Gunnar Schupelius’ ungerechter Zorn

Zwischendurch sei noch auf diesen Text von Gunnar Schupelius verwiesen: Zu wenig Fahrradständer in Berlin

Gunnar Schupelius: In Berlin gibt es viele Fahrräder, aber leider zu wenig Fahrradständer für sie.

Vorsicht, es geht nicht darum, wie Titel und Einleitung suggerieren, darum, dass es in Berlin zu wenig Fahrradständer gibt, nein, es geht darum, dass es in Berlin zu wenig Fahrradständer gibt und Schupelius als Autofahrer und Fußgänger ständig mit Lack und Jacke an Fahrradlenkern und Pedalen entlangschrammt. Wer mag, kann ja Google zu Gunnar Schupelius malträtieren — positive Suchergebnisse findet man kaum…

Bundesregierung erwägt Elektrifizierung der Autobahnen

Es klingt zunächst wie ein schlechter Scherz: der Sachverständigenrat der Bundesregierung schlägt eine Elektrifizierung der Bundesautobahnen vor, um die Kohlenstoffdioxid-Emissionen des Schwerlastverkehres zu reduzieren. Konkret sollen zunächst die jeweils rechten Fahrspuren der „einstelligen“ Bundesautobahnen elektrifiziert werden, was etwa 14 Milliarden Euro für 5.700 Kilometer kosten soll.

Technisch gesehen ist das durchaus interessant, es gibt auch offenbar schon brauchbare Lastkraftwagen, die mit diesem System umgehen können. Die Lastkraftwagen fahren auf der Autobahn ihre Stromabnehmer aus und kommen geräuschlos und relativ emmisionsarm ans Ziel:

Ob sich die Umwelt auch so sehr daran erfreut, ist wohl eher zweifelhaft. Moderne Lastkraftwagen fahren mit einem geringen Verbrauch von mitunter weniger als einem Liter pro hundert Kilometer und einer Tonne Gewicht und sind damit ungleich sparsamer als die modernsten Kraftfahrzeuge. Ob es nun allerdings sinnvoller ist, im Motor keinen Diesel mehr zu verbrennen und stattdessen unzählige neue Kraftwerke in Betrieb zu nehmen, die im Zweifelsfall mit Kohle angeheizt werden, sei dahingestellt. Kohlenstoffdioxid entsteht sowieso, ob es durch den Schornstein oder durch den Auspuff geblasen wird, macht da nicht mehr den großen Unterschied. Das ganze Projekt scheint mehr nur ein Versuch zu sein, den im Nachhinein törichten Abbau des Schienennetzes zu kompensieren, indem wenigstens die Oberleitungen wieder aufgestellt werden. Schade, dass die heutige Wirtschaft ihre Lieferungen minutengenau auf dem Hof stehen haben will: früher waren viele Betriebe noch an das Schienennetz angeschlossen und ließen ihre Fracht einmal täglich direkt von Hof zu Hof transportieren. Es erscheint eigentlich sinnvoller, dieses Konzept wieder aufleben zu lassen, anstatt das rollende Lager auf der Autobahn an die Steckdose zu legen.

Wobei: theoretisch könnte man die Stromleitungen auch für andere Kraftfahrzeuge zugänglich machen: der Personenkraftwagen legt dann den Weg von der Garage durch die Stadt bis zur Autobahn mit der Batterie zurück, die dann wesentlich kleiner ausfallen könnte, und fährt aberhunderte Kilometer kostengünstig auf der Autobahn.

Peter Ramsauer ist übrigens auch noch da

Peter Ramsauer macht wieder einmal auf sich aufmerksam und möchte dieses Mal den Radverkehr fördern. Man erinnere sich: vor ein paar Monaten noch pauschalisierte er den Radverkehr ganz populistisch als Kampfradler, inzwischen soll angeblich ein Umdenken eingesetzt haben. Der Nationale Radverkehrsplan, den Ramsauer morgen vorstellen will, enthält bis 2020 einen angestrebten Radverkehrsanteil von 16 Prozent. Natürlich ist das kaum der Rede wert, einerseits ist es Ramsauer, der den Kram verkündet, andererseits war schon der aktuelle Radverkehrsplan ein nettes Bilderbuch ohne auch nur den Hauch einer Verbindlichkeit. Man wird wohl abwarten müssen, das dort tatsächlich reingeschrieben wurde, aber allzu hoch sollten die Erwartungen besser nicht sein: die Ausgaben für den Radverkehr wurden beispielsweise erst kürzlich noch mal gesenkt, dieses Mal um 25 Prozent.

Mehr dazu:

Zum Zeitvertreib genügt auch wieder der Blick ins dazugehörige SPIEGEL-ONLINE-Forum, in denen sich frustrierte Verkehrsteilnehmer austauschen und über eine Wiedereinführung der generellen Radwegbenutzungspflicht, Fahrradkennzeichen und Helmpflicht diskutieren.

Scheel: „Es gibt keinen Krieg auf der Straße“

Es gibt viele Zeitungsartikel zum so genannten Krieg auf der Straße und bei den allermeisten kann man sich die Lektüre sparen, ohne etwas zu verpassen. Claudius Prösser und Bert Schulz sprachen für die taz mit ADFC-Chefin Eva-Maria Scheel: „Es gibt keinen Krieg auf der Straße“

Weniger Aggression und mehr Miteinander im Straßenverkehr wünscht sich die neue ADFC-Vorsitzende Eva-Maria Scheel. Sie gibt aber zu: Man muss ein sicherer Radfahrer sein in Berlin.

Einer der wenigen gelungenen Texte und vermutlich mit das erste sinnvolle Interview zu diesem Thema: es bringt nichts, als Bundesverkehrsminister die einzelnen Verkehrsteilnehmer über mangelnde Kenntnis und populistische Bezeichnungen gegeneinander auszuspielen, um sich vernünftige Lösungsansätze zu sparen — unbedingt lesenswert!