dort offensichtlich niemand gemerkt bei der Verkehrswacht.

Resultiert allerdings aus einer solchen Untersuchung, dass es tatsächlich auf der Fahrbahn zu gefährlich ist, wird die Benutzungspflicht natürlich beibehalten — ganz im Sinne der einschlägigen Vorschriften, da braucht sich die Verkehrswacht nicht zu sorgen. Und auch das Argument mit den Sparzwängen ist immerhin zur Hälfte Unsinn, denn jegliche Straßenteile, also auch Radwege mit und ohne blaue Schilder, müssen gepflegt werden. Tatsächlich drücken sich die Kommunen nicht nur um die Sanierung der Fahrbahnen, sondern insbesondere auch um die entsprechenden Radwege — bislang war allerdings kein Unterschied bezüglich des Sanierungsaufwandes zwischen benutzungspflichtigen und unbeschilderten Radwegen zu erkennen: beide Arten verlotterten zusehends.

Wovor hat Maresch also nun Angst? Dass Radwegbenutzungspflichten aufgehoben werden und Radfahrer sicher auf der Fahrbahn radeln dürfen, weil er sich in den Unfallstatistiken nicht zurechtfindet? Will er lieber die Radfahrer weiterhin auf die im Regelfall unsicheren Sonderwege zwingen, wo sie mit höchster Vorsicht radeln müssen, falls wieder ein rechtsabbiegender Kraftfahrzeugführer unachtsam am Lenkrad kurbelt?

Fahrschulwissen ist schnell vergessen

Seit längerer Zeit hält sich in diesem Blog die These, dass Verkehrsteilnehmer eigentlich nur so fahren, wie es alle anderen vormachen und dabei marginal den eigenen Fahrschulunterricht einfließen lassen. Nun schreibt SPIEGEL ONLINE: Viele Fahrer ignorieren Schulterblick und Blinken

Erst intensiv gepaukt, dann schnell vergessen. Viele deutsche Autofahrer halten sich nicht an Verkehrsregeln. Laut einer Umfrage ignorieren sie Tempolimits, Stoppschilder oder den Schulterblick. Und rund die Hälfte der Befragten glauben, sie würden die Führerscheinprüfung heute nicht mehr bestehen.

Knapp die Hälfte der Autofahrer glaubt demnach nicht, sie würden die praktische Fahrschulprüfung noch einmal bestehen. Das ist bedenklich — zwar kommt man offensichtlich auch so ganz gut von A nach B, aber außer § 1 StVO keine weiteren Regeln zitieren zu können ist eigentlich sehr bedenklich. Der Verkehrssicherheit ist das ebenfalls abträglich: die allerwenigsten Verkehrsteilnehmer dürften in der Lage sein, die komplizierten Vorfahrts- und Vorrangsgeflechte an Kreisverkehren oder abknickenden Vorfahrtsstraßen korrekt zu benennen.

Sogar eine der häufigsten Unfallursachen wird benannt:

Dazu kommen zudem eine „trügerische Gelassenheit“, die bereits kurz nach der Prüfung einsetzt. Einen Schulterblick machen viele Fahrer nicht mehr, weil sie ihn für überflüssig halten.

Das ist ja nun nichts neues: Schulterblicke gelten als überflüssig, weil beim bisherigen Radverkehrsanteil von fünf oder sechs Prozent auch so gut wie nie ein Radfahrer in die Quere kam. Heutzutage ist die Unfallwahrscheinlichkeit ungleich höher, denn weil in der Vergangenheit ja nie einer gekommen ist, brauche man ja heute auch keinen Schulterblick.

Der Markt bietet keine passenden Helme an

Dieses Interview im Kölner Stadt-Anzeiger ist eigentlich nichts besonderes: „Mit Fehlern der Autofahrer rechnen“

Doch am Ende heißt es plötzlich:

Das heißt, dass man für ein E-Bike ein amtliches Kennzeichen, spezielle Bereifung, Spiegel oder spezielle Beleuchtung braucht?

Mertens: Man braucht eine Haftpflichtversicherung, ein Versicherungskennzeichen wie bei einem Mofa, den Führerschein Klasse „M“, und es besteht grundsätzlich Helmpflicht. Wobei man sagen muss, dass der Markt auch keine passenden Helme anbietet. Der klassische Fahrradhelm reicht eigentlich nicht aus, ist aber besser als gar kein Helm. Rein rechtlich müsste man einen Integralhelm tragen – das macht nur niemand.

Der klassische Fahrradhelm reicht nicht nur bei den bis zu 45 Kilometer pro Stunde elektrisch angetriebenen Fahrrädern nicht aus, dessen Schutzwirkung versagt eigentlich schon bei sehr viel geringeren Geschwindigkeiten. Auch auf dem normalen Fahrrad wäre wenn überhaupt ein Integralhelm notwendig.

Interessant, dass die Polizei das wenigstens bei elektrisch angetriebenen Rädern so sieht. Theoretisch ginge damit allerdings ein Verkehrsverbot für derartige Fahrzeuge einher, denn die Straßenverkehrs-Ordnung verlangt nunmal nach einem geeigneten Schutzhelm. Irgendeine Styroporschale, die sogar nach Meinung der Polizei nicht ausreicht, genügt dieser Vorschrift nicht.

Ist das schon Satire oder ist das noch Ernst?

Simon Lorenz hat im Kölner Stadt-Anzeiger etwas geschrieben, das sich nur schwer einordnen lässt. Handelt es sich um den verunglückten Versuch eines Kommentares? Oder sollte das nur eine lustige Glosse werden? Satire? Oder doch ein falsches Verständnis des Straßenverkehrs? „Fataler Irrtum“ und es gab wohl noch nie eine Überschrift, die besser zu einem Artikel passte.

Denn mit fataler Irrtum ist leider nicht das Werk an sich gemeint, sondern die Straßenverkehrs-Ordnung:

Das Fahrrad ist ein Fahrzeug, sagt die Straßenverkehrsordnung. Doch sie irrt damit auf fatale Weise. Denn dadurch gibt sie dem Radfahrer das Gefühl, ein dem Auto gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer zu sein. Die Folgen werden im Straßenverkehr deutlich.

Oh je, mag man sich denken, was kommt denn nun? Erst lernt sogar der normale Verkehrsteilnehmer, er steuere mit den Händen den Fahrradlenker umgriffen ein Fahrzeug und nehme als vollwertiger und gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer im Verkehr teil, müsse sich also an rote Ampeln halten und die übrigen Verkehrsregeln und dann kommt Lorenz und erklärt, ha, alles Unfug, alles ein großer Fehler im System.

Allerdings nimmt der Artikel eine ungewohnte Wendung, denn eigentlich müsste der Leser nun erwarten, es folgte nun das übliche Gejammer über Radfahrer, die auf der Fahrbahn fahren und freigegebene Einbahnstraßen nutzen und noch immer gibt es keine Helmpflicht und ein Kennzeichen haben sie auch nicht, diese Radfahrer, diese Rowdys, allesamt.

Stattdessen kommt es viel schlimmer: furchtbar genug, dass die Straßenverkehrs-Ordnung das Fahrrad als Fahrzeug definiert, nein, die Radlinge sind auch noch verwegen genug, ihre Rechte im Straßenverkehr wahrzunehmen! Und die armen Autofahrer, bekanntlich die Melkkühe der Nation, die müssen beim Abbiegen sogar aufpassen, weil die Radfahrer nicht freiwillig auf ihre Vorfahrt verzichten.

Nicht selten sieht man Fahrradfahrer, die auf ihrem Vorfahrts- oder Abbiegerecht beharren und sich damit in Gefahr bringen. Sie vergessen, das Fahrrad ist eben kein Fahrzeug. Es hat keine Knautschzone, keine Airbags, keinen stabilen Stahlrahmen, der sie schützt. Macht der Fahrer einen Fehler, sind nicht Blechschäden, sondern schwerste Verletzungen die Folge.

Ist das Niveau eigentlich schon reif für den obligatorischen Hitler-Vergleich?

Fangen wir mal von hinten an: es ist ja nicht verkehrt, dass ein Radfahrer bei einem Unfall tendenziell eher der Dumme ist. Und obschon es an Knautschzonen, Airbags und stabilen Stahlrahmen mangelt, ist das Fahrrad immer noch ein Fahrzeug: man kann nämlich damit fahren. Fahren kann man mit einem Roller zwar auch, aber den sieht die Straßenverkehrs-Ordnung nun doch nicht als Fahrzeug an. Das Fahrrad schon.

Der erste Satz ist allerdings schon recht frech. Eigentlich müsste es heißen: „Nicht selten sieht man Autofahrer, die nicht auf vorfahrtberechtigte Radfahrer achten und sie damit in Gefahr bringen.“ Die Gefahr geht nämlich immer noch vom Autofahrer aus, der sich zu fein ist für den Schulterblick oder seine Aufmerksamkeit während des Abbiegevorganges eher dem Radio oder dem Handy oder dem Navigationsgerät oder der Oberweite seiner Beifahrerin schenkt anstatt auf den Verkehr zu achten. Ja, es soll tatsächlich Kraftfahrzeugführer geben, die ihre Hand erst aus dem Dekolleté ihrer Beifahrerin befreien mussten, bevor sie den Radfahrer von der Beifahrertür kratzen konnten.

Tief innen drin steckt allerdings durchaus ein diskussionswürdiger Ansatz. Wenn absehbar ist, dass ein Kraftfahrzeugführer den Abbiegevorgang nicht ohne Fremdgefährdung geregelt bekommt, dann ist es selbstverständlich sicherer und unbedingt anzuraten, kräftig die Bremsen zu ziehen anstatt maulend und schimpfend auszuweichen.

Andererseits ist das Fahrrad nunmal ein Fahrzeug und somit ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer und das in Zeiten des Fahrradboomes sowieso. Autofahrer müssen lernen, nicht wie noch vor fünf Jahren täglich an der Kreuzung ohne Schulterblick abbiegen zu können, weil die Wahrscheinlichkeit, dass einer der drei Radfahrer der Stadt gerade in der Nähe war, naja, doch recht gering war.

Drum kann es durchaus sinnvoll sein, eben nicht ständig automatisch auf die eigene Vorfahrt zu verzichten und brav zu warten, bis der Autofahrer ungestört seines Weges gerollt ist. Mit moderater Geschwindigkeit am Kreuzungsbereich lassen sich Gefahrensituationen unterbinden und doch wacht manch Kraftfahrzeugführer plötzlich erschrocken auf, wenn nach dem verpassten Schulterblick plötzlich ein — bremsbereiter! — Radfahrer im Sichtfeld auftaucht. Dann rappelt’s halt kurz im Bremspedal, das ist immer noch besser als ein Rappeln unterm Auto resultierend aus der Kombination von fehlendem Schulterblick und einem Radfahrer, der seine Vorfahrt wahrgenommen hat. Vielleicht merkt sich der Kraftfahrzeugführer den Schulterblick fürs nächste Mal.

Nebenbei erwähnt: ohne Radwege wäre diese Problematik kaum der Rede wert.

Im Schlusswort wird’s noch mal ganz doll:

Der Radfahrer ist der schwächste Verkehrsteilnehmer. Und diesen Fakt sollte jeder Radler im Kopf haben, der sich auf die Straße wagt. Man sollte nicht den Autofahrern, die mitunter gefährlich dicht an Radfahrern vorbeifahren, sein Leben in die Hand geben, sondern ihnen, wo es geht, aus dem Weg gehen – auch wenn man eigentlich Vorfahrt hätte.

Eieiei. Warum wirkt der ganze Absatz so, als seien die Radfahrer doch alle selbst an ihren Unfällen schuld, weil sie nicht den Autofahrern aus dem Weg gegangen sind? Natürlich muss man sich auf dem Sattel seiner Verwundbarkeit bewusst sein, aber das sollte auch hinter dem Steuerrad gelten — eine Tonne Blech garantieren nunmal keine körperliche Unversehrtheit bei einem Unfall, ganz im Gegenteil. Trotzdem käme niemand auf die Idee, derartige Phrasen durchs Autofenster zu schleudern, denn wenigstens nach der gesellschaftlichen Meinung garantieren Airbag und Sicherheitsgurt doch vollkommene Unversehrtheit, als könne man sich gar nicht dumm genug anstellen, bei einen Unfall ein Bein zu verlieren.

Aber die Radfahrer, die sind tatsächlich doppelt die doofen. Die müssen sich nicht nur den Kram anhören, die sind bei einem Unfall wirklich gefährdet. Nur: wie soll denn das Aus-dem-Weg-gehen funktionieren? Steckt da drin der übliche Aufruf, um Himmels Willen doch überall den Radweg zu benutzen und notfalls auf dem Gehweg weiter zu rollen?

Natürlich darf man sein eigenes Leben nicht einem anderen Verkehrsteilnehmer in die Hand geben, das gilt sowohl als Auto-, als Radfahrer und als Fußgänger. Und dennoch gibt es ein gewisses Mindestvertrauen im Straßenverkehr, nach dem sich eigentlich niemand allzu blöde anstellen sollte. Die eigenen Rechte im Straßenverkehr wahrzunehmen ist völlig legitim und hinreichend ungefährlich, sofern die mittelbare Umgebung nicht aus den Augen und die Hand nicht vom Bremshebel gelassen wird.

Mit Fehlern anderer muss man rechnen — aber die Konsequenzen, die Lorenz hier aufzeichnet, sind einer Gleichberechtigung im Straßenverkehr nicht angemessen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob er überhaupt an einer Gleichberechtigung interessiert ist, denn wenigstens seine Einleitung macht nicht gerade diesen Eindruck.

Die Bildauswahl unterstreicht die Qualität des Artikels: ein Kraftfahrzeug steht vor einem zerfetzten Fahrrad und die Bildunterschrift betont, die Radfahrer hätten keinen Helm getragen.

Unterschriftensammlung gegen die drohende Helmpflicht in Spanien

In Spanien gilt bereits heute außerhalb geschlossener Ortschaften eine Helmpflicht für Fahrradfahrer. Mittlerweile sind die Anstrengungen für eine Ausweitung der Helmpflicht auf innerörtliche Radtouren akut und es gibt berechtigte Befürchtungen, dass damit die Bemühungen spanischer Kommunen, den Radverkehr zu fördern, torpediert werden. Momentan werden Unterschriften gegen die Ausweitung der Helmpflicht gesammelt — man kann natürlich auch aus Deutschland unterschreiben.