Der Fahrradladen als Ort der Demütigung

Als kleiner Kunde hat man es bei Fachhändlern mitunter schwer. Während man in den wenigsten Werkstätten befragt wird, warum man den ausgerechnet die Reifen wechseln wolle, wird der winterliche Umstieg auf Spike-Reifen beim Fahrradhändler wenigstens eine mittellange Diskussion: Till Raether über die Arroganz von Fahrradhändlern

Es wird Sommer, und das bedeutet: Wir müssen mal wieder in den Fahrradladen. Doch warum nur wird man dort mit so viel Arroganz behandelt? Eine Abrechnung.

Berlin soll eine Fahrradstadt werden

Radverkehrsförderung ist auch in heutigen Zeiten ein schwieriges Thema — aus „gut gemeint“ wird noch lange nicht „gut gemacht“. Für viele Verkehrsteilnehmer ist Radverkehrsförderung immer mit dem Bau neuer Radwege verbunden, obschon die das Problem gar nicht primär zu lösen vermögen. Mitunter hängt der Bürgermeister persönlich das Zeichen 240 an einem engen Gehweg an einer verlassenen Straße auf und behauptet stolz gegenüber der Presse, den Fahrradfahrern damit einen großen Gefallen getan zu haben.

Berlin will bis 2017 pro Jahr 17 Millionen Euro für Radverkehrsanlagen investieren — und damit den Radverkehrsanteil auf zwanzig Prozent erhöhen, schreibt Peter Neumann in der Berliner Zeitung: Was der Senat dafür tut, dass Berlin Fahrradstadt wird

Berlin soll eine Fahrradstadt werden. Mehr als 1000 Kilometer Radwege und -streifen ziehen sich bereits durch die Stadt. Was der Senat dafür tut.

Warum schimpfen alle über Radfahrer?

Trotz oder gerade wegen des anhaltenden Fahrradboomes gelten Fahrradfahrer noch immer als Bösewichte im Straßenverkehr. Nicht nur auf dieser Webseite wird allerdings die Meinung vertreten, dass es deutlich leichter fällt, alle Verkehrsteilnehmer erst einmal unabhängig von ihrem Fahrzeug zu betrachten, um anschließend festzustellen, dass sich eben nicht jeder gerne an die Verkehrsregeln hält — ganz egal, ob im Auto, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Vor allem geschieht der Rollenwechsel vollkommen unbemerkt: als Autofahrer ärgert man sich über die vogelfreien Radfahrer, als Radfahrer ärgert man sich über die rücksichtslosen Autofahrer. Noch lustiger wird es, wenn ein Autofahrer einen Radfahrer auf den Gehweg drängelt, damit auf der Fahrbahn endlich wieder freie Bahn herrsche, sich aber fünf Minuten früher über jene Gehwegradler ärgerte, die das Ausparken aus der unübersichtlichen Grundstückszufahrt zu einem Glücksspiel machen.

Claudia Fuchs sprach mit Klaus-Peter Kalwitzki über Konflikte im Straßenverkehr: Konflikte im Straßenverkehr

Er fährt Fahrrad und Auto, zu Fuß ist er auch oft unterwegs – Klaus-Peter Kalwitzki kennt sich aus mit den verschiedenen Perspektiven im Straßenverkehr. Wichtiger noch: Der 59-Jährige ist Psychologe und hat sich auf Verkehr spezialisiert.

Die schwierige Kunst des Radwegebaus

Mitunter ist ein Radweg schnell gebaut: auf einer Sitzung im Rathaus will man endlich den Radverkehr wieder fördern, plant einen neuen Radweg und gleich am nächsten Tag fährt der Bauhof vor und trotzt dem Gehweg mit einem dicken weißen Streifen ein kleines Stück Radweg ab. Toll ist der meistens nicht, in der Regel fahren Radfahrer auf solchen Wegen deutlich unsicherer als auf der benachbarten Fahrbahn, aber weil das leider nicht jeder weiß, wird gerne schnell ein Verkehrszeichen für die obligatorische Benutzungspflicht aufgestellt.

Uwe Aulich hat sich für die Berliner Zeitung angesehen, wie ein Radweg in der Bundeshauptstadt geplant und gebaut wird: Rote Farbe nur auf Wunsch

Bis ein neuer Radweg gebaut wird, können Jahre vergehen. Es gibt zwar Grundregeln, aber die Planung muss zwischen vielen Behörden abgestimmt werden.

Eines sei schon mal verraten: im Gegensatz zu anderen deutschen Straßenverkehrsbehörden machen die Berliner ihre Sache im Durchschnitt ziemlich gründlich.

Das Fahrrad ist mehr als nur ein Verkehrsmittel

Henrik Dam Kristensen, Minister für Transport des Königreichs Dänemark, schreibt im in der letzten Zeit fahrradfreundlichen Tagesspiegel über das Radfahren in Dänemark: „Lasst uns Europa vom Radfahren überzeugen!“

Nur mit dem Fahrrad kommt man in urbanen Räumen schnell ans Ziel, schont die Umwelt und stärkt die Gesundheit. Dänemark ist deshalb ein Land der Radfahrer und hat einen Transportminister, der anlässlich des Europatages aktiv für das grüne Verkehrsmittel wirbt.

In Dänemark ist das Fahrrad innerorts nicht nur das schnellste und praktischste Verkehrsmittel, sondern inzwischen auch ein Stück der dänischen Kultur — und vor allem so gegenwärtig, dass sich solche urdeutschen Debatten über Kampfradler überhaupt nicht vorstellbar sind.

Die Stadt Köln lädt wieder zum Fahrrad-Quiz

Mit ihrem Verkehrsquiz will die Stadt Köln der Regelkenntnis der Radfahrer etwas auf die Sprünge helfen. Mit diesem Ziel ist das Quiz vor vier Jahren allerdings grandios gescheitert, die damalige Zusammenstellung kann wohl getrost als kleines bis mittleres Desaster bezeichnet werden.

Die neue Ausgabe beginnt gleich mit einer seltsamen Antwort — was interessiert es denn die Verkehrssicherheit oder die gegenseitige Rücksicht oder was auch immer dieses Quiz fortbilden soll, wie Kalorien eine bestimmte Fahrradfahrerin auf einer bestimmten Strecke verbraucht?

Immerhin sind die folgenden Fragen gehaltvoller und decken den toten Winkel, bestimmte Verkehrssituationen und sogar ein paar Radwege ab. An die richtig komplizierten Fragen komplexer Benutzungspflichten oder der Wahl der richtigen Ampelanlage hat man sich hingegen nicht herangetraut. Der dazugehörige Spickzettel ist zwar nicht inhaltlich falsch, doch sollte man diese Regeln ohnehin verinnerlicht haben, bevor man sich auch nur einen Meter auf dem Rad fortbewegen will.

Radfahren für Schwangere

Dass schwangere Frauen sich nach Möglichkeit überhaupt nicht bewegen sollten, gilt inzwischen als reichlich überholte Ansicht. Sogar das Fahrrad ist mit ein paar kleinen Einschränkungen problemlos geeignet, schreibt Christiane Löll in den Westfälischen Nachrichten: Fahrradfahren tut Schwangeren gut

Der Bauch wird dicker und dicker, die Bewegungen mühsamer, und das Kind drückt auf die Leiste: Je näher die Geburt rückt, desto schwerer fällt es vielen Schwangeren, körperlich aktiv zu sein und beispielsweise Rad zu fahren. Manche haben Angst, dass dem Kind bei einem Sturz etwas passieren könnte. Andere wiederum wollen auf ihr Rad als Verkehrsmittel nicht verzichten. Worauf sollten Schwangere also achten, wenn sie auf den Drahtesel steigen, und spricht medizinisch etwas dagegen?

Fahrradfahren in Stuttgart: Steil und eng

Es ist schon etwas anmaßend, dass sich deutsche Städte bezüglich ihrer Fahrradfreundlichkeit gerne mit Kopenhagen vergleichen lassen. Klappen kann das ohnehin nicht, denn zwischen deutscher und dänischer Fahrradkultur liegen mehr als nur ein paar hundert Kilometer: dort ist die Radverkehrsförderung nicht auf dem Bau schmaler Radwege stehengeblieben, sondern hat sich in der Gesellschaft als erstrebenswertes Ziel manifestiert.

Trotzdem wird Stuttgart vom Südwestrundfunk mit Kopenhagen verglichen, offenbar liegen unsinnige Vergleiche im Trend: Fahrradfreundlichkeit: Stuttgart gegen Kopenhagen

Gerade für Kurzstrecken benutzen immer mehr Deutsche das Fahrrad, vor allem in größeren Städten und Ballungsräumen. Radfahren ist aber nicht in jeder Stadt ein Vergnügen. Vergleicht man die Fahrradstadt Kopenhagen mit der Autostadt Stuttgart, so erscheint das auf den ersten Blick ein wenig unfair. Schließlich ist Kopenhagen flach und weit, Stuttgart dagegen steil und eng. Seitdem Elektrofahrräder erschwinglich geworden sind, scheint Fahrrad fahren auch dort leichter möglich. Doch Stuttgart tut sich schwer mit seinen Radlern.

So funktioniert sinnliches Radfahren

Eine kleine Lektüre zur Nacht über Hochrotkopfradler, Prinzipienreiter und Teddys — Wolfgang Scherreiks schreibt im Fahrradjournal über das sinnliche Radfahren: Wie man jetzt Radfahren soll

Wer in der großen Stadt Fahrrad fährt, lebt nicht ungefährlich. Da schadet es nie, neue Ideen zur Unfallprävention auszuprobieren. Das hier vorgestellte Prinzip „Sinnliches Radfahren“ bedeutet, die sinnlichen Mängel der anderen Verkehrsteilnehmer durch Schärfung der eigenen Sensibilität auszugleichen und auch mental für die anderen mitzufahren. Es gibt Menschen, die behaupten, dieses Prinzip gehöre zum Alltag.

So funktioniert das Überholen von Radfahrern

Wenn ein Autofahrer einen Radfahrer überholen möchte, genügen schon wenige Meter für Konfliktsituationen. Fährt ein Radfahrer etwa anderthalb Meter vom rechten Fahrbahnrand entfernt, so genügt er zwar seiner eigenen Sicherheit, regt aber die Autofahrer hinter ihm auf, die nicht ohne weiteres überholen können, ohne auf die Gegenfahrbahn zu fahren. Fährt er jedoch direkt am Fahrbahnrand, wird er selbst in den engsten Situationen ohne Abstand überholt und hat gerade in dieser brenzligen Situation überhaupt gar keinen Sicherheitsabstand zum Ausweichen.

Daraus ergibt sich ein Dilemma, das die Straßenverkehrs-Ordnung nur unzureichend klärt — da ist die Rede vom Rechtsfahrgebot, was wütende Autofahrer immer wieder als Argumentation nutzen, doch das Rechtsfahrgebot gilt aufgrund seiner Formulierung mutmaßlich mehr dem Schutz des Gegenverkehres in schlecht einsehbaren Stellen als dem rückwärtigen Verkehr jederzeit eine Überholmöglichkeit einzuräumen. Rechtsprechungen und Kommentierungen liefern wiederum ihre Meinungen zu Sicherheitsabständen und sorgen für ein recht undurchsichtiges Gesamtbild, das der normale Verkehrsteilnehmer ohnehin nicht durchblicken kann.

Stefan Lieb hat sich in Mobilogisch! mit dem Thema sehr genau auseinander gesetzt: Das Überholen von Radfahrern überholen