Kommentatoren fordern: Keine Rücksicht für Radfahrer

Dass viele Verkehrsteilnehmer große Schwierigkeiten mit der Straßenverkehrs-Ordnung haben ist wohl kein Geheimnis. Gerade Autofahrer wechseln in Sekundenschnelle die Gesichtsfarbe, wenn vor ihnen ein Radfahrer auf der Fahrbahn fährt, obwohl der Radweg durch die Windschutzscheibe hindurch „bestens ausgebaut“ und „extrabreit“ aussieht.

Insofern überrascht es nicht, dass in den Kommentaren des Mindener Tageblatt die Empörungsmaschine wieder auf Betriebstemperatur kam. Freie Wahl zwischen Radweg und Straße heißt es dort und zugetragen hat sich das übliche: knappe 15 Jahre nach Streichung der allgemeinen Radwegbenutzungspflicht wurden in Minden 60 Verkehrszeichen entfernt, um den schon länger bekannten Erkenntnissen bezüglich der Sicherheitsdifferenzen von Radwegen und Fahrbahnen Rechnung zu tragen.

Es dauerte nur ein paar Minuten, bis der erste Wutbürger seinem Ärger Luft machte:

Was ist denn das schon wieder für ein Mist!? Hauptsache Radwege für teures Geld bauen und dann keine Verpflichtung für die Benutzung. Bei uns hier in Porta läuft so einiges schief! Gut das jetzt jeder Radfahrer wieder zum Verkehrshindernis für die Autofahrer werden. Das trägt sehr zur Sicherheit bei!

Und ein paar Minuten später:

watt ein stuss. geld rauskloppen für wege, dann rad rauf auf die strasse. wie der vorredner schon sagte…

Bis hierhin das übliche Argumentationsschema: warum werden denn Radwege gebaut, wenn Radfahrer nicht darauf fahren müssen? Der Artikel wurde offenbar nicht bis zum Ende gelesen oder die eigentlich nicht so schwierigen Zusammenhänge mit Radwegen, Fahrbahnen und Unfallwahrscheinlichkeiten einfach nicht verstanden.

Etwas länger formulierte der nächste Wutbürger an seinem Beitrag:

Es läuft nicht nur in Porta Westfalica einiges schief. Ich bin seit über 20 Jahren in ganz Europa unterwegs. Vor dieser Zeit dachte ich immer in diesem Land sei alles ganz toll und optimal geregelt. Seit dem ich Briten, Schweden, Dänen und auch Norweger im täglichen Leben kennengelernt habe, verstärkt sich von Jahr zu Jahr der Eindruck, hier in einem Irrenhaus zu leben. Dieser Fahrrad-Schwachsinn passt wieder wie die Faust aufs Auge. Was will man denn erreichen, dass Autofahrer aufs Fahrrad umsteigen. Hatte vor Jahren mal vor den Bus zu nehmen wg. Umwelt und so, Laber Rhababer . Von Hausberger Schweiz nach Bad Oeynhausen. Ergebnis der Aktion: 3 Stunden Ausbleibezeit pro Tag mehr über 80,- EUR pro Monat mehr als die Spritkosten und zwei mal umsteigen. Ja danke! Dafür dass ich KFZ Steuer bis zum Erbrechen bleche, darf ich mir die nächste Bevormundung an jeder zweiten Bushaltestelle ansehen. Insel gegenüber der Bushaltestelle gebaut und vorgeschriebene Fahrtrichtung rechte Spur, damit ich hinter jedem dämlichen Bus, in dem dann 3 Hansel sitzen, warten muss. Diese Schilder interessieren mich seit Jahren nicht mehr, linke Spur und ab dafür. Die Krönung war dann morgens kurz vor 7.00 Uhr die Kaiserstraße. Da fährst Du durch das Neeser Feld, stehst an der Ampel zur bunten Brücke, ja und dann kommt die Busflotte, gleich drei bis vier von denen schalten sich das Grün (wurde uns als große Innovation verkauft) schon stehst du vier volle Grünphasen, seit ich den Schwachsinn zwei Mal mitgemacht habe , fahre ich B 482 aber mit richtig Gas. Und nun darf sich jeder an fünf Fingern ausrechnen wieviel Rücksicht ich künftig noch auf Radfahrer auf der Fahrbahn nehmen werde. Denn letztlich zahle ich mit meiner KFZ Steuer diesen ganzen Wahnsinn. An der Victoria Straße zum Beispiel kümmert sich kein Radfahrer um die Fahrtrichtung, als Autofahrer muss ich vier Fahrspuren im Auge behalten und muss dann auch noch damit rechnen das mir so ein Vollspacke auf der rechten Seite ins Auto fährt. Wenn ich jetzt eine Vollbremsung hinlegen muss, weil der Liebe Verkehrsteilnehmer nicht nur die hälfte Räder, sondern auch nur 50 % Hirn besitzt, kommen auch noch Drohungen auf mich zu. Radwege gebaut, für Kohle ohne Ende und dann dieser Schwachsinn. Möchte mal hören was für ein Aufschrei erfolgen würde, wenn von Seiten des ADAC geforder wird die Busspuren für alle KFZ freizugeben. Herzlich willkommen in der Anstalt!

So viel „Freie Fahrt für freie Bürger“ kann man überhaupt nichts entgegen setzen. Vermutlich ist es tatsächlich Zeitverschwendung, sich mit solchen Argumenten noch auseinanderzusetzen. Wer mit dem Straßenverkehr so unzufrieden ist, dass er Radfahrer zum Abschuss freigibt, sollte tatsächlich dringend seine Fahreignung überprüfen lassen.

Immerhin folgen dann ein paar vernünftige Beitrage — der allerletzte setzt allerdings noch einmal einen drauf:

Ich kann nur jedem Radler raten den Radweg zu nutzen, leider kann ich es dem Herren der es vor ein paar Jahren nicht tat nicht mehr ins Leben zurückholen, es tut mir auch immer noch unendlich leid. Aber leider konnte ich ihn aufgrund seiner Bekleidung und des defekten Rücklichtes nicht rechtzeitig erkennen und er hatte außerhalb der Ortschaft gegen mein Fahrzeug das sich mit ca 90 km/h bewegte keine Chance – es sei denn er hätte den in seiner Fahrtrichtung verlaufenden Radweg genutzt. Vielleicht sollte diese leider wahre Begebenheit zum Nachdenken anregen.

Bei solchen Beiträgen muss auch der erfahrenste Radfahrer erst einmal staunen. Offenbar trug sich der Unfall in der Nacht zu und auch nachts gilt, auch wenn das kein Autofahrer wahrhaben möchte, das so genannte Sichtfahrgebot: ein Fahrzeugführer darf sein Fahrzeug nur so schnell bewegen, dass er vor einem Hindernis rechtzeitig anhalten kann. Der Autor hingegen war anscheinend im Blindflug unterwegs und hat den Radfahrer überhaupt gar nicht wahrgenommen — empfiehlt aber dann aufgrund seiner leider wahren Begebenheit mal das Nachdenken, ob der parallele Radweg nicht die bessere Wahl gewesen wäre? Auf die Idee, dass er zu schnell gewesen ist, scheint er überhaupt nicht gekommen zu sein — eine ganz reife Leistung angesichts des getöteten Menschens und des hoffentlich daran angeschlossen gewesenen Gerichtsprozesses.

In Baden-Württemberg zählt jedes Rad

An drei Stellen im südwestlichen Deutschland werden Fahrräder gezählt: in Freiburg, Offenburg und Karlsruhe weihte Verkehrsminister Hermann Fahrradzähler ein, die den Fortschritt der Radverkehrsförderung dokumentieren. Die Zähler waren als Preis für den Wettbewerb der Fahrradfreundlichen Kommunen ausgeschrieben: Verkehrsminister Hermann weiht Fahrradzähler in drei Städten ein

Die Anzahl der Radfahrer ist jedoch nicht nur für Statistiken und Verkehrsplaner von Interesse, auch den Radfahrern wird gezeigt, dass jeder von ihnen „zählt“ und als Verkehrsteilnehmer ernst genommen wird. Die Bürger einer fahrradfreundlichen Kommune können sich somit als ein wichtiger Teil ihrer Stadt identifizieren.

Mit ein bisschen Arroganz den Berg hinauf

Nach den ersten Fahrversuchen in den Redaktionsfluren der Berliner Zeitung traut sich Stefan Strauß raus auf die Straße: Schnellstart mit Rückenwind

Leicht treten, schnell fahren – was für ein Luxus. Für unsere Serie Radfahren in Berlin haben wir ein E-Bike getestet. Eine Woche lang ist Redakteur Stefan Strauß mit dem Elektrorad durch die Stadt gespurtet. Begeistert von seinem neuen Gefährt war er aber nur am Anfang.

Was kann Berlin von Kopenhagen lernen?

Hamburg braucht angeblich nur fünf Jahre zu Kopenhagener Zuständen, Frederik Bombosch von der Berliner Zeitung hat sich mal angesehen, wie es denn eigentlich in der Bundeshauptstadt im Vergleich zum dänischen Radfahrerparadies aussieht: Was Berlin von Kopenhagen lernen kann

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen gilt als vorbildlich in Sachen Radverkehr. Für unsere Serie schauten wir uns dort an, was Berlin besser machen kann.

Im Gegensatz zu jeder deutschen Stadt ist Kopenhagen radverkehrstechnisch ein vollkommener Gegensatz. Wenn sich in Deutschland die Blechmassen durch die Innenstädte zwängen, haben die Dänen eher ein Problem damit, aberhunderte Radfahrer binnen kürzester Zeit über eine Brücke zu schaffen, denn momentan staut es sich Minuten lang vor der Kreuzung. Und während in Deutschland jeder Autofahrer befähigt ist, durch die Windschutzscheibe hindurch einen bestens ausgebauten und breiten Radweg zu erkennen und eine Verkehrsschau ebenfalls nur mit dem Kraftfahrzeug durchgeführt wird, fährt in Kopenhagen das so genannte Comfortometer umher und kontrolliert die Beschaffenheit der Radwege.

Mopo: Hamburg ist für Fahrradfahrer eine Zumutung

Mathis Neubürger ruft zum 1. Mai in der Hamburger Morgenpost die Fahrradsaison aus: Hamburg ist für Fahrradfahrer eine Zumutung

20 Grad, Sonne: Die Fahrradsaison beginnt! Tausende Hamburger nutzen den 1. Mai-Feiertag, um ihre verstaubten Drahtesel aus dem Keller zu holen. Doch radeln in Hamburg ist leider selten ein Vergnügen: Radwege sind vielerorts mies oder gar nicht vorhanden und der Ausbau stockt – nicht mal alle Gelder wurden 2011 abgerufen! Die große Fahrradbilanz – und was jetzt passieren muss.

Immerhin: der Artikel fällt nicht auf da übliche Kampfradler-Thema zurück, sondern befasst sich mit problematischen Stellen für Radfahrer im Hamburger Stadtgebiet. Leider können die dazugehörigen Kommentare wie so oft nicht mithalten und bewegen sich eher auf niedrigerem Niveau.