Kurz mal am Bike schrauben

Die Berliner Rad-Spannerei berichtet von einem Fahrradmontageständer, der an öffentlichen Orten aufgestellt werden kann und für kleinere und spontane Reparaturen am Rad das nötige Werkzeug diebstahlsicher vorhält: Öffentlicher Fahrradmontageständer

Das wäre eigentlich auch für Deutschland eine großartige Idee.

Langenhorner Chaussee ist die gefährlichste Straße Hamburgs

Vorhang auf für die nächste Etappe im Drama um die Langenhorner Chaussee: Langenhorner Chaussee ist Hamburgs gefährlichste Straße

Auf der Langenhorner Chaussee ereignen sich die meisten Unfälle. Die GAL fordert Radstreifen und zudem den Rückbau auf zwei Spuren.

Dass knapp vier Fünftel der Radwege entlang der Langenhorner Chaussee geradezu unbenutzbar sein sollen, ist leicht zu glauben. Bei hamburgize gibt’s noch ein paar ebenso eindrucksvolle Fotos: Langenhorner Chaussee: Polizei hält immer noch an unbenutzbaren benutzungspflichtigen Alibi-„Radwegen“ fest

Keine Frühlingsgefühle auf Berlins Straßen

Der Frühling kommt, da muss natürlich auch wieder der so genannte Krieg auf der Straße insziniert werden: Radfahren im Berliner Frühling

Wer nicht den ganzen Winter tapfer durchgefahren ist, der zieht vermutlich spätestens jetzt sein Fahrrad aus dem Keller oder aus der Garage. Reifen aufpumpen, Kette ölen – und ab in den Kleinkrieg auf Berliner Straßen zwischen Radfahrern und Autofahrern.

Wie gefährlich das Radfahren im Frühling ist, das wollte unser Reporter Simon Brauer herausfinden… mit dem Fahrrad natürlich.

Besonders interessant sind wie immer die Argumente der Kraftfahrzeugführer.

Fahrradstaffel: „Habt ihr nichts besseres zu tun?“

Die WELT berichtet über die Arbeit der Hamburger Fahrradstaffel: Pöbelnde Radfahrer und dreiste Autofahrer

Die Fahrradstaffel der Hamburger Polizei kümmert sich um rasante Radler – aber auch um aggressive Autofahrer. Die radelnden Cops sind mittendrin im tagtäglichen Ringen auf der Straße.

Schön, dass auch gegen unachtsame Kraftfahrzeugführer vorgegangen wird, die beim Abbiegen nicht die nötige Sorgfalt zeigen. Trotzdem bleibt wie immer die bange Frage, ob die Rotlichtkontrollen denn ebenfalls mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt werden — die Wahl der richtigen Ampel ist ja schließlich nicht trivial.

Heimfelder Straße: Radweg-Rückbau hat begonnen

Jetzt wird es eng für die Radfahrer titelt das Hamburger Abendblatt und spielt auf die verquere Situation im Süden Hamburgs an:

Am Radwegrückbau entlang der Heimfelder Straße scheiden sich die Geister. Die GAL wirft Parteien vor, dass 80 000 Euro verpulvert würden.

Im Grunde genommen werden in der Heimfelder Straße jene Erkenntnisse umgesetzt, die schon vor knapp 15 Jahren zur Abschaffung der generellen Radwegbenutzungspflicht führten: das Radfahren auf einem durschschnittlichen Radweg ist ungleich gefährlicher als auf einer durchschnittlichen Fahrbahn. Zugegeben: die ganze Sache ist schon ein wenig drastisch, denn normalerweise wird wenigstens der Gehweg zum vorsichtigen Beradeln freigegeben, sofern die finanziellen Mittel oder der Platz für einen vernünftigen Radweg nicht reichen. Aber kompromisslos den Radweg wegholzen? An einer sowohl von Radfahrern als auch Autofahrern vielbefahrenen Straße? Das gab es in Hamburg vermutlich noch nie.

Das Problem ist eben nach wie vor: Radfahrer wollen nicht auf die Fahrbahn. Ganz egal, ob es auf der Fahrbahn objektiv sicherer ist als auf dem kümmerlichen Radweg, der Radverkehr nimmt lieber den subjektiv sicheren Straßenteil abseits des Kraftfahrzeugverkehres. Koste es, was es wolle.

Durch den Tunnel zur Selbstanzeige

Zu den wertvollsten Errungenschaften der jahrzehntelangen deutschen Radverkehrspolitik gehört sicherlich die Verklärung der Fahrbahn als tödlicher Straßenteil, den es mit dem Fahrrad um jeden Preis zu meiden gilt. Schon im Verkehrsunterricht lernen Grundschüler, bei Straßen ohne Radweg lieber auf dem Gehweg weiterzuradeln und in Ermangelung eines vernünftigen Verkehrsunterrichtes im Erwachsenenalter halten sich auch viele Radfahrer jenseits des vollendeten zehnten Lebensjahres an diese Weisheit.

So ist es vollkommen normal, dass Radfahrer die vermeintlich schützenden Radwege heiß und innig lieben, mögen sie auch noch so buckelig und gefährlich sein. Und so ist es vollkommen normal, dass Radfahrer ganz automatisch auf dem Gehweg weiterradeln, sobald der Radweg endet. Dieses Phänomen ist allerdings auch vom optischen Zustand der Straße abhängig, es gibt durchaus Straßen, in denen ganz normal auf der Fahrbahn gerollt wird. Allerdings kommen auch nur die wenigsten Radfahrer auf die Idee, parallel zu einem nicht-benutzungspflichtigen Radweg auf der Fahrbahn zu verkehren — schließlich sei es dort zu gefährlich und außerdem wolle man den Kraftfahrzeugverkehr nicht behindern. Es ist schon interesant: Einerseits hört man von Autofahrern fast nur schlechtes über Radfahrer, andererseits bringen sich Radfahrer freiwillig auf dem Gehweg in Gefahr, anstatt dem Kraftfahrzeugführer einen Überholvorgang zuzumuten.

Ein weiteres Phänomen tritt dort auf, wo kein Radweg vorhanden ist und ein breiterer Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Gehweg verläuft. Offenbar machen solche Straßen einen seltsamen Eindruck auf Radfahrer, vielleicht weil man dort nicht eben absteigen und schieben kann, zumindest ist an solchen Straßen ohne direkt parallel verlaufenden Gehweg kaum ein Radfahrer zu finden: die wählen entweder einen Umweg oder den Gehweg. So trauen sich dann auch nur ganz verwegene Radfahrer die Fahrt durch einen innerstädtischen Tunnel zu, denn dort mangelt es natürlich an einem Rad- oder wenigstens einem Gehweg.

Vermutlich käme kaum ein Kölner Radfahrer auf die Idee, den Rheinufertunnel zu befahren — für die wenigen, die sich das trotzdem getraut haben, wurden nun die entsprechenden Verkehrsschilder aufgestellt, um die Abkürzung zu unterbinden. Stattdessen werden die Radfahrer auf die von Fußgängern dicht bevölkerte Promenade geschickt, bei der es sich verkehrsrechtlich um einen freigegebenen Gehweg handelt, also ein für Radfahrer eher weniger geeignetes Verbindungsstück.

Wie vollkommen kurios und verrückt die Fahrt über die Promenade im Vergleich zu einer einfachen Tunneldurchfahrt ist, lässt sich anschaulich in einem Video von Marco Laufenberg bestaunen: Selbstanzeige wegen Ordnungswidrigkeit

Marco war sogar konsequent genug, seine Tunneldurchfahrt mit einer Selbstanzeige zu ahnden — mal sehen, was daraus wird.

Achterbahnfahrt auf der Langenhorner Chaussee

Die Langenhorner Chaussee gilt unter Hamburger Radfahrern nicht gerade als Meisterwerk einer Radverkehrsanlage. Nun gibt es ein Video drüben auf Mos Welt, das eindrucksvoll beweist, dass sich dieser Radweg kaum befahren lässt. Schon allein die Prämisse aus der Rechtsprechung, dass das Fahrrad den „Luftraum“ über dem Radweg nicht verlassen darf, also nicht einmal der rechte Teil des Lenkers über den Gehweg ragen darf, macht das allzu abenteuerlich, denn von der linken Seite ragt oft genug ein Kraftfahrzeug in den Radweg hinein. Schwer zu glauben, dass das Radfahren auf der Fahrbahn gefährlicher als auf diesem Radweg sein soll: Radweg entlang der Langenhorner Chaussee in Hamburg

Gefahrstelle Baustelle

Das gilt allerdings nicht nur für Berlin: Viele Baustellen sind eine Gefahr für Radler

Alarmierende Zahlen der Polizei: Bei der Kontrolle von Baustellen kam heraus, dass es in 275 von 800 Fällen Mängel gab – zum Nachteil der Radler. Markierungen und Schilder sollen zunächst Abhilfe schaffen.

Denn auch solchen Unfug können sich Hamburger Radfahrer beinahe in jeder Baustelle besehen:

Der Fahrradverband ADFC hat in der Vergangenheit bei bundesweiten Vergleichstests immer wieder die schlechte Führung von Radfahrern an Baustellen bemängelt. Die Grünen hatten 2010 kritisiert, dass an den von der Verkehrslenkung geplanten Baustellen „der Radverkehr regelmäßig vergessen oder rücksichtslos auf den Fußgängerverkehr losgelassen“ wird. Allerdings berichten Radfahrer auch von Verbesserungen in den vergangenen Jahren. So seien Unter den Linden auch für Radfahrer auf der Fahrbahn provisorische eigene Spuren mit gelber Farbe markiert worden. Allerdings finden sich nach Angaben des ADFC immer noch bei Baustellen auf Radwegen Schilder wie: „Radfahrer absteigen“. Diese seien aber meist von den Baufirmen auf eigene Faust aufgestellt und nicht von Behörden so angeordnet worden.

Tatsächlich wird dann der Fahrbahnverkehr verschenkt und für den Radverkehr war nicht mehr drin als ein Zeichen 240, das Radfahrer, die zuvor auf der Fahrbahn fahren durften, auf den verengten Gehweg zwingt. Hamburg zeigt sich da mitunter ganz besonders kreativ: Schlechte Angewohnheiten (2) – Die gefährliche Baustelle

Man könnte die Radfahrer zwar auch auf die Fahrbahn lassen, doch das wird von den Verantwortlichen und auch von den Radfahrern meistens abgelehnt — schließlich wurde jahrzehntelang darauf hingewiesen, wie gefährlich die Fahrbahn für das Fahrrad doch sei und das sicheres Radfahren allenfalls auf der Fahrbahn möglich sei. Es gilt eben auch innerhalb von Arbeitsstellen: Radfahrer sind allenfalls Verkehrsteilnehmer dritter Klasse.