Keine Hetzjagd auf Radfahrer?

Schade, dass es in diesem Interview fast nur um Fahrradkontrollen geht:

Kontrolliert die Polizei in Würzburg zu oft? Radkurier Volker Schneidereit diskutiert mit den Beamten Fritz Schneider und Wolfgang Glücker.

Ein gewisser Erfahrungsaustausch abseits der Kontrollen wäre sicherlich noch interessanter zu lesen gewesen.

„Das ist ein Dilemma“

Eltern von Schulkindern haben es nicht leicht: den Nachwuchs mit zu Fuß zur Schule zu bringen oder gar alleine gehen zu lassen gilt als verpönt und unsicher, mit dem Auto zu fahren ist auch nicht so sehr viel besser und spätestens auf dem Rad gerät man in das typische Dilemma der Straßenverkehrs-Ordnung. Radfahrende Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen den Gehweg befahren, zwei weitere Jahre steht ihnen die Wahl zwischen Gehweg, Radweg und Fahrbahn frei.

Und die Eltern? An die hat nach Dutzenden Änderungsverordnungen noch immer niemand gedacht. Wenn es gut läuft, fahren Eltern neben ihren Kindern auf einem Hochbord-Radweg. Läuft es weniger gut, fahren sie neben ihren Kindern auf der Fahrbahn und läuft es ganz schlecht, trennen sie noch parkende Kraftfahrzeuge oder ein großzügiger Grünstreifen. Das wiederum führt dazu, dass die Eltern ihre Kinder lieber auf dem Gehweg begleiten, obschon Eltern in der Regel älter als zehn Jahre sein werden und das dementsprechend unzulässig ist. Der Gesetzgeber hatte hinreichend Zeit, sich eine vernünftige Lösung zu überlegen, doch offenbar ist ihm daran nicht gerade viel gelegen — Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer plagen größere Pläne. Wieso scheinen drum diese Regelverstöße auch ein wenig der Verzweiflung der Radfahrer geschuldet zu sein: wenn niemand sich um die rechtliche Situation kümmert, werden kurzerhand eigene Wege bestritten: „Holt die Kinder möglichst früh auf die Straße!“

Vor Schulen gibt es immer wieder Zoff um Eltern, die ihre Kinder zur Schule begleiten – mit dem Rad auf dem Bürgersteig. Erwachsene müssten auf der Straße fahren, von dort sehen sie aber den Nachwuchs nicht. Ein Problem – für Passanten und Polizei.

Und dazu auf SPIEGEL ONLINE: Wenn die StVO mit dem Schutz-Instinkt kollidiert

Im Straßenverkehr scheint alles geregelt. Ausgerechnet beim Radfahren mit Kindern können Eltern jedoch in ein Dilemma geraten: Wollen sie streng die StVO befolgen oder lieber gut auf ihren radelnden Nachwuchs aufpassen? Beides zugleich klappt nicht immer.

Kurze Pause: Mitte September geht’s weiter

Das Studium fordert seinen Tribut: die Prüfungsphase des aktuellen Sommersemesters nimmt jetzt erst so richtig Fahrt auf. Für mich steht in den nächsten beiden Wochen ausschließlich Computergrafik auf dem Programm, das Fahrrad bleibt derweil im Keller und die Verkehrspolitik muss so lange warten. Immerhin ist danach endlich wieder Zeit, nicht nur kurze Rezensionen von Presseartikeln auf die Webseite zu kleben, sondern tatsächlich endlich einmal wieder eigene und vor allem lange Artikel zu schreiben: destruktive Artikel über Schutzstreifen, Helmpflichten und den berühmten Krieg auf der Straße sind schon in der Planung.

Falls sich jemand zu einer Urlaubsvertretung berufen fühlt: ich freue mich natürlich über Unterstützung.

Die Deutsche Verkehrswacht scheitert an den Radverkehrsregeln

Die Deutsche Verkehrswacht und der Radverkehr: das passt einfach nicht zusammen. Zwar ist die Verkehrswacht durchaus bemüht, unter anderem Grundschülern in den Sattel zu helfen, aber so richtig objektiv geht der Verein, dessen Mitglieder sich vor allem aus dem Bereich der Automobilindustrie rekrutieren, nicht an das Thema heran. Für die Verkehrswacht scheint es eine unumstößliche Tatsache, dass ein Radfahrer nur mit Fahrradhelmen und nur auf Radwegen sicher fahren kann.

Weil aber auch die Verkehrswacht hin und wieder die mangelnde Regeltreue der Radfahrer kritisiert, sollte man meinen, dass die Verkehrswacht in der Lage ist, die Verkehrsregeln kurz und verständlich wiederzugeben. Um die Spannung nicht allzu sehr zu steigern: sie kann es nicht.

Gut, die Seite heißt auch bloß „Die wichtigsten Regeln für ihre Sicherheit im Straßenverkehr“. Da steht nicht „alle Regeln“, sondern eben nur die wichtigsten. Das ist bei der Lektüre des Textes wichtig.

Fahrradwege:

Sind mit einem Verkehrsschild gekennzeichnete Fahrradwege vorhanden, müssen diese von allen Radfahrern benutzt werden. Auf den Radwegen gilt wie auf der Fahrbahn das Rechtsfahrgebot. Grundsätzlich gilt auf Radwegen auch das Gebot des vorausschauenden und rücksichtsvollen Fahrens, damit andere Radfahrer nicht behindert oder gar gefährdet werden. Dies ist insbesondere auf kombinierten Radwegen wichtig, wo sich Radfahrer den Raum zum Beispiel auch mit Kindern oder Skatern teilen. Hier müssen alle Beteiligten Vorsicht üben, um Konflikte zu vermeiden.

Besondere Aufmerksamkeit fordern auch Radwege, die links an der Straße geführt werden, oder Radwege an Kreisverkehren. Radfahrer werden an Kreuzungen oder Einmündungen von Autofahrern oft nur schwer wahrgenommen; diese sind daher bei Mischverkehr mit Radfahrern und bei unübersichtlichen Radweg-Führungen zu defensivem Fahren mit reduzierter Geschwindigkeit aufgefordert.

Leider weist die Verkehrswacht nicht darauf hin, außer dass soll im Wort „Rechtsfahrgebot“ versteckt sein, dass linksseitige Radwege nur unter bestimmten Umständen befahren werden dürfen, nämlich in Gegenwart des eingangs erwähnten Schildes auf der linken Straßenseite und bei linksseitigen Radwegen mit dem Zusatzzeichen „Radfahrer frei“. Das diese Regelung keineswegs geläufig ist, zeigt der Blick in die Unfallstatistik: Geisterradeln rangiert dort seit Jahren auf einem Logenplatz. Fairerweise muss darauf hingewiesen werden, dass zum Zeitpunkt der Aufstellung der Verkehrswacht-Liste noch keine optionale Freigabe linksseitiger Radwege möglich war. Man darf durchaus vermuten, dass das Mantra der Verkehrswacht, Radwege müssten immer und unter jeglichen Umständen befahren werden, wie es unter anderem Grundschülern erklärt wird, durchaus dafür sorgt, dass jene Radfahranfänger auch später alles befahren, was da links und rechts der Fahrbahn nach einem Radweg aussieht.

Es geht aber auch noch kruder:

Straßennutzung:

Ist kein Radweg vorhanden, müssen jugendliche und erwachsene Radfahrer die Fahrbahn benutzen. Dies erhöht ihre Unfallgefahr mit motorisierten Verkehrsteilnehmern. Gerade an Ampelanlagen oder anderen Wegepunkten, wo der Verkehrsfluss zeitweilig stoppt, besteht die Gefahr, dass Radfahrer in den toten Winkel eines PKW oder LKW geraten und nicht wahrgenommen werden. Ein angemessener Sicherheitsabstand zu anderen Fahrzeugen und Blickkontakt mit den Fahrern sind Möglichkeiten, diese Gefahren zu verringern.

Eine Ausnahme bei der Straßennutzung durch Radfahrer macht der Gesetzgeber bei Kindern: Bis zum Alter von acht Jahren müssen sie auf dem Gehweg fahren; bei Kindern bis zehn Jahren ist es der persönlichen Entscheidung überlassen, ob der Gehweg oder die Straße benutzt wird.

Im Gegensatz zu PKW-Fahrern haben Radfahrer das Recht, in „unechte“ Einbahnstraßen einzufahren. Auch in vielen Fußgängerzonen ist das Radfahren durch ein entsprechendes Verkehrsschild erlaubt. In solchen Situationen ist es ratsam, dass Radfahrer mit erhöhter Aufmerksamkeit fahren und ihre Geschwindigkeit anpassen.

Die drei Absätze sind vor lauter Kopfschüttelei schon beinahe unleserlich. Auch wenn die Verkehrswacht seit Ewigkeiten vehement das Gegenteil behauptet: das Fahren auf der Fahrbahn ist nicht gefährlicher als die Nutzung eines Radweges, ganz im Gegenteil. Insbesondere im Kreuzungsbereich ist die Fahrbahnradelei zu empfehlen, denn von unachtsamen Rechtsabbiegern wird der Pedalritter doch ganz gerne vom Sattel gestoßen. Und gerade auf der Fahrbahn besteht kaum die Möglichkeit, in den Toten Winkel zu geraten, sofern man sich nicht in die engsten Lücken zwischen rechtsabbiegenden Fahrzeugen quetscht. Ganz im Gegensatz zum Radweg: dort soll der Radverkehr in der Regel just da warten, wo der Lastkraftwagen-Fahrer nicht hinsehen kann.

Es fehlen weiterhin die Besonderheiten bei den Kindern auf dem Gehweg, schließlich müssen sie beim Überqueren einer Fahrbahn absteigen und dürfen Gehwege in beide Richtungen befahren, weil Gehwege nunmal keine Fahrtrichtung kennen. Gleiches dürfte auch für ältere Radfahrer auf freigegebenen Gehwegen gelten.

Vollkommen abstrus sind die Ausführungen zu den so genannten unechten Einbahnstraßen. Mitnichten dürfen Radfahrer dort einfach einfahren, zumal sich ohne Kenntnis der anderen Seite der Straße überhaupt nicht erkennen lässt, ob eine echte oder eine unechte Einbahnstraße vorliegt. Eine echte Einbahnstraße beginnt mit Zeichen 220 und endet mit Zeichen 267, eine unechte Einbahnstraße verbietet lediglich die Einfahrt von einer Richtung, indem dort Zeichen 267 aufgestellt wird — und das gilt selbstverständlich auch für Radfahrer, sofern nicht mit dem Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ die Durchfahrt erlaubt wird. Aber entweder war diese Regelung zu kompliziert oder die Verkehrswacht versteht oder unechten Einbahnstraßen etwas anderes als der Gesetzgeber.

Der nächste Kriegsschauplatz wird unter Beleuchtung ausgetragen:

Beleuchtung:

Die Beleuchtung gehört zu den gesetzlich vorgeschriebenen, unerlässlichen Sicherheitsstandards an einem Fahrrad, zu denen auch Bremsen, Reflektoren und eine Klingel gehören. Die Beleuchtung muss auch am Tag funktionsfähig sein. Sie muss eingeschaltet werden, wenn es dämmert oder die Sichtverhältnisse es erfordern – selbstredend ist ihre Benutzung bei Dunkelheit.

Nun gut: hier fehlt allerdings die Ausnahme für Rennräder mit einem Gewicht unter elf Kilogramm und vor allem der Umkehrschluss, nämlich dass Juniors Rahmen, der womöglich unter elf Kilogramm wiegt, nur wegen seines geringen Gewichtes noch kein Rennrad wird.

Telefonieren:

Genau wie beim Fahren mit dem PKW ist es auch beim Radfahren verboten mit dem Handy zu telefonieren oder gar eine SMS zu schreiben.

Sowohl am Steuer als auch auf dem Sattel ist es nicht grundsätzlich verboten, mit moderator Lautstärke und Kopfhörern Musik zu hören. Das wissen allerdings auch bloß die wenigsten Ordnungshüter, die da gerne Bußgelder verteilen.

Ampel:

Lichtzeichenanlagen gelten grundsätzlich für alle Autofahrer, auch für Radfahrer. Wer eine rote Ampel missachtet, muss mit einem Bußgeld rechnen – wer eine Ampel überfährt, die schon länger als eine Sekunde „Rot“ zeigt, erhält zusätzlich einen Punkt im zentralen Verkehrsregister in Flensburg.

Spätestens beim Thema Ampel muss jeder Erklärungsversuch für den normalen Radfahrer scheitern — die inzwischen recht bekannte Tabelle ist ungleich umfangreicher als die zwei Sätze der Verkehrswacht, von denen der zweite und sehr viel längere vor allem die Strafen erklärt.

Nun ist es leider keineswegs so, dass es sich bei dem Ampelthema lediglich um Spezialwissen handelt, mit dem der normale Radfahrer nicht in Berührung kommt. Und sieht man sich dennoch außerstande, die komplexen Regelungen herunterzubrechen, so sollte wenigstens der Vergleich mit der Ampel für Autofahrer gestrichen werden, denn der stiftet nun wirklich nur noch mehr Verwirrung. Und gerade bei Fahrrädern besteht unter anderem an T-Kreuzungen die Schwierigkeit, dass dann doch plötzlich eine Ampel gilt, obwohl die Fahrbahn gar nicht überquert wurde, weil sich der geschützte Bereich unter Umständen auch auf den Radweg erstreckt.

Ja, das sind Dinge, mit denen sich ein Radfahrer an der Kreuzung herumschlagen muss: welche Ampel gilt für mich, wo verläuft der geschützte Bereich, wo muss ich warten. Das muss man alles nicht erklären, sofern man die Prämisse hat, nur die wichtigsten Regeln zu erläutern. Dann sollte allerdings nicht der Fehler begangen werden, mit schwammigen Formulierungen und nur der Hälfte des Inhaltes der Straßenverkehrs-Ordnung eine Regelempfehlung für Radfahrer auszusprechen, die just dafür sorgt, dass auch in Zukunft Radfahrer auf der linken Straßenseite oder gegen die Einbahnstraße radeln.

Entweder gibt man sich Mühe oder man lässt es bleiben. Aber dann darf auch nicht auf die mangelnde Regelkenntnis der Radfahrer geschimpft werden.

Highway ins Büro

Wer in Deutschland mit dem Rad eine längere Strecke zur Arbeit fährt, der gehört auch in Zeiten des Fahrradboomes zu den ganz harten Verkehrsteilnehmern. In Kopenhagen sind Strecken jenseits der drei oder vier Kilometer offensichtlich noch lange nicht der Rede wert, man erhofft sich sogar positive gesundheitliche Auswirkungen: Highway fürs Rad

Mehr als zehn Kilometer auf dem Fahrrad ins Büro? Was in deutschen Städten meist noch einer Zumutung gleicht, ist in Kopenhagen Fahrspaß pur. Die Stadt baut exzellente Schnellstraßen für Radfahrer, um Krankheiten vorzubeugen – und Gesundheitskosten zu senken.

Radabteile mit Fahrgästen

Eine Bahnfahrt mit dem Rad ist eigentlich immer ein Abenteuer. Mal ist der Fahrstuhl am Bahnsteig defekt, dann stimmt die Wagenreihung nicht mit der Anzeige überein, sofern das Fahrradabteil dort überhaupt vermerkt wird und entweder ist das Fahrradabteil dann schon von nicht-fahrradbewehrten Fahrgästen belegt, die nicht gehen wollen, weil das die Beförderungsvorschriften nicht vorschreiben oder weil sich die Radfahrer ja eh nicht an die Verkehrsregeln hielten oder das Fahrradabteil wird von Fahrgästen mit Fahrrädern belegt, die gar keine Reservierung haben, obwohl eine Reservierung nötig wäre.

Andrea Reidl hat in der ZEIT dazu etwas geschrieben: Stau im Zugabteil

Radtouristen nutzen für die An- und Abreise gern den Zug – oft sind Abteile hoffnungslos überfüllt. Kritiker werfen der Bahn vor, diese Kunden zu ignorieren.

Gegen Kopfhörer muss etwas getan werden

Mit Kopfhörern beim Radfahren ist das so eine Sache: das kapiert nämlich kein Mensch. Leider trifft diese Behauptung auch auf die Staatsmacht zu, denn auch Polizeibeamte tun sich außerordentlich schwer mit musikhörenden Radfahrern. Es gibt in der Straßenverkehrs-Ordnung den Absatz 23, der mit „Sonstige Pflichten des Fahrzeugführers“ überschrieben ist. Dort steht im ersten Absatz:

Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, daß seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. (…)

Daraus wurde bislang abgeleitet, dass Fahren unter Musikeinfluss in Ordnung ist, sofern denn das mittelbare Verkehrsgeschehen aufgrund der moderaten Lautstärke zu hören ist. Trotzdem holt die Polizei mitunter Radfahrer vom Sattel, die äußerst leise Musik hörten und trotz Kopfhörern problemlos mit den Beamten sprechen konnten.

Nun gibt es eine neue Studie und die sagt sinngemäß, dass sich die Reaktionszeit im Straßenverkehr schon bei geringer Lautstärke um ein Fünftel erhöht. Das klingt nach wenig, ist aber ganz ordentlich. Der Witz ist nur: es mangelt an Hinweisen, dass dazu einen Zusammenhang in der Unfallstatistik gibt. Soll heißen: die Reaktionszeit mag sich zwar verlängern, Auswirkungen zeigt das allerdings nicht. Trotzdem muss man dagegen natürlich etwas tun, also wird überlegt, nicht nur Radfahrern, sondern auch Fußgängern die Stöpsel aus den Ohren zu ziehen.

Sicherlich wird es Unfälle geben, die ohne Isolation von der Umwelt nicht passiert wären. Doch wieder einmal bleibt die Frage, warum nun Fußgängern und Radfahrern verboten werden soll, was im Auto mit dem Radio schon seit Jahrzehnten Serienausstattung ist. Schließlich wurde auch das Verbot mit einem Mobiltelefon während der Fahrt zu telefonieren nicht nur damit begründet, der Autofahrer könne nicht gleichzeitig das Mobilgerät halten und schalten und blinken und am Lenkrad kurbeln, sondern weil ein Telefonat nunmal einiges an Aufmerksamkeit bindet. Dass der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung im Auto sitzt lässt sich nicht nur an dem konstanten Rauschen im Hintergrund feststellen, sondern auch an regelmäßigen Sprechpausen: wenn der Vordermann unerwartet in die Eisen geht oder eine komplizierte Verkehrssituation überblickt werden muss, verlagert das Hirn seine Aktivitäten kurzzeitig in andere Bereiche und der Mund hält kurzzeitig die Klappe. Und nicht nur das: auch ein redseliger Beifahrer kann einen ähnlichen Effekt wie ein telefonierender Fahrzeugführer erzeugen.

Bei Kraftfahrzeugführern ist das aber egal. Weder wird das Telefonieren mit Freisprecheinrichtung verboten noch der Beifahrer geknebelt, aber Radfahrer und Fußgänger sollen fortan nicht mehr mit moderater Musik unterwegs sein dürfen? Irgendetwas passt da nicht.

„Radwege müssen genutzt werden“

Obwohl sie gefühlt keine großen Auswirkungen zeigen, stehen ständig Artikel in den Zeitungen, die das Radfahren erklären wollen. Es scheint sich also tatsächlich um ein seltsames Mysterium zu handeln, dieses Rad, und die Verkehrsregeln, auf deren Einhaltung gerade Autofahrer immmer gerne pochen, die scheinen gerade auf dem Rad nicht so gängig zu sein.

Die Frage ist nur, wieso dann solche Überschriften ins Redaktionssystem purzeln: Radwege müssen genutzt werden

Frühlingszeit ist Fahrradzeit. Nicht selten aber gibt es rechtliche Probleme. Die Straßenverkehrsordnung regelt die Details – und Richter bemühen immer wieder den Bußgeldkatalog.

„Radwege müssen genutzt werden“ ist ja nun eindeutig eine Fehlinformation. Und warum die dann gleich noch mit einem Foto garniert wird, in der ein Radfahrer offensichtlich in eine brenzlige Situation geraten ist, naja, das bleibt wohl ein Geheimnis.

Die WELT hat das ein bisschen besser hinbekommen: Handy verboten, Suff erst ab 1,6 Promille strafbar

Für Radfahrer gibt es eigene Verkehrsregeln. Bis zu 100 Euro kostet das Überfahren einer roten Ampel und bringt schlimmstenfalls Punkte in Flensburg. Bei Alkohol am Lenker sind die Regeln lockerer.

Die Berliner Zeitung hingegen ist vollkommen gescheitert: Radfahren: Das ist erlaubt und das ist verboten

Auch wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss sich an Verkehrsregeln halten. Ein Radfahrer aus Münster bekommt das drastisch zu spüren. Er wird mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut auf dem Rad erwischt und hat jetzt Radfahrverbot.

Am Fußgängerüberweg verunglückt der Autor wie erwartet:

Ähnliches erwartet Radler, die einen Zebrastreifen missachten. Wer nicht vorher absteigt und sein Rad über den Streifen schiebt, riskiert 40 Euro Strafe und einen Punkt in Flensburg. Hinzu kommt, dass bei Strafen ab 40 Euro immer noch Verwaltungsgebühren von 20 bis 40 Euro berechnet werden.

Es gibt kein Bußgeld dafür, einen Zebrastreifen zu nutzen, wobei der Autor die Nutzung offensichtlich mit Missachtung gleichstellt. Ein Radfahrer bekommt mit einem Fußgängerüberweg nunmal keinen Vorrang, aber das war es auch schon.

Ganz witzig:

Aber kennen tun diese ganzen Regelungen nur die wenigsten. Und die Zahl derer, die sich daran halten, ist laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) noch geringer. Die Verkehrsverstöße von Radfahrern hätten in den vergangenen Jahren sogar stetig zugenommen.

Auch die Polizei kennt längst nicht alle Feinheiten in der Straßenverkehrs-Ordnung, schon gar nicht was die vielen komplizierten Regeln für Radfahrer angeht.

Fahrradland Deutschland

Bislang wurde Deutschland wohl eher mit Kraftfahrzeugen in Verbindung gebracht, die Bezeichnung „Fahrradland“ ist definitiv neu und originell:

Die Deutschen fahren gerne Fahrrad. Rund 70 Millionen Fahrräder bewegen sich regelmäßig auf Deutschlands Straßen. Das spiegelt sich auch in den Umsatzzahlen des Handels wieder. Der Fahrradmarkt befindet sich seit einigen Jahren kontinuierlich im Aufwärtstrend und auch 2011 ist von stürmischem Wachstum gekennzeichnet. Erstmals konnte die Umsatzschwelle von zwei Milliarden Euro überschritten werden. Ein klares zweistelliges Umsatzplus von 12,6 Prozent hat der Branche ein neues Allzeithoch von 2,17 Mrd. Euro beschert. Entscheidenden Anteil hieran hat der E-Bike-Boom, der vergangenes Jahr so richtig ins Rollen gekommen ist.

Österreicher wollen weniger Auto fahren

Es sind schon wieder die Kraftstoffpreise — auch bei unseren südlichen Nachbarn soll das Auto künftig häufiger stehen bleiben: Hälfte will weniger mit Autos fahren

Aufgrund der hohen Spritpreise wollen bereits 51 Prozent der Österreicher in nächster Zeit weniger mit dem Auto fahren – Öffis, Fahrrad und die eigenen Beine sind die Alternativen. Erst am Montag sind die Ölpreise gestiegen.