„Tempo 30 in unseren Städten“

Auch an dieser Stelle sei noch auf die Initiative Tempo 30 in unseren Städten hingewiesen. Das Thema ist zwar stark umstritten, gerade Autofahrer fühlen sich erneut in ihrer Freiheit eingeschränkt, obwohl die FDP mit ihrer klar positionierten Kampagne vor einiger Zeit nur noch mit 1,8 Prozent der Wählerstimmen belohnt wurde. Die Initiative listet auch eine ganze Reihe von Vorteilen auf.

Die Reporter-Guerilla

Die Aufregung über Kampfradler am Leben zu erhalten gehört offenbar zum primären Auftrag eines guten Journalistens — anders ist die einseitige und rechtlich leider längst nicht fehlerfreie Berichterstattung kaum noch zu interpretieren. Dieses Mal ist die Lokalzeit des Westdeutschen Rundfunks aus Bonn an der Reihe: Die Fahrrad-Guerilla

Schon im Angesichte der Kurzbeschreibung des Videos lässt sich erkennen, dass im besten Falle sechs Minuten verschwendete Lebenszeit folgen werden:

Die sitten werden zunehmend rauher in Bonn: Fahrradfahrer missachten Verkehrsregeln und behindern vor allem an den Uferpromenaden Fußgänger. Den Problemen mit so genannten „Kampfradlern“ begegnet die Polizei im Mai wieder mit eigenen Radlerkontrollen. Werden die Ordnungshüter tätig, werden 45 Euro fällig.

Na gut, also los. Es dauert keine drei Sekunden bis zum Rotlichtverstoß: eine Radfahrerin fährt über eine rote Ampel und biegt anschließend nach rechts auf den Radweg ab. Das ist nicht in Ordnung, aber die Fahrzeuge aus dem Querverkehr wurden gar nicht behindert, denn schließlich bog die Dame auf den Radweg ab und nicht auf die Fahrbahn. Insofern bleibt zwar rotes Licht auch hier rotes Licht, aber möglicherweise erwächst daraus kein Rotlichtverstoß: der liegt nämlich erst bei Verletzung des so genannten geschützten Bereiches vor, alles andere bleibt ein Haltlinienverstoß. Obwohl es eigentlich logisch wäre, zählt ein Radweg nicht zwangsläufig zum geschützten Bereich, der beginnt stellenweise gar sehr viel später. Und „einfach abgebogen“, wie es der Sprecher erklärt, ist die Dame auch nicht, sie hat sich ja durchaus vergewissert, niemandem in die Quere zu kommen.

Ein solches Verhalten ist leider alltäglich, längst nicht nur bei den so genannten Kampfradlern, sondern auch bei der Oma auf dem Weg zum Supermarkt oder dem erfolgreichen Manager auf dem Weg zur Arbeit — ja, sogar Polizeibeamte, Bürgermeister und Richter wurden schon gesehen, auf diese Weise abgebogen zu sein. Die Alltäglichkeit ist eben leicht begründet: man überquert als Radfahrer nicht die Kreuzung, man kommt dem Kraftfahrzeugverquer nicht in die Quere, sondern will ja nur nach rechts auf den Radweg — die rote Ampel fällt da plötzlich nicht so sehr ins Gewicht. Allerdings dürfte auch dieser Verstoß eher zu den weniger gefährlichen zählen. Interessant, dass die Polizei gleich zweihundert Meter später das Fehlverhalten erklärt, mutmaßlich aber nicht auf diese Aspekte eingehen wird und sich das Fernsehbild noch mit einer blödsinnigen Beschilderung teilen muss, die stark darauf hinweist, wie es um das Radfahren in Bonn bestellt ist: mit Zeichen 254 möchte man das Radfahren auf dem linksseitigen Radweg verbieten, gute Idee, aber leider sperrt Zeichen 254 keine einzelnen Straßenteile, da fiele ja auch die Zuordnung schwer, sondern gleich den kompletten Straßenquerschnitt.

Es folgt die übliche Erklärung einer andere Radfahrerin, mit dem Auto natürlich nie und niemals über rote Ampeln zu fahren. Das ist einleuchtend, denn im Gegensatz zum Auto gilt das Fahrrad in Deutschland nicht als vollwertiges Verkehrsmittel, ein Radfahrer ist eher ein beräderter Fußgänger, muss sich so manche Wege aufgrund behördlicher Anordnungen mit Fußgängern teilen und sieht sich in der Regel nicht als Verkehrsteilnehmer verstanden. Klar, dass man sich auf dem Rad auch mehr herausnehmen mag.

Acht rote Ampeln wurden während der zweistündigen Kontrolle missachtet, empört sich der Sprecher. Donnerwetter, mag man da denken, diesen Kampfradlern gehört das Fahrrad weggesperrt, doch bleibt dabei außer acht, dass parallel zur Polizeikontrolle auch dutzende Autofahrer wenigstens das gelbe Licht der Ampel missachtet haben dürften und lieber noch schnell mit Vollgas über die Kreuzung geflitzt sind. Wenigstens in Hamburg braucht man für acht vollqualifizierte Rotlichtverstöße durch Autofahrer an einer ordentlichen Kreuzung sicherlich keine halbe Stunde.

Und natürlich versuchen sich auch Rad fahrende Verkehrsteilnehmer aus der Affäre zu ziehen, doch in solchen Reportagen werden die Ausflüchte und Ausreden der Radfahrer so kommentiert, als nähmen Autofahrer ihre Strafe auf Knien und dankend entgegen.

Es bleibt nicht bei roten Ampeln, auch Gehwegradler werden zur Kasse gebeten. Auch hier zeigt sich die Polizeikontrolle außerordentlich kontraproduktiv, wenn auch in Bonn wird, so man denn unbestätigten Erzählungen glauben darf, durchaus vor allem deswegen auf dem Gehweg geradelt, weil jahrelang die Polizei die gefährliche Fahrbahn als tödlich für Radfahrer propagierte und entgegen der Straßenverkehrs-Ordnung empfahl, bei solchen Straßen lieber auf dem Gehweg zu radeln — um nun, ein paar Jahre später, die eigenen Erklärungen vergessen zu haben und die Radfahrer abzukassieren, die sich seitdem an den Rat der Beamten gehalten hatten. Interessant auch, dass so mancher erwischter Radfahrer sich über die zugeparkten Radwege beklagt, die Polizei sich dafür aber nicht weiter interessiert. Für den normalen Radfahrer ist es aber logischer, bei zugeparkten oder versperrten Radwegen auf den Gehweg auszuweichen als auf die Fahrbahn, denn auch das lernen sie an jeder Baustelle, die den Radweg blockiert: da wird mit Zeichen 240 plötzlich die Benutzung des Gehweges angeordnet, als dass es eine Rampe auf die Fahrbahn gäbe. So soll der Radfahrer also wissen, dass bei Arbeitsstellen der Gehweg, bei zugeparkten Radwegen aber die Fahrbahn zu benutzen ist?

Nach knapp zwei Minuten wird dann Zeichen 237 mit der damit einhergehenden Benutzungspflicht erklärt. Soweit, so gut, man hatte schon Hoffnung auf eine halbwegs ordentliche Auseinandersetzung mit der Straßenverkehrs-Ordnung, aber dann kommt gleich der nächste Unfug: kurz vor einer Kreuzung wird der Radverkehr von der Fahrbahn einer Einbahnstraße mit einer Rampe auf einen linksseitigen Radweg geleitet. Was machen Radfahrer, die nach rechts abbiegen wollen, fragt der Sprecher berechtigterweise. Die Antwort ist: auf der Fahrbahn bleiben, denn das aufgemalte Zeichen 237 auf dem Boden entfaltet kein Benutzungszwang, ganz im Gegenteil, weil es sich nur um Fahrbahnmalerei und nicht um ein Verkehrszeichen handelt, darf der linksseitige Radweg überhaupt nicht benutzt werden. Der Sprecher weiß das aber nicht und glaubt, das Rechtsabbiegen sei hier nur schiebend möglich. Er weiß allerdings nicht von seinem Glück, dass die Kamera eine dieser Situationen eingefangen hat, in der man sich als Radfahrer nur falsch verhalten kann: fährt man auf den linksseitigen Radweg auf, steckt man gleich in Kalamitäten, was das richtige Rechtsabbiegen angeht, denn theoretisch könnte ein findiger richtiger aus dieser Umfahrung einer Ampel durchaus einen Rotlichtverstoß konstruieren, denn das Abkürzen über Tankstellen oder Parkplätze ist ebenfalls untersagt. Andererseits darf ein Radfahrer diesen Weg überhaupt nicht benutzen, auch wenn die Behörde das gerne mit ihrem Piktogramm auf der Fahrbahn gewollt hätte. So kompliziert kann das Radfahren sein, woraus auch die vielen Regelverstöße resultieren, doch der WDR sieht nur die Regelverstöße, versteht aber die Komplexität dahinter nicht. Stattdessen bleibt dem Sprecher nur noch populistisches Geschwätz: „Stoppt den Kampfradler!“

Kurz kommt ein Radfahrer zu Wort, der sich über diesen Ausdruck beschwert, aber lange darf er nicht reden, denn die Polizei hält sogleich den nächsten Radfahrer an, der auf dem Gehweg fuhr. Man bekommt natürlich nicht so ganz raus, warum er nun tatsächlich angehalten wurde, aber falls er zur Kasse gebeten wird, weil er mit seinem Rad kurz den Radweg verlassen und auf dem niveaugleichen Gehweg geradelt ist, rückte nun wirklich die Vermutung der Abzocke in greifbare Nähe. Natürlich darf im Prinzip nicht einmal der Lenker das Lichtraumprofil des Radweges verlassen, aber gleich darauf zu lauern und sofort zu kassieren kommt doch einem seltsamen Verständnis des Radverkehrs gleich.

Das Bonner Verständnis des Radverkehres darf danach ein Hauptkommissar Volker Burow formulieren:

Meine Einschätzung ist die, dass die Radfahrer meinen, dadurch dass sie Radfahren und nicht die Umwelt belasten durch Autofahrerei haben sie einen gewissen Freibrief, da müsse man Verständnis für haben, dass sie dann auch von der Straßenverkehrs-Ordnung befreit werden.

Es mag sein, dass die Bonner Polizei den einen oder anderen Radfahrer mit diesem Selbstverständnis angehalten hat. Tatsächlich dürften die Gründe ungleich komplexer sein: jahrzehntelange Ignoranz gegenüber Radfahrern, schlechte Radverkehrsanlagen, widersprüchliche Regelungen in der Straßenverkehrs-Ordnung und Attacken von Seiten der Autofahrer haben zu dem heutigen Zustand geführt. Nur die wenigsten fahren aus lauter Boshaftigkeit auf dem Gehweg, eher halten sie die Fahrbahn für so gefährlich, wie es jahrzehntelang propagiert wurde und wollen sich logischerweise nicht unnötig in Gefahr bringen. Dass Radeln auf dem linksseitigen Radweg verboten ist, weiß mutmaßlich auch nur ein Bruchteil der Radfahrer, denn den Verkehrsunterricht aus der Grundschule kann man bezüglich der Straßenverkehrs-Ordnung komplett vergessen, in der Fahrschule knappe zehn Jahre später findet der Radverkehr ebenfalls kaum Berücksichtigung, denn schließlich ist ja auch die Fahrerlaubnis für ein Kraftfahrzeug das finanzierte Ziel. Dann gibt es Städte, die den Radverkehr so weit zerpflückt haben, dass eh niemand mehr durchblickt: mit Pfeilen auf den Radwegen soll das Fahren in beide Fahrtrichtungen erlaubt sein, obwohl die dazu nötigen Schilder fehlen, plötzlich wird man auf die linke Straßenseite geleitet, darf dort aus dem gleichen Grunde aber ebenfalls nicht radeln und mitunter wird das Gehwegradeln nicht ausdrücklich erlaubt, aber dankbar toleriert, um die Fahrbahnen frei von Radfahrern zu halten. Und da soll der normale Verkehrsteilnehmer durchblicken?

Es ist aber leider leichter, auf Rad fahrende Verkehrsteilnehmer zu schimpfen und zu bestrafen als die eigentlichen Hintergründe zu verstehen — oder gar einige Missstände abzustellen.

Danach kommen natürlich noch ein paar aus Prinzip empörte Autofahrer zu Wort. Beklagt wird das Vorbeidrängen der Radfahrer an der roten Ampel, was die Straßenverkehrs-Ordnung aber ausdrücklich erlaubt, die Radfahrer auf dem Radweg, die noch am rechtsabbiegen Autofahrer vorbeifahren, obwohl der Autofahrer hier in der Regel wartepflichtig ist und die Radfahrer lediglich ihre Vorfahrt wahrnehmen, und so weiter und so fort. Auch hier bleibt die Frage: was soll das? Da dürfen sich Autofahrer zu vermeintlichen Verstößen mit Radfahrern empören, so dass zu Hause am Fernsehschirm jeder Zuschauer zornig aufschreien kann, ja, diese Fahrradfahrer, das ist mir auch schon mal passiert, obwohl die Autofahrer eigentlich nur in Unkenntnis der Straßenverkehrs-Ordnung waren? Was soll denn überhaupt diese Einteilung der Verkehrsteilnehmer in Auto- und Radfahrer? Ein Großteil der deutschen wechselt mehrmals zwischen seiner Rolle Autofahrer und Fußgänger, so mancher fährt regelmäßig noch zusätzlich mit dem Rad, aber hier wird wieder eine Gruppierung eingeführt, die sich nur auf dem Fahrrad bewege und nicht an die Verkehrsregeln halte, während die armen Autofahrer bestürzt und empört durch die Fensterscheibe von ihren schlimmsten Erlebnissen berichten dürfen.

Im Prinzip hätte man sich diese Reportage gar nicht ansehen dürfen. Sechs Minuten vergeudete Lebenszeit. Vermutlich muss man froh sein, dass zu diesem Thema keine abendfüllenden Dokumentationen gedreht werden.

Ahnungslos in Starnberg

Gefunden im Mucradblog: Mitleid mit Starnberg! In der bayerischen Stadt ist der Radverkehrsanteil von 14 auf sieben Prozent gesunken und niemand weiß so genau, woran das denn liegt.

Möglicherweise daran, dass man in Starnberg offenbar vollkommen ahnungslos ist, zumindest was den Radverkehr angeht. Man kann eigentlich nur hoffen, dass der im Mucradblog eingescannte Artikel die Tatsachen nur unzureichend reflektiert wiedergibt, ansonsten wäre das Maß der Ahnungslosigkeit schon einigermaßen beunruhigend.

Gut, da wurde also neben einer relativ breiten und wenig frequentierten Straße ein Radweg gebaut und laut Artikel zwingt die Polizei die Radfahrer auf den Fahrradweg, „denn dort müssen sie fahren.“ Eine Radwegbenutzungspflicht, also einen Verwaltungsakt, mit einem solchen Zirkelschluss zu begründen ist schon mutig. Viel mehr kommt an Begründungen im restlichen Text leider gar nicht rum. Natürlich muss längst nicht jeder Radweg benutzt werden und natürlich darf längst nicht jeder Radweg mit einem blauen Schild bekleidet werden, nur weil es einen Radweg gibt, da bedarf es schon einer tatsächlichen Abwägung der Gefahrenlage nach § 45 Abs. 9 StVO, die hier aber sicherlich nicht stattgefunden hat, wenn man der plumpen Begründung vertrauen darf. „Radweg vorhanden, Benutzungspflicht ran“ ist leider auch außerhalb von Starnberg eine recht beliebte Gleichung, insbesondere wenn in der Verwaltung niemand arbeitet, der wenigstens alle paar Wochenenden mal auf dem Rad sitzt und etwas Ahnung haben könnte.

Immerhin weiß man in Starnberg, dass ein Radweg eine Benutzungspflicht kraft der blauen Schilder braucht, so er denn benutzt werden muss; das ist leider in den Verwaltungen leider noch kein Allgemeinwissen. Viel mehr weiß man in Starnberg allerdings nicht: wenn es nun einen neuen Radweg gibt, hat man sich offenbar gedacht, brauchen die Radfahrer ja nicht mehr auf der Fahrbahn fahren — und schon stand das Zeichen 240 mit dem drolligen Zusatzschild am Straßenrand. Die oben erwähnte Abwägung der Gefahrenlage wurde offenbar nicht nur vergessen, man hat gar keine Vorstellung, dass es für einen Radfahrer durchaus Gründe geben mag, einen Radweg nicht zu benutzen. Wenigstens innerorts gelten die üblichen Argumente mit Glasscherben, parkenden Autos, Fußgängern und Beschädigungen uneingeschränkt. Bei diesem Radweg mag es außerorts anders aussehen, aber die Benutzungspflicht scheint wenigstens optisch nicht gerechtfertigt: dass Lastkraftwagen eine Gruppe von Radfahrern nicht überholen könnten und sich Autofahrer allgemein aufgrund der Gegenwart eines Radfahrers belästigt fühlen könnten rechtfertigt eben noch lange keine Benutzungspflicht: deren Anforderungen und überraschend hoch.

Die doppelte Beschilderung, für die man sich in Starnberg heimlich feiert, ist so großartig auch nicht. Mit Zeichen 240 wird eine Benutzungspflicht des gemeinsamen Fuß- und Radweges angeordnet, das Zeichen 254 zwei Meter daneben sperrt den gesamten Straßenquerschnitt für Radfahrer — also eben auch den Radweg. Das ist natürlich auch nur der häufig praktizierte Versuch, irgendwie die Radfahrer von einem bestimmten Straßenteil zu verdrängen, doch genauso gut könnte ja auch der Radweg gesperrt werden. Es handelte sich hier längst nicht um die erste Straße, bei der zunächst das Radfahren auf dem Gehweg mit Zeichen 240 vorgeschrieben wird, um zehn Meter später den Radfahrer zum Absteigen zu bitten oder das Radfahren plötzlich gänzlich zu verbieten. Straßenverkehrsbehörden kommen mitunter auf komische Ideen, nicht nur innerhalb von Arbeitsstellen, bei denen der Radverkehr ohnehin keine Berücksichtigung findet. Das sollte auch die Polizei verstehen, die offenbar die doppelte Beschilderung erst veranlasst hat. Prinzipiell könnten sich Radfahrer auch darauf berufen, dass die Beschilderung widersprüchlich sei und sowohl aus dem angestrebten Verbot der Fahrbahnbenutzung nichts wird. Es sei auch hier noch zum dritten Mal erwähnt: bislang durften die Radfahrer die Fahrbahn benutzen und von einem Unfallschwerpunkt konnte wohl kaum die Rede gewesen sein. Dann wird ein Radweg gebaut und plötzlich ist die Gefahr auf der Fahrbahn im Verhältnis zu der Benutzung des Radweges so groß, dass nicht nur eine Benutzungspflicht angeordnet wird, sondern gleich ein Zeichen 254 aufgestellt wurde, damit es auch jeder Radfahrer kapieren möge? Da stimmt doch etwas nicht.

Der folgende Satz aus dem Artikel ist besonders schön:

Wenn ein Radweg vorhanden ist, müssen Radfahrer ihn auch benutzen, begründet Andreas Ruch, stellvertretender Leiter der Starnberger Polizeiinspektion.

Das stimmt so eben nicht: eine Benutzungspflicht entsteht erst mit Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 und nicht durch die Gegenwart eines Straßenteils, bei dem es sich möglicherweise um einen so genannten anderen Radweg handeln könnte. Das wusste die Polizei oder wenigstens der Autor des Artikels auch noch ein paar Absätze vorher, als ausgeführt wurde, was es mit der Beschilderung auf sich habe. Das nächste Zitat ist allerdings auch nicht besser, aber wenigstens im Konjunktiv gehalten:

Radwege würden ja schließlich eigens zur Reduzierung des Unfallrisikos gebaut.

Die Reduzierung des Unfallrisikos ist sicherlich die eigentliche Intention, meistens klappt das allerdings nicht: selbst bei den allerbesten Radwegen ist das Risiko eines Unfalles auf der Fahrbahn geringer. Dazu führen die üblichen Gründe, etwa die mangelhafte Sichtbarkeit eines Radfahrers auf der Fahrbahn, wenn der Radweg hinter parkenden Autos, Hecken oder sonstigen Hindernissen verläuft, die hohe Unfallgefahr an Einmündungen, wenn Autofahrer beim Abbiegen nicht auf Radfahrer achten, achtlos auf den Radweg tretende Fußgänger und so weiter.

Dass Lastkraftwagen nicht überholen können mag tatsächlich sein, auch wenn die Straße offenbar ja eigentlich recht breit ist. Selbst wenn das nicht so wäre: die Vorschriften lassen es nicht zu, eine Benutzungspflicht einzurichten, damit Kraftfahrzeugführer keine Radfahrer überholen müssen. Den Rennradler, die den Radweg auf ihren Trainingsfahrten meiden, reine Bequemlichkeit zu unterstellen spricht auch nicht gerade für den Polizeibeamten. Im heutigen Zustand ist der Radweg sicherlich auch für ein Rennrad geeignet, aber spätestens nach dem zweiten oder dritten Winter wird die Oberfläche von Wetter und Wurzelaufbrüchen geschunden sein, dass mit dem Rad 20 Kilometer pro Stunde schon die höchstmögliche Geschwindigkeit sind, möchte man nicht plötzlich vom Rad kippen.

Über den letzten Absatz des Artikels kann man sich auch nur wundern:

Ob die Schilder eine Dauerlösung sind, steht laut Münster noch nicht fest. Kreisrat Max Stürzer (CSU) hält sie für richtig: Wenn es zu einem Unfall kommt, sei dann der Autofahrer ja immer der Dumme.

Das lässt sich auf verschiedene Arten interpretieren. Entweder meint Stürzer, der Autofahrer sei der Dumme, wenn der Radweg benutzungspflichtig ist und ein Radfahrer beim Abbiegevorgang eines Autofahrers angefahren wird. Da wäre der Autofahrer aber zwangsläufig der Dumme, wenn er sich vor dem Abbiegen nicht vergewissert, dass keine vorfahrtsberechtigten Radfahrer seinen Weg kreuzen. Daran ändert eine Radwegbenutzungspflicht nichts, außer dass sich Radfahrer ohne die blauen Schilder nicht in Gefährdung begeben müssten, indem sie auf der Fahrbahn radeln.

Gemeint ist wohl eher, dass ein Autofahrer, so wie es am Stammtisch immer gerne dargestellt wird, kilometerlang hinter einem Radfahrer herfährt, irgendwann aus purer Verzweiflung zum Überholen ohne Sicherheitsabstand bei Gegenverkehr ansetzt, womöglich noch mit der Hupe spielt und dabei den Radfahrer in den Graben drückt. Auch in so einem Fall ist der Autofahrer nunmal der Dumme, selbst wenn der Radweg benutzungspflichtig wäre: Wer überholen will, muss nun einmal alle möglichen Gefährdungen ausschließen. Das gilt nicht nur beim Überholen von Lastkraftwagen, was potenziell noch schwieriger ist, sondern eben auch bei Radfahrern, die nicht den Radweg benutzen. Endet das Überholmanöver in einem Unfall, dürfte ziemlich sicher der Autofahrer berechtigte Probleme bekommen.

Mutmaßlich zielt das Fazit des Kreisrates aber in eine ganz andere populistische Richtung: die Radfahrer müssten angeblich keine Rücksicht nehmen, führen trotz Radweg weiter auf der Fahrbahn und der Autofahrer sei dann auch noch schuld, wenn es zu einem Unfall kommt.

Egal, was er gemeint hat: Starnberg ist sicherlich kein angenehmer Ort zum Radeln.

„Die sollten sich lieber um andere Sachen kümmern“

Die Hamburger Fahrradstaffel kontrolliert Rotlichtsünder und der Norddeutsche Rundfunk war mit dabei — das verspricht Spannung und gibt bestimmt Anlass zur Diskussion: NDR Fernsehen: Unterwegs mit der Fahrradstaffel

Die Kontrollstelle befindet sich an der Kreuzung zwischen Osterstraße und Eppendorfer Weg und ist wie erwartet schon beinahe urkomisch. Es gibt dort Radwege ohne Benutzungspflicht, so dass Radfahrer ganz legal auf der Fahrbahn radeln dürfen. Man darf es wohl tatsächlich schon als Fortschritt ansehen, dass die Polizei offenbar nicht die Fahrbahnradler zur Benutzung der Radwege auffordert, die Fahrradstaffel kennt im Gegensatz zu manchen Kollegen die Straßenverkehrs-Ordnung wenigstens bis § 2 Abs. 4 StVO. Nun werden an jenen Radwegen die Rotlichtverstöße geahndet und es fahren tatsächlich hinreichend viele Radfahrer über rotes Licht, obwohl die Polizeibeamten recht auffällig in der Gegend herumstehen.

Wenigstens ist die Ampelfrage eindeutig geklärt und die Beamten sanktionieren nach dem richtigen Signalgeber — auch das war in der Vergangenheit alles andere als selbstverständlich. Zwar ist ein Rotlichtverstoß ein Rotlichtverstoß, keine Frage, aber warum nun ausgerechnet die relativ harmlose Variante kontrolliert und sanktioniert wird, ist wohl ein Geheimnis der Beamten. Während nämlich für den Radfahrer auf dem Radweg die Fußgängerampel gilt, die für den Fußgängerverkehr berechnet wurde und dementsprechend früh auf rot umschaltet, dürfen Radfahrer auf der Fahrbahn noch eine gefühlte Ewigkeit die Kreuzung überqueren.

Es handelt sich also keineswegs um den üblichen Rotlichtverstoß, von dem am Stammtisch gerne berichtet wird, sondern um ein halbwegs nachvollziehbares Verhalten. Schließlich mussten derartige Radwege jahrzehntelang benutzt werden und es machte sich unter Radfahrern durchaus Missmut breit, dass für den Radfahrer die für den drei bis zehn Mal langsameren Fußgänger berechnete Räumzeit gilt, während der doppelt so schnelle Kraftfahrzeugverkehr noch eine ganze Weile die Kreuzung überqueren kann. Prinzipiell ist dieser Rotlichtverstoß sogar einigermaßen ungefährlich, sofern man auf rechts abbiegende Kraftfahrzeugführer achtet, die in der Regel nicht mit querenden Radfahrern rechnen.

Insofern hätte man sich definitiv bessere Plätze für eine Rotlichtkontrolle aussuchen können. Wenigstens mokiert man sich nicht wieder über die ertappten Radfahrer, die voller Unverständnis auf die Beschuldigung reagieren — so als ob andere Verkehrsteilnehmer mit Begeisterung und Dankbarkeit ihre Strafe entgegennähmen.

Der Streit um den richtigen Straßenteil

Als Radfahrer kann man es nicht jedem Recht machen: in manchen Gegenden wird traditionell die Fahrbahn um jeden Preis gemieden, in anderen wiederum fröhlich auf der Fahrbahn geradelt. Problematisch wird es, sobald der so genannte andere Radweg auftaucht, denn über dessen Aussehen schweigt sich die Straßenverkehrs-Ordnung aus. Traditionell leicht erkennbar ist natürlich die asphaltierte Fläche zwischen Gehweg und Fahrbahn, doch abseits davon wird es schon recht schwer: ist der graue Streifen neben dem rot gepflasterten Gehweg nun ein Radweg oder nicht? Und wenn in dieser Straße der Radweg grau war, ist das graue Ding in der Querstraße dann auch ein Radweg? Oder: wenn ein Radweg in eine ziemlich große Fläche mündet, die geradezu zum Radeln einlädt, darf dann dort geradelt werden? Letzteres ist gar nicht immer so eindeutig: WDR Lokalzeit: Radler kritisieren Polizeieinsatz

Es ist natürlich hinreichend lästig, dass in anderen Städten Radfahrer von der Polizei angehalten werden, aus Sicherheitsgründen nicht nur solche Flächen, sondern generell auf Gehwegen zu fahren. Da wäre mutmaßlich das Abzock-Lied angebrachter als bei den üblichen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Im ADFC-Blog gibt es eine genauere Untersuchung der strittigen Straße: Wenn die Kontrolle aus dem Ruder läuft

Österreich: „Beim Thema Auto setzt die Vernunft aus“

Wenn sich ein Land als „Autonation“ bezeichnen durfte, so war das in der Vergangenheit Deutschland mit seiner Autoindustrie, seinen Autobahnen ohne Tempolimit und vielleicht auch mit seinen schlechten Radwegen. Tatsächlich sind allerdings in Österreich bezogen auf die Einwohnerzahl mehr Kraftfahrzeuge zugelassen als in Deutschland — und das Verhältnis der Österreicher zu ihren Autos scheint nicht minder bemerkenswert als das ihrer nördlichen Nachbarn. Eva Linsinger und Edith Beinhart haben einen sehr lesenswerten Artikel zu diesem Thema verfasst: Gefährlicher Wahnsinn Auto

Das Auto – es ist laut, stinkt, frisst Platz und zerstört Leben. Jedes Jahr sterben weltweit über drei Millionen Menschen am Verkehr. Autofahren ist kein Grundrecht, sondern oft einfach nur verrückt. Dennoch ist die Debatte darüber schrill und hysterisch. Besonders in Österreich.

Vieles davon ließe sich wohl problemlos auch auf Deutschland übertragen, insbesondere wenn Zitate fallen wie „Neue Radwege bitte erst dann, wenn wir das Problem der Parkplätze gelöst haben“ oder „In Österreich herrscht eine weitreichende, kaum hinterfragte Durchdringung des Alltags durch das Auto vor.“ Vermutlich dürften sogar die fahrradunfreundlichsten Städte Deutschlands mit ihrem Radverkehrsanteil über dem österreichischen Durchschnitt liegen, der in Graz gerade einmal 16 Prozent erreicht und ansonsten nicht einmal bei der Hälfte herumdümpelt.

Die Österreicher stehen übrigens auch bezogen auf ihre Diskussionskultur den Deutschen in nichts nach: die Kommentare zum Artikel sind wie immer sehr interessant.

Schweizer Jugendliche ohne Auto

Auch in der Schweiz scheint sich ein Umdenken in der Mobilität abzuzeichnen, schreibt der Tages-Azeiger: Jugend ohne Auto

Eine gross angelegte Befragung des Bundes zum Verkehrsverhalten der Bevölkerung zeigt die Trends in einer mobilen Schweiz auf. Und die Meinungen zu Tunnel- und höheren Parkplatzgebühren.

Der Artikel enthält ein paar interessante Zahlen zur dortigen Mobilität, pro Tag werden durchschnittlich 37 Kilometer zurückgelegt, wovon 40 Prozent allerdings auf Freizeitaktivitäten zurückzuführen sind und lediglich 24 Prozent auf die Fahrt zur Arbeit oder zurück entfallen.

Der Siegeszug der Berliner Fahrradfahrer

Mathias Raabe schreibt in der Berliner Zeitung über die Geschichte der Berliner Fahrradfahrer: Die Geschichte des Fahrradfahrens in Berlin

Einst galten Radfahrer als so große Gefahr, dass sie sich und ihr Gefährt kennzeichnen mussten. Und eigentlich war es eine Naturkatastrophe, die den Siegeszug des Fahrrades einleitete.

Kamikaze-Radler ohne Bremsen

Beim Blick in die Presse müsste der Leser in den letzten Wochen einen ziemlich seltsamen Eindruck von „diesen Fahrradfahrern“ bekommen haben. Offenbar hält in der gesamten Bundesrepublik kein Radfahrer vor einer roten Ampel an, fährt aus lauter Bösartigkeit auf dem Gehweg umher und zwingt arme Autofahrer alle paar Sekunden zu hektischen Bremsmanövern.

Heute lernen die Bonner Zeitungsleser: Fixed-Gear-Fahrradfahrer sind Kamikaze-Fahrradfahrer. Das schreibt zumindest der Express: Polizei macht Jagd auf Kamikaze-Fahrräder

Keine Bremsen, keine Gangschaltung: sogenannte „Fixies“ sind in Großstädten bereits ein gefährlicher Trend. Und der schwappt jetzt auch nach Bonn. In Beuel stoppte die Polizei zwei der Kamikaze-Fahrräder!

Schaut man sich den Wikipedia-Eintrag zu „Kamikaze“ an, so liegt der eben noch nachfliegende Vergleich vom Selbstmordkommando auf zwei Rädern doch erstmal in weiterer Ferne, denn anders als der Artikel suggeriert lässt sich ein solches Rad nicht nur mit den Schuhsohlen bremsen, sondern eben über die starre Verbindung zwischen den Pedalen und dem Hinterrad. Das reichte sogar schon einmal vor Gericht als Bremse.

Der unbedarfte Leser wird allerdings eher den Fahrradrowdy vor Augen haben, der sich tatsächlich vollkommen ohne Bremsen in den Verkehr wirft — und vermutlich deshalb vor roten Ampeln auch nicht anhalten kann.

„Wann begreifen es Radfahrer endlich?“

Nach der Vorfahrtsmissachtung gegenüber eines Autos geriet ein Radfahrer gestern in Hohenschönhausen unter eine Straßenbahn, schreibt Tanja Buntrock im Tagesspiegel: Radfahrer von Tram erfasst

Er bremste so stark, weil er eine Kollision mit einem Auto verhindern wollte: Doch dabei geriet der Radfahrer in einen Bahngleisübergang und wurde von einer Tram erfasst.

Was sich genau abgespielt hat, das weiß man nicht, aber die schweren Kopfverletzungen locken natürlich kluge Kommentatoren an. So dauerte es gerade einmal eine Stunde, bis der erste Kommentator zusammenfasst:

Und wieder schwere Kopfverletzungen

Wahrscheinlich hat der Verunglückte keinen Schutzhelm getragen. Wann endlich begreifen die Radfahrer, dass sie ohne Helm auch bei geringer Geschwindigkeit ein hohes Risiko tragen? Schwere Verletzungen betreffen meist den Kopf. Lassen Sie mal eine 4 kg schwere Melone aus 2 m Höhe fallen, dann sehen Sie, was passiert. In vielen Ländern gilt die Helmpflicht, und dort protestiert niemand dagegen. Der Sicherheitsgurt beim Kfz war seinerzeit ähnlich umstritten. Man könnte sich ja im Falle eines Falles am Armaturenbrett abstützen. Diese idiotische Ansicht ist längst widerlegt, und nun gilt es, die Radler endlich vor sich selbst zu schützen. Ich fahre jedenfalls niemals „oben ohne“. Leider fahren viele wider besseres Wissen nicht nur ohne Helm, sondern manchmal auch sonst „oben ohne“.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein Fahrradhelm einer tonnenschweren Straßenbahn etwas entgegensetzen kann — das sollte sogar einem glühenden Anhänger eines Fahrradhelmes einleuchten. Insofern scheint auch der Vergleich mit der Melone in diesem Zusammenhang genauso lächerlich wie die Helmpflicht in anderen Ländern, die entweder nicht existent ist oder zu einem drastischen Rückgang des Radverkehrsanteiles geführt hat, was immerhin mittelbar als Demonstration gewertet werden kann. Im Gegensatz zum Fahrradhelm, bei dem lediglich ein umstrittenes Prüfverfahren zum Einsatz kommt und die Meinungen über dessen tatsächliche Wirksamkeit auseinander gehen, lässt sich die Wirkung eines Sicherheitsgurtes hingegen hinreichend belegen. Unfälle wie dieser lassen sich vermutlich nie vollkommen ausschließen, aber anstatt Radfahrer vor sich selbst zu schützen, was schon dramatisch klingt, sollten wenigstens die gefährlichsten Radverkehrsanlagen saniert oder zurückgebaut werden, darunter viele Straßenecken, bei denen man als Radfahrer zwangsläufig bremsen muss, um nicht vom rechtsabbiegenden Kraftfahrzeug überrollt zu werden. Gegen solche Unfälle helfen weder Helm noch Helmpflicht, die wirken allerhöchstens bei der Reduktion der Unfallfolgen im Kopfbereich, während der andere Ansatz Unfälle tatsächlich zu vermeiden vermag.

Und ein zweiter schreibt sodann:

Es gibt auch Länder, z.B. Taiwan, wo fast jeder Radler einen Helm trägt, ohne dass eine Helmpflicht besteht.
Das mag auch daran liegen, dass hier nicht jeder nur an sich denkt, sondern an die Allgemeinheit, die ja die medizinischen Kosten zu tragen hat.
Außerdem die Profis tragen alle Helm. Dieser Widerwille in Deutschland ist mir einfach unverständlich, wo die Deutschen doch immer so klug sind.

Taiwan ist bislang nicht unbedingt als Fahrradland bekannt, eher so als Motorroller-Land, obschon es in der Vergangenheit Bemühungen gibt, die Menschen mit separaten Fahrradwegen auf den Sattel zu locken. Man ist dort allerdings bezüglich der Schuldzuweisung ebenso konsequent wie am deutschen Stammtisch, wenn ein Fahrradfahrer von einem Auto angefahren wird, hat der Fahrradfahrer wohl nicht aufgepasst.

Dass Radfahrer die Gesellschaft nicht über Gebühr belasten möchten ist sicherlich ein edles Motiv. Tatsächlich nimmt ein Fahrrad wenig Platz auf der Straße weg, den dann der Rest der Gesellschaft mit seinen Kraftfahrzeugen verschwenden kann, um gleichzeitig mit Bewegungsmangel und den damit einhergehenden Problemen die Krankenkassen zu belasten. Mutmaßlich dürften die wegen nicht getragener Fahrradhelme entstandenen medizinischen Kosten außerordentlich gering sein im Vergleich zu den übrigen Wohlstandskrankheiten oder den üblichen Phänomenen wie Tabak und Alkohol.

Dass Rennradler in der Regel Fahrradhelme tragen ist hingegen durchaus richtig — wenngleich ja, wie hier schon mehrfach dargelegt worde, bezweifelt werden darf, dass ein Fahrradhelm jenseits einer bestimmten Geschwindigkeit irgendwo zwischen 15 und 25 Kilometern pro Stunde überhaupt noch eine nennenswerte Schutzwirkung entfalten mag.