Schwalbe Marathon Winter

Auch wenn der bisherige Wintereinbruch kaum seinen Namen verdiente, machen Spike-Reifen wenigstens in den vereisten Wohngebieten noch Freude. Während der Nachbar langsam den Wagen aus der Garage quält, fährt das Fahrrad wie auf Schienen daran vorbei. Obwohl die Spikes unerwartet klein sind, rutscht da wirklich nichts.

Der Hersteller empfiehlt, die Reifen fünfzig Kilometer lang auf einigermaßen trockenem Grund einzufahren, bis sich das Material gesetzt hat. Das gelingt in der Praxis natürlich weniger, denn lange vor dem nicht datierbaren Wintereinbruch will man die Reifen auch noch nicht montieren und am Tag des ersten Schneefalles ist es dafür schon zu spät. Nach den ersten fünfzig Kilometern in den letzten beiden Tagen, davon ein wesentlicher Teil auf bereits geräumter Fahrbahn und freien Radwegen, fehlt hingegen immer noch kein einziger Nagel — das Material hält wirklich etwas aus, laut Schwalbe ließe sich der Reifen theoretisch das ganze Jahr lang fahren. Das ist aufgrund der höheren Reibung allerdings nur bedingt empfehlenswert, denn anstatt einer Reisegeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde komme ich ohne nennenswerte Anstrengung momentan nur noch auf 20. Falls doch mal Spikes abhanden kommen, und das wird im Laufe eines Winters mutmaßlich passieren, gibt es im Netz oder direkt beim Fachhändler günstige Ersatzspikes.

Es empfiehlt sich natürlich, die Reifen auf trockenem Grund prall aufzupumpen, um den Rollwiderstand zu minimieren, bei Bedarf lässt man etwas Luft aus den Reifen und kommt problemlos voran, während manch anderer mit seinen vier Rädern um die Traktion kämpft.

Damit macht Radfahren auch im Winter definitiv Laune — das Wetter kann eigentlich gar nicht schlecht genug sein.

Die Ölspur auf der Fahrbahn und die Radwegbenutzungspflicht

Wer nicht auf dem benutzungspflichtigen Radweg fährt, ist mitschuldig, wenn etwas passiert — das war 1993, Jahre vor Aufhebung der generellen Radwegbenutzungspflicht, durchaus üblich an deutschen Gerichten. Nun sorgt ein neues Urteil für Aufregung: Lieber Straße als Radweg — Radler hat bei Unfall Mitschuld

Ein Radfahrer, der statt eines ausgeschilderten Radweges eine parallel verlaufende Straße benutzt, haftet nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt grundsätzlich mit. Nach Auffassung des Gerichts müssen Radfahrer einen eigens ausgeschilderten Radweg auch benutzen. Wer trotzdem auf der Straße fahre, tue dies letztlich auf eigenes Risiko.

Der Artikel von n-tv ist so umfassend nicht: Es wird nicht einmal auf das Urteil verlinkt. Obwohl in der Überschrift das Wort „Mitschuld“ auftaucht und im Text wenigstens darauf hingedeutet wird, geht die Interpretation in der Fahrradwelt eher in Richtung eines Skandalurteiles — durchaus zurecht, obschon die Rechtslage komplizierter ist.

Der Sachverhalt ist relativ einfach: das Unfallopfer fuhr mit dem Rad auf der Fahrbahn neben einem parallel verlaufenden und als benutzungspflichtig gekennzeichneten Radweg. Auf einer Ölspur kam der Radfahrer ins Schleudern, stürzte und verklagte den Verursacher der Verschmutzung auf Schadensersatz. Das Frankfurter Oberlandesgericht attestierte dem Radfahrer im Urteil hingegen eine Mitschuld von knapp fünfzig Prozent (Urteil vom 28. Oktober 2011, Az.: 24 U 134/11) — das ist, angesichts der Tatsache, dass der Verursacher in der Regel nicht gefunden wird, eigentlich immer noch ein erfreuliches Ergebnis. Motorradfahrer, die unter derartigen Verschmutzungen häufiger zu leiden haben, wären sicherlich froh, wenn der Verursacher überhaupt bekannt wäre.

Der Knackpunkt hingegen ist die Begründung, laut der die ordnungswidrige Nutzung der Fahrbahn an dieser Stelle zur Haftungsminderung des Ursachers geführt habe. Das Gericht sieht in der Radwegbenutzungspflicht eine Schutzfunktion des Radfahrers, die in unter anderem vor derartigen Unfällen schützen solle. Da er sich freiwillig auf die offenbar gefährlichere Fahrbahn begeben habe, müsse er mit den entsprechenden Konsequenzen zurechtkommen.

Diese Sichtweise bietet natürlich schon breite Angriffsfläche aufgrund der durchaus komplexen Materie. Im Urteil werden sogar munter die Begriffe „Fahrbahn“ und „Straße“ durcheinandergeworfen, was ja wenigstens leichte Zweifel an der Kompetenz des Gerichtes aufkommen lässt. Nun hat der Gesetzgeber damals das Instrument der Radwegbenutzungspflicht eingerichtet, um durch die Entmischung der Verkehrsarten die schwächeren Radfahrer zu schützen. Das ist, wie in allzu vielen Städten zu sehen ist, nicht unbedingt geglückt. Es ist aber unwahrscheinlich, dass der Gesetzgeber auch den Schutz vor Ölspuren und ähnlichen Hinterlassenschaften der Kraftfahrzeuge im Sinn hatte. Ansonsten müsste sich jener Schutzzweck auch auf vereiste Fahrbahnen oder Glasscherben erstrecken, die aber auf Radwegen wenigstens ebenso häufig drohen.

Auch eine Ölspur kann sich problemlos auf einem Radweg breitmachen, etwa wenn sich ein Kraftfahrzeug beim misslungenen Radwegparken die Ölwanne aufreißt oder an einer der häufigen Überlappungen der beiden Verkehrsarten in Form von Kreuzungen und Einmündungen. Wenn dort ebenfalls relativ regelmäßig Unfallmöglichkeiten herumliegen, kann der Schutzzweck der Radwegbenutzungspflicht kaum der Schutz vor den gleichen Unfallarten auf der Fahrbahn gewesen sein. Das Urteil folgt an dieser Stelle allerdings der schlanken Überlegung, es gäbe auf Radwegen keine Kraftfahrzeuge und damit keine Ölspuren, ganz ungeachtet der Tatsache, dass der Radweg relativ häufig vom Kraftfahrzeugverkehr gekreuzt wird. An einem innerörtlichen Radweg dürfte gut ein Viertel der Strecke von Autos benutzt werden. Das Argument der Unfallgefahren auf dem Radweg begegnet das Gericht, indem es feststellt, dass der Radfahrer den benutzungspflichten Radweg vor einem Scherbenhaufen zwar verlassen darf, aber gleich die folgende Auffahrmöglichkeit wahrnehmen muss, um sich nicht in die dauerhafte Gefahrensituation auf der Fahrbahn zu begeben, vor der die Radwegbenutzungspflicht schützen soll.

Etwas verquer wirkt vor diesem Hintergrund auch die Tatsache, dass der Gesetzgeber im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte vor nunmehr fünfzehn Jahren die allgemeine Radwegbenutzungspflicht aus der Straßenverkehrs-Ordnung gestrichen hat. Soll ein Radweg aber vor allerlei Ungemach, also auch für Ölspuren auf der Fahrbahn schützen, so müssten Radfahrer auch weiterhin verpflichtet sein, alles zu beradeln, was auch nur entfernt an einen Radweg erinnert. Oder korrespondiert die Wahrscheinlichkeit für Ölspuren in irgendeiner Weise mit der Gegenwart von benutzungspflichtigen Radwegen? Wären die Ansprüche des Radfahrers nicht zur Hälfte abgewiesen worden, wenn jemand die blauen Schilder beiseite geklagt hätte?

Insofern reiht sich das Oberlandesgericht Frankfurt mit seinem Urteil in die lange Reihe der etwas verqueren Urteile ein. Es ist hingegen unwahrscheinlich, dass das Unfallopfer auf aufgrund einer anderen Urteilsbegründung einen höheren Schadensersatz hätte erstreiten können.

Freie Fahrt in Jever

Auch drüben in Friesland fallen die Radwegbenutzungspflichten: Radfahrer dürfen Radweg meiden

Der Beschluss bezieht sich allerdings auf einen außerörtlichen Radweg, bei dem aufgehobene Radwegbenutzungspflichten nicht immer so unkritisch sind. Klar, innerorts ist man als Radfahrer in der Regel auf der Fahrbahn nicht nur sicherer, sondern auch schneller und komfortabler unterwegs. Außerorts sind die Radwege zwar ebenfalls in einem bemitleidenswerten Zustand, doch mangelt es dort sowohl am regen Fußgängerverkehr als auch an häufigen Einfahrten und Kreuzungen, so dass wenigstens das Unfallrisiko deutlich geringer sein dürfte. Insofern stellt sich die Frage, ob man angesichts des häufig missachteten Sichtfahrgebotes wirklich das Risiko eingehen möchte, nachts in einer schlecht einsehbaren Kurve über den Haufen gefahren zu werden. Außerdem dürfte das Aggressionspotenzial der Autofahrer aufgrund des großen Geschwindigkeitsunterschiedes noch deutlicher ausfallen, so dass dort womöglich sogar mit vorsätzlichen Gefährdungen zu rechnen ist.

Der Mythos von der Entkriminalisierung der Autofahrer

Momentan verbreitet sich diese Zeilen in der aufgeregten Fahrradfahrer-Welt:

Es regnet und es ist dunkel — das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge spiegelt sich auf der nassen Straße. Auf der Rückbank quengelt ein Kind. Der Fahrer dreht sich kurz nach hinten. Als er wieder nach vorne sieht, taucht unvermittelt eine Warnweste vor ihm auf. Es kracht. Die Bremsen quietschen — zu spät. Auf der Fahrbahn liegt ein schwer verletzter Radfahrer, der später im Krankenhaus stirbt. Der Autofahrer kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank.

Pardon, der Text lautet natürlich anders, der Radfahrer trug ja gar keine Warnweste:

Es regnet und es ist dunkel — das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge spiegelt sich auf der nassen Straße. Auf der Rückbank quengelt ein Kind. Der Fahrer dreht sich kurz nach hinten. Als er wieder nach vorne sieht, taucht unvermittelt ein Schatten vor ihm auf. Es kracht. Die Bremsen quietschen — zu spät. Auf der Fahrbahn liegt ein schwer verletzter Radfahrer, der später im Krankenhaus stirbt. Der Autofahrer kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank.

Natürlich muss man diskutieren: hätte ein unaufmerksamer Autofahrer, der gar nicht nach vorne sieht, den Radfahrer mit Warnweste besser erkannt als ohne?

Nur: man muss gar nicht diskutieren, denn die Geschichte stimmt so nicht. Stattdessen steht im Artikel auch die vernünftige Schlussfolgerung:

Der ACE sei aber gegen ein „privilegierendes Sonderrecht“ für Verkehrssünder. Straftaten im Verkehr dürften nicht zu Ordnungsdelikten herabgestuft werden. Dies gelte vor allem, weil in vielen Fällen eine vom Fahrer bewusst in Kauf genommene gefährliche Fahrweise zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen führe. Eine mildere Sanktionierung fahrlässiger Tötungen im Straßenverkehr als bisher ließe sich nur schwer vermitteln.

Die Liste der schließlich getroffenen Empfehlungen liest sich dagegen sehr viel angenehmer, auch bezüglich Helmpflicht, Bierbikes und Segways.

Hamburg ist neon-gelb

Das neue Jahr beginnt mit strahlenden Aussichten für Hamburgs Radfahrer, freut sich die WELT:

Strahlende Aussichten: Immer mehr Hamburger wappnen sich mit Warnwesten gegen die schlechten Wetterbedingungen – und sorgen so für mehr Sicherheit.

Diesen Zusammenhang kann man so beschreiben, muss man aber nicht — wenigstens der hinten dran geschobene Satz sollte korrekterweise lauten: „Und gleichen damit unaufmerksame Fahrweisen der Autofahrer aus.“

Keine Frage: Sichtbarkeit ist im Straßenverkehr wichtig. Vor zwei Monaten schon erschien auf dieser Webseite ein Artikel über das Radfahren mit Warnweste, der schon damals bilanzierte, dass eine Warnweste zwar den einzelnen Radfahrer prinzipiell zu schützen vermag, für den Radverkehr insgesamt aber mutmaßlich keine positiven Auswirkungen bezüglich der Sicherheit zeigen wird. Die komplette Argumentation kann im damaligen Artikel nachgelesen werden.

Die WELT schreibt nun:

Auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause kommt es, gerade im Winter, zwischen Fahrrad- und Autofahrern häufig zu Kollisionen. Sind die Personen bei Dunkelheit jedoch gut zu erkennen, verringert sich die Gefahr eines Unfalls drastisch.

Soweit, so korrekt. Umgekehrt betrachtet lassen sich Autofahrer dank der neongelben Radfahrer immer weiter vom Sichtgebot befreien. Beinahe jeder Radfahrer hatte schon mindestens einmal mit einem Autofahrer zu tun, der trotz allerbester Sichtverhältnisse die Vorfahrt des Radfahrers missachtete oder beim Ausparken beinahe den Radfahrer auf die Motorhaube nahm. Häufig heißt es dann: „Ich habe Sie gar nicht gesehen!“ Korrekt wäre sicherlich: „Ich habe nicht aufgepasst“, „Ich habe nebenbei SMS getippt“ oder „Ich habe am Navigationsgerät gespielt.“

Es gibt für den Kraftfahrzeugverkehr keinen Anspruch, dass sich sämtliche Hindernisse mit gelben Warnleuchten ausstatten, überall die Straßenbeleuchtung funktioniert und alle Verkehrsteilnehmer, die nicht hinter dem Steuer sitzen, sondern zu Fuß, auf dem Rad oder Motorrad unterwegs sind, eine Warnweste tragen, damit das Autofahren möglichst leicht und einfach von der Hand geht. Ein Fahrzeugführer ist stets verpflichtet, nach Hindernissen Ausschau zu halten, innerorts noch mehr als auf der in der Regel nicht von Menschen aufgesuchten Autobahn. Daraus folgt nun auch, dass er etwa beim Abbiegen gründlich Ausschau halten muss, ob sich auf dem parallel verlaufenden Radweg womöglich ein Radfahrer nähert, anstatt den Schluss zu ziehen, dass sich alles wichtige schon selbst mit einer Weste kennzeichnen wird.

Das Ziel sollte nun eigentlich nicht sein, alle schwachen Verkehrsteilnehmer mit einer Warnweste auszustatten, damit der Autoverkehr ungestört rollen kann, sondern vielmehr den Autoverkehr so weit zu reglementieren und die Verkehrsinfrastruktur so weit umzugestalten, dass sich alle Verkehrsteilnehmer ohne übertriebene Schutzvorrichtungen im öffentlichen Raum bewegen können. Stattdessen heißt es aber:

Der knallige Trend fällt auch den Polizeibeamten immer häufiger auf. Sie begrüßen die steigende Sensibilisierung der Passanten, Oberbekleidung zu tragen, die den Licht- und Sichtverhältnissen der Jahreszeit angepasst ist. Deshalb denkt die Polizei nun über eine Broschüre nach, die die Wichtigkeit von Reflektorwesten untermauern soll.

Man muss sich eigentlich erst einmal klar machen, wie grotesk diese Zeilen eigentlich sind: die Polizei schätzt die Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern durch Kraftfahrzeuge so groß ein, dass es sogar eine Broschüre zu dem Thema geben soll. Aber nicht etwa eine an den Kraftfahrzeugverkehr adressierte Broschüre zum richtigen Verhalten in der dunklen Jahreszeit, sondern Empfehlungen über Warnwesten für die schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Warnwesten können zwar im Gegensatz zum Fahrradhelm schon präventiv einen Unfall verhindern, sind aber längst kein Allheilmittel: sie leuchten nämlich nur bei Tageslicht. Die grelle Tagesleuchtfarbe reagiert auf ultraviolette Strahlung, so dass die nächtlichen Reflektionseigenschaften der gelben Leibchen kaum Unterschiede zu einer etwas helleren Jacke aufweisen. Lediglich die Reflektionsstreifen sind im Scheinwerferlicht sichtbar, aber leider allzu oft von Rucksäcken, Taschen oder gar Kapuzen verdeckt.

Selbst wenn: eine Warnweste macht keinen Radfahrer sichtbar, der auf einem Radweg entlangfährt, der nicht direkt parallel zur Fahrbahn, sondern hinter einem Grünstreifen oder gar hinter parkenden Autos geführt wird — dort ist er schon physikalisch gesehen unsichtbar. Auf einem Radweg neben der Fahrbahn ist der Radfahrer zwar prinzipiell sichtbar, dringt aber nicht sofort in das Bewusstsein des Autofahrers: der Radler ist schließlich außerhalb der Fahrbahn und für den Autofahrer zunächst unerheblich. Probleme gibt es in beiden Fällen erst beim Abbiegen, wenn der Radfahrer unvermittelt auf der Motorhaube liegt. Denn nachts ist mit der Tagesleuchtfarbe nunmal nichts zu gewinnen und die Reflektionsstreifen leuchten auch nicht, wenn sich der Radfahrer nicht im Scheinwerferlicht des Autos bewegt.

Statt Warnwesten zu empfehlen, könnte die Broschüre auch andere Hinweise enthalten. Etwa die Aufforderung, gefährliche, weil unsicher geführte Radwege zu meiden und stattdessen auf der Fahrbahn im Blickfeld des Kraftfahrzeugverkehres zu radeln. Oder auf funktionierende Beleuchtung, Reflektoren und Bremsen zu achten, die deutlich effektiver sind als jede Warnweste. Und eben die Aufforderung an den Kraftfahrzeugverkehr, nachts ganz besonders aufmerksam zu fahren und mit schlecht sichtbaren Verkehrsteilnehmern zu rechnen.

Es muss wohl an dem deutschen Verständnis einer Automobilnation liegen, dass auf diese Idee niemand kommt. Stattdessen helfen die schwachen Verkehrsteilnehmer weiter mit beim Aufbau der autogerechten Stadt im 21. Jahrhundert, in der man sich ohne Warnwesten offenbar nicht mehr sicher außerhalb der eigenen vier Wände bewegen kann.

Vermutlich finden nicht-getragene Warnwesten bei Radfahrern und Fußgängern bald Einzug in die Unfallberichte — ganz analog zu der bereits üblichen Erwähnung eines nicht getragenen Fahrradhelmes.

Fahrradfahren verlängert das Leben

Schnellfahren verlängert Leben

Radfahren ist gesund und kann das Leben um mehrere Jahre verlängern. Das finden dänische Forscher nun heraus und geben sogar konkret berechnete Zahlen für Schnellfahrer und Langsamradler an.

Bayern will unnötige Autofahrten vermeiden

Innenminister Herrmann: „Vielzahl unnötiger Autofahrten“

„Wir müssen versuchen, die Menschen gerade für die kurzen Strecken mehr aufs Fahrrad zu bringen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen ist eine Aufgabe der Zukunft“, sagte Herrmann am Donnerstag in einem Vortrag beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Bayern e.V. (ADFC). Er lehne nicht andere Verkehrsmittel ab, „aber es gibt eine Vielzahl von unnötigen Autofahrten.“

Hamburg träumt wieder von der Helmpflicht

Neues Jahr, neues Glück — Das Hamburger Abendblatt berichtet über einen neuen Versuch der Hamburger Politik zur Einführung der Helmpflicht: Hamburg will bundesweite Helmpflicht für junge Radfahrer

Nach zwei ganzen Absätzen über Unfallzahlen und deren Ursachen ist besonders dieser Satz interessant:

Offen ist, ob eine mögliche Helmpflicht für Minderjährige in Deutschland mit Geldbußen durchgesetzt werden soll und Eltern in Haftung genommen werden.

Eine Helmpflicht ohne Werkzeug zur Durchsetzung ist so interessant wie die bereits jetzt bestehende „Helmpflicht-light“ von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der Radfahrern mit einer Helmpflicht drohte, sofern denn nicht wenigstens fünfzig Prozent freiwillig einen Helm aufsetzen sollten. Unklar ist die Formulierung des Autors bezüglich der Haftung der Eltern: sollen die jeweils nur das Bußgeld begleichen oder ob die Eltern bei einem Unfall die Kosten tragen sollen, die von den Versicherungen aufgrund des nicht oder des falsch getragenen Helmes abgelehnt werden?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club kommt, wie bei solchen Artikeln schon beinahe übrig, lediglich mit einem kurzen Schlusssatz zu Wort:

Der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Dirk Lau, sagt, die Helmpflicht „ist keine Lösung“. Er hält sie für wirkungslos.

Schade, dass Dirk Lau seine Bedenken nicht weiter präzisieren durfte, denn mit einem solch kurzen Plädoyer wird der ADFC wieder nur als Gruppierung radfahrender Spinner dargestellt, die sich in Furcht vor einer Einschränkung der persönlichen Freiheit gegen eine Helmpflicht positionieren.

Parallel dazu gibt es noch weitere Artikel beim Abendblatt: Hamburgs große Helm-Koalition. Dort stehen auch ganz erhellende Sachen:

Nun also ein neuer Anlauf. Klar ist: Ein Helm alleine kann keinen einzigen Unfall verhindern. Und doch scheinen internationale Vergleiche den Fraktionen recht zu geben. Sie belegen: Eine gesetzliche Fahrradhelmpflicht stellt ein „wirkungsvolles Mittel dar, um sowohl die allgemeine Helmtragequote zu erhöhen als auch die Zahl und den Anteil schwerer Unfallverletzungen von Radfahrern zu senken“.

Der zweite Satz stimmt immerhin noch, ab dann wird’s falsch. Eine Helmpflicht ist gerade eben noch ein wirkungsvolles Mittel, um die Helmtragequote zu steigern, aber ganz bestimmt kein wirkungsvolles Mittel, um die Sicherheit im Radverkehr tatsächlich zu erhöhen, das beweisen die zitierten Beispiele aus anderen Ländern übrigens recht eindeutig.

Leider kommt — wie bei dem Thema schon beinahe üblich — keine alternative zur Helmpflicht zur Sprache. Ein Helm schützt nicht vor Unfällen, vielleicht aber vor deren Auswirkungen, mit einem vernünftigen Radverkehrssystem ließen sich sogar Unfälle vermeiden — aber dazu fehlt zu oft der Wille in der Politik. Das Problem beginnt bereits bei seltsamen Radverkehrsanlagen, die Radfahrer durch Gefahrenbereiche führen und aufgrund ihrer oberflächlichen Beschaffenheit beinahe gänzlich untauglich sind und endet bei der mangelnden Regelkenntnis der Radfahrer, die im falschen Glauben an die Sicherheit auf linksseitigen Radwegen oder Gehwegen unterwegs sind und plötzlich an einem aus einer Ausfahrt rollenden Auto enden.

Da hilft ein Helm nur noch mit ziemlich viel Glück.

Berlin: Ausstellung über dänische Fahrradkultur

Drüben in Berlin gibt’s noch bis Ende Februar ziemlich viele eindrucksvolle Fotos aus Kopenhagen zu sehen: Fahrradkultur auf Dänisch

Kopenhagen ist ein Paradies für Radfahrer. Eine Ausstellung im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin zeigt, was wir von Dänemark lernen können.

Die Stadt der Zukunft

Man muss ja zugeben, dieses Kunstwerk ist ja durchaus beeindruckend, gar keine Frage:

Nur als „Stadt der Zukunft“ möchte man es dann doch nicht bezeichnen. Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass in der Zukunft Mobilitätskonzepte gefunden werden, die keinen breiten Autobahnen quer zwischen die Hochhäuser nötig machen.