Grüne Welle für Radfahrer

Die deutsche Verkehrsplanung scheitert in der Regel schon in kleineren Städten mit lediglich einer Hauptverkehrsstraße an der Einrichtung einer grünen Welle für Autofahrer — an eine grüne Welle für Radfahrer ist im Land der Bettelampeln, Hochbordfahrradwege und indirektem Linksabbiegen über zwei bis vier Ampelphasen gar nicht zu denken.

Odense zeigt exemplarisch, wie man eine solche grüne Welle lösen könnte, wenngleich auch leider nur über eine recht kurze Strecke:

Rollende Bürgersprechstunde mit Lars Kocherscheidt-Dahm

Am Samstag, den 5. November um 10 Uhr, veranstaltet der Hamburger ADFC eine rollende Bürgersprechstunde mit dem SPD- Bezirksabgeordneten Lars Kocherscheidt-Dahm. Treffpunkt ist am Bahnhof Tonndorf an der Stein-Hardenberg-Straße.

„Das Auto macht uns total verrückt“

Die Zeit hat wieder ein sehr langes und überaus interessantes Interview zum Thema Mobilität geführt, dieses Mal mit Verkehrsplaner Hermann Knoflacher, der mit seinem „Gehzeug“-Konzept ein Begriff sein sollte: „Das Auto macht uns total verrückt“

Schade nur, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nach dem dritten Absatz abbrechen werden:

(…) Einen unglaublichen Einfluss. Das Auto ist wie ein Virus, das sich im Gehirn festsetzt und Verhaltenskodex, Wertesystem und Wahrnehmung total umkehrt. Ein normaler Mensch würde unseren derzeitigen Lebensraum als total verrückt bezeichnen! Wir ziehen uns mehr oder weniger freiwillig in abgedichtete Häuser mit Lärmschutzfenstern zurück, um den Außenraum dem Krach, dem Staub und den Abgasen der Autos zu überlassen. Das ist doch eine völlige Werteumkehr, die uns nicht einmal mehr auffällt. (…)

Leider gerät man sehr leicht in esoterisch anmutende Thesen, will man den momentanen Zustand unserer Gesellschaft beschreiben — das gilt leider nicht nur für das Thema Mobilität in unserer autozentrierten Welt. Schon nach ein paar Sätzen gilt man als Verschwörungstheoretiker, Spinner oder Öko-Freak, der nur auf dem Rad sitzt, weil er sich kein Auto leisten kann. Versucht man allerdings, das Thema auf gesprächstaugliche Argumentationen herunterzubrechen, lässt sich die Komplexität des Problemes kaum noch darstellen.

Hamburg: Fahrradstadt der Zukunft?

Falls jemand Lust und Zeit hat: am Montag, den 14. November, 18.30 Uhr veranstaltet die Patriotische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eine Diskussionsveranstaltung zu dem wohlklingenden Thema „Hamburg — Fahrradstadt der Zukunft?“

Beginn ist um 18.30 Uhr im Reimarus-Saal, Trostbrücke 6. Es wird um Anmeldung bis zum 10. November gebeten.

Runter vom Rad, rein ins Auto

Fahrradfahren ist auch dermaßen peinlich. Man ist an der frischen Luft, bleibt in Bewegung und gesund und nicht im Stau stecken und muss noch nicht einmal lange einen Parkplatz suchen. Kein Wunder, dass der Radfahrer beschämt die Hand vors Gesicht hält.

Peinlich für General Motors: die angesprochene Zielgruppe fand die Aktion nicht so sehr witzig. Die Mashups auf die Werbekampagne sind durchaus sehenswert.

Peter Ramsauer liebäugelt schon wieder

Der Sommer ist seit einem Monat vorbei, das Sommerloch noch lange nicht: Ramsauer liebäugelt mit Helmpflicht für Radfahrer

(…) Der Erfolg des Fahrrades bringt auch eine Menge Probleme: Die Zahl der Unfälle mit schweren oder gar tödlichen Verletzungen ist weiterhin alarmierend hoch. Für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist das nicht hinnehmbar – und er weiß auch genau, wessen Aufgabe es ist, für Abhilfe zu sorgen. Die Radfahrer sollen sie von sich aus mit Helm fahren – oder die Bundesregierung macht den Kopfschutz zur Pflicht. „Wenn sich die Helmtragequote von neun Prozent nicht signifikant auf weit über 50 Prozent erhöht in den kommenden Jahren, dann muss man fast zu einer Helmpflicht kommen“, sagte Ramsauer am Dienstag in Berlin. (…)

Soweit nichts neues. Besorgniserregend geht’s weiter:

(…) Es bereite ihm große Sorge, dass etwa jeder zweite tödliche Fahrradunfall auf schwere Kopfverletzungen zurückgehe. (…)

Aha, na prima, dann wird die Bundesregierung mit Herrn Peter Ramsauer als treibende Kraft sicher etwas unternehmen, um die Straßen für Radfahrer sicherer zu machen. Bis zum Ende des Artikels findet sich dazu… nichts.

Man kommt nicht umhin, bei der Helmpflicht auch das sensible Thema der unsinnigen Radverkehrsführungen anzusprechen, bei denen Radfahrer mit entsprechender Beschilderung auf holprige Radwege gezwungen werden, um sich an der nächsten Kreuzung von den Rechtsabbiegern gefährden zu lassen, oder aber so dicht an Bushaltestellen, Hauseingängen und Ausfahrten vorbeigeführt werden, dass es alle paar hundert Meter zu gefährlichen Situationen kommt. Die meisten Radfahrer sind so sehr an die widrigen Umstände des Radfahrens gewöhnt, dass es grundsätzlich normal ist, auf seine Vorfahrt zu verzichten.

Das grundsätzliche Problem an so manchem Fahrradunfall dürfte das Unwissen der Beteiligten sein, denn außer in der Grundschule, wo die jungen Radfahrer lernen, mit dem Rad nicht umzukippen, auf der weiterführenden Schule, wo behelmte Wassermelonen von der Leiter geworfen werden, und in der Fahrschule, wo das Wort Radfahrer mit etwas Glück beim Thema Autobahn fällt, die von einem Radfahrer nicht befahren werden dürfen, findet keinerlei Fahrradunterricht statt.

Nun muss man nicht gleich auf die Einführung eines Fahrradführerscheines drängen, aber es wäre hilfreich, wenn Radfahrer in der Autonation Deutschland nicht langer bloß als beräderte Fußgänger gelten müssten, die sich mehr schlecht als recht durch den Straßenverkehr kämpfen. Den meisten Radfahrern dürfte gar unbekannt sein, welchen Straßenteil sie überhaupt befahren dürfen. Während die Fahrbahn von den meisten Radfahrern aus trügerischem Sicherheitsgefühl gemieden wird, ist man auf Rad- und Gehwegen hingegen fröhlich in beiden Fahrtrichtungen unterwegs. Dass mit dem Aufsteigen aufs Rad gleich vollkommen unterschiedliche Verkehrsregeln im Gegensatz zu Fußgängern gelten, dürfte ebenso unbekannt sein — vermutlich ist es nur dem ähnlichen Unwissen der Autofahrer zu verdanken, dass Radfahrer am Fußgängerüberweg nicht gleich reihenweise umgefahren werden.

Autofahrer sind im Allgemeinen noch schlechter über die Radverkehrsregeln informiert, denn wer lieber auf vier Rädern unterwegs ist, wird sich nur selten über die widrigen Regeln Gedanken machen, mit denen Radfahrer im Allgemeinen kämpfen. Unvergessen ist die Selbstjustiz, mit denen Radfahrer auf Radwege gedrängt werden sollen, die möglicherweise nicht benutzungspflichtig sind und womöglich noch von Wurzelaufbrüchen, Mülltonnen und parkenden Autos versperrt werden. Beim Abendessen beschwert sich der Vater, dass „diese Radfahrer“ ständig gegen die Einbahnstraße führen, obwohl das mit Zusatzschildern seit Jahren erlaubt ist. Tatsächlich gab es schon motorisierte Verkehrsteilnehmer, die ganz überraschend von den Polizeibeamten erfuhren, dass der Radverkehr den normalen Vorfahrtsregeln unterliegt und der angefahrene Radfahrer aus der rechten Querstraße Vorfahrt hatte.

Es gibt also tatsächlich eine ganze Menge an Problemen, an deren Behebung man für die Sicherung des Radverkehrs angreifen könnte. Herr Peter Ramsauer, mutmaßlich eher selten bis nie mit dem Rad unterwegs, was leider auch für die meisten Mitarbeiter von Straßenverkehrsbehörden gelten dürfte, will aber leider nicht die Unfallrisiken für Radfahrer senken. Man möchte beinahe zynisch behaupten, Radfahrer sollten ruhig weiter im Straßenverkehr verunfallen, dann aber theoretisch nicht so häufig sterben.

Obwohl man über die Wirksamkeit von Fahrradhelmen prächtig streiten kann, sind die Nebenwirkungen einer allgemeinen Helmpflicht durchaus plausibel: der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr sinkt — so geschah es wenigstens in all jenen Staaten nach der Einführung der Helmpflicht. Es ist dabei unerheblich, um Verkehrsteilnehmer aus Angst um ihre Frisur, aus Stolz oder aus Zweifeln an der Helmwirksamkeit nicht mit Fahrradhelm fahren wollen. Das Phänomen dürfte jeder Motorradfahrer bei der Ausfahrt während der ersten Frühjahrstagen kennen: die vierrädrigen Verkehrsteilnehmer sind weder an die Erscheinung eines Motorrades gewöhnt noch an dessen mögliche Geschwindigkeiten.

Natürlich gibt es noch eine ganze Weile ungeklärter Probleme. Wer etwa erklärt Kindern, dass ein Helm im Straßenverkehr Pflicht ist, auf dem Spielplatz aber auf keinen Fall getragen werden darf? Und falls die Fahrradverleihstationen, die sich momentan aufgrund der Popularität des Zweirades wachsener Beliebtheit erfreuen, auch einen Helmverleih anbieten, wer kontrolliert denn, ob ein solcher Helm überhaupt noch sicher und nicht schon mehrmals auf den Asphalt geprallt ist?

Überhaupt darf man davon ausgehen, dass die Versicherungen die Helmpflicht gerne nutzen werden, um bei Unfällen die Zahlung zu verweigern, falls kein Helm oder der Helm nicht vorschriftsmäßig getragen wurde — die Radfahrer, die heutzutage mit Helm unterwegs sind, tragen zwar einen Helm, in den seltensten Fällen allerdings so, dass er bei einem Unfall tatsächlich seine maximale Schutzleistung entfalten könnte.

Der rechtliche Rahmen zur Helmpflicht ist übrigens nicht so einfach, wie Herr Peter Ramsauer das gerne hätte. Und falls er in den nächsten Wochen ein neues Thema abseits des Radverkehrs zur Steigerung der eigenen Popularität sucht: die Bundesrepublik Deutschland hat seit nunmehr zwei Jahren keine gültige Straßenverkehrsordnung mehr und mit den versprochenen Wechselkennzeichen geht es noch immer nicht so recht voran. Und es gibt noch eine Reihe weiterer Tätigkeiten außer Fahrradfahren, bei denen Kopfverletzungen die Haupttodesursache sind.

Eines hingegen ist sicher: eine wirkliche Verbesserung des Radverkehres wird es zumindest von Herrn Peter Ramsauer nicht geben.

Immerhin: auch am Ende des SPIEGEL-Artikels weiß man nicht so recht, wie einem eigentlich geschieht.

(…) Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) lehnt hingegen eine Helmpflicht ab. (…) Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) befürchtet, dass die Pflicht eher die Gefährdung erhöhen wird, weil viele sich dann wieder ins Auto setzten. (…) kritisierte der ADFC.

Man darf mutmaßen, dass in einem der beiden Absätze eigentlich der ADAC gemeint sein dürfte — welcher das ist, kann man aufgrund der Kongruenz der Meinungen gar nicht erkennen.

Rollende Bürgersprechstunde mit Bernd Schrum

Der Hamburger ADFC veranstaltet am Samstag, den 22. Oktober um 11 Uhr eine rollende Bürgersprechstunde mit Bernd Schrum, dem Vorsitzenden des Ausschusses Verkehr und Inneres der Bezirksversammlung Bergedorf. Treffpunkt ist am S-Bahnhof Bergedorf am Ausgang Johann-Meyer-Straße.

Wie man Radfahrer in die Ecke stellt

Der Reportage „Radler, Rowdies, Raser– Fahrradfahrer als Risiko im Straßenverkehr“ von „Zur Sache Baden-Württemberg“ mangelt es an so ziemlich allem, was einen gut recherchierten Fernsehbeitrag ausmacht. Sehenswert bleibt das vierminütige Lehrstück trotzdem allein schon wegen der beispielhaften Weise, mit der Fahrradfahrer als bösartig dargestellt werden. Natürlich sind einige Kritikpunkte des Beitrages durchaus berechtigt, doch endet die Recherche unmittelbar nach dem Griff zur Kamera, denn eine Ursachenforschung findet überhaupt nicht statt — stattdessen wird wie immer das Verhalten eines oder mehrerer nicht regeltreuer Radfahrer auf alle deutschen Radfahrer hochgerechnet.

Wie immer lohnt auch ein Blick in das dazugehörige Diskussionsforum.

Rollende Bürgersprechstunde mit Henrik Strate

Die rollende Bürgersprechstunde des Hamburger ADFC führt am Sonntag, den 9. Oktober, quer durch Altona. Mit dabei ist Henrik Strate, Fachsprecher Verkehr in der SPD-Fraktion der Bezirksversammlung Altona. Treffpunkt ist am S-Bahnhof Holstenstraße, Ausgang Stresemannstraße, um 15 Uhr.