Stiftung Warentest prüft Fahrradhelme

Wie regelmäßig zum Beginn der Fahrradsaison hat sich die Stiftung Warentest im Sortiment der Fahrradhelme umgesehen: Schutz für coole Köpfe

Wer ohne Helm vom Fahrrad stürzt, riskiert einen Schädel­bruch. Ein Fahrrad­helm schützt. Er muss eine gute Stoß­dämpfung und vernünftige Belüftung bieten. Solche Anforderungen erfüllen nicht alle Helme im Test: Auch mit Helm kann der Aufschlag hier heftiger sein, als die harte Gerade eines Profi­boxers. Die Tester wer­teten deshalb vier Modelle wegen schlechter Dämpfung ab. Viele Fahrrad­helme schützen den Kopf aber gut.

Immerhin: es wird dieses Mal sogar auf die richtigen Sitz eines Fahrradhelmes eingegangen — denn der ist mit Blick auf die behelmten Radfahrer draußen auf der Straße keinesfalls selbstverständlich. Ob ein Unfall tatsächlich immer nach dem bekannten Schema „Kopf heil, Helm kaputt“ abläuft, sei einmal dahingestellt, denn auch wenn die Stiftung Warentest das übliche Prüfverfahren mit einem Fall aus anderthalb Metern Höhe als realistische Darstellung eines Unfalles bezeichnet, gehen die Meinungen über den tatsächlichen Schutz eines Fahrradhelmes doch sehr weit auseinander.

Peter Hahne: Der natürliche Feind des Radfahrers

„Geht es Ihnen auch so wie mir, dass sie empört darüber sind“, fragt Peter Hahne, als ihm die langsame Internetverbindung ins Wort fällt. „Fülle Puffer“, dreht sich gefühlte fünf Minuten im Kreis, während denen man schreiend vor dem Rechner sitzt und brüllt: „Nein! Ich bin nicht empört, dass Fahrradfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen, obwohl es nebenan einen breiten und perfekt ausgebauten Radweg gibt! Nein, ich bin nicht empört!“

Schlussendlich ging es aber gar nicht um Radfahrer, sondern um ältere Mitbürger, die auf dem Arbeitsmarkt keine Verwendung mehr finden.

Tatsächlich aber ist man etwas arg verstimmt und durchaus empört, wenn man die Textversion des kleinen Vorschaufilmchens zuvor lesen musste: Radfahrer: der natürliche Feind des Autofahrers. Den hat Michael Kramers aus der „Redaktion Hahne“ geschrieben und aus der Kombination von Überschrift und Untertitel „Rücksicht – im eigenen Interesse“ weiß man ja gleich, woher der Wind weht.

Nur — sowas hätte man selbst als leidgeplagter Radfahrer nicht erwartet:

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich jetzt im Auto beim Abbiegen wieder ganz besonders zusammenreißen müssen? Nämlich um den rechten Außenspiegel zu benutzen und/oder den Kopf zu drehen, wie es in der Fahrschule gelehrt wird?

Zwei Sätze, die einem schon die Fassungslosigkeit ins Gesicht treiben: worauf soll denn das nun hinauslaufen? Sind jetzt alle Radfahrer böse, weil Autofahrer beim Abbiegen aufpassen müssen, keinem Zweirad die Vorfahrt zu nehmen? Fällt Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer so schwer, dass sich Autofahrer zusammenreißen müssen? Heißt „den Kopf zu drehen, wie es in der Fahrschule gelehrt wird“, dass man in der Regel beim Abbiegen nicht den Kopf dreht, oder wenigstens nicht so weit, wie man es mal gelernt haben sollte? Und wer ist denn eigentlich die Person, die da ihren reichhaltigen Erfahrungsschatz teilt? Peter Hahne? Oder doch nur Michael Kramers? Oder Michael Kramers, der für Peter Hahne spricht? Und was soll das alles nun heißen? Alle Radfahrer sind die Feinde des Autofahrers, weil Autofahrer beim Abbiegen aufpassen müssen? Radfahrer sind die Feinde des Autofahrers, weil Autofahrer sich an die Verkehrsregeln halten müssen? Sehr abenteuerlich. Hoffentlich platzt dem Autofahrer nicht jedes Mal der Kragen, wenn er am Fußgängerüberweg Vorrang gewähren muss oder es vor ihm an der Supermarktkasse etwas länger mit dem Bezahlen dauert.

Denn:

Aber in den Großstädten ist die Saison eröffnet. Und die Straßen werden zunehmend zur Kampfzone. Das hat auch Bundesverkehrsminister Ramsauer erkannt, der den „Kampf-Radlern“ ein härteres Vorgehen angedroht hat. In der Tat: Viele Radfahrer halten sich für Fußgänger und befolgen bestenfalls die eher laxen Regeln, die für diese gelten.

Auch hier könnte man ja hinterfragen, warum sich denn viele Radfahrer für beräderte Fußgänger halten. Womöglich ist die massenhafte Zusammenlegung von Rad- und Gehwegen ein Grund dafür: Radfahrer und Fußgänger werden auf den selben Straßenteil gezwungen, sollen die selben Ampeln beachten und wenn es mal enger wird, dann sollen Radfahrer absteigen und sich wie Fußgänger verhalten. In Deutschland gilt das Fahrrad nicht als Verkehrsmittel, sondern allenfalls als Freizeitgerät. Ein wahrlich unausschöpfliches Thema, über das sich stundenlang diskutieren ließe — oder man holt eben Peter Ramsauers Kampfradler raus, das macht mehr Laune, da kann man Stammtischwissen auf den Tisch hauen bis es nur so kracht.

Auf diesem Niveau geht es noch anderthalb Absätze weiter, dann werden die Rollen getauscht, aber leider nicht vorbehaltlos:

Wie anders aber stellt sich die Welt dar, wenn man selbst auf einem Fahrrad sitzt. Dann nämlich nimmt man sehr schnell für sich in Anspruch, die Lage zu überblicken und zu beherrschen.

Der Leser hat nun langsam kapiert, dass der Radfahrer der böse ist und sich nur in Sicherheit wähnt, tatsächlich aber alle drei Meter mit seinem Leben spielt und nur lebendig am Fahrtziel vom Sattel steigt, weil die Autofahrer trotz reihenweise platzender Kragen den schon in der Fahrschule verhassten Schulterblick praktizieren, obwohl der Hals schon ganz schön wundgescheuert ist von den vielen Schulterblicken und den ständig platzenden Kragen, eieiei. Die armen Autofahrer, die können einem richtig leid tun.

Zum Schluss verrät uns der Autor noch ein paar Weisheiten:

Bis auf Weiteres hilft nur der Appell: Nehmt Rücksicht! Und zwar auch im eigenen Interesse. Denn wer gegen Regeln verstößt, darf im Nachhinein nicht auf Mitleid hoffen.

Ja, ihr schlimmen Kampfradler, nehmt Rücksicht auf die armen Autofahrer, die euretwegen beim Abbiegen den furchtbaren Schulterblick praktizieren müssen!

Obwohl man es nicht erkennt, ist das ganze eine Vorschau für Peter Hahnes Sendung, die heute um 12.58 Uhr im Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird. Anhand der Vorschau kann man sich denken, dass die halbe Stunde mit anderen Aktivitäten sinnvoller gestaltet wird.

Fahrradzukunft 14: Kultur der Angst

Die neuste Ausgabe der Fahrradzukunft widmet sich dem Thema Fahrradhelm und Bernd Sluka findet bereits in der Einleitung deutliche Worte:

Wir sind satt. Wir sind sicher. Wir leben so lang wie noch nie. Hat eine Gesellschaft dieses Stadium erreicht, beginnt sie damit, Ängste zu entwickeln. Ob SARS, die Schweinegrippe oder ein paar Keime auf Sprossen: winzige Risiken, die kaum jemanden treffen, werden hochgespielt. Wirkliche Gefahren wie Bewegungsarmut, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die häufigste Todesursache – stark begünstigt, verdrängen dagegen die meisten. Und dass die Autofahrt zum Flughafen öfter zum Tod führt als sämtliche Terroranschläge auf Flugzeuge zusammen, interessiert niemanden.

Auch der Fahrradhelm ist Ausdruck der Kultur der Angst. Wie sonst kann man auf die Idee kommen, dass gerade zu einer Tätigkeit, die regelmäßig ausgeübt zwanzig mal soviel Lebenszeit schenkt wie die gesamte Unfallgefahr ausmacht, ein besonderer Schutz nötig ist? Warum gerade beim Radfahren und nicht beim Zufußgehen, wobei jedes Jahr weit mehr Menschen bei Unfällen sterben? Und wieso soll dann gerade ein bisschen Schaumstoff helfen, dessen Wirksamkeit so zweifelhaft ist, dass es als Medikament nie zugelassen worden wäre? Aber Helme schüren Angst. Wo für Fahrradhelme geworben wurde, ist die Zahl der Radfahrer merklich zurückgegangen. Das ist nicht nur schade, sondern auch schädlich für das Klima und die Gesundheit der Menschen.

Radschnellweg: Radverkehrsförderung ist nicht vermittelbar

Es ist schon traurig: in Gegenden mit hohem Radverkehrsanteil gibt es selbstverständlich Radschnellwege. In den Niederlanden gehören sie längst zum Straßenbild, Kopenhagen zieht in den nächsten Jahren gar mehrere Radschnellwege quer durch die Innenstadt. Und in Deutschland? Hier bekommt man für 110 Millionen Euro eine knapp hundert Kilometer lange Verbindung zwischen Hamm und Duisburg oder noch nicht einmal einen Kilometer Autobahn.

Trotzdem sah sich der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund nicht in der Lage, seinen Wählern diese bemerkenswerte Investition zu vermitteln — für den Radschnellweg, ein offenbar einzigartiges Projekt in Deutschland, bedeutet das mutmaßlich das Ende. Im Ruhrgebiet mit einem Radverkehrsanteil von deutlich unter zehn Prozent gilt das Fahrrad eben eher als Transportmittel für arme Leute oder als Sportgerät, einen Radschnellweg, auf dem sich sogar der tägliche Weg zur Arbeit auf zwei Rädern bewältigen lässt, braucht dort niemand.

Langenhorner Chaussee: Radwege nicht sanierungsfähig, trotzdem benutzungspflichtig

Der ewige Streit um die Langenhorner Chaussee in Hamburg geht weiter: Grüne: Radwege sollen auf die Langenhorner Chaussee

Laut Verkehrsbehörde seien die maroden Radwege auf den Gehwegen „unsanierbar“. Grüne fordern nun zusätzliche Fahrstreifen auf der Straße.

Tatsächlich sind die maroden Radwege nicht mehr zu retten — nicht einmal alleine nur wegen der maroden Oberfläche, sondern vor allem wegen der dazugehörigen Bauvorschriften: würde der Radweg saniert, müsste er deutlich breiter werden, nicht zwischen Laternen, Ampeln und Drängelgittern hin und her tanzen und nicht im Öffnungsbereich der Türen von parkenden Kraftfahrzeugen oder unter deren rechten Außenspiegeln verlaufen. Das wird sich allerdings in der Langenhorner Chaussee nicht zuletzt aus Platznot überhaupt nicht realisieren lassen.

Es ist schon ein Drama: einerseits bietet die Langenhorner Chaussee verhältnismäßig viel Platz bei großzügiger Fahrbahnbreite mit angrenzenden Parkflächen, aber für Radfahrer und Fußgänger bleiben lediglich handtuchbreite Streifen im Straßenbegleitgrün.

Tokio: Nummernschilder für Radfahrer

Was in Deutschland nicht erst seit der Kampfradler-Debatte immer wieder debattiert wird, soll auch in Tokio realisiert werden, schreibt Florian Rötzer auf Telepolis: Tokio will Nummernschilder für Fahrräder einführen

Damit soll gegen Fahrrad-Rowdies vorgegangen werden, vor allem aber sollen die Kosten für falsch abgestellte oder im öffentlichen Raum entsorgte Fahrräder gesenkt werden.

Die weiteren Argumente sind den deutschen ganz ähnlich: man will vor allem die Radfahrer sanktionieren, die sich momentan unter dem Deckmantel der Anonymität verstecken. Auch wenn der Verkehr in Japan mutmaßlich etwas anders läuft als in Deutschland, ist zumindest hier der Nutzen eines solchen Kennzeichens zweifelhaft. Jüngst argumentierte sogar die Unfallforschung der Versicherer gegen die Kennzeichnung von Fahrrädern.

„Greenskate“ auf Kölner Straßen

Eine Art Critical Mass mit Skate- und Longboards ist natürlich auch erst einmal eine lustige Idee: „Beim Fahren fühle ich mich frei“, schreibt Martin Bolzt im Kölner Stadt-Anzeiger.

In sozialen Netzwerken riefen Unbekannte zum „Greenskate“ auf. Und über 300 junge Menschen aus ganz Deutschland folgten mit ihrem Longboards, eine Art Skateboard. Die Aktion sollte für eine breitere Akzeptanz des Sports auf Straßen sorgen.

Straubhaar: Radikaler Kurswechsel bei der Pendlerpauschale nötig

Angesichts der horrenden Kraftstoffpreise wird beinahe täglich die Erhöhung der Pendlerpauschale gefordert — Wirtschaftsexperte Thomas Straubhaar fordert eher den umgekehrten Weg: Wirtschaftsexperte Straubhaar fordert Steuer für Berufspendler

In der Debatte um die Pendlerpauschale spricht sich der renommierte Wirtschaftsexperte Thomas Straubhaar für einen radikalen Kurswechsel aus. Die Pendlerpauschale gehöre abgeschafft, die Pendler sollten stattdessen sogar besteuert werden.

Dieses emotionale Thema wird natürlich in den Kommentaren weiter ausdiskutiert — leider nicht immer mit sachlichen Argumenten.

ADFC: Hamburger Polizei noch zu autozentriert

Dem Hamburger ADFC missfällt weiterhin das Vorgehen der Polizei in der Hansestadt: Polizei noch zu autofixiert

Mit ihren aufwändigen Fahrrad-Großkontrollen und der begleitenden Pressearbeit trägt die Polizei leider nicht zur Verkehrssicherheit auf Hamburgs Straßen bei.

Obwohl momentan beinahe täglich die Kampfradler durch die Medien getrieben werden, seien Radfahrer verhältnismäßig selten Schuld an Verkehrsunfällen, wenn man die vorliegenden Zahlen nicht umdeutet. Statt höhere Strafen scheint auch dem ADFC eine angemessene Förderung des Radverkehrs sinnvoll, der ohne die üblichen mangelhaften Hamburger Radwege auskommt.

Die Auswirkungen der Neuseeländer Helmpflicht

Schon etwas länger her, aber leider erst jetzt gefunden: Helmpflicht in Neuseeland unter der Lupe

Colin F Clarke hat bei der New Zealand Medical Association einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Effekte der Helmtragepflicht für Radfahrer untersucht. Neuseeland hat seit 1994 eine Helmtragepflicht eingeführt.

Große Überraschung: zu mehr Sicherheit führt eine Helmpflicht nicht.